Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 417 (27.11.1934)
- Date
- 1934-11-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis fO Groschen Jahrgang 8 Dienstag/ den 27* November 1934 Hw+ «er Wb^b» Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediß par l'äditeur" F 186 VniV( et,mt. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER PTTTTTrq-RF.-DTTTßTTNOEN* Opsterrclch monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S lß.—; Polen monatlich Zloty 1.50. ^SraSri*Zlotv 4 50- TBchS^owa^lmo^i^Ko 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährSjDinlr 40.-: n^lSinmo^üteh^oV. vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-. vierteljährig Mark s Bnlmirlpn monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; SA^li und Sc^ übrigen Länder 1.50. vierteljährig Schweizer Franc» 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX, Universitätsstr.8, Tel.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u.Freitag RifualmorAhetie in Oesterreich a la Streicher Vor einigen Monaten hat die Ritualmord-Sondcrnummer des von dem intimsten Freunde Adolf Hitlers, dem Nürnberger Gauleiter Julius Streicher herausgegebenen „Stürmer" das Entsetzen, die Verachtung und Empörung der ganzen gesitteten Wolt hervorgerufen. Der Weltskandal war so groß, daß sich Adolf Hitler bewogen fühlte, die Verbreitung der Sondernummer des „Stürmer" zu verbieten. Nun ist in Oesterreich ein Buch aufgetaucht, daß das bestialische Machwerk Julius Streichers noch übertrifft. Der Ulrich- Moser-Verlag, Graz, hat ein 320 Seiten starkes, mit Bildern versehenes Buch „Gibt es jüdische Ritualmorde?" von Christian Loge herausgegeben. Der große Grazer Verlag „Styria" besorgt ijurch seine Wiener Zweigstelle den Vertrieb. An Scheußlichkeit der Bildtafeln, auf welchen die Marterung und Abschlachtung von Christenkindern durch jüdische Laien und Rabbiner dargestellt wird, erreicht dieses Machwerk den ,;Stürmer". Aber im Text wird Streicher über troffen! Während sich Streicher im großen und ganzen darauf beschränkt, jüdische Ritualmorde darzustellen, wird in diesem Buche der ganze Nachdruck noch auf die Behauptung verlegt, daß die gesamte Judenschaft, vor allem die Rabbiner, den Mord an Christen unter allen Bedingungen fördern und decken. Einige Proben : Mord — Pflicht der Rabbiner! Im Buche wird festgelegt, daß Ermordung von Christen ein religiöses Gebot ist, dessen Einhaltung die Rabbiner zu betreiben haben. Es heißt auf Seite 187: ' „Wie der Rabbi nismus lehrt, daß der Jude den Nichtjuden, den Christen übervorteilen, bewuchern, betrügen, berauben solle (nicht bloß dürfe!), weil er ja auf diese Weise nur das an sich nehme, was dem Juden durch den vermeintlichen Auserwählungsbund von Gott zugesprochen sei, so lehrt er ihn auch, die Tötung des Nichtjuden,;!es Christen, des vermeintlichen Widersachers Gottes, als ein gottgefälliges Werk anzusehen.", BCuläucireit ftSofoafc Dr. §♦ Frankfurter -wird des Daefosita'BiBs von Dokumenten 'zwecks VerfaeomBidiung des Rttuolmordes " besdiuldigt Mit einer von Streicher nicht erreichten Unverschämtheit wird ein alter, hoher österreichischer Staatsbeamter, der vor kurzem durch Berufung in den höchsten Kulturrat ausgezeichnete Univ.crsitätsbibliothekadircktor Dr. S. Frankfurter, beschuldigt,- im Dienste des Ritualmordes Dokumente und Bücher gestohlen zu haben. Es heißt auf Seite 203: „Betreiben doch die Juden seit Jahrhunderten systematisch die Durchstöberung aller Archive und Bibliotheken und lassen dabei alles dem Judentum Abträgliche spurlos verschwinden. . Aus der reichen Wiener Universitätsbibliothek verschwanden zur Zeit, als sie unter Leitung des Hofrates Salomon Frankfurter stand, auffallend viele Bücher und Handschriften „a n t i s e in i t ischen" Inhalts. Ein summarisches Verfahren kam gegen rcicho Urkundensammlungen des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs, betreffend die Ursachen des Weltkrieges 1914, zur Anwendung, die Raummangels halber im Wiener JUstizpalast untergebracht waren; am 