Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 414 (16.11.1934)
- Date
- 1934-11-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIB NEUE WELT Nr. 414 SP V^H^*> Fahren Sie mit den?rößten chiffin derWeltf nach Amerika und Canac/a CUNARD WHITE STAR REPHASINTANZ: WEEM I. KWRNTNSRRING 4 jSmmmmnmiamm von Zu unserer Artikelserie" „Wovon sollen die Juden leben" erhielten wir eine Reihe von Zuschriften, die aus verschiedenen Berufskreisen stammen. Nachstehend die Ausführungen eines jüdischen Kapellmeisters: Zu Ihrem Artikel „Wovon sollen die Juden leben" erlaube ich mir, Ihnen als langjähriger jüdischer Kapellmeister einige Mitteilungen zur Verfügung zu steilen und Sie um Veröffentlichung in Ihrem geschätzten Blatt zu bitten. Unsere Situation ist eine verzweifelte geworden. In der österreichischen Provinz, außer In'Baden und in Bad Tatzmannsdorf, wird kein jüdischer Kapellmeister oder jüdischer Musiker engagiert. Es ist eine bezeichnende Groteske, daß sogar die Direktionen der großen Hotels, die zum Großteil von jüdischem Publikum aufgesucht werden, so u. a. am Semmering daa Südbahn-Hotel und Hotel Panhans, in Badgaste in das Hotel de l'Europe, in Piirtschach das Hotel Werver und Parkhotel, in Vclden das Schloßhotel, ja sogar das — Cafe Zauner in Ischl, das Engagement von Juden ablehnen. Hier könnte zweifellos das zahlende jüdische Publikum radikale Abhilfe schaffen. Auch in W i c n selbst beginnt der Boykott jüdischer Musiker sehr stark füldbar zu werden. Es gibt sogar jüdische 1 Unternehmer, die aus. einer gänzlich. unbegründeten Angst heraus jüdische Kapellmeister nicht bei sich einstellen, obwohl noch in keinem einzigen Fall das Wiener Publikum gegen einen jüdischen Musiker, der in gewohnter Delikatesse, Takt und Zuvorkommenheit das Publikum bedient, Stellung genommen hat. Die Wiener kennen im Bereich der Konzertmusik keine Unterscheidung von Juden und Nichtjuden. Die 'Konzertlokale aber versperren sich uns. Dasselbe zeigt sich im Theaterlebcn bei deu J a h n- und Beer-Bühnen, Die Grammophongesellschaften und Filmproduzenten schließen sich dem stillen Boykott an, die bekannten Tanzfestveranstalter Benno X i e und Dr. Hohenberg tun ebenfalls mit, die jüdischen Hauptagenturen Kalinhof und Winthon lehnen die Vermittlung jüdischer Musiker mit Hinweis auf die „Zeitströmung" ebenfalls schon ab und die der Vaterländischen Front angeschlossene Musikergewerkschaft hat bereits ihre sehr durchsichtige Methode, jüdische Musiker nur im seltensten Fall anzufordern, obwohl sie, die Gewerkschaft, einen Stand von jüdischen, Mitgliedsbeiträge zahlenden Musikern aufweist. Hiezu kommt noch — nicht zu aller Letzt — die It a v a g. Obwohl es mindest 100.000 jüdische Radioabonnenten gibt (was jährlich die ganz nette Summe von drei Millionen Schilling an Radlogebühren ausmacht), hat es die Ravag für richtig befunden, sogenannte „schwarze Ii s t o n" anzulegen, auf der sieh außer früheren, exponierten Sozialdemokraten nur j ü di s c h e K ü n s 11 e r befinden. Die Zuteilung an Juden in der Musikabteilung z. B. erfolgt nach einem von Prof. Kafc'asta unter Assistenz des früheren Kritikers der hakenkreuzlerlschen „Potz" Dr. Ri Haiti 1 n i ausgearbeiteten Numerus clausus. So wurden im letzten Jahr sämtliche jüdischen Kapellmeister ausgeschaltet. Ich nenne die Brüder Geiger, Wolfsthal, Winternitz, Buchbinder, die zum Unterschied von ihren arischen Kollegen nicht einmal als Dirigenten des Notstands-Orehesters zugelassen wurden; ich nenne den seit sechs Jahren in der Kavag beschäftigten populären Jazzleiter H. R. K o r n g o 1 d, der seit einem Jahr nicht mehr spielen darf, obwohl in der Zwischenzeit ungefähr zehn neue, unbekannte, allerdings „arische" Jazzkapellen eingestellt wurden. Nicht genug daran, hat die „R c i c h s p c s t" in ihrer letzten Radiokritik gegen die allzu große Verwendung von Schallplatteu jüdischer