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Die neue Welt · 1934-11-30 · Heft 418 (30.11.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 418 (30.11.1934)
Date
1934-11-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seitt 2 DIE NEUE WELT Nr. 418 Audi eine //judiidie" Sadte*** Vor mehr als fünfhundert Jahren-hat ein böhmischer König in Prag eine Universität gegründet und ihr eine Kette und einen Stab für den Rektor geschenkt. Nach fünfhundert Jahren sind die Tschechen daraufgekommen, daß die bei der deutschen Prager Universität ^rbliebenen „Insignien" eigentlich den Tschechen gehören, und die Regierung hat jetzt veranlaßt, daU Kette und Stab der deutschen Universität abgenommen und der tschechischen Übergeben werden. Darauf haben die deutsehen Studenten in Prag zu demonstrieren begonnen, die tschechischen Studenten haben mit noch stärkeren Demonstrationen geantwortet und dann haben die deutschen Studenten in Wien auch demonstriert. Was haben die Juden mit Kette und Stab des seit mehr als fünfhundert Jahren seligen Böhmenkönigs zu tun? Nichts! So glauben die Juden, aber die Herren Tschechen und Deutschen sind anderer Ansicht. Die tschechische Demonstration in Prag artete bald in eine gegen die Juden aus. Die Wiener deutschen Studenten brüllten sofort ..Nieder mit den Juden!" Und jetzt, sind auch die Prager Deutschen darauf gekommen, daß eigentlich die Juden an allem schuld sind. Unter den fünfzehn Ministern in Prag sitzt auch ein verflossener Jude, der Sozialdemokrat Dr. C z e c h. Er hat, so wird jetzt in die ganze deutsche Welt geschrien, seine Zustimmung zum „Raub an den Deutschen" gegeben, also ist das ganze eine ..jüdische" Sache. Der Prager Zeitung „Lidove Noviny" will auch die Sache nicht in den Kopf und sie schreibt: „Wenn man nach den Rufen der Demonstranten urteilt, dann sind diese 1. gegen die deutschen Nationalisten, 2. gegen die deutschen Emigranten, 3. gegen die Juden gerichtet. Es scheint, daß dies auf einmal ein bißchen zu viel „Gegen" sind. Die deutschen Emigranten sind nämlich auch gegen die deutschen Nationalisten, und zwar viel intensiver als die Prager Demonstranten, desgleichen darf man die Juden nicht in einen Sack mit den antisemitischen deutschen Nationalisten werfen." Der Herr Schreiber von „Lidove Noviny" sollte etwas jüdische Geschichte .studieren. Dann würde er nicht schreiben, daß man „nicht darf", Bei Juden darf man immer .. . Brief au§ Prag Ein gelegentlicher Mitarbeiter übermittelt uns eine Betrachtung über , die jüngsten Exzesse um die deutsche Universität in Prag. In den Straßsn Prags gab es einige Tage Aufruhr. Ein Gesetz aus dem Jahre 1020 bestimmte die tschechische Universität als Rechtsnachfolgerin der alten, traditionsreichen Prager Universität und schrieb der deutschen Universität vor, die in ihrem Besitz befindlichen I ns i g n i e n — Szepter, Rektorskette usw. — herauszugeben. Als nun vor einigen Tagen die Herausgabc ziemlich unerwartet für den 26. November anberaumt wurde, geriet die deutsche Studentenschaft in große Erregung. Sie besetzte das historische, den Deutschen leihweise überlassene „Karolinum" und erklärte, die Herausgabe der Insignien mit Gewalt verhindern zu wollen. Als dies der tschechischen Studentenschaft bekannt wurde, zog sie vor die deutsche Universität und demonstrierte hier mit den Rufen: „Deutsche, hinaus!" Abends schlössen sich ihnen sehr viele NichtStudenten an, die'bald die Führung übernahmen und def Wenzelsplatz und Graben erdröhnte nun von dem vieltausendstimmigen Ruf: „Juden, hinaus!" Die jüdischnationalen Studenten, die sich — übrigens ganz selbstverständlich — im „Insignienstreit" vollständig neutral verhalten hatten, sind von dieser Wendung nicht überrascht. Das ist ja das Ergebnis der Tatsache, daß die Prager Juden in der liberalen Aera die Hauptträger der Germanisierung waren, das Ergebnis der Schande, daß heute noch, im zweiten Jahre der Hitler- Herrschaft in Deutschland, 90 Prozent der Besucher und Ausschußmitglieder des „Deutschen Hauses1;. Juden sind, sich noch heute zu deutschen Tonfilmen drängen und auf der Straße ostentativ deutsch sprechen. . Symptomatisch ist auch das Verhalten der tschechisch assimilierten Juden. Diese wiegen sich in voller Sicherheit und erklären triumphierend: „Das ist der Erfolg der deutschen-Assimilation und des. jüdischen Nationalismus! Uns guten Tschechen kann da nichts passieren." mWfena&USTAV MACHATV-fiteftten, '*" "EÜ1S KÄSCHWARIENBERöPLATZ- LÖWEN« «f&TWIENZEILEviMAR!A-THERESIEN«FUEöERKINO" Sie scheinen nicht auf der Straße gewesen zu sein und haben nicht gehört, was der kleine Mann, das aufgehetzte Mitglied der antisemitischen „Narodni fronta" dort?