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Die neue Welt · 1934-11-23 · Heft 416 (23.11.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 416 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NETJE WELT Nr. 416 RABEWS rtlfl 3 HIMMELPFORTG. 8 KÖLLN CR HOF ü. f SÄMTLICHE ARTIKEL IN WASCmE UNO wirk WARIN SPOTTBILLIG! Führend In ETCRNA-Hemden (von 6*60 aufw.) Bio letUän.ji-oiU' Re^hnun^. hat in bezug auf die Minderheiten keinerlei Ausnahmegesetze erlassen, aber auf administrativem Wege alles getan, um ihnen, vornehmlich d<vi .luden, jede Existenzbasis zu nehmen. Der Regieruncsehef hat eine Reine von Gesetzen eingeführt, die sich zugunsten der Bauern auf Kosten ues Handels und der Industrie auswirken sollen. Noch wichtiger aber ist die Tatsache, daß die Regierung es unternimmt, auch Handel und Industrie zu ,,1 e t t isieren". Diese Gebiete lagen zum größten Teil in jüdischen Händen. 50 Prozent der jüdischen Bevölkerung beschäftigten sich mit Handel (nur 3 Prozent Lettländer) und 29 Prozent Juden. 27 Prozent Deutsehe und 10 Prozent Lettländer waren in der Industrie tätig. Jetzt geht die Regierung daran, eine lettländischr Mehrheit im Bereich der Industrie und des-- Handels zu sei •.äffen. Auch in den freien Berufen versucht die Regierung, ihre Lettisierungsbestrebungen durchzuführen. Jüdisch e A erzte werden aus den Krankenkassen herausgestoßer., nach einem in Vorbereitung befindlichen Gesetz werden die jüdischen Jns-Studenten beim Eintritt in die Advokatur auf die größten Schwierigkeiten stoßen. Es muß noch erwähnt werden, daß auf Grund einer speziellen Verordnung in ganz Lettland die Z w a n g s- Sonntagsruhe eingeführt wurde, die bisher in einzelnen Städten keine Geltung hatte. Wenn man bedenkt, d'iß die jüdische Bevölkerung Lettland den Sabbat streng häit. werde:1 die schweren Folgen der Sonntagsruhe für die jüdische Wirtschaft klar. In allen Winkeln des wirtschaftlichen Lebens wird der durch das neue Regime hervorgerufene Zustand fühlbar. Die Jugend .sieht keinen Ausweg aus dieser Lage Sie strebt nach Palästina, nach der jüdischen Heimat. Aber auch die ältere Generation ist überzeugt, daß sie sich der Jugend wird anschließen müssen — in bezug auf deren zionistische Hoffnungen. Weitere Tatsachen Wir entnehmen einem J.-T.-A.-Bericht: Die Aufsicht über das jüdische Schulwesen hat jetzt die extrem-orthodoxe Agudas Jisroel. Die privaten jüdischen Schulen gewährten Staatssubsidien wurden zurückgezogen. Das vorher blühende jüdische Schulwesen in Lettland steht heute vor dem Unte rg a n g. Aber auch das gesamte jüdische Kulturleben wird gedrosselt. Referate über rein literarische oder historische Themen werden nicht erlaubt. Als zum Beispiel nach dem Tode B i a 1 i k s eine Trauerfeier vorbereitet wurde, verboten die Behörden diese Veranstaltung und erlaubten in der Folge nur die Abhaltung einer Trauerandacht in einer Synagoge, bei welcher n u r Repräsentanten des orthodoxen Flügels sprechen durften. Als Prof. Bio d e t s k y. Leiter der Politischen Abteilung der Jewish Agency, Riga besuchte, wollten die Allgemeinen Zionisten einen Vortrag des Gastes über den Stand der zionistischen Bewegung arrangieren. Die Behörden erlaubten diese Veranstaltung nicht und verstanden sich schließlich nui dazu, einen Vortrag Brodetskys vor einem geschlossenen Kreis im Beisein von mehreren Vertretern der politischen Polizei zuzulassen. Die früher lebhafte zionistische Tätigkeit in Lettland ist