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Die neue Welt · 1934-12-14 · Heft 422 (14.12.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 422 (14.12.1934)
Date
1934-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit© 4 DIE NEUE W1LT Nr. 422 tvurdo und \v c r sie verschüttet hat. Das Streben nach dem höchsten Ziele, nach dem Jude'nstaat, konnte jenen hingebungsvollen jüdischen Patriotismus und jene unbegrenzte Opferbereitschaft hervorrufen, welche die jüdische Jugend Hunger, Krankheit und blutige Kämpfe auf sich nehmen ließen, um Palästinas Boden zu erobern, zu halten und zu schützen. Die Arbeiterpartei von Zemaeh hat es über sich gebracht, marxistischen Materialismus und Klassenziele vor die Judenstaatsidec zu stellen und mit den Brith- Schalom-Leuten um Bentwich auf Kongressen das B ekenntnis zum Judenstaat abzulehnen, gegen die Festsetzung des Endzieles „Judenstaat" die Hände zu heben. Und das angesichts einer Jugend, von der man höchsten Idealismus und Einsatz aller Kräfte fordert! Nein! Um ein Klassenideal, dem man auch in Moskau oder anderswo dienen kann, nur um ein Kulturideal, um ein binationales arabisch-jüdisches Palästina, ein neues jüdisches Ghetto im arabischen Asien, kämpft man nicht mit Einsatz aller Kraft und Leistung allerschwerster Opfer um den Boden Palästinas. Mit solchen Ideen in Kopf und Herz folgt man leicht dem Zuge zum höheren Lohn und zum bequemeren Leben, dem Zuge vom Dorf zur Stadt. Die Idee vom Judenstaat, jüdischer Patriotismus, muß wieder Herr im Zionismus über das jüdische Palästina werden. Sonst wird man sich immer tiefer und tiefer vor dem Götzen Profit neigen, der in den Städten thront. Um den mnerzionfetisdien Frieden Jabotinsky stellt Vertragsbruch fest Im Warschauer Tagblatt „Moment" ist am 7. Dezember ein großer Artikel Jabotinskys erschienen, in welchem gegen die Zionisten-Sozialisten die Anklage des Vertragsbruches erhoben wird. Jabotinsky behauptet, daß der vor vier Wochen zwischen ihm namens der Zionisten-Revisionisten und Ben Gurion, namens der zionistischen Exekutive und der Arbeiterpartei abgeschlossene, unterfertigte und veröffentlichte Friedenspakt nach kaum zweiwöchentlichem Bestände seitens der hinter Ben Gurion Stehenden gebrochen wurde. Jabotinsky nimmt auf den auch in unserem Blatte erwähnten Aufruf der palästinensischen Leitung des „Haschomer Hazair", der Hauptorganisation der zionistisch-sozialistischen Jugend, Bezug. In diesem Aufruf wird, so erklärt Jabotinsky, die B 1 u 11 ü g e gegen den Revisionismus, d. h. die Bezeichnung der Revisionisten als Schuldige an der Ermordung Arlosoroffs, neuerlich verbreitet. Er erhebt Anklage gegen die Tageszeitung „Dava r", offizielles Organ der Arbeiterpartei in Palästina, weil sie diesen Aufruf veröffentlicht hat. Jabotinsky beruft sich auf den Punkt des Friedenspaktes, welcher den vertragschließenden Gruppen verbietet, den Gegner zu verleumden und zu schmähen. Er fordert die sofortige Vorladung der Leitungen des „Haschomer Hazair" und des „Davar" vor das im Vertrage vorgesehene Gericht. Der Parteirat der Poale Zian macht Vorbehalte Aus Warschau: (J. T. A.) In Warschau hat soeben eine Sitzung des Parteirates der Poale Zion- Hitachduth mit Delegierten aus Polen, Palästina, Deutschland, Rumänien, Lettland und anderen Ländern stattgefunden. Die Sitzungen waren vertraulich. Wie der JTA.-Vertreter erfährt, wurde auch zu dem Abkommen mit den Revisionisten Stellung genommen, bzw. wurden Vorbehalte betreffend die Durchführung des Abkommens gemacht. Die Resolutionen wurden nach Palästina gesandt, wo sie der Konferenz der palästinensischen Arbeiterpartei (Miflagat Poale Erez Jisrael) vorliegen werden. Ein bezeichnendes Dementi Wir brachten in unserer letzten Nummer die J. T. A.