Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 413 (13.11.1934)
- Date
- 1934-11-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE NEUE WELT Seite 3 Cregen die Aushungerung Aus W ursc h a u wird gemeldet: In der Generaldebatte im polnischen Parlament Uber das Expose: de;! Finanzministers hielt der Vorsitzende des Klubs der judischen Abgeordneten Rabb. Dr. Opias Thon eine große Rede, in der er Klage darüber führte. die Regierungin ihrer Finanzpolitik die städtische.?i.im großen Teil jüdische Bevölk e r u n g zu Gunsten der Landbevölkerung aufs schwerste; benachteilige. Die.se Politik, erklärte Abg. Thon, gehe .scheinbar von der Flucht vor einer sogenannten ..jüdischen Hochflut" aus. In Wahrheit aber seien es die Juden, über die die Fluten den Wirtschaftslebens hinweggehen. Die jüdische Not in Polen w a c hat; von Tag zu T a g. Es sei unmöglich und unzulässig, eine Bevölkerung von drei Millionen Seelen der Vernichtung preiszugeben. Die Regierung aber trage nicht nur nichts dazu bei, die. Hilfsarbeit für die Juden zu erleichtern, sondern behindere sogar systematisch die von den jüdischen Organisationen ausgehende Initiative. Aus dem Umstände, so fuhr Abg. Thon fort, dali die. jüdische Bevölkerung aus ihrer patriotischen Gesinnung heraus davon Abstand nimmt, die Judenfrage, in Polen vor das internationale Forum des von 3 Millionen Juden! Völkerbundes zu bringen, könne nicht geschlossen werden, daß die Juden in diesem Lande, nicht unter ungerechter Behandlung leiden. Dr. Thon wandt? sieh sodann der A v. ß c » p o I itik der polnischen Regierung zu und sagte: Unbeschadet unseres Prinzips, die Außenpolitik unserer Regierung nicht zu berühren, habe ich das Orfnhl, daß hier S c h w e igen ein Verbrechen wiire. Die. Freundschaft Pole n ,s mit dem heutig e. n Deuts c h 1 u n d schafft Polen viele Feinde auf der anderen Seite. Nicht nur als Juden, sondern als p o! n i w c h e ni Bürg e r tut es mir weh, unsere Regierung in dieser Gesellschaft xu sehen. Mau spricht von der Notwendigkeit einer gesunden und würdigen Politik, Ist es „gesund", sieh mit der ganzen Welt zu verfeinden wegen eines nichtigen Bundes, der f kaum eine ernste Trobü wird bestehen k ö nn c n V Und ist eine solche Politik „w 1) rdi g"? Warum ■ muß es gerade Polen Kein, das das Deutschland Hitlers vor der vollkommenen Isolierung rettet? Unser Außenminister hat mit Recht auf gewisse Fehler Frankreichs gegenüber Polen reagiert. Aber reagieren bedeutet noch nicht, ins andere Lager überzugehen. Wir legen uns mit gesundem Köroer ins Krankenbett. Unser Ort ist dort, wo Zivilisation, Recht und Gerechtigkeit herrschen, nicht dort, wo die Hölle wütet. Noch ist es nicht zu spät, den rechten Weg zu finden.' Um die //Protokolle von Zion" Offiziere als „wissenschaftliche Sachverständige" Der um die „Protokolle" von den Schweizer Judengemeinden geführte Prozeß mußte, wie bereits berichtet, vertagt werden, weil keiner der von antisemitischer Seite als „Sachverständige" verlangten Wissenschaftler ein Gutachten geben wollte. Nunmehr haben sich doch „Sachverständige" gefunden, allerdings nicht solche, die von einer Hochschule, sondern von der Kaserne kommen. Aus Bern wird berichtet: Der von den Angeklagten im Prozeß urn die „Protokolle der Weisen von Zion" genannte Sachverständige, Oberstleutnant a.D. Fleischhauer aus Erfurt, Herausgeber einiger von Alfred R o s e n b e r g gegründeten und aus Reichsmitteln subventionierten Schundkorrespondenzen und Schundschriften, darunter der „Service Mondiai", des ,,Se.mi-Kürschner" und