heute faktisch u nm ö g 1 i c h geworden. Die Bewegung für das Arbeitende Palästina hat keinerlei Möglichkeit zu einer legalen Arbeit. Die Bemühungen zur Rettung des H echaluz, der in Lettland 2200 Mitglieder, davon 600 auf Hachscharah, zählt, waren erfolglos. Verboten wurde der „Bialik-Klub", der ,,Pcrez-Klub", die Gesellschaft „Jüdisches Volkshaus", das jüdische Arbeitertheater und viele andere. %4Mi $f&ßk lk$Ü$kl 2 Staatlich diplomierte ausgezeichnete Lehrerin unterrichtet nach moderner Methode. Mäßiges Honorar IX, Mariannengassc Nr 32, Mezzanin, Tür t Huden in Tel-Aviv, Adiad'Haaim S«sr. 52, sm ' WZ Hotel /Talpioth' das europäisch geführte Haus mit allen Bequemlichkeiten In ruhiger Lage im /entrinn der Stadt Helenen, üui und modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser. Grofter schattiger Garten mit Liegestühlen Wiener Küche. Aufmerksame Bedienunß Sitz der Austro-Palästinensischen Handelskammer und der Hitachduth Olei Austria. Jiaden§taat§partei Oe§lerreidis Versa mmlungskalender D icnsta g, <11> n 27. N o v e in bor, 8 Uhr abends, i Judenstmitsjugend, im .fudenHtaatsheim, Werdertorgnsse Nr. 11, Thema: „Cli, X. Blalik". lteferent: Moritz Abend. I) i e n s t a g, (1 e n 27. Novo in b e r, 1..!) Uhr abends, Verein „Ksra". XV., Sehun/.straße 82, Diftkusslensabend. M 11 1 u- (i c h. de n 'ZU. N o v e in b e r, um!•..$> Uhr abends im Holm. I., Werdertorgasse 14, Versammlung. Don norstag, de n 29. N o v e m b o r, 1 j9 Uhr abond.s. .Judenstaatsheim, Prnter, II., Kleine Zulnhrts straße IG(> (Haltestelle Molkereistruße), Thema: „Gallith and Palästina". Redner: Hans Kolb. D o n ii c r s t ii g, d c n 20. N o v c m bo r, 8 Uhr abends, Studentenklub, I., Werdertorgasse 14, Studenten Versammlung. IVfakkahäeifeier der J6iden§taaf§pas*iei Oesterreidi§ Die diesjährige Makkabäeri'eier, welche Samstag, den 1. Dewmbor, 8.30 Uhr im Festsaale dos Hotel Continental, II., Taborstraße 4, stattfindet, weist ein hervorragend künstlerisches Programm auf. Der berilhmtt Schauspieler und Sprecher Ernst. DiMitsc h, der gegenwärtig an Wiener Bühnen Triumphe feiert, wird aus Werken jüdischer D'chter vortragen, ferner wirken Konzertmeister Josel Zlrabler (Violine), Ljuba L o w i t zkaja (Gesang), Kantor Josef Feuer, der Jüdische Gesangsverein unter Leitung von Israel Briindmaiin mit. Die Festrede hält Oberbaurat lag. Robert Stricker. Das Interesse für diese Veranstaltung ist außerordentlich groß. Es empfiehlt sich daher, bei nachstehenden Stellen rechtzeitig Karten zu besorgen. * Karten zu S 2.—, 1.50 und 1.— bei: „Neue Welt", IX., Universitätsstraße 8/1 (A-20-2-78); Paida Stricker, IL, Hollandstraße 10 (A-48-1-89); Warenhaus Brüder Schiffmann, IT., Taborstraße 48. KREUZ-KINO Wollzeile 17 . Tel. R-21-2-16 Die Jagd nach dem Plratenscliafz Ähga«rd Au§ aller Weif Minister Darre hetzt weiter Aus Berlin: Am Schluß des Reichsbauer nt a g e s zu Goslar machte der Reichsnährminister Darre scharfe Ausfälle gegen die Juden, Heute, sagte er, kämpfe in Deutschland nicht eine nationalsozialistische Wirtschaftstheorie gegen eine liberalistische, sondern es stehen sich hier gegenüber der blutbedingte, aus den heimatlichen Wurzeln stammende Arbeitsbetrieb, welcher deutsch und arisch ist, und auf der anderen Seite der vom Handel abhängige Jude, welcher die Völker beherrschen will. Denunzierung von Juden — Parteipflicht! Aus Prag. (J. T. A.) Der Gauleiter der Mark Brandenburg, Wilhelm K u b e, veröffentlicht den