Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 417 (27.11.1934)
- Date
- 1934-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 417 DIE NEUE WEL1 Seite 3 Beginn der Londoner antideutschen Boykottkonferenz Aus London wird unter dem 20. November gemeldet : Heute, Montag, den 20. November, beginnt hier die Konferenz zur Organisierung and Verstärkung des antideutschen Warenboykotts. Zu dieser Konferenz; tind Delegierte aus Europa und Amerika gekommen. Den Vorsitz führt der amerikanische Rechtsanwalt Samuel Unterm e y e r. Seitens Amerikas beteiligen sich der Führer der Katholiken, Hutchinson, und Mrs. Harris, die Leiterin der Frauenabteilung der antinationalsozialistischen Liga. Der internationale Verband der professionellen Vereine wird durch den gewesenen britischen Arbeitsminister Morrison vertreten. Aus Frankreich kommt der bekannte Rechtsanwalt Moro-Giaffcri. Die Vorbereitungen zur Konferenz sind mit solcher Sorgfalt getroffen worden, daß mit der Erreichung der angestrebten Resultate gerechnet werden kann. vmmammmamm Ziifudk in die Holle! Englische Behörden liefern jemenitische Jaden aus In der sUdarabischen Despotie Jemen loben die seit 2000 Jahren dort ansässigen Juden unter den entsetzlichsten Verhältnissen, Der arabisch-religiöse Fanatismus tobt «ich an den 70.000 Juden, den dort in ärmlichstem Verhältnis vegetierenden und zfth an ihrem jüdischen Volk und Glaubon festhaltenden Menschen aus ältestem jüdischen Stamme, in entsetzlichster Weise au«. Sie wollen nach Palästina. Aber der Herrscher, der Imam, verbietet* unter Androhung schrecklichster Strafe die Auswanderung. Trotzdem wagen Familien die lebensgefährliche Flucht. Nun helfen Engländer dem finsteren Despoten und liefern ihm die jüdischen Opfer aus. Aus Jerusalem wird berichtet: Aus Aden traf hier die telegraphische Mitteilung ein, daß mehrere jüdische Familien aus der sUdarabischen Halbinsel Jemen auf ihrer Durchreise nach Palästina, wo sie sieh anzusiedeln gedachten, von der englischen Polizei in Aden festgenommen und zurück nach dem Jemen abgeschoben wurden. Man ist um das Schicksal dieser jüdischen Familien besorgt, da im Jemen das System der Judenverfolgungen andauert und Juden, die Anstalten getroffen haben, nach Palästina auszuwandern, das Schlimmste zu gewärtigen haben. Schon seit einiger Zeit gehen die englischen Behörden in Aden, das unter englischem militärischem Protektorat steht und dem Vizekönig von Indien unterstellt ist, sehr scharf gegen nach Aden kommende jemenitische Juden vor. Bereits im September d. 3. mußten zahlreiche, vor den antljüdiflchen Verfolgungen im Jemen nach Aden geflüchtete Juden schnell Aden wieder verlassen und unter Lebensgefahr nach dem Jemen zurückkehren. Anscheinend hängt dieses strenge Vorgehen der Beh&eden In Aden gegen die Jemenitischen Juden mit den Verordnungen der Palästina-Regierung gegen die Illegale jüdische Einwanderung in Palästina zusammen. Die jemenitischen Delegierten auf den letzten Zioniston-Kongressen haben in ergreifenden Worten die L ei de en der Juden des Jemen geschildert und auf die Schwierigkelten hingewiesen» die sich ihrer Auswanderung nach Palästina Im Zusammenhang mit der Propaganda der arabischen Nationalisten entgegenstellen. Die Juden des Jemen werden aebr nicht nur Wegen ihrer Palästina-Liebe verfolgt, sie sind auch schweren Drangsalierungen auf religiösem Gebiete ausgesetzt. Nach dem arabischen Aufstand in Palästina im August 1020 