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Die neue Welt · 1934-11-23 · Heft 416 (23.11.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 416 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 ©IE NEUE WEL1 Nr. 41Ö P CUNARD WHITE STAR REPRÄSENTANZ: WI*N I. KWRNTNERRING 4 Wovon §oIlen die Juden leben? Die Schilderungen der Läge der österreichischen Juden, welche wir unter diesem Titel fortlaufend bringen, erfahren tagtäglich eine traurige Bereicherung durch Zuschriften von Zugehörigen aller Arten von Berufen. Insbesondere die neue Gewerbeordnung, deren vernichtende Wirkung auf viele Berufsklassen wir ausführlich behandelt haben, hat in Kreisen der jüdischen Handelsleute und Gewerbetreibenden eine Panikstimmung' ausgelöst. Der Besuch von Privatkunden verboten! Ein Kaufmann schreibt uns: „Werte Redaktion! Der Bericht Uber eine Einzelbestimmung der neuen Gewerbeordnung, welcher gestern in einer Wiener Tageszeitung erschienen ist, hat in großen Kreisen der jüdischen Kaufleute, insbesondere der auf den Teilzahlungshandel angewiesenen, eine Stimmung der Verzweiflung ausgelöst. Die Zeitung schreibt: „Mit Lebensmitteln, Material- und Farbwaren, Textilwaren, Miedern, Sträußen und Kränzen, Grabdenkmälern, Bettfedern, Uhren, Gold- und Silberwaren, Juwelen und Edelsteinen dürfen Privatkunden überhaupt nicht mehr aufgesucht werden. Bei allen anderen Warengattungeit ist der Privatkundenbesuch nur dann gestattet, wenn eine ausdrückliche schriftliche Aufforderung des Besuchten vorgewiesen werden kann. Diese Aufforderung darf aber nicht durch Zirkulare oder Drucksorten herbeigeführt werden." Werte Redaktion! Mit diesen wenigen Worten werden allein in m e i n e m Bezirke (der Einsender wohnt im Stadtbezirke Brigittenau) viele tausende jüdische Kaufleute, Vertreter und Kleinhändler b e r u f 1 o s gemacht und ihre Familien dem Hunger preisgegeben. Darf das sein? In der Zeitung wird behauptet, daß diese Verordnung den Zweck hat, den unlauteren Handel zu bekämpfen und das Publikum vor Benachteiligung zu schützen. Das mutet wie ein grausamer Scherz an! Statt scharfe Bestimmungen gegen Schädlinge zu erlassen und über Einhaltung diaser Bestimmungen zu wachen, vernichtet man ganze, große Berufskreise. Mit derselben Begründung könnte man ja alle Juweliergeschäfte sperren, weil es unter den Juwelenhändlern auch Betrüger gibt! Wir haben in den letzten Monaten wiederholt gelesen, daß die österreichische Regierung die Gleichberechtigung der Juden in Oesterreich anerkennt. Aber kann uns diese Gleichberechtigung vor dem Ruin bewahren, wenn man Gesetze erläßt, welche uns wirtschaftlich erwürgen? Was sollen wir jüdischen Kaufleute mit uns und was sollen wir mit unseren Kindern beginnen? In Ihrem Blatte haben Sit ja festgestellt, daß der Staat und die Gemeinden keine Juden anstellen, daß große Unternehmungen judenrein sind oder judenrein gemacht werden. Den kleinen und mittleren Handel und das Gewerbe macht man unmöglich. Also: Wovon sollen wir Juden leben? Sollen wir schweigend zugrunde gehen? Hochachtungsvoll R. B." Sur Illustration dieser zu Herzen gehenden Worte .sei festgestellt, daß in der gleichen Tageszeitung und in der gleichen Nummer die Ankündigung gebracht war, daß die Bundesbahnen in der nächsten Zeit vifle Beamte und Arbeiter einstellen werden. Wird unter diesen ein Jud« sein? Wenn die heute herrschende Tendenz anhält, gewiß nicht. Dieser Ausweg aus lahmgelegten Berufen ist wohl Nichtjuden möglich, aber nicht Bürofräuleins klagen oft über Ermüdungserscheinungen, hervorgerufen durch die einseitige Arbeit an der Schreibmaschine oder am Schreibtisch. Diese Erscheinungen führen oft zu Leistungsverminderungen irn Berufe, und erregen auch das Gefühl von Auf gebrauchtsein und Altern. Sport und Natur sind der gebotene Ausgleich, aber auch der Gebrauch von DIANA- Franzbranntuein mit Menthol. Tägliche Massage mit DIANA erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll zur Mundu. Haarpflege. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA". Weisen Sie minderwertige Nachahmungen zurück. Juden, wenn die Dinge so bleiben, wie sie sind. Auf die Frage, wie zu helfen, haben wir nur eine Antwort: Wenn die österreichischen Juden sich nicht selbst helfen werden, wird ihnen niemand helfen. Wenn sie nicht ihre Stimme erheben werden, wird ihnen n i em a n d Gehör schenken. Die Zeit der „Fürspreche r" ist vorbei. Selbst helfen muß sich ein Volk. Wirksame Selbsthilfe ist nur durch eine starke und ausschließlich den jüdischen Interessen dienende Organisation möglich. In Oesterreich wurde der „Jüdische Volk sbund" geschaffen, der schon wiederholt für jüdisches Recht eingetreten ist. Massenbeitritt zum Jüdischen Volksbund und seine Ausgestaltung zur kämpfenden Vertretung aller jüdischen Berufsstände bieten die einzige Möglichkeit zur Selbsthilfe. Die Klagen und Proteste einzelner Juden und einzelner Berufsgruppen werden wirkungslos verhallen. Eine Erklärung In unserer Rubrik „Wovon sollen die Juden leben?" haben wir am 13. November eine Zuschrift veröffentlicht, welche sich auf den Musikbetrieb im Kaffeehaus „Herrenhof" bezieht. Namens der Herren Bela Waldmann und Markus Klug, der Besitzer des Kaffeehauses, richtet Herr Dr. F. F. Popper ein Schreiben-an uns, worin es heißt: „Der in Ihrem Artikel erwähnte .namhafte Wiener Künstler', dessen Brief veröffentlicht wurde, unterstellt meinen Mandanten, es sei ihnen bekannt gewesen, daß .Prof. Mathe nicht gerade zu den Phi lose mit en zu zählen sei', weiters. daß ihnen .genau bekannt sei, welcher Gesinnung Herr Prof Mathe sei'. Diese Behauptung ist vollkommen wahrheitswidrig. Meine Mandanten betreiben in ihrem Kaffeehaus keine Politik, sondern sind bestrebt, in jeder Beziehung und auch an Musik dem Publikum das denkbar Beste zu bieten. Sie haben sich daher aus rein sachlichen Gründen, nachdem 3ie durch zwei Jahre jüdische Kapellmeister beschäftigt hatten, entschlossen, Herrn Prof. M a t h e, dessen überdurchschnittliche musikalische Qualitäten .sogar der Briefschreiber anerkennt, zu engagieren. Es war ihnen hiebei nicht das geringste bezüglich einer antisemitischen Gesinnung des Herrn Prof. Mathe bekannt. Meine Mandanten wurden allerdings kurz nach Antritt des Engagements Prof. Mathös zweimal anonym angerufen und auf die angebliche antisemitische Einstellung des Engagierten und auf seine angebliche Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Partei aufmerksam gemacht. Selbstverständlich waren meine Mandanten bereit, dieser Mitteilung nachzugehen und ersuchten daher den Anrufer, sie aufzusuchen und ihnen, unter Lüftung seiner Anon y m i t ä t, Unterlagen für seine Behauptung zu bieten, da sie ansonsten angesichts des bereits abgeschlossenen Vertrages keine Entchließung fassen könnten. In einem Falle nun erklärte der Anrufer, er. müsse die Aufforderung,, zu. meinen Klienten zu kommen, ablehnen und verweigerte die Nennung seines Namens^ Im zweiten Falle meldete sich der Anruf er alsSekretariat. Häkoah', jedoch ergab eine .Anfrage, d^ß: das :Sekretariat nicht der Anrufer war,- Sündern sein Name mißbraucht, wurde. Es ist klar, daß meine Mandanten nicht in der Lage waren, aus solchen anonymen