folgenden Aufruf: „Seit dem 30. Juni ergießt sich eine Schlammflut schmutziger Verleumdungen gegen alle Dienststellen der Nationalsozialistischen Partei und ihre Gliederung im sogenannten Beschwerdeweg an viele maßgebende Männer der Partei. Der Nationalsozialismus ist nicht gewillt, diese Dreckoffensive widerstandslos hinzunehmen. Unsere Stärke lag "stets im Angriff und so befehle ich als Gauleiter der Kurmark, den Gegenstoß einzusetzen. Sämtliche Parteigenossen der Kurmark schicken durch ihre Ortsgruppenleiter und Kreisleiter ihre Beschwerden über verkappte, reaktionäre Freimaui'er, Marxisten, Juden und ähnliche Zeitgenossen an den Gau." Danzig liefert Juden an Hitler aus Aus Dan zig: Der nationalsozialistische „Vorposten", das Organ des Danziger Senats, hat im Zusammenhang mit der Ausweisung des Redakteurs der sozialistischen „Volksstimmc", Hirschfeld,, eine erneute J u d e n h e t z c entfacht. Den Sozialdemokraten wird vorgeworfen, daß sie unter jüdischem Einfluß stehen. Hinter der Arbeiterpartei verberge sich „die grinsende Fratze des Judentum s". -- Hirschfeld, der als Reichsdeutscher von der Danziger Polizei nach Deutschland abgeschoben und gewissermaßen den reichsdeutschen Nazis ans Messer geliefert worden ist, soll sich angeblich in Elbin im Untersuchungsgefängnis befinden. Der „Vorposten" weiß in diesem Zusammenhang bezeichnenderweise zu melden, daß er „seiner gerechten Strafe nicht entgehen dürfte". Vater und Sohn dürfen keine Gesellschaft bilden Aus Berlin: Die neue R e c h t s a n w a 11 s o r dn u n g in Deutschland verbietet es einem arischen Rechtsanwalt, sich mit einem nie h tarische u zu einer Gesell s ch a f t zusammenzuschließen. Die Reiehskammer für Advokaten hat jetzt in einem Urteil entschieden, daß eine Gesellschaft, die aus Vater und S o h n bestand, aufgelöst werden müsse. Ks ergab sich nämlich der groteske Tatbestand, daß der Vater, ein angesehener Justizrat, eine jüdische Großmutter hat, also „Nichtarier" ist, während der einer späteren Generation angehörende Sohn bereits als „Arier" gilt. Die Genler jüdische Frauenliga für die Einwanderung von 15.000 jüdischen Mädchen nach Palästina Aus Genf: Die Genfer jüdische Frauenliga, Vorsitzende Mme. C. Lebach, Generalsekretärin Mmc. Rosa Aberson, beschäftigte sich in ihrer letzten Versammlung mit der Frage der Einwanderungabcschränk u n g e n für Mädchen und Frauen nach Palästina. Frau Aberson wies darauf hin. daß unter den im Zeitraum 1919 bis 1933 nach Palästina eingewanderten Juden 43 Prozent heiratsfähige Männer, 34,2 Prozent Frauen und 22,8 Prozent Kinder waren. Auch im Jahre 1933 sind viel mehr Männer als Frauen nach Palästina eingewandert, so daß ein großer Mangel an heiratsfähigen jüdischen Frauen in Palästina herrscht. Trotzdem werden von der Palästina-Regierung der Einwanderung von Frauen und Mädchen große Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Die Frauenliga wird sich an die englische M a ndatarmacht mit einem Appell wenden, sie möge ein Gleichgewicht zwischen den Einwanderern beiderlei Geschlechtes dadurch herbeiführen, daß sie die Einwanderung von 1 5.0 0 0 jungen jüdischen Frauen bewilligt. GutiTiachung von Kriegsschäden in Palästina Aus Washington. (J. T. A.) Am 17. November ist zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei ein Vertrag unterzeichnet worden, in dem die Türkei sich verpflichtet, 1,300.000 Dollar zur Wiedergutmachung von Kriegsschäden amerikanischer Bürger in Palästina