Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 414 (16.11.1934)
- Date
- 1934-11-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag/ den 10* November 19J4 Nr* 414 V« b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expMi6 par l'6diteur" Titl. Universitätsbibliothek Wien E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; ToIen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwei»! und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätsstr, 8, Tel, A-20-2'78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Statt Frieden — Empörung links und redif§ Der ständige Kampf brutaler Art zwischen Zionisten, Sozialisten und Revisionisten in Palästina und den Galuthländern hat die Führer beider Parteien, Ben Gurion und Jabotinsky, zum Abschluß eines „Friedensabkommens" bewogen. Wir haben über diese Abmachung berichtet, gleichzeitig aber erklärt, daß wir Zweifel hegen, ob die von den Führern ausgegebene Parole befolgt werden wird. Die Aufnahme, welche die „Friedensparole" in sozialistischen und revisionistischen Kreisen gefunden hat, rechtfertigt leider unsere Bedenken. Es hat sich erwiesen, daß grundsätzlich falsche Einstellung zum Zionismus, Hineintragen fremder Kampfideen und jahrelange Verhetzung der Gefolgschaft nicht durch improvisierte, rein äußerliche Abmachungen streitmüde gewordener Führer am grünen Tisch wettzumachen sind. Die Massen, welche den zum Kampfe rufenden Führern willig folgten, verweigern den zum Frieden rufenden die Gefolgschaft. Links und rechts helle Empörung gegen Ben Gurions und Jabotinskys „schändliche" Abmachung! Der „Verräter" Ben Gurion — der „jüdische MaeDonald". Schon während der Verhandlungen wurde Ben Gurion, vor allem von Palästina und Polen aus, mit Protesten seiner Leute gegen jeden Frieden mit den Revisionisten bombardiert. Nach dem Abschlüsse aber begann ein Kesseltreiben gegen ihn. In poalezionistischen Versammlungen und Artikeln wurde der bisher so geliebte Führer als Verräter an der Sache der jüdischen Arbeiterschaft, als ein „jüdischer MacDonald" hingestellt. Der Gehorsam wurde ihm aufgekündigt. Als lautester und entschlossenster Führer im Kampfe gegen Ben Gurion und jenen Frieden mit Jabotinsky tritt die Organisation der zionistisch-sozialistischen Jugend, der in Palästina und der Galuth allmächtige „Haschomer Hazair", auf. Er schlägt rücksichtslos gegen Ben Gurion los und kündigt Losreißung von der „Mapai", der zionistisch-sozialistischen Gesamtpartei Poale Zion, an. Und es ist charakteristisch, daß das Organ der Partei, die palästinensische Tageszeitung „Dawar", es nicht wagte, dem Aufruf voll Schmähungen und Drohungen die Aufnahme zu verweigern. Im Aufrufe heißt es u. a.: Der „Haschomer Hazair" ist tief empört über das Abkommen, das zwischen Ben Gurion, einem der B'ührcr der Histadruth, und und von Jabotinsky, dem Führer der faschistischen Partei der Revisionisten, unterschrieben wurde. Die Unterschrift Ben Gurions hat den Menschen des Terrors und der Ueberfälle auf den Hechaluz, den Menschen, welche bei fremden Regierungen die Arbeiterschaft denunzieren, als legale Gegner im Kampf um die Macht in der Zionistischen Organisation anerkannt und öffnet vielleicht sogar eine Tür zur Schaffung einer „nationalen" Exekutive von Ben Gurion bis Jaootinsky. Die Unterschrift Ben Gurions ist darnach angetan, -iie heilige Forderung zu annullieren, welche die Arbeiter Palästinas gegenüber der faschistischen Partei Jabotinskys seit dem 16. Juni besitzen, eine Forderung, auf welche nicht verzichtet werden kann, solange der Faschismus im Zionismus nicht gänzlich vernichtet ist. (Am 16. Juni 1933 wurde einer der Führer der palästinensischen Arbeiterpartei, Dr. Chaim Arlo- •jorof f am