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Die neue Welt · 1934-11-23 · Heft 416 (23.11.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 416 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE NEUE WELT Seite 3 SCHENKT BÜCHER 11 ZU CHANUKKASS Hugo Herrmann Palästina, wie es wirklich Ist Gebunden S 9.45, Kartoniert S 6.80 Hugo Herrmann Palästina-Kunde I.—IV. Bd. I, III, IV ä S 3.—,, Bd. II S 6.— Jesaias Press N«Mies Palästina-Handbuch Der beste und modernste Reiseführer S 27.30 Hugo Herrmann Genernlkarte von Palästina S 5.25 Josef Frankel Theodor Herzl — des Schöpfers erstes Wollen S 5.25 FIBA Versandbuchhandlung, Wien VI. Gumpendotferslraße 10 Telephon B-24-9-78 Kaschruth-Kommission, erklärte, seiner Meinung nach habe dieses Mordattentat nichts mit dem Bann des Rabinats gegen Benützung von Geflügel ohne Kaschruth- Stempel zu tun; es handle sich vielmehr um einen persönlichen Racheakt. Rabbi Ebin erklärte weiters, daß die Händler von 72 (von insgesamt 132) Geflügelmarkten in New York sich schriftlich verpflichtet haben, sich der rabbinischen Kontrolle zu unterwerfen und das für die religiöse jüdische Bevölkerung bestimmte Geflügel mit Kaschruth-Stempeln des Rabbinats versehen zu lassen. Hingegen haben 700 Fleischhändler in Bronx, dem hauptsächlich von Juden bewohnten New-Yorker Stadtteil, beschlossen, aus Opposition gegen den rabbinischen Bann Geflügel mit Koscher-Etiketten vom Handel auszuschließen. Magistrats-Chefinspektor Loius Lande und Arthur Simon vom Gesundhcitsausschuß forderten die „wilden" Schochtim auf, sich unverzüglich dem Rabbinat zu unterstellen und nicht mehr ,,schwarz" zu Schächten. Di1« NL CSoIdmann bei Mussolini Wie bereits mitgeteilt, ist Dr. Nahum G o 1 d m a n n, Präsident des Coniite des Delegations Juives und des Exekutivkomitees für den Jüdischen Weltkongreß, vom italienischen Regierungschef Benito Mussolini empfangen worden. In Dr. Goldmanns Begleitung befand sich Dr. Angelo Sacerdoti, Grand Rabbin von Rem und der jüdischen Gemeinden Italiens. Die J. T. A. meldet hiezu: In der Unterredung unterbreitete Dr. Goldmann dem italienischen Regierungschef eine Darlegung der gegenwärtigen jüdischen Situation und lenkte seine Aufmerksamkeit auf einige besonders aktuelle Fragen, die die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern betreffen, wie auch auf das Problem der Sicherung der Minoritäten rechte für die jüdischen Gemeinschaften, denen solche Rechte durch die Friedensverträge zugesichert worden sind. Dr. Goldmann unterrichtete auch den italienischen Regierungschef über die Ziele und Organisationsformen des künftigen Jüdischen Weltkongresses. Der Regierungschef Mussolini nahm lebhaftes Interesse an allen erörterten Fragen und betonte insbesondere auch seine Sympathien für den Jüdischen W cltkongreß, für den sich bekanntlich der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens, die offizielle Vertretung der italienischen Judenheit, von Anfang an ausgesprochen hat und an dem sie, ebenso wie es an den Genfer Weltkonferenzen der Fall war, teilnehmen wird. * Aus Genf: Dr. Nahum Goldmann, Präsident des Ccmite de* Delegations Juives und des Exekutivkomitees für den Jüdischen Weltkongreß, ist in Genf eingetroffen, um die jüdischen Interessen in der Saarf v a g c anläßlich der Sitzung des Völkerbundrates, die dem Saarproblem gewidmet ist, zu vertreten. Von Genf begibt sich Dr. Goldmann für einige Zeit