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Die neue Welt · 1934-11-30 · Heft 418 (30.11.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 418 (30.11.1934)
Date
1934-11-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag/ den 30* f r<? % 1934 Nr* 418 V* b* b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal cxpedie par reditrur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN:, Oesterreich monatlich S 1.30. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar "•—.vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljahrig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franc3 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag DafFestderMenorah Die Tage, die das jüdische Volk jetzt durchlebt, sind geeignet, das Chanuka-Fest, das Fest der Menoräh, heuer anders zu begehen als sonst in den vergangenen Jahren der Galüth. Denn noch nie empfand es das Glück, einst ein Vok von Helden und Freiheitskämpfern gewesen zu sein, so stark, so nlnk'ohven* tionell. so mahnend wie heute. Das Wunder der nationalen Befreiung, von den Makkabäern in die Weltgeschichte gesetzt zum ewigen Ruhm des kleinen Volkes von Judäa, gab jenem Zeitalter den Sinn, aber auch die historische Erkenntnis, daß der Wille zur Freiheit immer tragfähig genug ist, auch den gigantischesten Widerstand zu brechen. Wir gaben der Welt diese Erkenntnis. Sie ist kräftig genug, um. xms heute und gerade heute im Schein des achtarmigen Leuchters mit der Gewißheit zu stärken, daß jüdische Geschichtskapitel von ewiger Wiederkehr sind. Das gibt der Geschichte unserer Zeit den Sinn. Wir sind gewiß, daß das neue Makkabäerkapitel, der Wiederaufbau Palästinas im Geist Theodor Herzls, siegreich abgeschlossen werden wird. | Judenstaatspartei Oesterreichs 1 Samstag, den 1. Dezember, punkt Vaö Uhr abends, | im Festsaal des Hotel „Continental", II, Taborstr. 4 | $&ße fH<M(däetßiet I Lichterxünden : Kantor Joset Feuer unter Mitwirkung des Männerehors des Jüd. Gesang- Ii Vereines (Leitung: Kapellmeister 1. Brandmann) | Festrede: Oberbaurat Ing. Robert Stricker 1 Mitwirkende: Emst DeuftSCh (Theater | in der Josefstadt) / Ljuba Lewltzka, Hebräische Ü Gesänge / Prof. Josef Zimbler, Violinvorträge | Jüdischer Gesangverein Unter Mitarbeit der Jüdischen Kulturstelle § Kurten zu S 2.—, 1.50 und 1.— bei: „Neue Welt", j§. I IX., Universitätsstraße 8/1 (A-20-2-78); Paula | I Stricker, II., Hqllandstraße 10 (A-48-1-89); Waren- | haus Brüder Schiff mann, IL, Taborstraße 48 Sichern Sie sich rechtzeitig Karten! Illfü Pension irma Meister, Merarc d!<i\><> nanzJShrlger Aulejillialt, letzter Küinlurt, Kerühinu K'hi' iitrrl P.tU. iiiahi'.'e Hrflsi- V ■ r;i im v n Sie P r n 8 p * [t\v 1 mmjei d ü M A ^111*101« mihun ^.Pf^TlfiÄ^iP:--^^^ ' ,Tunmittelbar» NäÄe Qer,kürpromBfra'(ie!!uq» iie». K|»rhaujie8f: H^mvkom^ / Butt^rköohf, / kUre 25 Die Konferenz für Deut§diIand*Boykoff Am 26. November begann in London die internationale und überparteiliche Konferenz für Boykott der Waren und der Dienste Nazi-Deutschlands bei Teilnahme von Abordnungen großer nichtjüdischer und jüdischer Institutionen aus allen Erdteilen. Vor Beginn dieser Konferenz trat die jüdische Sektion zu einer Beratung zusammen, der jüdische Abordnungen aus zahlreichen Ländern, auch Vertreter des Waad Leumi (Nationalrat in Palästina) beiwohnten. Der Führer der amerikanischen Delegation, der zum Präsidenten der Weltkonferenz ausersehen ist, Samuel Untermyer, teilte .der TeL-A. mit: „Zur Konferenz, sind Delegierte aus aller Welt, aus Nord- und Südamerika, aus Aegypten, aus Südafrika, aus