Verdächtigungen irgendwelche Konsequenzen zu ziehen, ohne sich eines Vertragsbruches schuldig zu machen. .Meine Mandanten haben aber Herrn Prof. Mathe zur Stellungnahme aufgefordert und hat derselbe ihnen ehrenwörtlich erklärt,-daß die in dem Artikel in Ihrer w. Zeitung enthaltenen, seine, politische Einstellung betreffenden Behauptungen unwahr sind." Sei djetimatifdjsn $Bßfd)toer&en aller %ü haben fief) Zo$aUXcibletten flaiia heroüratjenb bewährt. Zahlreiche Dantjchreiben über logal bei uerafteteu üetben, bei benert rein anberes Littel Ijalf. (£tn ^erjutf) überzeugt! ~srt ollen Stydtfjßfen erhältlich. 5prets S 2.40. RUNDSCHAU Ein ,/iinge§&Sr$e$" Weihvmdktss geschält Die Meinung der Welt über die sittlichen Methoden des Hakenkreuzes wirkt sich manchmal so stark aus, daß die Naziregierung hie und da vorspiegeln will, das nationalsozialistische Regime sei. — nicht, so arg; es sei gerecht sogar gegenüber den Nichtariern. Und es gibt in den verschiedenen Ländern auch tatsächlich Menschen, Vor einigen Tagen erschien ein Erlaß de3 deutschen Reichswirtschaftsministeriums, worin betont wird, daß „mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands, insbesondere im Interesse der Erhaltung und Schaffuug von Arbeitsgelegenheit für deutsche Volksgenossen . . . ein völlig reibungsloser Ablauf des Weihnachtsgeschäftes erforderlich sei." Es heißt weiters in dem Erlaß: „Es soll sowohl der unbeeinträchtigte Verkauf von Weihnachtsgeschenken und Christbaumschmuck, als auch eine ungehinderte Werbung in den Formen und In dem Kähmen, wie sie auch für Waren- und Kaufhäuser, Einheitspreis- und FiUalgeschäftc sowie für nlchtaritiche Betriebe für den Weihnachtsverkauf seit langem üblich sind — z. B. durch Ausschmückung der Verkaufsräume, Schautenater und Waren mit Tannenbäumen, Tanuciigriiu und Lametta — sichergestellt werden." Die jüdischen Kautieute dürfen also ihre. Geschäfte mit Weihnachtsgeschenken füllen und ihre Auslagen sogar mit den christlichen Symbolen - bisher hieß es, daß sie diese Symbole schänden — schmücken und Kunden anlocken. Den Juden steht also, würde man meinen, ein gutes Weihnachtsgeschenk bevor. Zunächst einmal dürfen sie bei den „ansehen" Fabrikanten die Weihnachtsware einkaufen. Aber verkaufen, das ist etwas anderes. Denn der ..Völkisch«' Beobachter", zweifellos ein Gewährsmann in nazistischer Moral und Praktik, fügt dem Ei-laß des Reichsvvirtschaftsmihlstoriums, d. i. der Regierung, hinzu: „Die bekannten Anordnungen der Partei und Organisationen werden hiedurch srlbfltvcr. st Und lieh nicht berührt." Oder mit anderen Worten: Die Agitation gegen dcl jüdischen Kaufmann mit den Parolen „Wer beim Juden kauft, ist ein Verräter und schließt sich von der deutschen Volksgemeinschaft aus" wird weiter, vielleicht noch brutaler als bisher, die Straße beherrschen . . . Serbisch-Rumänisches Weinbaus 181, Taborstraße 18, Im Hofe! Natfonal Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und SpleO Für Banditen — offene Grenzen Eine Meldung aus Jerusalem besagt, daß vor einigen Tagen aut der Straße zwischen Haifa und Jerusalem sechs bewaffnete arabische Banditen mehrere Personenautos anhielten und die Insassen beraubten, einzelne von ihnen sogar durch Revolvcrkugeln verwundeten. Obwohl solche Ucberfälle in der letzten Zeit seltener geworden sind, bilden sie doch kein außergewöhnliches Ereignis. Alle Welt weiß, daß die jüdische Pionierarbeit in Palästina den Hang arabischer Banditen zu Räubereien noch nicht ganz ausrotten konnte. Das Ueberraschonde in diesem Falle Hegt auf einem anderen Gebiet. Man erfährt nämlich, daß