15. Juü 1927 wurde der Justizpalast von den Wiener Bolschewiken angezündet und vollständig ausgebrannt. Gegenwärtig betreiben die Juden mit besonderem Eifer die .Durchforschung* der ihnen unbegreif licherwcjse zugänglich gemachten unermeßlichen Schätze des Archivs und der Büchereien des Vatikans. Dort sollte man doch gewarnt sein!" Die gesamte Judenschaft deckt die Christenmörder ' Auf Seite 183: „Indem die gosamte'Juden schalt (mit verschwindenden, die Regel nur bestätigenden Ausnahmen) die unleugbare Tatsache des Ritualmordes bei einer Sekte jüdischer Eingeweihter mit typisch einmütigem Fanatismus auch gegen die unwiderleglichen Beweise ableugnet und in dem die gesamte Jujlenschaft die Ilitualmörder in jodemFall typisch < imütig dockt, verrät sie den Zusammenhang des Riilualmordes mit dem judälstischen Rasseninstinkt. Die gewarnte Judenschaft fühlt instinktiv, daß hier der in'norstc Kern des Judaismus berührt ist. Und darum schreit sie einmütig auf und wendet einmütig die alten Vorhelmlichuiigsmlttel an, so oft irgendwo ein Kitualmord entdeckt wird." Wer fördert die Verbreitung des Blutbudies l Wie schon bemerkt, hat es der große Grazer Styria-Verlagübernommen, das Buch zu verbreiten. Er hat künstlerisch ausgestattete Prospekte herausgegeben, welche allen möglichen Zeitungen beigelegt •worden. Als charakteristisch sei mitgeteilt, daß u. a. »uch die in Wien erscheinende Zeitschrift „Oesterreichische pädagogische Warte" für christliche Lehrer den Prospekt des Ritualmordbuches in Form einer Beilage verbreitet hat. Was soll geschehen? Von einigen Seiten wird jetzt an die Staatsanwaltschaft die Forderung nach Beschlagnahme des Buches gerichtet. Damit ist diesmal nichts Ausreichendes getan. Es ist anzunehmen, daß die Regierung das Verbot des Buches aussprechen wird. Hat doch sogar die H i 11 e r- Regierung den „Stürmer" verbieten müssen, um nicht in den Augen der Welt ganz erniedrigt dazustehen. Jetzt ist Genugtuung für die-, unsäglich beschimpfte und bedrohte österreichische Judenschaft und. s t r e n g s t e Bestrafung der des schweren Verbrechens schuldigen Verlage und des Autors zu fordern. Protest und Beschlagnahme reichen nicht aus, solche Schande und Hetze zu sühnen und in Zukunft unmöglich zu machen. Die Behauptung, daß die Freimaurerbewcg u n g unter jüdischem Einfluß handelt und eigentlich ein Werkzeug der nach der Weltherrschaft strebenden „Jüdischen Internationale" ist, spielt in der antisemitischen Propaganda eine wichtige Rolle. Auch in dem jetzt in der Schweiz abgeführten Prozeß wegen des antisemitischen Machwerkes „Protokolle der Weisen von Zion" nimmt die Diskussion über das Thema „Freimaurer und Juden" einen breiten Raum ein. Aus Anlaß dieses Prozesses werden auch in Frankreich alle im Berner Gerichtssaal aufgerollten Probleme eifrig besprochen. Interessant sind die Ausführungen eines Pariser katholischen Blattes, des von der Bruderschaft von Nötre-Dame de Lion herausgegebenen „Bulletin catholique de la Question d'Israe 1". Das Blatt "bringt einen Artikel von M. Marques-Riviere über „Freimaurerei und Juden", in welchem es heißt: „Der jüdische Einfluß in der Freimaurerei ist genau so klein oder so groß wie der anderer geistiger Strömungen, so groß wie der des Protestantismus, des Rousseauschen Naturalismus und der Rosenkreuzer- Mystik. Lange Zeit waren in gewissen Ländern die Logen den Juden verschlösse n." „Die .rituellen Formeln -der Freimaurer nehmen fortwährend Bezug auf biblische Geschichten, weil ihre Schöpfer englische Protestanten waren, die ihre Weisheit aus der Bibel geschöpft haben. Dieser eigenartige biblische Einfluß befriedigt die anglikanische Tradition und entspricht der angelsächsischen Vorliebe für die Bibel." „Aber ich will nicht behaupten, daß kein jüdischer Einfluß in den Logen bestehe. Der Jude drängt sich überall vor. Nur muß man sich vor Augen halten, daß die Logen energisch Widerstand leisten." „Beweis. Auf der Generalversammlung 1932 der Großloge .Grand Orient' hat nach dem Jahresbericht (p. 137) ein