der „Sigilla vcrl", hat dem Gerichtspräsidenten Meyer mitgeteilt, daß er das ihm anvertraute Mandat a n nimm t. Die Verteidiger der Angeklagten haben dem Gerichtspräsidenten überdies mitgeteilt, daß sie für die. Frage, der angeblichen Beziehungen zwischen Juden und Freimaurerlogen einen zweiten Sachverständigen stellen, nämlich den Major a. D. Henning aus Berlin. Major Henning war im Jahre 1918 Attache der deutschen Botschaft in Moskau und er unterhält sehr enge und intime Beziehungen zu russischen monarchistischen Kreisen in Deutschland, die nach der russischen Revolution die gefälschten „Protokolle" in Deutschland und in anderen Ländern der Welt eifrig verbreiteten. Der Gerichtspräsident soll sich nun Uber die Annahme dieser zwei Kandidaturen äußern und nachher die weiteren Anordnungen über den Fortgang des Prozesses treffen. Die »Protokolle« als Lehrbuch Aus Berlin: Der Reichserziehungsminister Rust hat ein Verzeichnis der Lehrmittel bekanntgegeben, die im Schulunterricht Verwendung linden sollen. An erster, Stelle steht Hitlers Buch „Mein Kampf". Empfohlen wird: ferner Alfred Rosenbergs „Mythos des 20. Jahrhunderts". Ferner wird empfohlen Chamerbains „Rasse und Persönlichkeit". Zum Schulunterricht über die Judenfrage werden folgende Schriften als Grundlage angeführt: Rosenberg: „Die Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische W e 11 p o 1 i t i k". Günthers „Rassenkunde des jüdischen Volkes" und ein Buch von T. H. Fritsch: „Handbuch der Judenfrage". Bei all den genannten Schriften handelt es sich um Schundliteratur der übelsten Sorte. Ein seltsames Urteil Das Schweizer „Isr. Faniilienbl." schreibt: Wir berichteten kürzlich, daß eine Buchhandlung in Basel, die antisemitische und hakenkreuzlerische Bücher auslegt, an der Ladentüre die Aufschrift trägt: „Juden und Emigranten, die nur zum Pöbeln kommen, verbiete ich mein Lokal." Es hat, wie berichtet, vor dieser Buchhandlung Skandal gegeben. Der Fall ist nun Vor dem Strafrichter entschieden worden. Der Richter hat gefunden, die genannte Inschrift habe nur den Rinn einer Warnung, nicht einer Beschimpfung; es sei ähnlich, als wenn irgendwo stehe: „Vor Taschendieben wird gewarnt." — Man muß sich einmal vorstellen, eine atheistische Buchhandlung führe auf der Tür die Aufschrift: „Christen, die nur zum Pöbeln kommen, ist der Eintritt verboten." Wir möchten einmal erleben, welcher Skandal dann losbräche! Es bedarf wohl nur dieser Gegenüberstellung, um zu zeigen, wie abwegig und einseitig die Einstellung jenes Basler Strafrichters ist. Es mtazf nichts« «• Die Berliner Blätter bringen die Nachricht, daß der Star der Ufa, die bekannte Filmschauspielern! Käthe von N a g y, entlassen worden ist und künftighin an keinem deutschen Film mitwirken darf. Käthe von Nagy hat alles versucht, sich zu halten, aber ohne Erfolg. Als man davon zu sprechen begann, daß ihr Vater, der in den Fihnprospekten als adeliger, über den „Abstieg" seiner Tochter zum Komödiantentum verzweifelter Kernmagyare geschildert wurde, in Wirklichkeit ein ungarischer Jude war und Gro-ß geheißen hat, tat sie alles, um Gnade vor den Augen des Herrn Goebbels zu finden. Sie spielte in a n t isemitischen Stücken. Ihr Mann tat ten Uebriges und wurde S.A.-Mann. Es hat nichts genützt. Die Nazis sind unzufrieden Aus Essen: An die vor kurzem erfolgte Verleihung des tseh e e h o s 1 o w a k i s e h e n Literaturpreises < für Dichtungen in deutscher .Sprache» an den Präger Schriftsteller Ludwig Wind e v. knüpft die in Essen erpcbo.inend<- ..Natioual-Zeitung" folgende Bemerkungen: „Der tschechoslowakisch!