ügte: „Keinem Juden ist zu trauen. Eine Woche sprechen sie deutsch, eine Woche tschechisch, das sind keine Tschechoslowaken. ,Raus mit den Juden!'". Die Tschechojudrn sollen sich diesen wahren Ausspruch merken. Man glaubt an ihr Tschechentum ebensowenig, wie man den deutsch-jüdischen Assimilanten J geglaubt hat. Sic worden in der demokratischesten Republik I Emopas, in der Republik des Judenfreundes Masaryk, bald ähnlich behandelt werden, wie die Juden Deutschlands. Das ist die Lehre aus der antisemitischen Wendung, welchen der rein akademische „Insignienstreit" genommen hat. Carapo. Zu den Universitätskrawallen Aus Prag: Der Streit um die historischen Univcrsitäts-Tnsignicn wurde von tschechischen und deutschen Faschisten zu tumultuösen Kundgebungen ausgenützt. Nachdem die Redner antideutsche und antijüdische Parolen ausgaben, stieß ein Teil der Menge antijüdische Rufe aus und machte den Versuch, auch einige jüdische Institutionen anzugreifen. Arn Samstag demonstrierten Gruppen Jugendlicher vor dem zionistischen Beth-Am in der Dlouhä t.fida. stießen antijüdische Rufe aus, zertrümmerten einige Scheiben und rissen Schilder ab. Die Synagoge in der Jerusalemska. war lange Zeit von den Demonstranten bedroht. In der Dlouhä tfida und in der ftytirskä wurde An unsere gesdiätzfen Abonnenten! Wir bitten höflichst um pünktliche Ueber Weisung der Abonnes mentsgebiihr für die laufende Bc* zugszeit, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintrete. Die wiederholte Uebersendung von Erlagscheinen verursacht Mühe und Kosten. Die Verwaltung „DIE NEUE WELT*. je ein jüdisches Geschäft angegriffen. Am Sonntag drang ein Trupp Demonstranten unter Rufen ,,D putsche hin a u s, J u d c n h i n a li s!" in das Cafö Manes ein, wo die Fensterscheiben eingeschlagen und. jüdische Gäste belastigt wurden. Es wird anerkannt, daß die Polizei überall bemüht war, Ordnung zu schaffen. Das Schachtverbot der Stadt Eger aufgehoben Aus Prag: Vor einigen Jahren hatte die Gemeindovertretung in Eger das rituelle Schlachten verboten. Dagegen reichte die Kultusgemeinde Eger eine Beschwerde an die Bezirksbehörde ein, welcher Fölge gegeben wurde. Die Berufung der Stadt Eger gegen diesen Bescheid wurde jetzt von der Landesbehörde abgewiesen, mit der Begründung, daß der Standpunkt der Beschwerdeführerin gegen die Verfaasungsurkunde verstößt, die freie Religionsausübung in jedem Belange gewährleiste. Zu allen Fest- Zeilinger-Qu und Feiertagen alitäts weine Tafelwein ........ Badener Spezialmarkt Riesling Auslese per Liter S 1.60 „ „ S 2.- S 2.40 Gumpoldskirchner Runkelsteiner Spätlese Kalterer-See, rot Spezial per Liter S R.20 „ S 2.80 » j» S 2.— ZEIL INGER Landstraße Hauptstraßer 17 — Mariahilfergürtel27 - Winckelmannstraße .22 — Johnstraße 39 — Wallensteihstraße 46 E)a§ Sdndc§al der Saarjuden Dr. Nahum Goldmanns unterhandelt mit Lava], Dr. Benes, Litvvinow und Titulescu Dr. Nahum G o 1 d m a n n, Vorsitzender des Comite des Delegations Juives und der Exekutive für den Jüdischen Weltkongreß, der vor kurzem in Paris mit dem französischen Außenminister Pierre Laval eine längere Unterredung hatte, traf während seines Aufenthaltes in Genf mit dem Vorsitzenden des Rates des Völkerbundes und Außenminister der Tschechoslowakischen Republik Dr. Eduard Beneä, mit einem Mitglied der englischen Völkerbund-Delegation, mit dem Volkskommissar des Aeußern der Sowjetunion M. L i tw i n o w, mit dem rumänischen Außenminister Titulescu und mit einer Anzahl anderer Delegierter der Völkerbundversammlung zusammen. In allen diesen Unterredungen setzte Dr. .Goldmann u. a. die Notwendigkeit eines internationalen garantierten Schutzes der Rechte der j ü d ischen Einwohner der Saar für den Fall der Rückgabe dieses Gebietes an Deutschland auseinander. Die Tagung des Völkerbundrates zur Regelung der Saar-Fragen wird nicht vor dem 