-Meldung aus Warschau, daß dort Poale-Zionisten eine revisionistische Versammlung mit Stinkbomben ausgeräuchert haben. Der Versammlung wohnte der im Arlosoroff-Prozeß des Mordes angeklagte und freigesprochene palästinensische Revisionist Stawski bei. In der Meldung wurde hervorgehoben, daß nicht „rechte" Poalezionisten, welche der Zionistischen Weltorganisation angehören und dem „Friedenspakt" unterworfen sind, sondern „linke" Poalezionisten, welche schon vor langer Zeit aus der zionistischen Organisation ausgetreten sind, die Bombenwerfer waren. Nun aber gibt die J. T. A. folgende „Richtigstellung" aus: „Warschau, 11. Dezember. (J. T. A.) Die Stinkbombe gegen den Revisionisten Stawtiki im Theater Novosti (s. Z. T. A. Nr. 279, S. 4) ist nicht von linken, sondern von rechte n Poale-Zionlsten geschleudert worden.' Wie zu ersehen, logt man also <n Warschau besonderen Wert auf die Feststellung, daß gerade die durch den Friedenspakt Jabotinsky-Ben Gurion verpflichteten Poalezionisten die Stinkbomben geworfen, sich also in unzweideutiger Form über den Pakt hinweggesetzt haben. Spaltung der „Allgemeinen" Zionisten in Palästina Die Berliner „Jüdische Rundschau" berichtet über die in der Vorwoche in Tel-Awiw abgehaltene Konferenz der „Allgemeinen Zionisten Palästinas" wie folgt: „Die S n a 11 u n g innerhalb der „Allgemeinen Zionisten" gebt noch weiter, als sich in den Listen der Konferenz erkennen läßt. Dana dar fpöAU Twi 4«r Judenstaat§partei Oesterreichs Versammlti ngskalender Graz: Samstag, den 15. Dezember, große Versammlung. Redner: Oberbaurat Ing. Robert Stricker (Wien), über „Die jüdische Weltlage, Judennot und Judenstaat". Leoben: Sonntag, den 16. Dezember, 8 Uhr abends, Generalversammlung der Ortsgruppe Leoben. Referat: Theodor Grubner (Wien). In Wien Bezirksgruppe P rat er: Sonntag, den 16. Dezember, 8 Uhr abends, große Massenversammlung im Judenstaatshelm, II.. Kleine Zufahrtstraße 166. Thema: Jüdische Fragen der Gegenwart. Redner: Fritz Richter, Dr. S. W o I f. X V I. - X V 11. Bezirk: Montag, den 17. Dezember, <49 Uhr abends, Cafe Baldlahof, XVt, Ottakrlngerstraße 102, Versammlung. Thema: „D l c Lage der Juden in der Galuth und in Pal&'stln a." Redner: Oberbaurat Robert Stricker, Fritz Richter, Theodor Grubner. XIII.-XV. Bezirk: Dienstag, den 18. Dezember. }49 Uhr abends, „Esra-Heim", XV.. Schanzstraße 32, Vortrag: „Völkerbund und Minoritäten rech t." Redner: David Nebenzahl. Judenstaatsjugend: Dienstag, den 18. Dezember, '49 Uhr abends, Judenstaatsheim. I., Werdertorgasse 14. Seminar jüdischer Geschichte. Vortragender: Viktor Rosenfeld. Mittwoch, den 1». Dezember, I4d Uhr abends, Judenstaatsheim, I., Werdertorgassc 14, Vortrag. Redakteur Dr. Rudolf Reti: Weg und Ziel jüdischer Musik. Es wirken mit: Professor Joachim Stutschowsky (Violoncello) und Robert Walter Spitz (Klavier). VI.-VII. Bezirk: Mittwoch, den 19. Dezember, WJ9 Uhr abends. Cafe Patria, VI., Mariahilferstraße 121 Versammlung. Thema: „Jüdische Probleme der Gegenwart." Redner: Th. Grubner, Rabb. Dr. I. Z. Kanner, Fritz Richter. deutschen Allgemeinen Zionisten, der sich in „Kidmah" zusammengefunden hat. lehnte überhau p t ab, sich an der Konferenz zu beteiligen und stellte sich damit außerhalb des palästinensischen Verbandes." „Es sei noch erwähnt, daß jede der gegnerischen Gruppen auf der Tagung eine eigene Jugendorganisation besitzt und darauf bedacht ist, sich einen genügenden Nachwuchs zu schaffen. Wir haben also das sonderbare Bild vor uns. daß eine Gruppe, die die Losung der Einigkeit und Konsolidierung der Zionistischen Organisation auf ihre Fahne geschrieben hat, in ihren eigenen Reihen gespalten ist, und zwar so weit, daß ihre Jugend sich in zwei Lagern gegenübersteht." „Wie wir in letzter Stunde erfahren, konnte bei den Verhandlungen nicht einmal der äußere Rahmen gewahrt werden. Wegen Differenzen in der Frage einer eigenen Arbeiterorganisation haben die progressiven Elemente die Konferenz verlassen und entsenden ihre Vertreter nicht in die Leitung der Partei. Damit; ist die Spaltung innerhalb der Mittelgruppe'zur Tatsache, ihr Gewicht noch geringer geworden." KREUZ-KINO Wolizeile 17 - Tel. R-21-2-16 Überfall in Kentucky" SSKSsto mit Lane Chandler und Mail« QuIUan Aus aller Weif Die Stadt Basel verbietet jede Diffamierung von Juden Aus Basel (.1. T. A.): In Basel besteht seit einiger Zeit eine politische Gruppe, welche eine antisemitische Zeitung unter dem Namen „Volk sb u n d" herausgibt. Der Regierungsrat des Kantons Basel- Stadt hat nun der Zeltung und ihren Hintermännern unter Androhung strafrechtlicher Ahndung jede gemeine Schmähung oder Verunehrung der jüdischen Rasse oder des jüdischen Glaubens verboten. Unter dieses Verbot fallen insbesondere der öffentliche Gebrauch der Verwünschung „Juda verreck e", die öffentliche Verbreitung des Anwurfes, daß die Juden zu ritualen Zwecken Menschen töten, die öffentliche Aufforderung, sich des Verkehrs mit Juden als etwas Entehrendem zu enthalten, jede gemeine Verspottung oder böswillige Verunehrung der Gegenstände, die. von den Juden aus religiösen Gründen verehrt werden oder ihrem Kultus dienen. Zum Anschlag auf die Züricher Synagoge Aus Zürich: Nach eingehenden Erhebungen ist es der Kantonspolizei gelungen, die Burschen zu ermitteln, die in der vorigen Woche in der Synagoge in Zürich I eine Petarde zur Explosion gebracht hatten. Verhaftet wurden ein 19jähriger Handlanger, ein löjähriger Bursche und ein 20jähriger Kommls. Sie erklärten, der Nationalen Front anzugehören und am gleichen Abend ah der Frontenversammlung in der Stadthalle teilgenommen zu haben. Sie haben wegen böswilliger Eigentumsbeschädigung zum Nachteil der jüdischen Kultusgemeinde Strafe zu gewärtigen. Polnisch-jüdische Familien wollen nach Biro-Bidschan Aus Moskau (J. T. A.): Der Präsident des „Agro- Jid" in Polen, Michael Suritz, überreichte persönlich dem Präsidenten des Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion Michael Kallnin ein Memorandum mit dem Ersuchen, im Frühjahr 1935 300 polnisch-jüdische Familien als erste Siedlergruppe polnischer Juden zur Ansledlung in Biro- Bicischan zuzulassen. „Agro-Jid" verpflichtet sich, für jede Siedlerfamilie 150 Dollar beizutragen, falls die Sowjetregierung den Rest der Siedlungskosten trägt. Wie der J.-T.-A.-Vertreter erfährt, wird dem Ersuchen stattgegeben werden. Handgcstridcfe und 'gehäkelte Toiletten Die seit einigen Jahren dominierende Trikotagenmode ist in letzter Zeit in eine neue Phase, getreten. Ein Modellhaus vom Rang der Firma Wanda Kofier erzielte auf einer Modenschau im Automobilklub einen geradezu sensationellen Erfolg durch die Vorführung von großen Abend- und eleganten, wie eine Haut am Körper anliegenden handgearbeiteten Toiletten. Von dieser heuen Art Toiletten gefielen ganz besonders ein braunes, golddurchpunktetes, die neueste moderne Schlangensilhoüette betonendes Cape-Abendkleid, ferner ein schwarzes Nachmittagskleid mit originellem Auaschnitt und Putz und viele andere. V O T Ii cl 9 Ö StoreS' Kissen etc. in einfacher bis zur feinsten Ausführung Ataller Marianne Krammar, Wien VIII, Strozzlg. 