* Stoalnpreis für Literatur, in deutscher Sprache für 193-! ist. einem J u d e u zugesprochen worden, dem Roman Schreiber Ludwig Winder. Es ist, an sich gewiß lobenswert, w.vnn in Ländern f r e m d c r, Zunge Staatsprei.se für Werke deutscher Literatur ausgesetzt, werden, aber Sinn und Wert solcher Auszeichnungen werden unrettbar verstümmelt, wenn Werke ausgezeichnet werden, die jegliche, deutsche Geisteahultung vremissen lassen; Demi diese ist ivhlechterdings bei einem Juden, der zufällig in Mähron geboren» wurde, und der sich zufällig f und leider» der deutsehen Sprache bedient, nicht vm erwarten. Die Preiszuteilung wirkt nicht, nur g e s c h rn a c k l o s. sondern auch b edcutungslos. denn es ist jegliche Vorsorge getroffen, d3ß jüdischer Geist aus dem deutschen Schrifttum, das tu Deutsehland gelesen wird, ausgeschaltet bleibt." Hillers „Mein Kampf" als Mätk'henbucn Aus Prag: Die. tschechoslowakische Postverwaltung hat eine Anzahl von Fällen von S chmuggcl verbotener reichsdeutscher Zeitschriften und Bücher nach der Tschechoslowakei festgestellt. Verboten*1 Schriften werden mit einem Bildumschlag anderer, nicht verbotener Bücher versehen. So wurde, u. a. „Mein Kampf-' von Hitler mit Umschlägen harmloser. Mridchenromane,, wie „Marion", „Suse", aufgefangen. Der Massenmörder IVflatusdika schwärmt für Hitler Aus Budapest: In dem in Budapest jetzt stattfindenden Prozeß gegen M a t u s c h k a, der vor einigen Jahren einen internationalen Schnellzug beim Viadukt von Bia-Torbägy in die Luft sprengte, wobei 22 Menschen ums Leben kamen, wurde erörtert, wie Matuschka eine Nummer des von Goebbels herausgegebenen „A n g r i f f" kaufte und diese mit Reißnägeln a.n einer Telegraphenstange befestigte, nachdem er vorher darauf geschrieben hatte: „Sieg! Sieg! Sieg! Attentat! Revolution!" Es war dies zur Zeit, als Matuschka sein! Attentat auf einen bei Jüterbog in Deutschland durchfahrenden Schnellzug verübte, wobei Menschenleben nicht zu Schaden kamen. Matuschka erklärte vor Gericht, er wußte, daß die NSDAP, damals vor einer Wählerversammlung stand, er wollte den Anschlag durchführen, damit die Nazi-Partei siege. Präsident: Das Blatt brachte einen Aufsatz mit der Uebevschrift: „Adolf Hitler schlägt den Feind." Sie haben .den Titel unterstrichen und mit druckähnlichen Buchstaben hinzugefügt: „Jud!" Was wollten Sie damit? Matuschka: Meine Prädestination ist, die Atheisten zu bekämpfen und die Juden. Ich hielt hierin die Hitler-Partei für meine Bundesgenossin. Die Juden aber... Präsident (unterbrechend): Ich habe Sie schon einmal darauf aufmerksam gemacht, sich davor zu hüten, andere anständige Menschen oder Institutionen hereinzuziehen. Hüten Sie sich davor, die Tätigkeit einer politischen Partei, an deren Wirken sich die Seele einer großen Nation knüpft, in Ihre Dinge hineinzuzerren. Die Hitler- Partei pfeift auf Ihre Unterstützung. Sie wollten diese Partei kompromittieren. Matuschka: Niemals dachte ich* an so etwas. Nach den Ungarn liebe ich die Deutschen und die Oesterreicher am meisten. Judenstaatspartei Oesterreichs' tyco$l Scimstag, den 1. Dezember, punkt %9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental, II, Taborstraße 4 LiChterzUnclQlt: Kantor losef Feuer unter Mitwirkung des Männerchores des Jüdischen Gesangvereines (Leitung: Kapellmeister I. Brandmann) Festrede: Obarbaurat Ing. Robert Stricker Mitwirkende; Erfilt DeiltSCtl (Theater in der Josefstadt) Ljuba Lewitxka, Hebräische Gesänge, Prof. Josef Zimbler, