Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 418 (30.11.1934)
- Date
- 1934-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 418 DIE NEUE WEIA. 4. Seite 3 Chajes Zum 7. Todestagp Am Tage nach dem Tode des urlvergessenen, unersetzten Lehrers und Führers brachte unser Blatt diesen Nachruf: Chajes ist gestorben. An seinem Sarge werden Schüler um den großen Lehrer weinen, Juden um den Führer des Volkes, Unglückliche um den nimmermüden Tröster und Helfer und Beschützer, Zionisten um die Zierde der Bewegung. Aber er war mehr, unendlich mehr als Lehrer, Führer und Beschützer der Schwachen und Armen. Von ihm ging etwas aus, was mehr ist als höchstes Wissen, tiefste Gelehrsamkeit und zwingende Führerschaft. Man muß mit ihm gelebt haben, um zu wissen, was es war, und die Sprache gehorcht nicht, wenn man das Gefühl ausdrücken will, das er einflößte. Man gewann den Glauben an Verlorenes wieder. Menschen, im Leben verhärtet und verbittert, der Achtung vor Menschen verlustig, kamen mit ihm in Berührung und begannen wieder Edles im Menschentum zu sehen. Juden, auf der Flucht vor ihrem Judentum mit aufkeimendem Haß und Ekel gegenüber der jahrtausendalten Last erfüllt, kamen mit ihm in Berührung und wurden wieder Juden, stolz auf ihre Abstammung, die ihnen noch gestern ein unerträgliches Erdübel schien. Denn Chajes war Verkörperung des Schönen und des Stolzes im Judentum. Er war nur Jude und nicht ein Restchen Ghetto klebte an ihm. In ihm war Judentum, frei von Narben und Schlacken, Judentum in reinster Schönheit, Judentum wie es einmal gewesen ist und wie es einst wieder sein wird. In ihm war nicht jüdische Gegenwart, in ihm war jüdische Vergangenheit und jüdische Zukunft. ■\' Wie wenig von kleiner Gegenwart in ihm war und wieviel von großer Vergangenheit und großer Zukunft, das lernte man begreifen, wenn man ihn von den Propheten sprechen hörte und wenn man ihn mit. Kindern zusammen sah. Chajes und die Kinder! Er liebte sie, er fieberte nach ihnen, nicht nach dem oder jenem Kinde, nach allen. Das Zusammensein mit einem Kinde riß ihn hin, weg von allen anderen. Freunde standen dabei und in das bewundernde Bewegtsein schlich sich ein sonderbares Gefühl, ein wenig drückend, ein wenig schmerzlich. Man hatte doch geglaubt, ihm etwas zu sein. Und man sah, daß ihm die Kinder alles sind, alles. Man glaubte, so viel von ihm empfangen zu haben. Und wenn man sah, was er den Kindern gab, dann schien das, was man empfangen hatte, so wenig, so klein. Ueber die Kinder schüttete er seine ganze Liebe und seine ganze Seele gehörte ihnen, den Kindern der Zukunft! Dann wich das Schmerzliche und das Bedrücktsein, es löste sich in reine Freude, und man liebte mit ihm die jüdischen Kinder, die jüdische Zukunft. Robert Stricker. Wohin geht un§ere Jugend? Zu einem Bericht aus Palästina U.U.Citaies Monumental-Autgabe in 2 Bänden m. Illustrationen, Faksimüien. Prachtvoll in Leinen gebunden. 1. Band: Reden und Vorträge, 2. Band: Leben und Werk. Herausgegeben von Prof. Dr. M. Rosenfeld Preis für Dieses Werk soll in keinem jüd. Haus fehlen, beide Bände jetzt nur S 14.80. Verlag Josef Belf, Wien 1, Rabensteig 3 Amnestie für die im Jahre 1929 verurteilten Araber Aus Jerusalem (J. T. A.): Anläßlich der bevorstehenden Vermählung des englischen Königssohnes Prinz: George von Kent mit Prinzessin Marina von Griechenland hat sich die Gattin des bekannten arabischen Rechtsanwaltes und Mitglieds der arabischen Exekutive Moghanan Effendi Mo g ha n an an den englischen König mit der Bitte gewandt, die nach den antijüdischen August-Unruhen des Jahres 1929 zu lebenslänglichem Kerker verurteilten Araber zu amnestieren. 