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Die neue Welt · 1934-11-23 · Heft 416 (23.11.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 416 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag, den 23» —«her 1934 187 Niu 416 r»* Zeitung vom Verleger versend^ „Journal expediö par Iedite.ur' Wtl. Ü»Uer^. fSim^»othek »Wen, , tmJm REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Tolen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 11.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Itulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwei/- und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitäfsstr, 8, Tel, A-20'2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Judenreine Filme in Palisfina Soll Oesterreich den Palästina-Markt verlieren? Hitler-Deutschland versucht, wo es ums Geschäft geht, sich zu tarnen, bei welch edlem Tun es von Geschäftemachern arischer und nichtarischer Herkunft bekanntlich hinter den Kulissen unterstützt wird. Wir haben in einer Reihe von Aufsätzen mit dem Titel „Judenreine Filme" diese Machinationen enthüllt, und die Resonanz, die unseren Ausführungen beschieden war, bezeugt, daß flie aufklärend gewirkt haben. Insbesondere lenkten wir die Aufmerksamkeit jener, welche als Produzenten, Verleiher und Publikum zum Film in Beziehung stehen, auf die Tatsache, daß in Oesterreich, bzw. Wien nach den Intentionen des rcichsdeutschen Hakenkreuzes hergestellte Filme, also judenreinc Filme, als „österreichische" Filme in die Welt hinausgehen und auch von solchen Händlern vertrieben werden, die Nazi filme boykottieren. Zu diesen Händlern gehören auch die palästinensischen. Die S y mpathi e des jüdischen Palästina für die österreichische Kultur bringt es mi*: sich, daß die palästinensischen Filmeinkäufer automatisch jeden in Oesterreich gedrehten Film erwerben und pro Film 50(KV bis' 700O -S Lizenzgebühr bezahlen. Es ist das eine Norm, mit der die Filmproduktion bereits rechnet: Palästina ist auf dem Wiener Filmmarkt sicherer und zahlungskräftiger Ku nd e. Oje obenerwähnte Tarnung hat zur Folge, daß das jüdische Palästina Filme erwirbt, die zwar in Oesterreich hergestellt wurden, aber in Wirklichkeit nazistischen Geiste.s sind und keine Juden als Mitwirkende aufweisen. Wir .schrieben über diese Sachlage in unserer Ausgabe vom 30. Oktober 1. J. ,,Die. üsterreichische Handels- und Gcwerbekammer könnte Fiinien. die von hitleristischcn Regisseuren, « Schauspielern, Technikern, Komparsen für die Mentalität Nazideutsehlands in Wien hergestellt werden, das österreichische Ursprungszertifikat verweigern. Es wäre dies ihr formales und moralisches Recht. Denn ein Film, der vom Drehbuch bis zum Hilfstechniker mit ausschließlich hakenkreuzlerischen Mitteln hergestellt wird, ist Iflein österreichischer Film." Daß Palästina die Situation versteht und weiß, was es seiner Ehre schuldig ist, beweist eine Nachricht (J. T. A. vom 19. November) aus Jerusalem, die lautet: „Palästina läßt deutschsprachige Filme nur dann importieren, wenn sie ein Zertifikat beibringen können, daß bei ihrer Herstellung der Arierparagraph nicht maßgebend war. Wie wir erfahren, ist demzufolge einer Reihe tschechoslowakischer Filme in deutscher Sprache, die im Barandow-Atelier zu Prag als deutsehe Versionen gedreht worden sind und aus Verkaufsrücksichten — die Filme sollen auch in reichsdeutschen Kinos gezeigt werden — nur gleichgeschaltete Besetzung auswiesen, das Einfuhrzertifikat nach Palästina nicht erteilt worden." Diese auf Prag sich beziehende Nachricht kann der Ausgangspunkt einer Aktion gegen die Tarnung der Naziproduktion werden. Palästina, das die Einfuhr der in Prag hergestellten Arierparägraph-Filme nicht zuläßt, wird dieses Prinzip logischerweise auch auf Wien anwenden. Die Stellen, welche in Oesterreich für die Ursprungszertifikate sorgen, werden ad Palästina nachweisen müssen, daß die für den Export gekauften Filme keine — judenreinen Filme sind. J8cyor,u«0e[tct§ba§aUOctDö!Hie öjtcrrcidjifijc lincrafipificr < Pension Irma Meister, Meran Begann am 26» Noveimber an London Aus London: Die „1 u t e r n at i o n a 1 c Unparteiische Ii o n f '.s r e n z zur Organisierung und Intensivierung des Boykotts deutscher W a r e n und Dienste in der g a n z e n W e 11" ist für Montag, den 26., und Dienstag, den 27. November, nach London einberufen worden. Der Konferenz «erden Delegierte aus den meisten europäischen Ländern, aus A m e r i k -.i und Aegypten beiwohnen. Hauptziel der Konferenz ist die Koordinierung aller von Körperschaften und Einzelpersonen geleisteten Arbeit für Wiederherstellung der politischen und religiösen Freiheit in Deutschland. Den Vorsitz wird