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Die neue Welt · 1934-12-04 · Heft 419 (4.12.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 419 (4.12.1934)
Date
1934-12-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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SlIU JEL DIE NEUE WELT Nr. 419 RUNDSCHAU Ungarisches Recht gegen Nazigewalt Hltler-Dcutschland versucht auch, die nichtdeutschen Lander gleichzuschalten. Das Prinzip „Recht Ist, was dem Hakenkreuz nütz#, gehört im Dritten Reich zu den Selbstverständlichkeiten. Zum Glück denkt man nicht Uberall so. Die königliche Kurie, das ist die oberste Gerichtsinstanz Ungarns, hat sich gegen dieses barbarische Prinzip ausgesprochen. Darüber gibt ein Bericht aus Budapest Auskunft: Der Filmregisseur Viktor G e'r 11 e r, ein ungarischer Staatsangehöriger, ist von der Berliner Universal- Film A.*<5i (UFA) unter Berufung auf die geänderten polltischen Verhältnisse fristlos entlassen worden. Gertler wandte sich zunächst an ein Schiedsgericht, das in Berlin zusammentrat und dem Kläger bedeutete, er möge mit dem Unternehmen einen Ausgleich anstreben, da er voraussichtlich den Prozeß verlieren werde. Gertler aber reichte beim Budapester Zentral-Besirksgericht die Klage gegen die „UFA" ein. Der Rechtsbeistand der „UFA", die bis vor kurzem noch drei Filmtheater in Budapest besaß, jetzt aber nur noch eines besitzt, focht die Zuständigkeit des Gerichtshofes an, doch verfügte der Gerichtshof die meritorische Verhandlung des Prozesses. Die „UFA" focht diese Entscheidung bei der königlichen Kurie an, die Kurie wies aber das Revisionsgesuch ab. Somit ist die E n t s c b e idung des Gerichtshofes zu Rechtskraft erwachsen, und der Prozeß wird demnächst in Budapest zur Verhandlung kommen. Diese Entscheidung ist von prinzipieller Wichtigkeit. Die ungarischen jüdischen Staatsbürger, die von reichsdeutschen Firmen wegen ihrer nichtarischeu Abstammung fristlos entlassen worden sind, werden nunmehr ihre Rechte vor den ungarischen Gerichten geltend machen können. Wie steht's in Oesterreich? Hoffentlich wird die oberste österreichische Gerichtsinstanz den österreichischen jüdischen Staatsbürger ebenso schützen, wenn er hier sein Recht gegen Hitler-Deutschland suchen sollte. Prager Betrachtungen Es geht nicht ohne Antisemitismus Ueber.die antisemitischen Universitätskrawalle in Prag schreibt die zionistische Präger „S e 1 b s t w e h r": „Die Juden sind vom Problem der Insignien-Uebergabe meilenweit entfernt und haben ganz andere Sorgen. Es ist auch keine Frage, daß sich unter den gegen die Uebergabe protestierenden deutschen Studenten keine Juden befunden haben, im Gegenteil, es ist sicher, daß diese nationalen Studenten in ihrer Gesinnung Antisemiten waren. Trotzdem erhielten die Demonstrationen gegen die deutschen Studenten recht bald antisemitischen Charakter — wie alle Zeitungen feststellen. Die Aufrufe der demonstrierenden Menge, die Sprechchöre waren zum gToßen Teil gegen die Juden gerichtet. Man zog gegen das Beth Haam und richtete im Cafe Mänes großen Schaden an, weil dort auch jüdische Gäste verkehren . . Warum ist die Prager Gasse so antisemitisch? Da hört man oft als Ursache die Tatsachen anführen, daß die Juden durch ihre sprachliche Taktlosigkeit oder auch durch ihr lautes Benehmen die Bevölkerung reizen. Zur Sache selbst sei hier bemerkt, daß die Juden in einzelnen Fällen in diesen Fragen tatsächlich eine gewisse Instinktlosigkeit an den Tag legen, die natürlich kräftig ausgeschrotet wird. Wer mit Stimmungen und Empfindlichkeiten nicht rechnet, wer sich nicht disziplinieren kann, nimmt in diesen Zeiten eine große Verantwortung auf sich. Also — daß man derartige Vorwände für den Antisemitismus nicht geben darf, müßte selbstverständlich sein, auch dann, wenn diese Vorwände in den seltensten Fällen das wirkliche Motiv sind. Denn es ist keine Frage, daß der Antisemitismus um Motive nicht verlegen ist . . . Der Antisemitismus ist in allen seinen Variationen stets nichts anderes als die naheliegendste Entladungsmöglichkeit für alle bösen Triebe der Massen, die sich ansammeln, wenn die Not und die Unzufriedenheit groß sind. So ist das Paradoxon zu