26 Telephon A-21-8-28 Auch Reparatur und Umarbeitung Eröffnun$sanzeise. Damenschneiderjosef DUBSKY, Wien, 4. Bezirk, Phoruseasse {2, Tel. B-28-1-89, ehem. langlähr. Stückmeister b. Chramosta. Handaesfriokte u. -06118116116 Toiletten vom M OD ELLHAUS WANDA KOFLER Wien V^Bczirk, Hauilabgatte 7-9 . Taliphon U'45-0.74 I Die Frage der jüdischen Sezierleichen immer noch aktuell Aus Warschau: Seit Jahren werden jüdi-- sehe Medizinstudenten von den Arbeiten an den polnischen anatomischen Instituten ferngehalten, wenn nicht jüdische Leichen in entsprechender Zahl zu Sezierzwecken beigestellt werden. In den letzten Tagen demonstrierten jüdische Medizinstudenten in Lemberg und in Warschau vor den Gemeindehäusern und den Rabbinaten. Sie erklärten, sie würden ein Studienjahr verlieren, falls die jüdischen Krankenhäuser ihnen nicht Leichen zu Sezierzwecken beistellen. Poale Zion-Hitachduth für den Jüdischen Weltkongreß Aus Paris: Der Weltverband der zionistischsozialistischen AVbeiterschaft „Poale Zion-Hitachduth" teilte dem Exekutivkomitee für den Jüdischen Weltkongreß mit, daß er als seine Vertreter in die Exekutive für den Weltkongreß die folgenden Mitglieder delegiert: M. Jarblum (Paris), Dr. A. Silberschein (Lemberg), Ing. A. Reiß (Warschau), Dr. J. H e 11mann (Warschau); als Stellvertreter: J. Herman (Paris), Dr. A. Tartakower (Lodz), A. Bialopolski (Warschau), Dr. Garfunkel (Kowno). 1984 — kein jüdischer Rechts-Student in Deutschland Aus Berlin: Die „Juristische Wochenschrift" teilt mit: Die Zahl der Studenten der Rechtswissenschaft stieg von 3000 im Jahre 1871 auf 23.000 1923-1924. Sic fiel dann wieder auf 13.500 im Jahre 1933-1934. Der Neuzugang betrug im Sommersemester 1928 fast 5000, im Wintersemester 1933-1934 nur noch 1158. Von den zuletzt gezählten 13.163 inländischen Rechts-Studenten waren insgesamt 8900 evangelisch, 4000 katholisch, 46 Juden. Im ersten Semester 1934 waren keine Juden mehr vorhanden. Aus Hifiers Reicht Am 76« Geburtstag erschlagen Aus Königsberg i. Pr. (J. T. A.): Der bekannte jüdische Arzt und Schriftsteller Sanitätsrat Dr. Simon Scherbel in Lissa, Otspreußen, ist an seinem 7 6. Geburtstage, als er von einem Krankenbesuch in seine Wohnung zurückkehrte, von unerkannt; gebliebenen Personen so schwer mißhandelt worden, daß er kurz darauf seinen Verletzungen erlag. Die Zeitungen schreiben wohl, daß Scherbel von Einbrechern erschlagen wurde. Der Fall liegt aber durchaus nicht so klar... Dr. Scherbel, Sohn des einst sehr populären jüdischen Volksdichters. Moritz Scherbel, gleichfalls in Lissa geboren, ließ sich bereits vor 41 Jahren in seiner Vaterstadt als Arzt nieder und entfaltete auch eine rege schriftstellerische Tätigkeit. Seine Werke: „Berühmte jüdische Aerzte der Neuzeit", „Jüdische Aerzte und ihr Einfluß auf das Judentum", „Ehen zwischen Blutsverwandten",! Er war Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Gegen kranke Juden! Aus Nürnberg: Unter der Uebersehrift „Judas Auszug" teilt Streichers „Fränkische Tageszeitung" mit: 1933 hatte es die politische Leitung der NSDAP, gemeinsam mit dem Gemeinderat durchgesetzt, daß den Juden verboten werde, „Sprößlinge ihrer Rasse" in das hiesige jüdische Erholungsheim zu schicken. Nunmehr sind drei Last-« züge vor dieses ehemalige Schloß gefahren „und zur freudigen Ueberraschung der Umstehenden wurde die ganze Inneneinrichtung in diese Transport* wagen verstaut". Ausmerzung aller jüdischen Agenten Aus Berlin: Der „Völkische Beobachter" meldet, daß . der Reichsverband der Mittel- und Groß» betriebe des deutschen Einzelhandels mit der D e u tschen Arbeitsfront, Fachschaft Handelswerber (Agenten) eine Vereinbarung getroffen hat, in der es unter Punkt 1 heißt, daß die Mitglieder des Reichsverbandes ihre Lieferanten ersuchen, nach Abschluß dieses Abkommens nur solche Agenten zu schicken, die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront sind, der bekannt* lieh Juden nicht angeboren Können,

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