Strande von Tel-Awiw ermordet. Diö palästinensische Arbeiterpartei bezichtigte damals die zwei jugendlichen Revisionisten Abraham S t a w s k y und Zwi Rosenblatt, welche auf Grund von Indizien verhaftet worden waren, des politischen Mordes an Arlosoroff. Im ersten Prozeß wurde Zwi Rosenblatt, im Appellationsprozeß Abraham Stawsky freigesprochen. Anm. d. Red.) Die Deklaration der „Mapai" nach der Befreiung von Stawsky und Rosenblatt erscheint auf Grund des genannten Abkommens als niedrige Tat. (Nach dem Freispruch Stawskys veröffentlicthe die „Mapai", d. i. die sozialdemokratische Arbeiterpartei Palästinas, eine Erklärung, worin sie unter Schmähungen die Mordbeschuldigung gegen die Revisionisten wiederholte. Anm, d. Red.) Gegenüber dieser beschämenden Verpflichtung erklärt der „Haschomer Hazair" öffentlich, daß er nicht aufhören wird, die provokatorische und destruktive Ideologie des revisionistischen Faschismus zu bekämpfen, und nicht aufhören wird, die Arbeiterklasse zur Befestigung der antifaschistischen Front aufzurufen. Nicht gegen Frieden in der Zionistischen Organisation kämpft der „Haschomer Hazair", sondern gegen das schändliche Friedensabkommen mit einer Bewegung, die laut ihrem Programm dem fortschrittlichen Charakter der zionistischen Bewegung feindlich gegenübersteht. Im Gegensatz zu der Schwäche, welche die Führer der terroristischen Partei gegenüber bekundet haben, wird der „Haschomer Hazair" nicht aufhören, für die Ausstoßung der Revisionisten aus der zionistischen Bewegung zu kämpfen. Der „Haschomer Hazair" ruft die gesamte Arbeiterschaft zum Kampf gegen eine Abmachungauf, die über ihren Kopf hinweg mit einer faschistischen Partei getroffen wurde. Jeder Arbeiter muß wissen: Genau so wie jede Leitung einer „reformistischen" Partei gibt auch die Leitung der „Mapai" die Weisung, gegenüber dem Arbeiter hart wie Stein und gegenüber der Bourgeoisie weich wie Wachs zu sein. Sie entzieht sich der Antwort auf eine klare Frage, auf Sttflenben Gittern iir^tlid) empfohlen Sctuctbrutm Warnungen und Proteste, welche aus ihrem Kreise selbst kommen, und ist in der Lage, die Presse und ihren Apparat zu mobilisieren, um die Rabbinen und die „neutralen" Federn zu beruhigen. Wie jede „reformistische" Partei kann auch die „Mapai" auf einem Weg landen, welcher sie aus einer Führung von Arbeitern in ein Vermittlungsinstitut zwischen Arbeitern und der angreifenden Bourgeoisie verwandeln wird. Das Abkommen mit den Revisionisten bedroht und zersplittert die gemeinsame Kampffront der Arbeiterbewegung in der Zionistischen Organisation. Entgegen der Furcht der Führer, welche zu den Kompromissen mit dem Faschismus geführt hat, wird die Arbeiterschaft sich, um die Fahne des antifaschistischen Kampfes scharen. Jabotinsky — Verräter am eingekerkerten Aba Achi Meir Wie es von links tönt, so tönt es von rechts. In den revisionistischen Kreisen Palästinas und Polens macht sich Empörung breit und man kündigt Nichtbefolg u n g des von Jabotinsky abgeschlossenen Paktes an. Er wird als Preisgabe des Revisionsmus und Verrat an den revisionistischen Märtyrern Stawsky, Achi Meir, Rosenblatt etc. verdammt. In Polen ist es zu einer aufsehenerregenden Demonstration des bisher treuesten Unter- ^3pezialverkehr nach Palästina Gütertransporte, Liftvans, Uebersied'ungen U 11 m a n n, Rink & Co. Wien I, Kurrentgasse )2 / Tel. U-22-2-54 führers Jabotinskys gekommen. Der Führer der polnischen Revisionisten, der Warschauer Rechtsanwalt Elchanan Lewin, hat in einem offenen Schreiben an Jabotinsky und alle revisionistischen Gruppen die N i e d e rlegung aller seiner Mandate und den Austritt aus der Weltunion der Zionisten-Revisionisten angekündigt. Er beschuldigt Jabotinsky und die Pariser revisionistische Weltleitung, daß sie den Mordverdacht gegen die Revisionisten mit ihrer Unterschrift bestätigt haben. Er beschuldigt sie des Verrates an dem im Kerker Schmach- BESTE QUALITÄTEN! <^^B^W 'sfdfW-* KOHLE KOKS ASCH iv, Argentiniers™*. 