hoher Würdenträger der Freimaurerloge, M. Charpy, folgendes gesagt: „Was die christlichen und humanitären Großlogen Deutschlands anbelangt, macht sich ein heftiger Widerwille gegen die Anerkennung des französischen .Grand Orient' geltend. Hier gesellen sich zu philosophischen Streitpunkten Gegensätze nationaler, rassischer und sektiererischer Natur. Die deutschen Logen werfen uns insbesondere vor, demokratisch, traditionsfeindlich, französisch zu sein und Juden in unsere Gemeinschaft aufzunehmen. Ich weiß wohl, daß diese letztere Ansicht Vertreter im Schöße der .Grand Orient de France' selber hat. Es ist Ihnen nicht unbekannt, daß gerade hier Judenstaatspartei Oesterreichs Samstag, den 1. Dezember, punkt ^9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel „Continental", II, Taborstr. 4 $co(k fhakluMetfeiet Lichteriiinden: Kantor Josef Feuer unter Mitwirkung des Männerchors des Jüd. Gesangvereines (Leitung: Kapellmeister I. Brandmann) Festrede: Oberbaurat Ing. Robert Stricker Mitwirkende: Emst Deutsch (Theater in der Josefstadt) / Ljuba Lewitzka, Hebräische Gesänge / Prof. Josef Zimbler, Violinvorträge Jüdischer Gesangverein Unter Mitarbeit der Jüdischen Kulturstelle Karten zu S 2.—, 1.50 und 1.— bei: „Neue Welt", 1 IX., Universitätsstraße 8/1 (A-20-2-78); Paula 1 Stricker, II., Hollandstraße 10 (A-48-1-89); Wareng haus Brüder Schiffmann, II., Taborstraße 48 H Sichern Sie sich rechteeitig Karten! i m ein ausgesprochen extremer antisemitischer Geist herrscht, über den ich mich gründlich aussprechen würde, wenn mir jemand hierin widersprechen sollte." Diese Ausführungen sind um so bemerkenswerter, als sonst gerade von Seiten des Katholizismus, der die Freimaurerei als ein böses und der Kirche gefährliches Prinzip ansieht, oft behauptet wird, daß Freimaurerei und Judentum in engsten Beziehungen stehen. Hier wird einmal von katholischer Seite die Behauptung von diesen engen Beziehungen, bzw. von Befehlsgewalt der Juden über die Freimaurerei, eindeutig abgelehnt. Auch für die vielen Juden, die den Begriff Freimaurerei mit dem Begriff von Vorurteilslosigkeit auf religiösem und rassischem Gebiete verbinden, sind diese Ausführungen dos katholischen Blattes sehr aufschlußreich. Sie zerstören Illusionen auf antisemitischer und auf jüdischer Seite. Die amerikanischen Juden und Oesterreich Die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet aus Washington: Eine Abordnung des Präsidiums des American Jewish Congress, geführt vom Ehrenpräsidenten des Congress Rabbi Stephen S. Wise, besuchte den österreichischenGe sandtenin Washington und übergab ihm ein Memorandum, i n welchem dargelegt wurde, daß die Juden in Oesterreich unbeschadet ihrer formalen Gleichberechtigung unterschiedlich behandelt werden, und die österreichische Regierung ersucht wird, auch über die faktische Gleichberechtigung der Juden zu wachen. Der Gesandte erklärte, er werde das Memorandum an die österreichische Bundesregierung weiterleiten. RUNDSCHAU Die ,/Ravag" als Erzieherin! Läppische Anremepelung im Aether Die Beschwerden, die gegen die österreichische Radiogesellschaft „Ravag" seitens der jüdischen Hörer erhoben wurden, bezogen sich bisher ausschließlich auf die Vernachlässigung der jüdischen Musik und Literatur. Es war also der Unwille über einen Mangel im Programm, der in verschiedenen Zuschriften an unser Blatt zum Ausdruck kam. Vor kurzer Zeit brachte uns die Post einen Brief eines zionistischen Einsenders, der etwas anderes zu sagen hatte als dl- bisherigen Beschwerdeführer: dieser Abonnent unser?« Blattes und Abonnent der Ravag entrüstete sieh nicht über einen Mangel, sondern über einen bestimmten ..Vortrag". Die Zuschrift lautet: „Zur Illustration, wie bei uns die Einschätzung der Juden im allgemeinen gehandhabt wird, wäre es gut, wenn Sie den wörtlichen Text der Schallplatte „Ein Erlebnis im Frisurladen'« des Komikers Franz Engel, die kürzlich von der Wiener Ravag übertragen wurde, in Ihrem Blatt wiedergeben würden. Empörung erfaßte auch, als ich diesen *Y0f*