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Die neue Welt · 1934-11-30 · Heft 418 (30.11.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 418 (30.11.1934)
Date
1934-11-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WEM Nr. 418 PALÄSTINA__ laßt Sie die kalte Winterszeit vergessen Sie treffen jetzt Ihre Reisevorbereitungen? Vergessen Sie eines nicht: Merken Sie, bitte, vor! In Haifa nur hotel- LA BLANCA -Pension HAIFA New Businefs-Cent e Vincenti Building P. 0. B 700 Ein/vl-nminer m. B.ul. Vorzüglichste Wiener Küche. Exakte Bedienung Versammlung in hebräischer Sprache eröffnete, sprach von der Bedeutung der hebräischen Sprache als Schlüssel vur jüdischen Kultur, ohne die eine Wiedergeburt des jüdischen Volke» inimöglich sei. Mr. Leon Simon, Vorsit/.tjukr der englischen ,.T«irbuth"-Organlsation, schlug dir folgende Resolution vor: 1. Die Versammlung drückt den Wunsch uns, daß die hebräische Sprache einen größeren und wichtigeren Teil der .jüdischen Erziehung unti des kulturellen Lebens des englischen Judentums einnehmen solle. 2. Die Versammlung ruft die Führer, des britische!' Judentums auf, sich enger mit der h e b r ü is e h e n 15 e w e g u n g in der Gallith zu verbinden, die siel, die Aufgabe gestellt hat, eine Renaissance der hebräischen Sprache, Literatur und Kultur im weitesten Sinne zu fördern. 3. Die Versammlung hofft, daß das britische Judentum die hebräische Organisation „B'r i t h Ivrith Olimath" (Hebräischer Weltverband), dessen Zentrum für die Galuth in London ist, unterstützen neide. I. Die Versammlung glaubt, daß die Tätigkeit der „Hebräischen Woche" konkrete Resultate bringen und den Weg bahnen werde, um eine vereinigte, Arbelt aller Teile und Institutionen des britischen Judentums für Förderung der hebräischen Erziehung, Sprache, Literatur und Kultur in Großbitannien herbeizuführen. In seiner Rede illustrierte Herr Simon die Entwicklung der hebräischen Erziehung in London und anderen englischen Städten und verglich sie mit derselben Arbeit der „T a r b u t h" - Bewegung in anderen Ländern Osteuropas. Prof. S, Brodetz ky unterstützte die vorgeschlagenen Resolutionen, indem er erklärte: Die hebräische Sprache hat aufgehört, nur die Sprache der Bibel und der Gebete zu sein; jetzt hört man Hebräisch Im alltäglichen Lehen — angefangen von den Kindern, die in dieser Sprache die ersten Worte zu sprechen lernen. Dr. S. K a u i d o w i t s c h, Initiator und Organisator d«T .Hebräischen Woche", gab der Hoffnung Ausdruck, d•;'.*> London, welches jetzt zu einem der wichtigsten Zentren des Gahith-Judentums geworden ist, beispielgebend in der hebräischen Erziehung werden soll. Er er helle eine Stärkung der jüdischen Kultur in England us:d "ine vollkommene Hebräisierung des Judentums. Der berühmte hebräische Dichter Salman £ c h n c u r, der zurzeit in London weilt, wurde mit gewaltigem Applaus seitens aller Anwesenden empfangen. Er beklagte sich, daß das hebräische Buch aus dem jüdischen Hause verschwinde, wo es früher einen Ehrenplatz eingenommen habe, und appelliere an das Judentum, das hebräische Buch zu kaufen, zu lesen Und für dessen Verbreitung S-jrge zu tragen. Er verglich in meisterhafter Weise Hebräisch und Jüdisch, ausführend, daß nur Hebräisch die ewige Sprache des jüdischen Volkes sei, »Jiddisch hingegen nur eine Brücke zum Nationalen sein könne, wenn es zum Hebräischen führt. In humorvoller Form erzählte Sehneur von der Entwicklung der hebräischen Literatur, angefangen von IVlendele Mocher Sforlm, Sr huler« Alejchc:«, Ferez und endend mit Bial'k und seiner. Schülern und Schülerschülern. Hier zeigte er, daß IM« :?d.el<' Me-'-hcr St'orim und Schalom Alejehem, obwohl sie für jüdische Volksmassen in Jiddisch schrieben, eigenti'eh