hat der Tman Jahija des Jemen unter der Einwirkung einer Delegation palästinensischer Araber einen Ei laß herausgegeben, daß jüdische, Waisenkinder zwangsweise dem Islam zugeführt werden. Versuche, jüdische Waisenkinder aus dem Lande hlnauszubrlngen, wurden schwer bestraft. Im Mai 1932 war auch Aden der Schauplatz ernster antijüdischer Unruhen der Moslems; diese Vorgänge bildeten Gegenstand lebhafter Erörterungen Im Londoner Joint Foreign Committee und in der Anglo-Jewish Association, sie wurden auch in der Indischen Nationalversammlung erörtert. * Aus Jerusalem: Aus Sanaa, der Hauptstadt des Jemen, traf hier die Meldung ein, daß der Oberrabbiner des Jemen, Rabbi Jechia Aviad, gestorben ist. Er erreichte ein Alter von 65 Jahren. Ole vorzüglichen, -reifer. LuxusfChlffe „GERUJAIEMME" und „PILSNA" dei dirabtri« Eillinie TRSEST- JAFFA des n LLOYD TRIESTINO Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr führen nur eine erste und eine Touristenklasse Auch in der Touristenklasse höchster Komfort (zwei und mehrbettige Kabinen) und täglich vier sehr gute Mahlzeiten Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien I, Kärntner ring 6, Tel. U-47-5 60 Von den Juden in Perfeien Aus Jerusalem: Die Zionistische Exekutive erhielt erschütternde Berichte Über die traurige Lage der Juden in P e r s i e n und Insbesondere Über den Zustand der 200 jüdischen Familien von Buchara, welche sich in Persien aufhalten. Das Einwanderungsamt der Zionistischen Organisation sandte an die Bucharer Juden neuerlich 25 Zertifikate. Insgesamt wurden in der letzten Zeit den Bucharer Flüchtlingen 200 Zertifikate zugewiesen. (J. T. A.) Hunderte Ostjuden in Rumänien und Belgien verhaftet Alis Frag (J. T. A.): Das Attentat in Marseille bat das Judentum nicht nur zweier seiner größten Freunde beraubt, sondern ihm auch auf anderer Seite große Unbill gebracht. Unter den In vielen Ländern unternommenen Aktionen gegen jugoslawische Emigranten wie Emigranten überhaupt, haben zum Beispiel die jüdischen Emigranten in Frankreich sehr viel zu leiden. Jetzt meldet die Londoner „Morning Post** aus Bukarest, daß dort unter den Tausenden verhafteten Ausländern sich viele hunderte polnische Juden befinden, die ausgewiesen werden sollen. Aus Brüssel wird gemeldet, daß 120 Ostjuden, auch deutsch-jüdische Flüchtlinge, in Antwerpen nach durchgeführten Polizeirazzien in Straßen und Häusern der jüdischen Viertel verhaftet wurden und wahrscheinlich ausgewiesen werden. Friedhofsschändung in Krakau Aus Krakau: In der Hauptallee des Krakauer jüdischen Friedhofes haben unbekannte Personen eine lange Reihe von Gräbern geschändet. 14 Grabsteine wurden vollständig zerstört. Eine scharfe Untersuchung zur Eruierung der Täter ist eingeleitet worden. Moslem-Museum im Jereusalemer Tempelbezirk Aus Jerusalem: Auf dem Jerusalemer Tempeiberg, dem Har Habajith, wurde ein Moslem-Museum eröffnqt. Die Sammlung enthält mehrere alte Koran- Manuskripte, davon eines aus Mohammeds Lebenszeit, sowie viele moslemltlsche Reliquien. Ausschreitungen in Westfalen Aus Münster: Im Zusammenhang mit dem antijüdischen Boykott fanden in den letzten Tagen in westfälischen Orten Ausschreitungen statt. In Niedermarsberg, Kreis Arnsberg, haben SA.