der bekannte amerikanische Anwalt und Präsident des Anti-Nazi League Samuel Unter m y e r führen. Der amerikanischen Delegation gehören außerdem noch der Redakteur des „C h r i s t i a n Ccntur y" Dr. Paul Hutchinson, der K a th o 1 i k e nf ü lirer James Beamish, Frau McAdoo und die Vorsitzende der Frauenabteilung der Anti-Nazi League Frau M. Harris an. Die International Federation of Trade Unions wird durch ihren Präsidenten Walter Citrine vertreten sein. Der englische National Council of Labour entsendet den Vorsitzenden der British Labour Party \V. A, Rubins on, den Führer der Loa do n e r A r- .beiter schuft und früheren Arbeitsminister Herbert M orrison u. a. Aua Frankreich kommt Anwalt de Moro-Giaff cri, aus Belgien der prominente unitarische Führer Pastor Tessonier. * Aus London: Die letzte Vollversammlung des Board of Deputies (Verband aller Judengemeinden in England) hat folgende vom Delegierten P. Horowitz beantragte Resolution angenommen: „Im Hinblick auf die fortdauernde a n t ij ii dischc Politik in Deutschland bestätigt der Board erneut als ein a 11 g e m e i n g ü 11 i g e s Prinzi p die Erklärung des Präsidenten, daß kein sich selbst achtender «lüde mit deutschen Waren handeln oder deutsche Dienste benutzen wird, solange diese antijüdische Politik andauert." Ein Geständnis Die Hitler-Regierung ist bemüht, nachzuweisen, daß der jüdische und sonstige Boykott deutscher Wa r e n zusammengebrochen ist. So schreibt ihre Presse in Deutschland. Vor uns liegt aber eine vom Genfer Propagandabüro der Hitler-Regierung herausgegebene, für Auslandsde u ts c Ii e bestimmte Werbeschrift für BESYU CÖUÄLirÄTEN! '<*me* ß ASCH iv, Argentiniers™. 22 TEL SERIE U.47.5.40 Idealer ganzjähriger Aufenthalt, letzter Komfort, pmis Küche, herrl. Park, mäbige Preise, verlangen Sie ProTp ühmte ek te MC B A U pENSIO* M1RAN mm ■ m%;mm " UM -%J •. Deutsches Hans unmittelbare Nähe der Kurpromenade untf des Kurhauses * Höchster Komfort / Butterkuche / Lire 25 Judenstaatspartei Oesterreichs Samstag, den 1. Dezember, punkt Vaö Uhr abends, im Festsaal des Hotel „Continental", II, Taborstr. 4 faeße »# Lichterzünden: Kantor Josef Feuer unter f§ Mitwirkung des Männerchors des Jüd. Gesang- §f Vereines (Leitung: Kapellmeister I. Brandmann; 1 Festrede: Oberbaurat Ing. Robert Stricker I Mitwirkende: Emst DeiltSCll (Theater j in der Josefstadt) / Ljuba Lewitzka, Hebräische 1 Gesänge / Prof. Josef Zimbler, Violinvorträge 1 Jüdischer Gesangverein n Unter Mitarbeit der Jüdischen Kulturstelle §| Karten zu S 2.—, 1.50 und 1.— bei: „Neue Welt", 1 IX., Universitätsstraße 8/1 (A-20-2-78); Paula 1 Stricker, II., Hollandstraße 10 (A-48-1-89); Waren- § haus Brüder Schiffmann, II., Tabörstraße 48 Sichern Sie sich rechtzeitig Karten! deutsche Waren. Da werden die Auslandsdeutschen gebeten, der nationalen Industrie zu Hilfe zu kommen und es heißt: „Angesichts dieser hohen Fähigkeiten der deutschen Pertigwarenindustrie ist es mehr als bedauerlich, daß diese Ausfuhr, die 1933 rund 78 Prozent der deutschen Gesamtausfuhr betrug, und die sogar mengenmäßig in den Krisenjahrcn behauptet werden konnte, so gesunken ist. Sie hatte tatsächlich im Jahre 1929 fast 10 Milliarden Reichsmark erreicht, aber der Absturz des Ausfuhrvolumens ist seit Anfang 1932 bis auf 3,79 Milliarden im Jahre 1933 erfolgt. Die Monate Jänner bis Mai 1934 brachten eine weitere Schrumpfung auf 1337 Millionen Reichsmark gegenüber 1556 Millionen Reichsmark in der gleichen Zeit des Vorjahres. Diese Schrumpfung seit 1932 hat ihre Ursachen in der zurückgegangenen Aufnahmefähigkeit und dem fehlenden Aufnahmewillen des Auslandes. In einzelnen Ländern ist die Aufnahmewilligkeit für deutsche Waren durch die B o y k o 11 b e w eg u n g erheblich beeinträchtigt worden." 5 pezialverkehr nach Palästina Gütertransporte, Liftvans, Uebersied'ungen Ulimann, Rink & Co. Wien I, Kurrentgasse 12 / Tel. U-22-2-54 Mord an einem Juden — 15 Monate Gefängnis Aus Frankfurt a. M.: Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Limburg an der Lahn: Der frühere Kassengehilfe Peter Rössel aus Montabaur, der am 19. Juni den Viehhändler Simon Issolbächer aus Isselbach mit einem Gewehr sc haft derart auf den Kopf geschlagen hatte, daß er nach mehreren Tagen den erlittenen Verletzungen erlag, wurde vom Schwurgericht wegen Alkoholmißbrauchs zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt. Für die Anklage wegen Totschlags wurde dem Angeklagten Schuldausschließung zugebilligt. Oeslerreicliisches Generalkonsulat Wie offiziell mitgeteilt wird, wurde das österreichische Konsulat in Jerusalem zum G e n oral k o n s u- 1 a t erhoben.

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