erklären, daß man gegen die Juden in Prag Rufe ausstößt, wenn man gegen Deutsche demonstriert, und daß man in Wie n, wenn man gegen die Tschechen demonstriert, jüdische Studenten verprügelt ... So bleibt uns schließlich aus den Ereignissen dieser Woche eine alte Erkenntnis: die Prager Gasse ist im höchsten Grade antisemitisch geladen — die Arbeit der Prager Boulevard- Press? hat ihre Wirkung getan — und auch bei uns kann eine Partei, die in den Wahlen gewinnen will, ohne Antisemitismus nicht auskommen." Auch in Budapest Im Gebäude« der Budapeater Universität versammelten sich einige hundert Studenten, um anläßlich der Ueberreichung der jugoslawischen Denkschrift an den Völkerbund eine Kundgebung zu veranstalten. Bevor es aber zu der beabsichtigten Kundgebung gegen Jugoslawien kam, wurde eine Demonstration gegen die jüdischen Unjversitätshörer veranstaltet. Die Studenten drangen in zwei Hörsäle ein und drängten die jüdischen Hörer aus ihnen hinaus. Hierauf begaben sich die Studenten in den Garten der Universität, wo einige Reden gehalten wurden. Auf diese Geschehnisse hin ließ der Dekan der philosophischen Fakultät die Tore des Gebäudes schließen. Dar Hauptredner der Studentenschaft mißbilligte die Ausschreitungen gegen die jüdischen Kollegen und erklärte, es sei jetzt keine Zeit, sich mit „kleinlichen Angelegenheiten" zu beschäftigen. Der kluge Sinn des tschechi* sehen Radio Unsere Betrachtungen über das Bestreben, den Film und das Radio judenrein zu machen, finden auch außerhalb Oesterreichs Beachtung und Interesse. So schreibt die „Allgemeine Jüdische Zeitung" (Bratislava): „In letzter Zeit tut die „Ravag" in Wien (die österreichische Radiogesellschaft) bei der Ausschaltung jüdischer Mitwirkenden tüchtig mit. In die Zehntäusende geht die Zahl der Juden, die Teilnehmer am Wiener Radio sind. Sie fordern ihre Rechte. (Diese Bemerkung bezieht sich auf die Stellungnahme unseres Blattes. Anmerkung d. Red.) Da freut es uns, auf den klugen Sinn des tschechoslowakischen Radio hinweisen zu können. In entsprechender Häufigkeit läßt unsere Radio- ~Z_Blau-Weiß Palästinafahrten auf dem Landweg Billige Sonderfahrten Reisedauer: Wien — Haifa nich* ganz 4 Tage Abfahrt: Sonntag, den 6. Jänner 1935 von Wien-Ostbahnhof Ankunft Donneistag RUcktahrt: am 25. Jänner von Haifa. Bequeme Fahrt Schlafu.-d Speisewagen Rituelle Küche. Es werden Platzkarten ausgegeben Anmeldungen für Purim-Pessach und Maickabiade-Fahrten werden bereits entgegengenommen Auskünfte und Kartenverkauf: Oesterr. Ve. kehrsbüro, Wien I, Friedrichstraße 7. Telephon B-27-5O0 Informationen: „Palastinafahrteu", Wien I, Franz- Josef-Kai 7/9. Telephon R-28-tt-65. Oesterr. Palästina- Amt, Wien I, Kärntnerstraße 28 Telephon R-27-4-86 leitung nicht nur jüdische Mitwirkende zu Gehör kommen, sondern trägt auch den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung in der Weise Rechnung, daß sie jüdische Kunst bietet..." Der kluge Sinn des tschechoslowakischen Radio bekundet sich darin, daß nicht allein jüdische Künstler zu Worte kommen, sondern auch aus dem Reichtum der jüdischen Musik und Dichtimg Wertvolles und kulturell Interessantes gesendet wird. Die Wiener „Ravag" ist auf ein anderes Niveau eingestellt. Sie sendet eine läppische „jüdische" Anekdote, die den Geschmack jedes feinfühligen Hörers beleidigt, und muß es darauf ankommen lassen, daß ihr Zuschriften wie die nachstehende von einer empörten Abonnentin (wir kennen Namen und Adresse. Anm. d. Red.) zugehen. An die Ravag Wien. Ich habe gestern abends Ihre Schallplattensendung gehört, darunter war nun eine Platte „Erlebnisse eines Friseurs" besonders geistvoll. Es war wohl das Jubiläumsgeschenk für Ihre jüdischen Abonnenten? Jedenfalls der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Es ist unerhört, daß jüdische Hörer, die ebenso wie die anderen Hörer pünktlich ihre Radiogebühr entrichten, so beleidigt v/erden. Wenn Sie versuchen, durch Vorträge das Verständnis für Hottentotten und Zulukaffern zu v/ecken, so könnten Sie auch einmal Über jüdische Kunst und Kultur sprechen. Material ist überreichlich vorhanden und Sie würden sich würdig an andere europäische POLEN / WEIHNACHTSREISE Abfahrt: fco. und 