hebräische Dichter waren. Er endete mit einem Aor 'dJ an die jüdischen Eltern, ihre Kinder die hebräische Sprache lehren zu lassen. Hev. G <; 1 d h 1 o o m erzählte von der Geschichte der hebniiicN'j» Erziehung iu England und von der di;ekt,s; Erziehungsmethode (Ivrith b'ivrlth). D'e Versammlung schloß mit der einstimmigen Annahme der vorgeschlagenen Resolutionen und dem begri«t: rlen Gesa,;»; der „Hatikwuh". Zur Duichiühnnig der ,.Hebräischen Woche" war ein bebondc/cs Komitee geschaffen worden, in welchem die meisten jüdiHchen Jugendorganisationen, jüdische Kuitiihinstitutioneu uvertreten waren. Von den 'zionistischen Parteien waren die Allgemeinen Zionisten und die J» (Uiihtuatspurtei vertreten. Die ganze englisch-jüdische Presse, in Hebräisch, Englisch und Jiddisch; brachte spezielle Bellagen, die Wichtigkeit der hebräischen Sprache und der Propagandawoche betonend. Auch in der englischen Presse wurden Nachrichten über die „Hebräische Woche" gebracht. In den englishen Provinzstädten fanden ebenfalls große Massenversammlungen wtatt. In allen Synagogen wurden am vorigen Samstag Vorträge über die „Hebräische Woche" gehalten. nswünlitje ausfrauen Klagen nicht dein müde heimkommenden Manne Mber ihre aufreibende häusliche Tätigkeit. Sie wissen, daß Ueberrnüdung wirksam bekämpft wird durch den ständigen Gebrauch von DIANAl'ranzbmiüd wein mit Menthol. Tägliche Massage .uit Diana -nCiHcht, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege. .•«•langen die ausdrücklich „DIANA". Weisen Sie mjed'-rw ertige Nachahmungen zurück. Oberrabbiner Dr. feuditwang 70 Jahre alt Am 27. November vollendete der Oberrabbiner von Wien, Dr. David Feuchtwang, sein 70. Lebensjahr. Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang wurde 1864 in Nikolsburg in Mähren geboren. Er studierte in Wien und Berlin und wurde 1892 als Nachfolger seines Vaters, Meier Feuchtwang, Rabbiner in Nikolsburg. 1903 wurde er Rabbiner in Wien, 1928, nach dem Ableben des Wiener Oberrabbiners Dr. Zwi Perez Chajes, wurde er zunächst provisorisch als dessen Stellvertreter berufen und später definitiv zum Oberrabbiner von Wien ernannt. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang hat eine Reihe von wissenschaftlichen Werken veröffentlicht. Dr. Feuchtwang erfreut sich in allen Schichten des Wiener Judentums sowie in intellektuellen christlichen Kreisen außerordentlicher Wertschätzung. Er hat immer seine Ergebenheit an die zionistische Sache nachdrücklichst betont. Makkabäetfeier der Judenstaatspartei Oesterreichs Die diesjährige MaKkabäerfeler, welche Samstag, den 1. Dezember, 8,30 Uhr im Festsaale des Hotel Continental, IL, Taborstraße 4, stattfindet, we*8t ein hervorragend künstlerisches Programm auf. Der berühmte Schauspieler und Sprecher Ernst Deutsch, der gegenwärtig an Wiener Bühnen Triumphe feiert, wird ans Werken jüdischer Dichter vortragen, ferner wirken «Konzertmeister Josef Zimbler (Violine), Ljuba Lewltzkaja (Gesang), Kantor Josef Feuer, der Jüdische Gesangverein unter Leitung von Israel Brandmann mit. Die Festrede h$lt Oberbaurat Ing. Robert Stricker. Das Interesse für diese Veranstaltung ist außerordentlich groß. Es empiehlt sich daher, bei nachstehenden Stellen rechtzeitig Karten zu besorgen, . * Karten zu S 2.—, 1.50 und 1.— bei: „Neue Welt", IX., Universitätsstraße 8/1 (A-20-2-78); Paula Stricker. IL, Hollandstraße 10 (A-48-1-89); Warenhaus Brüder Schiffmann, IL, TabortrtraJie 48. I, Wollzeile 17 * Tel. R-21-2-16 Vorstellungen« k, Vi8, ttIO KREUZ-KINO Die Jagil nacli dem Plratemcliatz sag ***®*«*> Juden§taatspartei Oesterreidis Versammlungskalender Prater: Sonntag, den 2. Dezember, 8 Uhr abends, Judenstaatsheim, Kleine Zufahrtsstraße 166 (Haltestelle Molkereistraße). Feierliche Heimerötfnung und Chanukahieier. Festredner: Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Rabbiner Dr. J. Z. Kanner. — Künstlerisches Programm unter Mitwirkung- Frau R. Gold, Max Lichtmann, Samuel Schwager und Dr. O. Teller samt. Ensemble. Regiebeitrag S 1.—. XV. Bezirk: Sonntag, den 2. Dezember, 3 Uhr nachmittags, „Esra-Hei m", XV., Schanz Straße 32. Große Chanukahfeier des Vereines „Esra". ~ Festredner: Kultusvorsteher Ing. Eugen Buchbinder. Reichhaltiges Programm unter Mitwirkung bedeutender Kunstkräfte. Frauengruppe: Montag, den 3. Dezember, '/,9 Uhr, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14. Wichtige Frauenversammlung. - Erscheinen aller weiblichen Judenstaatsparteimitglieder ist Pflicht! Judenstaatsjugend: Dienstag, den 4. Dezember, 149 Uhr, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14. Beginn der Seminare. I. Zyklus: „J U d ische Geschichte." Vbrtragender: Viktor Rosenfeld. XIII. bis XV. Bezirk: Dienstag, 4. Dezember, 149 Uhr, „Esra-Heim, XV., Schanzstraße 32. Vortrag: Der Judenstaat. Redner: Dr. Ernst Max. Prater: Donnerstag, den 5. Dezember, K'9 Uhr abends, Judenstaatspartei, II., Kleine Zufahrtsstraße 166 (Haltestelle Molkereistraße). Vortrag: Jüdische Landespolitik und Judenstaatspartei. Redner: Hans Kol b. Studentenklub: Donnerstag, den 5. Dezember, 149 Uhr abends, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14. Studentenversammlung. XX. Bezirk: Montag, den 10. Dezember, Cafe Neptun, XX.. Gau ß platz 7. Thema: Juden not und Judenstaat. Redner; Dr. S. Wolf und Theodor Grubner. IX. Bezirk: Dienstag, den 11. Dezember, Cafe Promenaden, IX., Rossauerlände 27. Thema: Galuth und Palästina. Redner: Dr. S. Wolf und Hans Kolb. * Der Stüde ti tu n kl üb der Judcnstuatspurtel veranstaltet vom 28. Dezember au iu der Dauer von elller Woche einen S k l k u r s in T ii mit z (T Ü r n 11 z e r Tauern). Für Anfänger und Fortgeschrittene! Skilehrer steht gratis zur Verfügung. Ski werden gegen geringe (iebühr geliehen. Dauer 1 Woche (ab 28. Dezember). Kosten: S 41 (sämtliche Spesen inbegriffen). Anmeldungen: Montag. Dienstag, Donnerstag von 8 bis 9 Uhr abends im Judenstaatsheim, I., Werdertorgassu 14. POLEN / WEIHNACHTSREISE Abfahrt: 20. und 23. Dezember / Rückkehr 6. Jänner 1935 Billig — Bequem „FRANCOPOL" Polnisches Verkehrsbüro Wien III, Rennweg 1 // Telephon U-l -4-90 Wiener Theater Lueger ohne Juden In einer Epoche, die zu den Quellen des Oesterreicher-, bzw. Wienertums zurückzukehren beabsichtigt, wird die Gestalt Luogers, des großen Bürgermeisters von Wien, zweifellos nicht legendär wirken. Für sie fährt Karl Lueger immer noch im offenen Gummiradier beim Rathaus vor und für sie ist die Frage der städtischen Gaswerke immer noch aktuell. Zeitgeschichtlich gäbe der Lueger-Stoff Anlaß zu einem gewiß nicht uninteressanten und gewiß auch lehrreichen Rückblick. Die Seibatauflösung der liberalen, Gesellschaft lund die ersten Anzeichen einer sozialen Umwandlung des kleinbürgerlichen Gemüts mit dem Naturmenschen Lueger inmitten wären zweifellos dichterischer Gestaltung wert. Aber Franz Naderer, der Autor des Volkstheaterstücks „Lueger", im Bestreben, sich die Wiener in dieser Figur bespiegeln zu lassen, versuchte, die Lueger« Zeit zu glorifizieren; eine Weltauschauung zu — beschönigen, deren Fadenscheinigkeit, und intellektuelle Enge gerade heute, wo es bei uns Rückkehr-Bestrebungen gibt, mit. besonderer Deutlichkeit merkbar werden. Diese Beschönigungsabsicht führt auch dazu, daß (von Luegers „israelitischen" Freund und späterem politischen Gegner Dr. Mandl abgesehen) kein jüdisches Gesicht im Weichbild Lueger-Wiens auftaucht. Der reizende, vom Bürgermeister Dr. Karl Lueger und seinen zahlreichen Gesinnungsgenossen