nach Palästina. Das Mitglied der Exekutive für den Weltkongreß, Israel J e f f r o y k i n, wurde in der letzten Sitzung der Exekutive mit deren Leitung in Vertretung von Dr. Nahum Goldmann betraut. EBJ Staden im amerikanischen Parlament Aus New York: Der Jude Oberst Herbert H. Lehmann ist zum Gouverneur des Staates New York mit weit über zwei Millionen Stimmen wiedergewählt worden. Er schlug seinen Gegner Moses, der ebenfalls Jude ist, mit über 80 0.0 00 Stimmen. Moses kehrt auf seinen Posten als Park-Kommissar von New York zurück. Der von den amerikanischen Hitler-Deutschen gestützte Kandidat der „Recovery Party", John F. Hylan, erhielt kaum 1 0.0 0 0 Stimmen. Hylans blamabler Mißerfolg wird allgemein als ein Zusammenbruch der deutschamerikanischen Nazi-Bewegung beurteilt. In das Repräsentantenhaus des 74. Amerikanischen Kongresses wurden elf Juden gewählt. Wiedergewählt wurden alle fünf jüdischen Kongreßmitglieder des Staates New-York: Emanuel C e 11 e r, Samuel Dickstein, William I. Sirovich, T. A. Peyser und Sol Bloom. Der Staat Connecticut entsandte zwei Juden in den Kongreß: H. P. Koppleman aus Hartford und William M. C itron aus Middletown. Beide sind Demokraten und im jüdischen öffentlichen Leben sehr aktiv. In Chikago wurde Adolph J. S a ba th# in San Franzisko Frau Florence P. Kahn wiedergewählt. In Atlantic City, New Jersey, wurde der Republikaner I. Bacharach, in Pittsburgh der Demokrat Henry Ellenbogen gewählt. In das New-Yorker Staatsparlament wurden 23 Juden, alle Demokraten, gewählt, unter ihnen der Sozialist und geschäftsführende Direktor des ,,.T ewis h Daily Forwar d", B. Charney Vladcck, mit 18.802 Stimmen. Der sozialistische Kandidat für den New- Yorker Gouverneurposten, Charles Solomon, ein Jude, erhielt in New York City 79.234 Stimmen. Große Genugtuung herrscht unter den Juden Arnerikäs über die Niederlage des antisemitischen Kandidaten zum Repräsentantenhaus, Louis T. McFadden, der zwanzig Jahre dem Kongreß angehörte und nun vom Demokraten C. Emier Dietrich geschlagen wurde. Im Jänner dieses Jahres hatte McFadden im Kongreß von den „Geld juden von Wall Street" und der weltbeherrschenden Macht der „Internationalen Jüdischen Hochfinanz" gesprochen FRITZ SCHULZ ROSY BAfcSONY FELIX BRESSART OLLY GEBAUER TIBORv.HAL/AAY In dem. rmis\ho0JK^en> sg fij& JVfl M 'm~7B PK.EHBUCH: %J MMCs^' /§ 8ERNAUERU-PARKA? RE6IE-FWT1 SCHUL! _ MÜNK HANS MAY.u«2 FRI71 IMHOFF- HERTHA NATiLEF.* HANS HOMMAU AWr GARTE N BAÜ-i KARNTN ER-i-BUSCH. Kl NO n- HAYDN-viHEIAAAT-ixKOLOWEU/AKINOix UN VMSN-FIUA »W. fAOWkWJK*f».O0UlcnON l«V K18A VERU6IM und sich zur Echtheit der „Protokolle der Weisen von Z i o n" bekannt. Er erntete dafür hohes Lob von Julius Streicher im Nürnberger „Stürmer". ■e innerzioni§ti§cli€n Friedensverhandlungen Die Verhandlungen zwischen den beiden Führern der Zionisten-Sozialisten und Zionisten-Revisionisten, Ben Gurion und Jabotinsky, und die bisher veröffentlichten, auf Vermeidung von gewaltsamen Zusammenstößen und auf gemeinsame Arbeit in der Leitung hinzielenden Abmachungen haben in der zionistischen Presse eine überaus lebhafte Diskussion entfesselt. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, die ihrer Zusammensetzung nach heute mit der Zionistischen Arbeiterpartei fast identisch ist, befürchtet von dieser Diskussion eine Störung der Friedensaktion und fordert die Zionisten auf, von „unautorisierten Gerüchten keine Notiz zu nehmen" und die Publizieru'ng und Besprechung von Details der Verhandlungen, die nur durch „Indiskretion" bekannt wurden, zu unterlassen. Ob diese Aufforderung sich als wirksam erweisen wird, scheint fraglich, denn die Kämpfe der beiden zionistischen Flügelparteien und die mit ihnen verbundenen Skandale (Mordprozeß Arlosoroff, blutige Ueberfälle, Denunziation usw.) haben Jahre hindurch die Oeffentlichkeit allzu sehr beschäftigt, als daß ihre Liquidierung illiiie lUiiifien sind billig. Sanft, gründich,, rassig und preiswert ist natürlich nur in, aller Stille „diskret" erfolgen könnte. Die Sorge der Exekutive scheint überflüssig: Wenn die Verhandlungen so schwach fundiert sind, daß sie einer öffentlichen Besprechung nicht standhalten, werden sie kein haltbares Resultat zeitigen. — Die J. T. A. bringt folgendes Stimmungsbild: „Während die Allgemeinen Zionisten die bisher mitgeteilten Ergebnisse der Befriedungsverhandlungen innerhalb der Bewegung, im besonderen das zwischen Ben Gurion und .Tahotinsky unterzeichnete Abkommen, zustimmend beurteilen und weitere Ergebnisse erhoffen, hat das Abkommen in den Kreisen der zionistischen Arbeiterschaft selbst sowie in jenen der Revisionisten eine sehr geteilte Aufnähme gefunden." . „Wie aus Palästina gemeldet wird, wurde das Abkommen in elf Rayonskonferenzen der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei bei Teilnahme von tapsenden Mitgliedern lebhaft diskutiert, wobei die Meinungen scharf auseinandergingen. Beschlüsse wurden nicht angenommen, die endgültige Entscheidung wird wohl die demnächst zusammentretende Landeskonferenz der Partei fassen." „Auch in den Kreisen der Revisionisten prallen die Meinungen hart aufeinander; insbesondere ist der Achi-Meir-Flügel entschieden gegen das Abkommen. Die Führer dieses Flügels, unter ihnen der hebräische Schriftsteller Uri Zwi Grinberg, haben die Absicht verkündet, die revisionistische Partei zu v e rlassen. In Polen hat der Führer der Revisionisten, der Warschauer Rechtsanwalt Elchanan Lewin, in einem offenen Schreiben an Jabotinsky die Niederlegung seiner Mandate und den Austritt aus der Weltunion angekündigt." „Die Besprechungen zwischen Ben Gurion und Jabotinsky sind zeitweilig unterbrochen worden, nachdem'vorher Formulierungen, betreffend den Arbeitsfrieden in Palästina und eine Zusammenarbeit in allen politischen und praktischen Gebieten innerhalb der zionistischen Bewegung, aufgesetzt, aber noch nicht unterzeichnet wurden. Ben Gurion begab sich nach Palästina, Jabotinsky nach Paris; jeder der Parteiführer wird sich mit seinen Unterführern und den zuständigen Parteiinstanzen vertraulich ins Benehmen setzen, um einen endgültigen Abschluß der Verständigung vorzubereiten." „Das Organ der Zionistischen Exekutive, .Haolam', führt im Leitartikel aus, es seien nur folgende Alternativen möglich: Entweder eine auf einer neuen, starken Disziplinbasis aufgebaute Zionistische Organisation mit Einschluß der Union der Zionisten-Revisionisten oder ein Abkommen zwischen der Zionistischen Weltorganisation und der von derselben organisatorisch vollkommen getrennten revisionistischen Union zur Durchführung spezieller gemeinsamer Aufgaben." » In diesem Berichte fehlt der Hinweis auf die Stellungnahme der Judenstaatspartei und des Mis< rachi, Der erste Antrag auf Einleitung einer Aktion für die Herstellung einer zionistisch-politischen Einheitsfront ist von der Judenstaatspartei