Sänger, Komponisten und Dirigenten n\y „das C.efüh! Her christlichen Bevölkerung verletzend" Verwahrung eingelegt. Diese Beispiele f;vmigen wohl. All das spielt sich in meinem Berut und in fast allen anderen ab, in denen Juden arbeiten. Ek geschieht trotz der beruhigenden Erklärungen der österreichischen verantwortlichen Stellen; i'u geschieht, trotzdem sich die österreichischen Juden als treue Bürger dieses Staates erwiesen haben; trotzdem fiirfür alle finanziellen Aktionen der Regierung (Trefferanleihe), fiir alle Wohlfahrtsaktionen Millionen und Millionen beisteuern. Aul kaltem Wege geht eine systematisch e Existenz Vernichtung1 vor sich. Es ist höchste Zeit, daß sich die Juden selbst aufraffen, daß die jüdischen Unternehmer selbst sich ihrer Pflichten gegenüber ihren jüdischen Mitbürgern bewußt werden. Das jüdische1, Publikum muß aus seiner Indifferenz heraus! Aber auch die verantwortlichen jüdischen Steilen! H. K. Dar Brigittenauer Frau«n-Vercin ,Hachnuses Kaie' 25 .Sitz: Cafö Neptun. Wien XX. Gaußplatz 7, veranstaltet/ EE5 Sonntag, den 25. November 1931, 8 Uhr abemi.s, in den =—■ Klublükalitüt«;n den Caff; Produktenbörse, II., Tabor- £== atraße 10, eine sag AKADEMIE tanz I unter Mitwirkung hervorragender Kräfte. "Der Reinertragz-^. Keht zugunsten angemeldeter armer Bräute. Eintritt S 1.50. asg Karten, im CalY- Neptun und bu den Vorstandsmitgliedern. 33} Um Ünter.-itützimg bittet der Vorstaud äss Eine peinliche Frage Per frühere englische Minister und bekannte Freund und Verfechter der zionistischen Sache, Colonel S. W e d g \v o o d, führt im englischen Parlament einen erbitterten Kampf gegen den Plan der Errichtung eines Pari a m e n t s (Legislative Council) in Palästina. Er ist, wie die Zionistcn, der Ansicht, daß eiu Parlament mit. arabischer Majorität dem Sinne des Mandats widerspricht und das zionistische Aufbauwerk ruinös bedroht. Abgeordneter Wedgwood geht so weit, die englische Palästina- Regierung zu beschuldigen, daß sie unlautere Mittel (Bestechung) versucht, um einzelne Juden zur Anteilnahme an dem von der Zionistischen Organisation mit Boykottparole iledrohten Parlament zu bewegen. Jetzt hat er eine neuerliche Anfrage an den Kolonienministcr gerichtet, welcher aber der Antwort ausgewichen, ist. Aus London wird berichtet: Im Unterhaus wiederholte der Abgeordnete Wedgwood seine Frage an den Kolonienminister, ob die Auszahlung von Gehältern oder Diäten an die Mitglieder des geplanten Legislative Council für Palästina in Aussicht genommen sei. Als der Kolonienminister erklärte, er könne hierüber keine Mitteilungen machen, fragte Wedgwood weiter: „Bedeutet dies, daß der Minister diu Frage noch nicht geprüft hat, oder daß es ihm nicht gelungen ist, Juden zu finden, die bereit wären, Mandate ohne Bezahlung zu übernehmen?" Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete: ,,Es ist genau so aufzufassen, wie es gesagt ist." ist besser als verjüngen. Jung bleibt, wer seinen Körper richtig pflegt. Tägliche. Massage mit DIANA-Franzbranntwein mit Menthol regt den Blutkreislauf an, stärkt Muskeln und Nerven. DIANA-Franzbranntwein ist seit Jahrzehnten in seineu Erfolgen anerkannt. Nach einer Massage mit DIANA vollbringen Sie Ihr Tagewerk frisch und elastisch und fühlen sich jünger, als Sie sind. Ebenso wertvoll für viele andere Zwecke der Körperpflege. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA"! Weisen Sie minderwertige Nachahmungen zurück. er Blätterstihinien zur Frage der "Saar-Juden Das „Isr. Wochenblatt für die Schweiz" bringt unter der Ueberschrift „Bei den Saar-Juden" einen Reisebericht aus dem Saarland, in dem davon die Rede ist, daß die der Deutschen Front angehörenden Nazitrupps nach wie vor bei ihren Märschen das ■ Lied singen: „Wenn Judenblut vom Messer spritzt, gehts uns nochmal so gut." „Unter diesen Umständen", he,ißt es in dem Bericht, „findet man es begreiflich, daß von den etwa 5000 im Saargebiet lebenden Juden 3500, also 70 Prozent, sich darauf vorbereiten, im Falle eines Hitler- Sieges, das Gebiet zu verlassen. Es sind nicht nur Wohlhabende, sondern auch ganz Mittellose unter diesen präsumptiven Flüchtlingen. Wohin werden sie sich wenden? Die offiziellen französischen Juden haben bereits klar zu verstehen gegeben, daß ein weiterer Zuzug von deütschsprechenden'Juden nach Frankreich u nerwünscht ist. Wir wollen hoffen, daß die französische Regierung einer anderen und besseren Meinung sein wird. Was aber wird mit dem voraussichtlich an der Saar verbleibenden jüdischen Rest von etwa 1500 Juden geschehen? Eine schwere, eine bange Frage., Dieser Rest aber muß bleiben; er kann nicht fort; er ist' durch zahlreiche Gründe» an die Scholle gefesselt. Alter, Krankheit und Armut sind die hauptsächlichsten. Diese traurigen Qualitäten werden noch zusätzlich belastet durch das Judeseln dieses Restes. Man fragt vergebens, ob es da keine Rettung, keine Hilfe gibt. Die Gefragten zucken die Achseln, nicht aüs Gleichgültigkeit, sondern aus Ratlosigkei t." * Das Londoner Blatt „Jcwish Chroniclc" befaßt sich im Leitartikel mit der Londoner Tagung 'des Verwaltungsrates (Vertreter der Regierungen) für die deutschen Flüchtlinge und schreibt: „Die Unterdrückung der Juden in Deutschland hat nicht nachgelassen. Der Drang zur Flucht dürfte im Winter noch zunehmen, denn der Winter wird eine Zeit der Prüfung für das Dritte Reich sein. Wie dem neuen Exodus begegnen, der bald einsetzen dürfte? Im Jänner 1935 geht die Volksabstimmung im Saarland vor sich; fällt sie zugunsten Deutschland»') aus, so werden T a usende jüdische Einwohner Hals über Kopf das Saarland verlassen müssen. Wohin sollen sich diese U n- .glücklichen wenden? Wir wissen es nicht. Der Flüchtlingskommissär des Völkerbundes M a c Do n a 1 d hat in diesem Zusammenhang gesagt: ,Wir müssen diesen Tatsachen ins Auge blicken.' Wir Juden blicken den Tataachen ins Auge, aber wir wollen nicht die einzigen sein. Der Hochkommissar sagte: .Außergewöhnliche Anstrengungen seitens der Regierungen und von privater Seite müssen gemacht werden, um der Schwierigkeiten Herr zu werden.' Ganz richtig. Aber der Nachdruck sollte auf ,,Re gierungen' gelegt werden. Die Juden, die hierin ihre Pflicht tun, fordern, daß die Völker und der Völkerbund ihren Anteil an dem Werk haben sollen. Die privaten Organisationen tun ihr Beates; zwangsläufig ist dieses .Beste' sehr unvollkommen. Der Völkerbund a 1 i e i n kann vielleicht das Los der Opfer des Nazismus erleichtern und das Problem, das in diesem Zusammenhang für eine Anzahl Länder entstanden ist, einer Lösung zuführen. Das Problem der Flüchtlinge geht n i c h t allein die Juden an, sie sind nicht allein die Betroffenen. Der Ruf des Völkerbundes steht hier auf dem Spiel!" Nofsdirei der §*sarfluden Aus. Saarbrücken: (J. T. A.) Der Rabbiner von Saarbrücken, Dr. R ü 1 f, wendet sich in einer Kundgebung gegen die gegen die Juden an der Saar gerichtete Hetzpropaganda des Nürnberger Gaukitcrs Julius Streicher, die darauf hinausgeht, für den Fall eines für Deutschland ungünstigen Ausfalls der Saar-Abstimmung die Juden zum Sünden bock zu machen. „Daß die Juden das Saarland terrorisieren, Wie Streicher behauptet, behauptet nicht, einmal die nationalsozialistische Presse an der Saar. Wir fragen: Wenn in D i-111 n g c n in einem Cafe ein junger Mann, nur wctl er Jude ist. blutiggeschlagen wird; wenn Püttlingen über Nacht mit Plakaten „Kauft nicht bei Juden!" überschwemmt, wird und in Saarbrücken dieselbe. Mahnung auf kleinen Zetteln an die Schaufenster Jüdischer Geschäfte geklebt wird; wenn in ländlichen Bezirken die F r a. u c n s c h a f t e n ihren Mitgliedern verbieten, in jüdischen Geschäften zu kaufen und sich von Jüdischen Aerztcn behandeln zu lassen: wenn an mehreren Orten Inhaber von Cafes und Restaurationen