22 - telserie U.47.5.40 Pension Irma Meister« Meran idealer ganzjähriger Autenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. H;irk. mäUic«* Freist- VTtaniren Sie Prospekte ME D A M ft PEW*'°W MERAN WM %F Deutsches Haus unmittelbare Nähe der Kurpromenade und1 aes Kurhauses Höchster Komfort / Butterküchei ' : /. Lire 25 Judenstaatspartei Oesterreichs Sonntag, den 1. Dezember, punkt Va9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel „Continental", II, Taborstr. 4 Qtoße #« Lichterzünder: Kantor Josef Feuer unter Mitwirkung des Männerchors des Jüd. Gesangvereines (Leitung: Kapellmeister I. Brandmann; Festrede: Oberbaurat Ing. Robert Stricker Mitwirkende: Ernst Deutsch (Theater in der Josefstadt) / Ljuba Lewltzka, Hebräische Gesänge / Prof. Josef Zimbler, Violinvorträge Jüdischer Gesangverein Karten zu S 2.—, 1.50 und 1.— bei: „Neue Welt", IX., Universitätsstraße 8/1 (A-20-2-78); Paula Stricker, II., Hoflandstraße 10 (A-48-1-89); Warenhaus Brüder Schiff mann, II., Taborstraße 48 Unter Mitarbeit der jüdischen Kulturstelle Sichern Sie sich rechtzeitig Karten! tenden Führer der palästinensischen Revisionisten Aba Achi Meir. * Worte und Buchstaben allein können den Frieden nicht schaffen. Sie bleiben leer, wenn die alle bezwingende, einigende Idee fehlt. Die Herzische Idee vom Judenstaat war es, welche zweitausend Jahre Zerrissenheit heilte und aus den widerstrebenden Elementen eine Einheit schuf. Als man in der Zionistischen Organisation — links, rechts und in der Mitte — Herzls Idee ausschaltete oder mit fremden Ideen vermischte, da war es mit dem Frieden aus. Er wird kommen, wenn Herzls Judenstaatsidee wieder allein im Zionismus herrschen wird. Neue Abmachungen Die Lemberger Tageszeitung „Chwila" bringt eine Meldung ihres Pariser Korrespondenten, wonach Ben Gurion und Jabotinsky neben den bereits veröffentlichten, auf Einstellung des äußeren Kampfes zwischen Sozialisten und Revisionisten gerichteten Abmachungen andere, vorläufig vertrauliche, weitergehende Vereinbarungen getroffen haben: 1. Die Revisionisten erkennen die Histadruth Haowdim (Arbeiter-Gewerkschaft in Palästina) als einzige Organisation an, welche das Recht hat, professionelle Arbeitervereine in Palästina zu schaffen. 2. Die Revisionisten beginnen wiederum mit der Arbeit für die beiden Fonds „Keren Kajemeth" und „Keren Hajessod". 8. Die Revisionisten unterwerfen sich der Disziplin der Zionistischen Weltorganisation in vollem Umfange. 4. Die Revisionisten werden für die Kandidatur Prof. Weizmanns als Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation stimmen, wenn Wladimir Jabotinsky die Stelle des Vizepräsidenten erhält. Zur Durchführung der Aenderungen an den höchsten Stellen der zionistischen Bewegung soll ein außerordentlicher Kongreß einberufen werden, an welchem die Delegierten teilnehmen, welche zum 18. Kongreß gewählt worden sind. * Wie wir erfahren, soll Ben Gurion namens der Exekutive die Erklärung abgegeben haben, daß ohne Annahme der vorstehenden Bedingungen (insbesondere des die Disziplin betreffenden Punktes 3) ein weiteres Verbleiben der Revisionisten in der Zionistischen Weltorganisation nicht zugelassen würde. Dann hätte Jabotinsky eine „Unabhängige zionistische Organisation" (U. Z. O.) zu gründen. Die Weltorganisation würde sich bemühen, mit der U. Z. O. freundschaftlichen Verkehr zu pflegen, und würde ihr, wie jetzt der „Agudah", eine Zahl von Einwanderungszertifikaten überlassen.