-Leute in Uniform jüdische Passanten niedergeschlagen und u. a. einem SOjährigen Juden schwere Verletzungen zugefügt. Sie drangen in einen jüdischen Laden ein und mißhandelten alle dort angetroffenen Käufer und Käuferinnen auf das schwerste. Nazipartei in Stidwestafrika verboten Aus London: Am 29. Oktober wurde In Südwestafrika (früher deutsche Kolonie) auf Grund des Gesetzes gegen die Rassepropaganda die Nationalsozialistische Partei verboten. Die nationalsozialistischen Führer wurden ausgewiesen. Das Außenministerium hat jetzt ein Komrnunnique veröffentlicht, in welchem es heißt: Wenn die Ziele dieser Partei verwirklicht würden, dann würden der, deutsche Staat und die deutsche Regierung über eine Organisation disponieren können, die dio gesamte Bewohnerschaft deutscher Zunge in Südwestafrika beherrschen würde. Es ist klar, daß die Südwestafrikanische Union als Mandatsmacht eine solche Organisation eines fremden Staates auf dem Mandatsgebiet nicht dulden kann. SfadenteitkBubs der Judensfaiatfspafftei Am 8. November fand unter dem Vorsitze des Herrn Josef Frankel die Gründungs- und Generalversammlung des Studentenklubs statt. Der Klub soll ein Zentrum jener Hochschüler werden, die im Sinne des Herzl-Zionismus für den Judenstaat arbeiten wollen. Herzlich begrüßten die Gründung des Klubs die Herren: M. Goldhirsch (Judenstaatspartei), Rabbiner Dr. K a n n e r (Brith Hakanaim), Alexander Teich (Gesamtverband der jüdischen Hochschüler Oesterreichs „Judäa"), Haber (Senior der A. V. „Kadimah"), Schick (Senior der J. A. V. „Ivria"), Gell mann (Senior d. V. j. H. „Theodor Herzl"), Eisner (Vereinigung d. jüd. Hörer a. d. Hochschule f. Welthandel), F ö I d v a r i (Judenstaatsjugend) u. a. In das Tagespräsidium wurden Dipl.-Kaufmann H i 11 m a n n, Daisy Gruber, Alpern und Wildmann gewählt. Hierauf hielt Dr. S. Wolf das Referat Über das Programm der Judenataatspartei und forderte die Hochschüler auf, für den Groß-Zionismus tätig zu sein. An der nun folgenden Debatte beteiligten sich mehrere Kollegen und besprachen die Ziele und Aufgaben des Klubs. In den Ausschuß des Studentenklubs wurden folgende Kollegen gewählt: Alpern, Fränkel, Genmann, Daisy, Gruber, Hill mann, Seid mann und Wildmann. Wovon sollen die Juden leben? In einer Reihe von Aufsätzen stellten wir dfe Situation dar, in welcher sich die meisten jüdischen Musiker, Artisten, Kapellmeister, Filmschauspieler in Oesterreich befinden. Insbesondere betonten wir, daß einzelne Konzertunternehmer Juden prinzipiell nicht beschäftigen. Herr Bert S i 1 v 1 n g, der bekannte Musikdirektor und Violinvirtuose, bittet uns um die Feststellung, daß der Konzertunternehmer Komm.-R. Benno L i e ihn seit Jahren andauernd beschäftigt, also dem Arierparagraphen nicht huldigt, JUDE NSTAfl VSPflPTEI Mittwoch, am 28. November 1934 um "29 Unr im Heim I, Werdertorgasse 14 (HAJES- GEDEN K F EI ER Es sprechen: Rabbiner Dr.!. Z. Kanner Ober baurat Ing. Robert Stricker Gäste willkommen! Ju<den§iaa*$parieia Oe§terreidh§ Versammlungskalendcr Dienstag, den 27. November, 8 Uhr abends, Judenstaatsheim, I., Werdertorgassc 14: Judens taatsjugend-Vortrag: „Ch. N. Bialik." Referent Moritz Abend. Dienstag, den 27. November, *A& TJhr abends, Verein Esra, XV., Schanzstraße 33: Diskussionsabend. Referent: Theodor Grubnc r. Mittwoch, den 28. November, l/j9 Uhr abends, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14: Chajes-Gedenkfeier. Redner: Oberbaurat Robert Stricker, Rabbiner Dr. I. Z. Kanner. Mittwoch, den 28. November, >J9 Uhr abends, Cafe Patria, VII., Mariahilf erstraße 127: MitgUederversamxnlung. Referenten: Hans K o I b, JUC. Hllinaun. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht! Donnerstag, den 29. November: Studenten- Versammlung im Heim, I., Werdertorgasse 14, %ü Uhr abends. Referent: Dr. Oskar Rosen fei d. Thema: „D i c jüdische Kuns t." Donnerstag, den 29. November, >s9 Uhr abends, Judeiistaatsheinn Prater, II., Kleine .Zufahrtsstraße 166 (Haltestelle Molkereistraße): Vortrag: „Galuth und Palästina." Redner: Hans Kandl. Donnerstag, den 29. November, ^9 Uhr abends, ,.Nord-Ost"-Heim. IL, Taborstraße 21a: Mitgliederversammlung des II. Bezirkes. Referenten: Fritz Richter und Mendel Hager. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht! * Der Studeutcnklub der Judenstaatspartei veranstaltet vom 23. Dezember an in der Dauer von einer Woche einen Skikurs in Türnitz (Türnitzer Tauern). Für Anfänger und Fortgeschrittene! Skilehrer steht gratis zur Verfügung. Ski werden gegen geringe Gebühr geliehen. Dauer 1 Woche (ab 23. Dezember). Kosten: S 41 (sämtliche Spesen inbegriffen). Anmeldungen: Montag Dienstag, Donnerstag von 8 bis 9 Uhr abends im Judenstaatsheim, I„ Werdertorgasse 34. Aufruf zur zweiten Makkabiah Das Präsidium des Welt-Makkabi in London übermittelt uns einen Aufruf, in welchem es heißt: „Makkabim! 150 Tage trennen uns von der Zweiten Makkabiah. Vom 2. bis 7. April 1935 sollen auf dem Boden P a 1 ä s 11 na s, im Stadion von Tel-Awiw, die besten Turner und Sportler unseier Bewegung um jüdische Meisterehren kämpfen. Heute brauchen wir der Welt nicht mehr zu erklären, was die Makkabiah bedeutet. Die Erste Makkabiah war für viele eine Ueberraschung. Man ahnte nicht, daß die Makkabi-Bewegung in ihrer Schwungkraft in der Lage sein würde, aus sich heraus eine solche Veranstaltung zu schaffen und durchzuführen. Ganz anders ist es bei der Zweiten Makkabiah. Die Augen der Welt sind auf uns gerichtet. Man erwartet Höchstleistungen von uns. Die Zweite Makkabiah, organisiert unter dem Protektorate unseres Ehrenpräsidenten Lord Melchett, muß das größte Jugend fest des ganzen jüdischen Volkes werden. Es gilt, die Welt nicht zu enttäuschen.. In systematischer Organisationsarbeit soll das denkbar Beste geleistet werden, damit die Sendboten der Galuth, wenn sie nach Erez Israel kommen, den Boden würdig vorbereitet finden. Wir sind überzeugt, daß auch ihr das Letzte hergebt, um die Makkabiah zu einem glänzenden Erfolg zu machen, und daß ihr in vollster Harmonie mit uns zusammenarbeiten werdet." Unterzeichet sind: Dr. Hermann Lelower, Maurice Greidinger, Oberstleutnant F. H. Kisch. Gesamtverband jüdischer Hochschüler Oesterreichs „Judäa". Im Chajessaal, Wien, IX., Alserstraße 26, Mittwoch, den 28. d. M., Punkt 20 Uhr, Vortrag des Herrn Prof.. Dr. Julian Silberbusch (Jerusalem). Thema: „Volk und Land". Gäste willkommen. Lichtbildervortrag. Dienstag, den 27. November 1934, 18.30 Uhr, im großen Saal des Oesterreich ischen Exportförderungsinstituts, Wien, IX., Berggasse 16, Lichtbildervortrag des Herrn Dr. Hugo Groß, Leiter der Oesterreichisch-Palästinensischen Wirtschaf ts- und Handelskammer, über „Exportmöglichkeiten nach Palästin a". Erwin Engel, der bekannte Conferencier, und Flora Enge I, die aktuelle Humoristin, sind einzeln oder mit abendfüllendem jüdischen Ensemble allen Vereinen bestens empfohlen. Anträge schriftlich: IV., Wiedner Hauptstraße Nr. 23 oder tolephonisch U-42-9-19. Zeitgemäßes Honorar. Wir bitten um Einsendung von Adressen, an die wir Probeexemplare versenden können Werben fle Die Verwaltung „DIE NEUE WELT' <£*