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Die neue Welt · 1934-11-27 · Heft 417 (27.11.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 417 (27.11.1934)
Date
1934-11-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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SeUfe 2 DIE NEföB ff ELT Nr. 417 Em griediisdier Minister »diürt gegen luden trag" Anhörte. Wtffl die Ravag ihren Hörern, jüdischen und nicht/Udisrehen. au« dorrt Bereich des jüdischen Humor«, Oelsen, MueiiMohflffcri* niehfc» andere* m vm<m, als abgeschmackte, mpplsoh». das Judentum niederträchtig: b o l o i d 1 $ c r» d e „Lozelach"! tat das der Ausdruck der neuen Haltung, die Oesterreichs Wesen und Wirken bestimmen ftöll? Haben wir auf dem ueblet der Kultur keinen Anspruch auf Gleichberechtigung?" Wir übergeben hlemlt diese Zuschrift der Uffant« •Üchkeit. Vielleicht wird mich die ..Ravag" von ihr Noll« nehmen. ftidiscfier Appel! an AU 9diwefc«f Dov Schweiserische Israelitische <3 meindebund wendet sich im Zusammenhang mit den fortdauernden antisemitischen Krawallen, ins* besondere im deutschen Zürich, mit folgendem Aufruf an die schweizerische, öeffchtlichkelt. „Da wir 0« ablehnen, uns mit Bprechehören auf der Straße mit dem Volksbund, der Heimatwehr, der Front, den nationalsozialistischen Eidgenossen und allen übrigen sogenannten Erneuerungsbewegungen zu messen, und es ferner ablehnen, den Kampf gegen diese Verleumder, gewissenlosen Aufwiegler und Feinde der Demokratie mit dem Schlagring, der Stahlrute, der Gaspistole und Tränengasbombc z.u führen, wenden wir uns an die zürcherische Oeffentlichke.'t und legen Verwahrung ein gegen den aus dem Dritten Reich seitens der sogenannten Erneuerer übernommenen Kampfruf des „Juda verrecke!", wie er In schändlichster Weise mitten in unserer Stadt erneut erhoben wurde. Wir sind uns dabei bewußt, daß wir die Elemente, die oinen sogenannten politischen Kampf auf diese unschweizerische, undemoktatischc und vor allem ungeistige Welse führen, nie und durchnichts eines Besseren belehren werden. Jedoch geben wir der festen Ueberzeugung Ausdruck, daß das Zürcher Volk auf Grund alterprobter politischer Erfahrung diese Methoden, die morgen zum Untergang der Rechte des souveränen Volkes führen würden, verurteilt, daß es daher, unentwegt festhält an der Gleichberechtigung aller Bürger, welcher Konfession oder Rasse sie auch immer angehören mögen, und daß es daher seine Behörden unterstützt in dem Bestreben, solche Kampfmethoden radikal auszurotten." Jndenrei'ne Filme in Palästana Ein Wiener antisemitisches Blatt regt sich auf Wir veröffentlichten in unserer letzten Ausgabe unter dem Titel „J udenreine Filme in Palästina" die Mitteilung, daß Palästina von nun ab nur solche deutschsprachige Filme importieren werde, die mit einer Bestätigung (Zertifikat) versehen sind, daß bei ihren- Herstellung der Arierparagraph nicht angewendet wurde. In bezug auf die in der Tschechoslowakei gedrehten deutschen Ver* sionen findet der Beschluß der palästinensischen Filmimporteurc bereits seine Anwendung. Im Zusammenhang mit dieser Tatsache gaben wir der Meinung Ausdruck, daß Palästina dieses Prinzip auch auf Wien anwenden werde, und empfahlen den Stellen, welche 1h Oesterreich für die Ursprungszertifikate sorgen, rechtzeitig nachzuweisen, daß die in Oesterreich erzeugten und für den Export bestimmten Filme nicht unter grundsätzlicher Ausschaltung von Juden hergestellt sind. Auf diese Weise soll vermieden werden, daß Palästina die in Wien zum Teil unter Anwendung des „Arierparagraphen" gedrehten Filme von nun ab automatisch und pauBchaliter abweise. Den „Wiener Neuesten Nachrichten", die ihre großdeu'tsch-antisemitischc Tradition immer wahrten, ist es nicht recht, daß