gestellt worden. Sie hat unter Hervorhebung der außerordentlich schweren politischen Gefahren, welche das zionistische Aufbauwerk, bedrohen, die Einberufung einer Konferenz aller Parteien gefordert. Statt diesem Antrage stattzugeben, hat man die Verhandlungen auf die beiden, im Kampfe am stärksten exponierten Gruppen resp. ihre Führer beschränkt. Man hat die zionistische Allgemeinheit, von welcher, der Meinung der Judenstaatspartei nach, allein ein zwingender moralischer Druck auf in den Kampf verbissenen Flügelparteien ausgeübt werden kann, ausgeschaltet. In Kreisen der Judenstaatspartei ist man der Ansicht, daß dieser Umstand den Fortgang der Friedensverhandlungen behindern, vielleicht zum Abbruch bringen wird. Eine ähnliche Stellung nimmt „Misrachi" ein. Als die misrachistischen Führer von der Exekutive nach London eingeladen wurden, um dort an „Separatverhandlungen" teilzunehmen, haben sie abgelehnt und — wie die Judenstaatspartei — die Einberufung einer Konferenz aller Parteien gefordert. Das Judentum in Lettland Von einem gelegentlichen Mitarbeiter Die jüdische Oeffentlichkeit ist nur wenig über die schlechte Lage des Judentums in Lettland seit Beginn des neuen, antidemokratischen Regimes informiert. Man weiß nicht, daß die neue lettländische Regierung gegenüber der jüdischen Bevölkerung ausgesprochen hitleristische Methoden anwendet, die dahin zielen, die Minderheiten, an erster Stelle die Juden, aus dem öffentlichen Leben auszustoßen. In Lettland hat sich jetzt ein streng diktatorisches Regime etabliert, das jede kritische Regung gegenüber dem terroristischen Hitler- System unterdrückt. Nach dem Umsturz vom 15. Mai 1934 (Ministerpräsident Ulmanis, Führer der Bauernpartei, hob durch einen diktatorischen Akt die Rechte der Minderheiten auf, wobei zahlreiche Führer des lettländischen Judentums verhaftet, die jüdischen Zeitungen bis auf das Organ der trennungsorthodoxen „Aguda" eingestellt wurden. Anm. d. Red.) wurden die Minderheiten, insbesondere die Juden, vom wirtschaftlichen und kulturellen öffentlichen Leben ausgeschlossen. In Riga beträgt die jüdische Bevölkerung 12 Prozent. Von 100 Stadträten gab es 8 jüdische. Nach Auflösung des Stadtrats hat kein Jude mehr Einfluß auf die städtischen Angelegenheiten. In Dwinsk z. B. gibt es bloß 27 Prozent Lettländer. Nichtsdestoweniger liegt die ganze Verwaltung der Stadt in ihren Händen. Dieselben Ausstoßungsmerkmale zeigt auch das gesellschaftliche Leben. Die Juden Lettlands sind jetzt Bürger zweiter Ordnung geworden. Die neue diktatorische Regierung hat eine Sprachenverordnung erlassen, wonach die Benützung der { u fc t ischen Sprache in Armee und Flotte, in allen staatlichen und kommunalen Anstalten obligatorisch ist. Auch sind Aufschriften und Schilder in nicht-lettischer Sprache verboten. Auf diese Weise verschwindet Jiddisch aus dem öffentlichen Leben. Gleichzeitig1 werden die Juden selbst, unabhängig von ihrer politischen Einstellung, aus allen Aemtern und sonstigen Stellen beseitigt. Lettland hat sich in vielen Punkten politischer Moral in bezug auf die Judenfrage an Hitler-Deutsphland ein Beispiel genommen. Man ist zur Ueberzeugung gekommen, daß man hitleristische Politik machen kann, ohne die Methoden des Hakenkreuzes anzunehmen. Miedersalon BETTY PEXA I, Göttweihersasse 1 Telephon R-21-8-27 (Ecke Spiegelgasse) Telephon R-21-8-27

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