3. Dezember stattfinden können. : Judenboykott an der Saar Der Krankenversicherungsverein A. G., Saarbrücken, erläßt unter der Ueberschrift ,.Achtung:, Saboteure am Werk!" die folgende „Warnung": „Gewissenlose Elemente versuchen wiederum erneut unser Unternehmen durch Lügen und Verdrehungen zu schädigen. Wir sehen uns deshalb veranlaßt, in aller Oeffentlichkeit klarzustellen: 1. daß unser Unternehmen nur von Nationalsozialisten gegründet wurde. Vorstand, Aufsichtsrat und Gefolgschaft bestehen aus Ariern; 2. wir nehmen bedingungsgemäß keine Juden in unsere Kasse auf; 3. daß wir nach dreijähriger Aufbauarbeit einen Versichertenbestand von 70.000 erreichten, ist der beste Beweis des Vertrauens in unser Unternehmen." Flucht aus dem Saarland Rabbiner Dr. R ü 1 f in Saarbrücken, der die Ehre und die Interessen der saarländischen Judenschaft mit sehr viel Takt, aber auch mit Mut und Unerschrockenheit verteidigt hat, verläßt am 1. Jänner 1935 Saarbrücken, um nach Palästina zu übersiedeln. An seine Stelle wurde Dr. Lothar Rothschild aus Basel zum Rabbinder des Kreises Saarbrücken gewählt. Die bereits in vollem Zuge befindliche Flucht der saarländischen Juden aus ihrer Heimat im Hinblick auf den sich nähernden Abstimmungstag wird illustriert durch Bekanntmachungen und Auskünfte im Gemeindeblatt' über Auswanderungsmöglichkeiten nach Südafrika und nach anderen Ländern, Das bestbekannte Ttro Restaurant Hotel Stefanie Wien il, Tabor straße Nr. 12, Telephon R-46-5-57 empfiehlt ^eme reichhaltige Speisenauswahl Menü von S 1.60 an, Speisen am Rost, täglich frische Fische, erstklassige Bedienung Der König applaudiert... Aus Sofia wird gemeldet: König Boris nahm kürzlich an einem Vortragsabend teil, an welchem der deutsche Reichsminister: Dr. Frank ein Referat hielt, das größtenteils antisemitischer Propaganda gewidmet war. Dessen« ungeachtet hat der bulgarische König zum Schluß dea Vortrags lebhaft applaudiert. Serbisch-Rumänisches Weinbaus III, Taborstraße 18, im Hotel National Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß Iren wollen keine Antisemiten sein Aus London. (J. T. A.) In den jüdischen Kreisen Irlands war infolge von Aeußerungen einzelner Führer der zur Regierung in Opposition stehenden „United Ireland Party" der Eindruck entstanden, daß die Partei einen antisemitischen Kurs eingeschlagen habe und daß ihre Rückkehr zur Macht gegen die Juden gerichtete Maßnahmen zur Folge haben könnte. Ein Führer der D u b l i n e r jüdischen Gemeinde, A. N e w m a n, hat den Herausgeber des offiziellen Organs der Partei, des „United Irishman", Senator E. B l y t h c, ersucht, den Standpunkt der Partei neuerlich zu präzisieren, obwohl bereits der seinerzeitige Parteiführer, General O'D u f f y, dem Gerücht, daß die Partei antisemitisch sei, energisch entgegengetreten war. Senator Blythe hat darauf geschrieben: „Ihre Befürchtungen in bezug auf die Einstellungder United Ireland Party zur irischen Judenschaft sind völlig unbegründet. Unsere Partei ist jederzeit für Toleranz und volle Freiheit aller Bürger sämtlicher Bekenntnisse eingetreten. Sie hat niemals einen Unterschied zwischen Personen verschiedenen Religionsbekenntnisses gemacht und beabsichtigt, dies auch in Zukunft nicht zu tun. Das Gerücht, daß unsere Partei eine Kampagne zur Unterdrückung der Juden durchzuführen beabsichtige, ist absurd und geht auf heimtückische Motive von Gegnern zurück." Für drei mißhandelte Rabbiner — drei Tage Gefängnis Aus Warschau: Der Radikalnationale Wladislaw Ceszlinski, der im Sommer 1934 die Rabbiner Silberstein, On fang er und Reinerman auf der Weichselbrücke beschimpft und mißhandelt hat, wurde vom Gericht für diese Tat zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. GEZAty größtes Meisterwerk. Ein.CÄopir£3?lvL vuil trist '/fUariscÄfZa ^WOLFGANb UEBENEINER als Chopin SYBILLE SCHMITZ als äeorqe Sand. RICHARD ROMANOWSKYnis Chopins freund GUSTAV WALDAU ah bissiger Kritiker HANNA WAAG alä Cfiopimjugendgetiebte ' HANSSCH'LENK<j/j- Jrsna: <£tescf .ifiegio Scux. von, CBoZvary MUSIK FRIEDRICH CHOW/v * UHAUFFUHHUNG; ELITE-K/NO i- IMPERIAL-K/NO <• OPERN-KIM") i- SCHOWE NRIN&'LUSTSPIELTHE ATEi\"FL 07?"f/VÄ/WO« L.. WOWÜWl. l(M'F4fcM *£:.S' <Y,' *■ H .

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