wir die Tarnungsversuche des Hakenkreuzes enthüllen, daß wir den Herren Filmproduzenten (dio zwar jüdische Kräfte nicht verwenden, aber jüdisches Publikum anlocken), au: die Finger klopfen. Die „Wiener Neuesten Nachrichten" verkehren unsere Darstellung und unsere Absicht ins Gegenteil. Sie wollen ihren Lesern und vielleicht gar auch der österreichischen Regierung vormachen, daß wir, wenn wir die Palästinenser auf die in Wien gedrehten Nazifilme aufmerksam machen, die österreichischen Interessen schädigen. Die Glosse, welche die „Wiener Neuesten Nachrichten" uns unter dem Titel „Drohung ins Leere" widmen, ist einer Denunziation sehr ähnlich. Sie lautet: „Am palästinensischen Boykott wird die österreichische Filmindustrie nicht sterben. Aber es ist aufschlußreich, daß die so oft geäußerten und überschwenglichen jüdischen Bekenntnisse zu Oesterreich und zur österreichischen Kultur sofort vergessen sind, «•enp einmal keine Juden dabei sind. Womit wieder einmal bewiesen int, daß die Juden Ihre eigenen Positionen meinen, wenn »1« Oesterreich sagen." Wen wollen die „Wiener Neuesten Nachrichten" dumm machen? Ist das Bekenntnis zu Oesterreich und zur österreichischen Kultur vielleicht gar identisch mit der Duldung getarnter Nazifilme oder mit der Anerkennung des Rechtes, österreichische jüdische Künstler vom österreichischen Film grundsätzlich auszuschließen, d. h. auszuhungern? Aber auch In sachlicher Hinsicht nützt die von den „Wiener Neuesten Nachrichten" empfohlene „patriotische" Methode des Täuschens nicht! Das jüdische Palästina läßt sich nicht bluffen! Aus Athen: <J. T. A.) Da« Kultusminister r 1 u m veröffentlichte eine Erklärung, in der behauptet wird, daß Juden und Z i o n 1 s t e n in Serres das grie« einsehe Volk verhöhnten, Indem sie im August d. J. bei der Feier von Theodor Herzte Todestag einen Magen D a v i d an die griechische Flagge schlugen und In griechischer Pfadflnder*Uniform jüdische Leder sangen. Das Kultusministerium erklärt welter, es sei nicht in der Lage, weitere Details au« dem ihm zugegangenen vertraulichen Bericht zu veröffentlichen, es habe aber die notwendigen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Zwischenfall ergriffen. Die Erklärung des Kultusministeriums, die die infolge der Hetze der antisemitischen Presse entstandene ernste antijüdische Atmosphäre noch verschärft, hat in der jüdischen Bevölkerung tiefste Entrüstung hervorgerufen. In einem der Regierung Überreichten Protestmemorandum wird erklärt, daß der der Feier in Serres beiwohnende Polizellnspcktor ztmma^mmaemmmmmmimmmaMamawmmmmmmmnmmmmmm Nach Wiener Hakenkreuzmuster Aus Warschau: In dem Städtchen Wawrze nahe Warschau haben unerkannt gebliebene Täter in die Apotheke des Juden Grünberger eine Bombe geschleudert, welche explodierte, das Innere der Apotheke gänzlich vernichtete und dem Apotheker Grünberger schwerste Verletzungen zufügte; ihm wurde u. a. durch die Explosion ein Arm abgerissen. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. In K i e 1 c e wurden Stinkbomben in das einem Juden gehörende Kino „Palacc" geschleudert. Die Bombe war in ein Papier gewickelt, das die Aufschrift trug: „Richtet die Juden!" — Am gleichen Abend wurde in einen jüdischen Laden in Kielce sine Stinkbombe geschleudert. Ein jüdischer Vizebürgermeister in Lemberg Aus Lemberg: Bei der Konstituierung des neugewählten Stadtrats von Lemberg fiel das Amt eines der beiden Vizebürgermeister an den von der jüdischen Bevölkerung vorgeschlagenen Kandidaten Doktor Viktor C h a j e s. KREUZ-KINO Wollzeile 17 . Tel. R-21-2-16 Die Jagd nach dem Piratenschatz TSSSg* a;:,;^ Ein oberstes rabbinisches Schiedsgericht für Polen Aus Warschau: Entsprechend dem Verlangen des polnischen Kultusministeriums