so oft verwendete und zum Sieg geführte Schlachtruf „Dar Jud" wird hier schmerzlich vermißt. Aber ein Lueger ohne auch nur eine antisemitische Losung und ohne auch nur ein jüdisches Gesicht bleibt dem heutigen Zeitgenossen zu viel schuldig. Die vielleicht bewußte Rücksicht auf eine gewisse Schicht des Theaterpublikums kann sich nicht bezahlt machen. Der Wiener wünscht, daß der kieine Mann, dem geholfen werden muß, auch ein wenig auf die Juden schimpfe; nicht allein, damit's a Hetz gibt, sondern auch um eine Dankesschuld an den christlichsozialen Antisemitenführer abzutragen. Wenn auch der kleingewerblich-luegerische Antisemitismus vorüber ist und die Haß« gesänge gegen das „jüdische Großkapital", wie sie iu der Aera des christlichsozialen Aufstiegs an der Tagesordnung waren, von den Wellen eines christlich-betonten und deutsch-betonten Weltanschauungsantisemitismus verschlungen worden sind, so hätte, doch eine kleine; Portion „Jud" Wunder gewirkt. Der „Böhm" kommt zu seinem Recht. Schade, daß der „Jud" im Lueger-Sttick nicht zum Handkuß gekommen ist. Ein verspätetes Werbezirk-Stück In den Kammcrspielen, die seit Beginn der neuen Spielzeit von Erich Ziegel, einem zweifellos gediegenen und literarisch ambitionierten Fachmann, geführt wurden, ist nach längerer Pause Gisela Werbezirk zu sehen. Das Wiener Publikum, vornehmlich, das jüdische, reagiert, seit Jahren darauf trainiert, auf den Namen Werbezirk mit einem in Rührseligikeit und . Lachen getauchten Auge. Es weiß, daß es hier um ein Milieu geht, wo eine mehr oder minder große Dosis provinzieller „Jüdischheit" auf einer „goischen" Schüssel serviert wird. „Die führende Marke", so nennt sich das Lustspiel des Autors Armin Friedmann, der sich diesmal seinen Kompagnon aus einem nichtjUdischen Bereich geholt hat, die führende Marke — es ist die Marke der Schuhfabrikantin Berta Perkall (Frau Werbezirk) — läßt das Pendein zwischen industriellem Fortschritt und kleinbürgerlicher Betamtheit nicht in großem Umfang zu. Frau Perkall, aus der Gegend rings um Prag stammend (bisher zog Herr Friedmann die Gegend rings um Frößnitz oder Nikolsburg vor), verrät nicht, woher sio „rassisch" kommt. Sie läßt es kaum ahnen. Aber die Zuschauer, die schließlich ein hübsches Stückchen sozialer Geschichte hinter sich haben, staunen über die Naivität der Autoren, die den abgestandensten liberalen Geisteszustand fixieren, dessen Ueberwindung die Spatzen sogar von den Dächern der Wiener Barockhäuser pfeifen. Herr Friedmann ist um seine literarische Behäbigkeit zu beneiden, Direktor Ziegel um seinen Glauben, daß es tür diese Art „Werbezirk-Stücke" noch ein Publikum gibt, o. r. Scala: „Der C'hurmeur von London". Die Komödie von Richard Duschinsky (nach einem englischen Stück von Beverly Nichols) hat der Scala durch die Meisterleistung Ernst Deutsch' in der Titelrolle einen durchschlagenden Erfolg gebracht. „Der Charmeur von London", ein Schauspieler-Dichter, entfesselt durch eine fingierte Kriegserklärung unter den Gästen «eines Schlosses einen Sturm, der zwei Akte hindurch tobt. Der dritte Akt bringt die komödienhafte, parodi3tiache Aufklärung. Neben der foinziselierten, hinreißenden Darstellung durch Ernst Deutsch ist noch die Leistung Albert Basscrmanns, Elly Bauers und Else Basscrmanns zu erwähnen. Volksoper. In einer gutgelungenen Vorstellung von Verdis „Rigoletto" gastierte Tatjana M e n o 11 i von der Malländer Scala als „Gilda". Die Sängerin, die über einen silberhellen Sopran und eine reizende Erscheinung verfügt, gefiel ungemein und konnte herzlichen Beifall ernten, Dr. Max Adrian als Herzog und P i e r p t i o boten hübsche gesangliche und schauspieleriscki Leistungen,

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