23. Dezember / Rückkehr 6. Jänner 1935 Billig — Bequem „FRANCOPOL" Polnisches Verkehrsbüro Wien III, Renn weg 1 // Telephon U-l -4-90 Sender reihen, die es nicht verschmähen, ihre Hörer auch mit jüdischem Kulturgut bekannt zu machen. Hoffentlich findet meine Zuschrift Ihr volles Verständnis, was ja aus Ihrem Sendeprogramm zu erkennen sein wird. . Hochachtungsvoll P. Sch. ' Die Ravag antwortet auf diesen Brief nicht. Sie setzte sich über eine berechtigte Beschwerde hinweg und sendet nach wie vor nichts aus dem reichen Gebiet der jüdischen Geisteswelt. Ein Schönheitsfehler Die Londoner antideutsche Boykottkonferenz bewies im Verlauf ihrer würdigen und entschlossenen Tagung, daß es beim Kampf gegen das Hitler-Regime nicht um eine rein jüdische, sondern um eine Bewegung aller Elemente der zivilisierten Gemeinschaft ging. Wie aus unserem heutigen Konferenzbericht zu ersehen ist, wurden wichtige und Wirksamkeit verbürgende. Beschlüsse gefaßt. Man sprach auch von einem — moralischen Druck gegen Boykottbrecher. Die Zivilisierte Welt blickte interessiert nach London, wo Repräsentanten aller Rassen und Glaubensbekenntnisse versammelt waren. Von allen Ländern war die Rede, auch von Palästina ... Die englischen Arbeiterorganisationen erklärten sich bereit, an der Spitze der Boykottbewegung zu stehen, Anders steht es um die zionistischen Arbeiterorganisationen „Histadruth" in Palästina. fiie haben bisher gegen die jüdische Weltmeinung ihre wirtschaftlichen Verbindungen mit H i 11 e r-D eutschland nicht gelöst, im Gegenteil durch das allbekannte Transfer-Abkommen und über dieses Abkommen hinaus den Warenverkehr mit dem Hakenkreuz noch intensiver gestaltet. Während der antideutschen Boykottkonferenz fand in London auch eine jüdische Arbeiterkonferenz zur Bekämpfung des Faschismus und Antisemitismus statt, wobei die Bereitschaft der jüdischen Arbeiter, an der Spitze der Boykottarbeit zu stehen, ausgesprochen wurde. Der Jewish Labour Council wurde beauftragt, die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina dahin zu bringen, daß diese sich dem Boykott anschließe und hierin mit der übrigen jüdischen Welt in eine Reihe trete! Der Passus ,,und hierin mit der übrigen jüdischen Welt In eine Reihe trete" ist nicht minder bemerkenswert wie die Wendung, „die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina dahin zu bringen". So weit ist es also gekommen, daß die jüdischen Arbeiterzionisten Palästinas, die Mitglieder der II. Internationale, von ihren Genossen in England an ihre jüdische Pflicht gemahnt, zu ihr gepreßt werden müssen. Die Londoner Konferenz hatte also einen Schönh e it s f e h 1 e r. Die linken jüdischen Arbeiter Palästinas stehen, wie man sieht, nicht einmal in einer Reihe mit ihren proletarischen Gesinnungsgenossen der anderen Länder. Sie müssen erst dahin gebracht werden, sich; dem Boykott gegen Hitler-Deutschland anzuschließen.; Sie müssen erst dahin gebracht werden, zu erkennen, daß I die von ihnen geübte Durchbrechung der Boykottfront | eine unaussprechliche Schande ist. Bund Jüdischer Frontsoldaten, Bezirksortsgruppe I. Dienstag, 4. Dezember, ^9 Uhr, Caf6 Altes Rathaus, I., Wippllngerstraße 34. Kamerad Dr. Josef Borger: „Die Taufbewegung, Ursache und Verhütung." tik tuädätyes hwt... BOX CA L F SCHWARZ M CROUPONSOHL E Araber unterm Hakenkreuz Aus Genf berichtet J. T. A.:. Nach einjähriger Unterbrechung erscheint hier wieder die Monatszeitschrift „La Nation Arabe", die von den zwei syrisch-arabischen nationalistischen Agitatoren Emir Chekib Arslan und Ishan bey el-Dschabri redigiert wird. Die erste, 90 Druckselten starke, Doppelnummer zeichnet sich durch besonders heftige und demagogische Auafälle gegen den Zionismus, das jüdische Palästina, gegen England und gegen Frankreich aus. Diese, schon von der alten „Nation Arabe" befolgte Tendenz erfährt in ihrer Neuausgabe eine besonder« bezeichnende Verstärkung durch eine Reihe H i 11 e r-D eutschland gegenüber freundlicher Artikel, die eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Propagandaministerium beweisen. BOXCALF* CHWARZ M-EIOECHS _IMIT- KON -8INIERX1 fedfefe II, TABORSTRASSE 48

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