wurde in Polen ein Oberstes Rabbinisches Schiedsgericht geschaffen, dem 30 Rabbiner angehören, von denen in jedem Monat drei in Warschau amtleren. Das Schiedsgericht soll Streitigkeiten zwischen Rabbinern und anderen Kultusbeamten sowie zwischen Rabbinern und den Vorständen jüdischer Gemeinden schlichten. Eine Jüdin darf weggejagt werden Aus Frankfurt a. M.: Das hiesige Arbeitsgericht hatte sich mit dem Kündigungselnspruch einer jüdischen Arbeitnehmerin zu beschäftigen. Die Klage war darauf gestützt, daß sie als Jüdin nur wegen dieser Eigenschaft nicht entlassen werden könne. Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen und festgestellt, daß die Kündigung keine unbillige Härte darstellt. Diese Ansicht wird damit begründet, daß die Klägerin, die gekündigt worden war, nachdem das Geschäft auf einen neuen, arischen Inhaber überging, ein Zeugnis verlangt hatte, mit der Angabe, daß sie nur deshalb entlassen worden sei, weil sie Jüdin ist. Die Absicht war offenbar, ein Zeugnis zu bekommen, dazu bestimmt, die deutsche Volksgemeinschaft im Ausland zu schädigen und bei Stellenbewerbungcn im Ausland falsches Mitleid zu erregen. Vernichtender Schlag gegen deutecn-jüdischc Studenten Aus Berlin: Die Reichestelle für Devisenbewirtschaftung hat verfügt, daß Anträge auf Erteilung von Devisengenehmigung für einen Studienaufenthalt oder Schulbesuch im Auslande grundsätzlich abgelehnt werden. Soweit hiedurch ein weiterer Aufenthalt bereits im Auslande befindlicher Studenten unmöglich gemacht wird, kann ein für die Rückreise angemessener Betrag zugeteilt werden. Durch den Erlaß ist eine frühere Anordnung, wonach jüdischen Studenten und Schülern, die im Auslande studieren oder ihre Ausbildung genießen, die Genehmigung für die Ueberweisung ihrer Unterhaltskosten in das Ausland erteilt werden soll, Uberholt und nicht mehr gültig. Das heißt, Juden können überbaust nicht mehr studieren, auch nicht Im Auslande. apagnolisch nicht verstand und von ihm bei def Feier aufgefangene Worte und Sätze der Redner in einem verstümmelten Sinn der Regierung übermittelte. Die anderen Vorgänge bei der Feier hat der Inspektor bewußt verzerrt dargestellt. Der Generalgouverneur von Saloniki, Rhallls, erklärte einer jüdischen Abordnung, er sei erstaunt darüber, daß das Kultusministerium sich dazu verstand, ein solches Kommunique zu veröffentlichen. Ihm als Generalgouvemeur seien keinerlei Tatsachen über eine antinationale jüdische Tätigkeit in Mazedonien bekannt. Schon einmal hat eine falsche Legende — das Gerücht, daß griechische Makkabisten auf dem Makkabi-Kongreß in Bulgarien sich für die Lostrennung Mazedoniens von Griechenland erklärt hatten — viel Unhell über die Juden Salonikis gebracht; der Pöbel, von der Presse aufgehetzt, veranstaltete einen Pogrom und brannte den volkreichen jüdischen Stadtteil Campbell vollständig nieder. Streicher siegt! Aus Nürnberg: Das. jüdische Kaufhaus Julius S t r a u ß, gegen das auf Betreiben Streichers ein unerhörter Boykott-Terror angewendet wurde, so daß kein Käufer daa Geschäft betreten konnte, ohne insultiert und zwecks Diffamierung photographiert zu werden, mußte den Betrieb einstellten. Wie die Gauleitüng mitteilt, wird das Geschäft nunmehr als deutsches Warenhaus geführt werden; Nürnberger Fabriksbetriebe und Handwerker werden es beliefern. Die letzte Nummer der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" vermerkt, daß in Nürnberg zehn nichtarischc Aerzte, die boykottiert, wurden, ihre Praxis aufgeben mußten. Kommerzialvat Dr« Friede?'di Kindler gestorben Im Alter von 48 Jahren ist Dr. Friedrich Kindler nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Mit ihm verlieren das jüdische Volk und die zionistische Bewegung einen ihrer treuesten