Großbritannien und den Dominions, aus vielen europäischen Ländern, Repräsentanten aller Rassen und Glaubensbekenntnisse, in London eingetroffen. Ziel der Konferenz ist es, den bereits bestehenden Weltboykott gegen deutsche Waren und Dienste fester zu organisieren, ihn zu erweitern und zu intensivieren. Der uns bisher zuteil gewordene Erfolg gibt uns die Ueberzeugung, daß unsere Aktion die Billigung der öffentlichen Meinung in der ganzen Welt gefunden hat. Die christlichen Kirchen und die organisierte Arbeiterschaft in der ganzen Welt sind durch die Vorgänge in Deutschland vielleicht noch tiefer betroffen als die Juden. Unbeschadet der fanatischen und hartnäckigen Anstrengungen des deutschen Propaganda-Ministeriums, die Boykottbewegung als eine jüdische Sache hinzustellen, geht es hier keineswegs, um eine nur j,ü d ische Frage; dies beweist sehen1 der Umstand, daß ich' das einzige jüdische Mitglied der großen amerikanischen Delegation, bin. Der mit mir in London eingetroffene Dr. Paul Hutchinson, Vorsitzender der Chikagoer Boykott-Liga, nimmt in der protestantischen Kirche Amerikas eine sehr hohe Position ein, er ist Hierausgeber des „Christian Century", der bedeutendsten protestantischen Publikation in Amerika. H. M. B e a m i s h aus Philadelphia, früher Staatssekretär von Pennsylvania, ist einer der ersten Katholiken Amerikas." * . Auf der ersten Sitzung der jüdischen Sektion sagte der Vorsitzende Dr. Moses Gaster, Großrabbi der englisch-spagnolischen Juden, einleitend: Das Judentum hatte die ihm seitens der Hitler- Regierung ins Gesicht geschleuderte Beleidigung als eine Aufforderung zu neuer Solidarität empfunden. Wir erhoben uns, um unsere Ehre, unser Menschentum zu verteidigen, und haben der Welt gezeigt, daß keine noch so mächtige Nation es > wagen darf, uns wie Heloten oder Sklaven zu behandeln. Wir führen keinen Krieg, wir verteidigen uns. Samuel Untermyer erklärte: Wenn auch die Juden das erste Opfer des Hitler-Regimes in Deutschland geworden sind, so ist die Boykott-Aktion keine jüdische. In Amerika sind alle Elemente der zivilisierten Gemeinschaft an der Boykottbewegung interessiert. Die F e d er ation of Labour mit ihren 5 Millionen Mitgliedern steht hinter der Aktion. Sie ist keine Boykottbewegung, sondern eine Gegen-Boykottbewegung; denn Hitler hat mit dem Boykott angefangen. Es sprachen dann Delegierte aus Frankreich, Belgien und Polen. Es wurden drei Ausschüsse gewählt für Boykott-Statistik, Ermittlung neuer Bezugsquellen zum Ersatz deutscher Waren, Propaganda und Information. Die polnische Delegation unterbreitete Vorschläge für Ausübung eines moralischen Drucks auf Boykottbrecher; solche sollen sich vor gesellschaftlichen Gerichten zu verantworten haben. Eine „schwarze Liste" soll regelmäßig die Namen der unverbesserlichen Roykottbreeher der Öffentlichkeit mitteilen. Jüdische Boykottbrecher sollen ein Mandat als Abgeordnete, als Stadträte oder als Mitglieder einer jüdischen Gemeinde-Repräsentanz nicht bekleiden dürfen, auch sollen ihnen die -E h r e n ä m t e r In den Synagogen entzogen werden. Berufsvereinigungen, wirtschaftliche, soziale, humanitäre und wissenschaftliche Institutionen sollen verpflichtet werden, Boykottbrecher auszuschließen. Auf der zweiten Sitzung hielt der Sekretär des Londoner Gewerkschaftsrates, A. M. Wall, eine Ansprache an die jüdischen Delegierten und versicherte sie der Sympathie und der Mitarbeit seiner Organisation. Nur durch die organisierte Macht des Volkes, sagte er, werden wir die Regierung Deutschlands dazu bringen, in ihrem Zerstörungswerk