5000 jüdische Einwanderer Aus New York: Auf der in New York abgehaltenen rünften Jahrestagung der amerikanisch-jüdischen Schutzgesellschaft „HIAS" teilte der Vorsitzende, S. Polakoff, mit, daß von Jänner bis Juli 1934 5048 Juden, von denen etwa die Hälfte Deutschland-Flüchtlinge waren, als Einwanderer nach den Vereinigten Staaten gekommen sind. Die Leitung der österreichischen Judenstaatspartei stellt uns einen ihr zugekommenen Bericht über die Lage in Palästina zur Verfügung, welchem wir folgendes entnehmen: ., . . . Ueber den äußerlichen Verlauf des letzten Arbeiterkrawalle in Haifa, wo 1500 Arbeiterparteiler eine kleine revisionistische Versammlung Uberfielen und schwere Exzesse verübten, ist ja ausführlich genug berichtet worden. Gewiß waren diese Vorgänge beschämend und haben den Zionismus vor den Arabern und der Palästina-Regierung, welche uns Juden ohnedies mit wenig Achtung begegnet, sehr herabgesetzt. Aber noch viel bedenklicher war der innere Verlauf des Ueberfalles. Die politische Leitung der Poale- Zion (Mapai) und der Leitung der zionistisch-sozialistischen Gewerkschaft (Histadruth), die ja politisch und persönlich identisch sind, haben sich sehr bemüht, den Zusammenstoß, von dessen Vorbereitung sie Kenntnis hatten, zu verhindern. Sie haben strenge Parolen hinausgegeben. Aber ein Dutzend jüdischer Kommunisten haranguierte die jugendliche Arbeiterschaft, und das Resultat war, daß 1500 zionistisch-sozialistische Arbeiter ihrer politischen und gewerkschaftlichen Führerschaft den Gehorsam versagten und den antizionistischen Kommunisten, welche sich von jedem Tumult in Palästina eine Schwächung des ihnen verhaßten Zionismus versprachen, willig Folge leisteten. Die kommunistischen Hetzer stehen also zionistisch-sozialistischen schon näher, als die alten Führer. Das scheint mir bedenklicher als Prügeln, Steinewerfen etc. .. ." Diese wenigen Sätze enthüllen eine Gefahr, die das zionistische Werk in seinen Grundfesten bedroht. Rückschläge in der polltischen und wirtschaftlichen Arbeit kann der Zionismus überwinden; aber wenn er die jüdische Jugend verliert, an seine Feinde verliert, muß er daran zugrunde gehen! Die Bemühungen der Judenstaatspartei in Palästina und hierzulande, der falschen Erziehung der zionistischen Jugend entgegenzuwirken, sind auf Widerstände verschiedenster Art gestoßen. Daß die linken Führer sich auf diesem Gebiete gegen die Judenstaatspartei stellen, ist klar und begreiflich, ist sachlich begründet. Sie verteidigen eben ihr Programm. Sie wollen nicht einsehen oder nicht zugeben, daß eine Vermischung von Zionismus mit Marxismus, und sei es auch mit Marxismus in kleinerer Dosis, den Zionismus zersetzen muß. Aber immerhin ist mit ihnen eine Auseinandersetzung klarer Art möglich. Man kann ihnen auch nicht Gefühl für V e r- KAPELLE l.tätet spielt ab 1» Dezember täglich im CaßSfdeitdide Sonn-und Feiertag: Nachmittags-Konzert bei normalen Kaffeehauspreisen SCHENKT BÜCHER 11 ZU CHANUKKASS Hugo Herrmann Palästina, wie es wirklich ist Gebunden S 9.45, Kartoniert S 6.80 Hugo Herrmann Palästina-Kunde I.—IV. Bd. I, III, IV ä S 3.—,, Bd. II S 6.- Jesaias Press Neues Palästina-Handbuch Der beste und modernste Reiseführer S 27.30 Hugo Herrmann Generalkarte von Palästina S 5.25 Josef Fränkel Theodor Herzl — des Schöpfers erstes Wollen S 5.25 FIBA Versandbuchhandlung, Wien VI, Gumpendoiferslraße 10 Telephon ß-24-9-78 antwortung absprechen. Daher ist zu erwarten, daß Vorgänge solcher Art, wie sich einer eben in Haifa abgespielt hat, ihnen die Augen öffnen und an ihr Verantwortungsgefühl rühren werden. Ganz anders liegt die Sache bei den „Allgemeinen Zionisten", welche im Punkte der zionistischen Jugenderziehung nichts anderes als Helfer der Linken sind. Da gibt es keine Ueberzeugung, kein Programm, kein Verantwortungsgefühl, im Gegenteil, eine Tendenz zur Flucht aus der Verantwortung. Weil nun einmal der „Zug der Zeit" — nicht in der Welt, sondern im desorganisierten, wurzellosen Judentum — nach links geht, tut man mit und überläßt die liebe Jugend der „radikalen" Ideologie. Man kommt sich dabei sehr „fortschrittlich" vor und bequem ist es auch. Aus Snobismus und Trägheit heraus fördern die Allgemeinen Zionisten das linke Erziehungswerk und die linken Institutionen, tun selbst so gut wie nichts und stehen der judenstaatlichen Jugendbewegung in oft feindseliger Gleichgültigkeit gegenüber. Auf dieser Seite liegt das größere Uebel. Die Vorgänge in Haifa haben die fürchterliche Gefahr aufgezeigt, welche dem Zionismus daraus erwächst, daß große Teile seiner Jugend ins antizionistische, kommunistische Fahrwasser gezogen werden. Wenn man die Sache prüft, kommt man zum Schlüsse, daß der Kampf gegen die verfehlte zionistische Erziehung der jüdischen Jugend heute eine der wichtigsten Aufgaben ist. Er muß gegen den Doktrinarismus im linken Lager und mit nicht minderer Energie gegen die vielleicht noch gefährlichere Programmlosigkeit und Verschwommenheit im allgemein-zionistischen Lager geführt werden. Hebräisdie Wodie in Großbritannien .Von unserem Londoner E.-Sch.-Korrespodenten. London, 26. [November 1934. Die auf Initiative des „B'rith Ivrith Olamith" angeordnete „H ebräische Woch e", die vom 24. November bis zum 8. Dezember dauern wird, fing Samstag mit Predigten in allen Synagogen über die Bedeutung der hebräischen Sprache, Literatur und Kultur an. Alle Sprecher brachten die enge Verbindung der kulturellen Wiedergeburt des jüdischen Volkes mit dem Wiederaufbau Erez Israels zum Ausdruck. Samstag, den 24., abends fand im Jcwish Communal Centre (Woburn House) im Saale der jüdischen Kunstgalerie „Ben Uri" eine große Konferenz der jiidischen Lehrer statt, an welcher nicht nur die Lehrer teilnahmen, die Hebräisch unterrichten, sondern auch diejenigen, welche in den verschiedenen religiösen Kursen in nichthebräischer Sprache unterrichten. Auch die extrem-orthodoxen Lehrerkreise, die bisher von Hebräisch als „Loschen Hakodesch" (Heilige Sprache), der man sich nur beim Beten bedienen kann, sprachen, nahmen au der Konferenz teil. Ihren Worten ist zu entnehmen, daß auch in ihrer Gesinnung eine Wendung zum National- Hebräisch eingetreten ist. Die Konferenz fand unter dem Vorsitz von Dajan Dr. Ascher Feldmann statt unter Beteiligung des Dr. S. Rawidowitsch (Mitglied der Exekutive des „B'rith Ivrith Olamith"), Dr. H. Adler (Leiter des „Higher Educational Jewish Centre"), Nathan Morris, Rev. Goldbloom $ und anderen, die versuchten, die Anteilnehmer der Konferenz für die hebräische Sprache zu begeistern. Sie sprachen über die allgemeine Bedeutung der hebräischen Sprache als der Sprache des jüdischen Volkes, über die moderne Unterrichtsmethode „Ivrith b'ivrith'*, über Havarah Sphardith und Asehkenazith, wegen Anteilnahme des jüdischen Lehrers an der gesellschaftlichen Arbeit für die nationale jüdische Wiedergeburt usw. Di« sich an den Diskussionen beteiligenden Lehrer haben nicht nur diese Ideen unterstützt, sondern forderten die Erweiterung der Netze des hebräischen Unterrichts und fanden es für wichtig, von der jüdischen Gemeinde in Großbritannien (United Synagogue) eine entsprechende finanzielle und sonstige Hilfe für Erweiterung des hebräische»* Unterrichts zu verlangen. Den Höhepunkt der „Hebräischen Woche" bildete /:io große MiVKumversammlung des Londoner Judentums, die in Shoreditch Town Hall am 25. d. M. stattfand. Die große Halle war von tausenden Juden überfüllt, die gekommen waren, um über die Bedeutung der hebräischen Sprache zu hören. Diese Massenversammlung fand unter dem Vorsitz des Oberrabbiners des Britischen Imperiums, The Very Rev., The Chief Rabbi Dr. J. H. H e r t z, statt, welcher den in Palästina weilenden Nahum Sokolo \v vertrat. Die Versammlung fing mit dem hebräischen Gesang des Chors der „Habonim" an. Dr. Hertz, der die i«?* ANTHRACIT beste«™...™™, H KOHLE KOKS BÄSCH IV, ARQENTINIERSTB. 22 - TEL. SERIE U.47.5.40 ,