zu bezahlen. Damit fand ein langjähriges Verfahren seinen Abschluß, das von den durch die Kriegsoperationen geschädigten, hauptsächlich jüdischen Eigentümern von Pflanzungen im Vorkriegs- Palästina gegen die türkische Regierung angestrengt worden ist. Der judenfeindliche Kurs im Irak Aus London: Aus dem Irak in London eintreffende Berichte besagen, daß im Irak der judenfeindliche Kurs andauert. Zwanzig jüdische Beamte in den Ministerien für Wirtschaft und für Verkehr wurden, zum Teil nach fünfzehnjähriger Dienstzeit, plötzlich entlassen. Jüdische Staatsbeamte fanden, als 3ie nach den jüdischen Feiertagen ihren Dienst wieder antraten, ihre Schreibtische mit Hakenkreuzen beschmiert. Die Regierung hat das Ersuchen, das Verbot der jüdischen Zeitungen aufzuheben, abschlägig beschieden. Aus London: „Daily Telegraph" bringt ein Telegramm aus Bagdad, daß ein Bagdader Gericht einen jüdischen Buchhändler, der in einem Brief an einen Geschäftsfreund im Ausland über das Verbot der Einfuhr jüdischer Schriften in den Irak geklagt hat, deswegen zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt hat. „Daily Telegraph" nennt den Namen des Verurteilten nicht; vermutlich handelt es sich um den Bagdader Buchhändler L e v y, dessen Brief von hebräischen Zeitungen in Palästina und vom Londoner „Jewish Chronicle" abgedruckt wurde. Jedenfalls illustriert das Bagdader Urteil die ungeheuerliche Unterdrückung, der die Juden im Irak, die beim Eintritt des Irak in den Völkerbund ,,f r e i w i 11 ig" auf Mindcrhci 1. e nschütz verzichtet hatten, jetzt ausgesetzt sind. Deutsch-jüdische Flüchtlinge gründen eine Gemeinde in Chile und Persien Aus Santiago di Chile: Eine Gruppe in Chile eingetroffener deutsch-jüdischer Flüchtlinge hat gemeinsam mit seit Jahren hier wohnenden deutschen und ungarischen Juden eine Kultus gemeinde gegründet und geht nun daran, eine Synagoge nebst Versammlungs- und Kulturzentrum (Bibliothek usw.) zu errichten. Führer der Gemeinde sind Hugo Hochschild, Pablo Levi, H. Tischauer, Josef Kölnisch, Leon Rosenthal und Nathan Gärtnei*. Eine Gruppe junger Juden gründete einen „Jüdischen Dramatischen Verei n", Präsident ist der frühere Präsident der Zionistischen Föderation von Chile, Moses Feiwowitsch. Aus Teheran: Nachdem die seit den Kriegsjahren in Teheran, der Hauptstadt Persiens, wohnende kleine Gruppe russischer Juden durch neu zugezogene deutsch-jüdische Flüchtlinge sich vergrößert hat, schritten die Ru s s e n und die Deutsche n gemeinsam an die Gründung einer a h c h k e n a s i s c h e n Gemeinde, und Synagoge. Am vergangenen Simchat-Thora-Fcst wurde die Gemeinde feierlich eingeweiht. Führer der Gemeinde sind Salomon Haschander, Baruch Wadmani und Jehuüa Arkin. (J. T. A.) lieber 2000 Palästina-Wanderer aus Griechenland Aus Saloniki: Durch Vermittlung des Palästina- Amtes in Saloniki haben sich vom April 1933 bis September 1934 insgesamt 2 12 1 .1 u d e n von Grieche n- 1 a n d nach Palästina begeben. Es wurden (110 Zertifikate, davon 243 an H a fc n a r b e i t c r und 3ö7 an Chaluaim anderer Kategorien ausgegeben. Mit diesen Zertifikaten wanderten 1141 E'ersonen nach Palästina. Der Rest der Wanderer setzte sich aus Angehörigen des Mittelstandes und des I-Iandwerkertums zusammen. Der Verein der Buezaczer in Wien gratuliert herzlichst seinem Ausschußmitglied Herrn Efraim Lenz und seiner Gattin anläßlich ihrer silbernen Hochzeit.

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