die... Juden bitten, ihr Lp }i a 1 zu ni-O. i,d c u,, .weil ,sie sonst den Boykott zu befürchten haben; wenn jüdische Geschäftsinhaber in Saarbrücken Drohbriefe erhalten; wenn die Mauer des jüdischen Friedhofs in Saarbrücken mit einer riesigen Inschrift „J u d e n t o d beseitigt Saarlands Not" besudelt wird; wenn die Drangsalierung jüdischer Kinder in den Schulen derartige Formen angenommen hatte, daß die sonst sehr zurückhaltende Schulabteilung der Regierungskommission mit einem ungewöhnlich scharfen Erlaß gegen solche Roheiten einschreiten mußte. - was ist es dann: jüdischer Terror oder Terror gegen die JudenV" „Wir wollen auf die sehr bedrohliche symptomatische Bedeutung der Aeüßerungen Streichers hinweisen^ Der überheizte Kessel der politischen Masscnleidenschatten braucht ein Ventil. Dafür muß der Jude herhalten. Das gilt besonders für den Fall eines Mißerfolges der sogenannten „Deutschen Front". Die Juden des Saargebietes werden die Schuld aufgebürdet, bekommen. Das wird mit kalter 'Ucbcrteguiig bereits heute vorbereitet. Wir wollen mit den vorstehenden Zeilen keine Panikstimmung erzeugen. Aber wir hielten uns für verpflichtet, auf ein bedeutsames Symptom hinzuweisen und ihm eine Deutung zu geben. Denn Klarheit muß sei n." lUcz ScUtffskod&t im Reisebüro Lutzky & Co. nach Palästina, Aegypten und Anietika besorgen Sic am besten /i *j- ' ■ Wien IX, Spitalpasse H L64n{l&£$ lAUCS Telephon Nr. B-42-5-38 Minister General §muf§ Er bezeichnet ihn als Irrsinnigen Auf einer Veranstaltung zugunsten der deutschjüdischen Kinder, die unter dem Vorsitze des früheren Vizekönigs von Indien Marquis of Rcading tagte, hielt auch der zu Besuch in London weilende südafrikanische Justizministcr und frühere Ministerpräsident General Smuts eine Rede. Er nahm gegen-die Judenhetze in Deutschland und gegen Adolf Hitler in schärfster Weise Stellung. Er sagte: „Einer der hervorragendsten Beiträge zum menschlichen Fortschritt ist den Juden zu verdanken. Wir können nicht das Alte Testament oder das aus ihm hervorgegangene Neue Testament lesen, ohne zu fühlen, daß hier einer der tiefsten Einblicke in das M e tischen herz gewährt wird. Wir sehen, wie das Volk von der Idee der Gewalt zu den höheren Vorstellungen von Barmherzigkeit, Zartheit, Edelmut übergeht; das sind die edelsten, jemals vom Menschengeschlecht entwickelten Vorstellungen; Erbe der jüdischen Propheten ist die Lehre, daß unsere Welt nicht eine Welt der Macht, sondern der Gerechtigkeit zu sein hat. Es ist erschreckend, zu sehen, daß diese Heilsbotschaft der Liebe und Güte gerade dem Volke versagt wird, das sie zuerst verkündet hat." ' „Die Erdrosselung der Gedanke n f reä-. hei t wird heute zu einem neuen Kult erhoben; man darf nicht mehr für sieh selbst denken, eigene Atisdrucksmittel linden — alles wird in eine gemeinsame Form gegossen. Wir fühlen in uns das Gebot, uns nach dem Ebenbild Gottes zu entwickeln, aber heute erlebim wir es, daü versucht wird, die Menschen dazu zu bringen, daß sie sich nach dem Bilde eines gewissen Mens u h e n entwickeln, der eigentlich in eine Irrenanstalt gehört." „Wir sind hier, nicht nur um Geld zu sammeln, sondern um einen großen Glauben zu bekunden, der in uns lebendig ist, den wir jüdischer Erkenntnis verdanken; weil wir an die helfende Hand, das Erbarmen und' Mitleid glauben, treten wir alle für diese Sache ein. Sie betrifft auch die Ersen ließ uugPalüstinas für die Juden. Palästina bleibt einer der hellen Punkte in der Welt. Inmitten aller Trübsal und aller Enttäuschung wird der Traum vou einem neuen Palästina zur Wirklichkeit. Wir sehen, wie Tausende junger Juden in ihre alte Heimat zurückkehren — zweifellos eines der bedeutendsten Ergebnisse des Weltkrieges." Da sfteak ts^AiskJ Staatlich diplomierte ausgezeichnete Lehrerin unterrichtet nach moderner Methode. Maßiges Honorar. IX, Mariannengasse Nr. 32, Mezzahin, Tür 9