innezuhalten. Die englische Gewerkschaftsbewegung wird in diesem Kampf eine bedeutsame Rolle spielen. Wir alle, Juden und Nicht.juden, müssen zusammenstehen gegen die menschenfeindlichen Taten des heutigen Deutschland. Verlauf der aligemeinen Sitzung Am 26. November,; abends, wurde die Konferenz im Beisein führender christlicher und jüdischer Persönlichkeiten sowie der Führer der Gewerkschaften eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Samuel Untermyer gewählt. Die Konferenz beschloß, eine Zentralstelle einzusetzen, die wirksam einen weltumfassenden Boykott zu organisieren haben wird. Für diese Stelle, wurde ein Budget von ' 30.000 Pfund bewilligt, wovon 2000 Pfund sofort; auf' der Konferenz aufgebracht wurden. In einer zweiten Resolution wurde die Bildung von ©idjtleiöenöetr fidjer ßinbermtfl eine Srüttfur mit «üuerbrut?n Anti-Nazi Jugendgruppen in allen Ländern der Welt beschlossen. . Aus allen Teilen: der ..Welt gingen Wünsche für bestes -Gelingen— emv So. vom Präsidenten desenglischjüdischen Courcil für Boykott, Sir Robert Mond, vom Präsidenten der. amerikanischen Föderation of Lahour, vöiri American .Tewish Congress. Das zentrale Boykottkomitee in Palästina gibt in seiner Botschaft an die Konferenz der Hoffnung Ausdruck, . daß die Konferenz, obwohl nichtjüdisch, den Kampfdes jüdischen Volkes, eines geeinten, rechtschaffenen Volkes, welches seine Rechte mit Würde verteidigt, richtig einschätzen werde. Mögen unsere Freunde wissen, daß wir mit anderen Waffen kämpfen als. unsere Feinde und daß es unser einziges Ziel ist, unseren unterdrückten und mißhandelten Brüdern zu helfen. Es wurden ferner Kundgebungen des Canadian .Tewish Congress, der-Aegyptischen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus, - der Liga für Menschenrechte in Brüssel, der Präsidentin der englischen Women's Guild 5 pezialverkehr nach Palästina Gütertransporte, Liftvans, Uebersied'ungen Uli mann, Rink & Co, Wien I, Kurrentgasse »2 / Tel. U-22-2-54 of Empire, Flora Drummond u. v. a. verlesen. Auf Antrag von Philipp Gue dal 1 e wurde einmütig folgende Resolution angenommen: „Im Hinblick auf die andauernde Politik der deutschen Regierung, die deutschen Bürger und Einwohner zu unterdrücken und sie ihres Rechtes auf volle Mein'ungs- und Gewissensfreiheit zu berauben, ist sich diese Versammlung von Delegierten, welche Gemeinschaften in allen Teilen der Welt repräsentieren, der Notwendigkeit bewußt, die Basis ihrer Tätigkeit zu erweitern; die Versammlung bringt ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, mit Organisationen und Personen jeder Konfession und Rasse zusammen zu arbeiten, die mit ihr des gleichen Strebens sind; die gerechte Behandlung aller deutschen Bürger und Einwohner unterschiedslos zu sichern." Es wurde weiter beschlossen, daß dem Direktorium der Weltorganisation außer den von der Konferenz zu wählenden Persönlichkeiten noch je ein Vertreter jeder .Landesorganisation angehören soll; die Länderkomitecs sollen auch je einen Vertreter, der organisierten Arbeiterschaft, der organisierten Frauenschaft einschließen. Wollen Sie nicht schon längst nach Amerika Zu Besuch, geschäftlich oder zum Vergnügen? / Wissen, Sie daß Sie jetzt bei auf zirka 15 Tage beschränkter Aufenthaltsdauer die Reise nach den Vereinigten Staaten oder Kanada und zurück schon ab S 110.— (zirka S 590.-) machen können? Wenden Sie sich doch, bitte, sofort wegen genauer Auskunft hierüber an die CUNARD WHITE STAR LINE, Wien I, Kärntnerring 4 Tel. U.42-0-43 am

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