Arbeiter. Der Verstorbene begann seine Laufbahn als Richter, widmete sich dann dem Bankfach und ergriff schließlich den Rechtsanwaltsberuf. In allen Stadien seines Lebens war dieser edle, hilfsbereite Mann zur Stelle, wenn es galt, Juden zu helfen und die jüdische Sache zu fördern. Dem Zionismus erwies Doktor Friedlich Kindler durch die seinerzeltigo Gründung der „Wiener Morgenzeitung" .und ihre Unterstützung durch viele Jahre unvergänglichen Dienst. Wir sprechen der schwergetroffenen Familie des edlen Mannes, dessen Andenken wir in Ehren wahren werden, unser tiefgefühltes Beileid aus. — Die Bestattung findet Dienstag, den. 27. November, um 12 Uhr auf dem Zentralfriedhof statt. Tribüne Zionistischer „Frieden" Wir erhielten folgende Zuschrift: „Werte Redaktion! In allen zionistischen Blättern wird jetzt viel von „Frieden" gesprochen, Insbesondere in den Zeitungen der „Allgemeinen Zionisten". Aber am vorigen Freitag habe ich gesehen, wie es mit diesem Friedenswillen bestellt ist. Als Besucher des One g Sabbat des allgemeinzionistischen „Stand-Klub" im Prater, war ich Zeuge einer empörenden Szene: Einige ältere, bezirksbekannto Mitglieder der Sektion Prater der Judenstaatspartei waren als Gäste erschienen und begingen das „Verbreohen", einige Einladungen für eine Wochenversammlung der Judenstaatspartei zu verteilen. Darauf stürzten sich einige Führer der Allgemeinen Zionisten auf die Herren und trieben sie unter Schlägen und Beschimpfungen aus dem Saal. Wie empörend der Vorfall war, geht daraus hervor, daß einer der ältesten und angesehensten Zionisten des Bezirkes, Herr Wurzel, kein Judenstaatler, zur Rednertribüne eilte und die Vorgangsweise des „Ausschusses" aufs schärfste brandmarkte. Ist es nicht eine Schande, daß man von dieser „allgemein-zionistischen" Seite einer ruhigen, sachlichen Diskussion ausweicht, dafür mit anrüchigen Mitteln gegen sie arbeitet, von heimlicher Verleumdung der Partei und ihrer Führer bis zu Prügeleien, wie an diesem „Fröhlichen Sabbat"? Ich stehe dem zionistischen Parteigetriebe ferne, aber es drängt mich dazu, diesen Vorfall öffentlich festzuhalten, damit solche Treibereien gegen eine Partei, welche dem reinen Herzl-Zionlsmus und der Judenstaatsidee dient, endlich aufhören. Hochachtend E. W." ■•■■■■■■■■■■■■■MaMMaHWHaMntMMlMMMna Unaer Gg. Herr Dr. Karl Pollalt iat Von Wien nach Palästina übersiedelt und hat seine zahnärztliche Praxis dort aufgenommen. Haifa, Neuer Merkaa Miachari (New buslneas Centre) am Hafen, im Hatise def Holland Bank Ltd. Bm polnische Parlament judenrein? Aus Warschau wird berichtet: Polnische Zeitungen, unter ihnen die aus Kegierungskreisen gut informierte ,.11 u s t r o w a n i Kurjer Oodticnn 1", teilen mit, daß Sejm und Senat noch Im Verlauf dieses Winters sich mit einer Regierungsvorlage, betreffend Aenderung der Konstitution und der Wahlordnung Sejm und Senat befassen werden. Diese Vorlage sieht die Abschaffung des Proportional -Wahlsystem s und dessen Ersetzung durch ein System gewöhnlicher Mehrheit nach englischem Muster vor. Sollte diese Wahlordnung verwirklicht werden, so wird in Zukunft kein Jude im Sejm oder im Senat Polen» Sitz und Stimme haben, da die Juden in keinem polnischen Wahlkreis über eine absolute Mehrheit der Stimmen verfügen. Im ersten polnischen Sejm verfügten die Juden über 3 2 Abgeordnete, im Senat hatten sio zehn Sitze. Dies entsprach ungefähr ihrem Anteil an der GesamtbevöUkerung. Als dann eine neue Wahlkreiseliiteilung vorgenommen wurde, wobei hauptsächlich von Juden bewohnte Städte mit den Landkreisen vereinigt wurden, sank der Anteil der Juden im Sejm auf nur fünf oder sechs Abgeordnete, fm Senat sind sie nicht vertreten.

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