die arabischen Räuber nach vollbrachter Tat und mit Beute beladen voifc Palästina nach Transjordanien flüchteten — ungehindert über die freie Grenze gingen, ohne Paß, ohne Visum, ohne Einreiseerlaubnis, ohne Zertifikat. Der Uebertritt von Palästina nach Transjordanien ist nämlich frei, frei für Araber. Die Banditen sind verschwunden. Sic halten sich irgendwo in Transjordanien bei ihren Kollegen auf. Kein britisches Polizistenauge wird sie jemals erspähen. Gleichzeitig mit dem arabischen Raubüberfall kommt eine zweite, ebenfalls die transjordanische Grenze betreffende Meldung. Der Mandats ko mm i s s i o n d.eä Völkerbundes in Genf lageine Petition des „Brith Kibbuz Galujoth" vor, worin die Frage der freien Einwanderung der transjordanischen Araber nach Palästina im Gegensatz zu den Beschränkungen behandelt wird, welche den jüdischen Emigranten nach .Transjordanien auferlegt werden. Für Juden' ist nämlich. Transjordanien gesperrt. In der Praxis sieht also die Sache folgendermaßen aus: Die transjordanischen Araber können ungehind'c r t n'aeh Palästina kommen. Sie sind nicht „Illegale". Es gibt keine Razzien auf sie, weder Scheinwerfer noch Flugzeuge werden zu ihrer Eruierung angewendet. Man sperrt sie auch nicht in Kerker ein, man weist sie auch nicht aus. Ebenso leicht haben es die palästinensischen Araber, wenn sie nach Transjordanien gehen wollen. Keine, Wächter hindern sie am Uebertritt. Die Grenze ist frei. Sie können in Palästina Verbrechen begehen und hierauf ungefesselten Fußes nach Transjordanien wandern. Offene Grenzen für arabische Banditen — das ist die Norm, die die britische Mandatskommission zwischen Palästina und Tran'sjordanien eingeführt hat. Jüds§che Gangster? Zwei jüdische Geüügclhäudlcr ermordet. Die jüdischen Geflllgclhändler in New York streiten sich untereinander und mit dem Rabbinat herum. Ein auch In Europa nicht seltener Fall. Aber während hierzulande die Sache mit einigem Geschrei und „jüdisch" erledigt wird, geht man drüben „amerikanisch/* an die Sache heran: Maskierte Rächer mit Maschinenpistolen. Eine Anzahl jüdischer Gefiügelhändler wollten sich der Aufsicht des Rabbinats nicht unterwerfen. Ski wurden mit dem „Bann" belegt. Andere Gefiügelhändler stellten sich hinter das Rabbinat, und achou geht ein förmlicher Krieg los, mit Boykott, Drohungen, und schließlich spricht der — Revolver. Zwei Tote und ein Schwerverletzter liegen da. Aus New York wird berichtet: Die unter den jüdischen Getlügelhändlern iu N e w York bestehende Spannung hat sich in einein Attentat auf drei jüdische Gefiügelhändler entladen, die in einem MletshaUMc von unbekannten Tätern n i e d e r g e s c h o s s e n wurden; zwei Händler, der 30jährige Abraham Cohen und der Söjährlge Max L i v i n g s t o n, sind t o t, der 28.jährige Abraham Bumst e i n wurde »ehwer verletzt ins Hospital eingeliefert, Bernstein erzählte der Polizei, er sei in einem Drohhrief aufgefordert worden, den Geflügelhandel einzustellen. Rabbiner Nachman H. Ebin, Vorsitzender der Palästina-Reise Reisedauer nur 2Taee mit dem schnellsten Dampfer d. Welt Gesellschaftsreise durch Nordisches Reitebureau Reiseleitung: N. M. Racker, Wien I, Graben 10, l'elefon R-24-2-31 Abfahrt: 8. März H)35 ab Neapel. Oampfer „Rex" (51,000 Tonnen) Piels: Tour - retour Neapel - Haifa — Neapel S 418.— Mifwärts frlilie e FahrUrniliie 7. Februar lf>3.*» „Roma" 32. Februar 1°35 „Conte dl Savoya" spätere Fahrlermine: 23. Mär/. 1985 „Conte dl Savoya" 8. April 1U35 .Saiurnla" Sichern Siesich bei ui< s gute Kabinen!

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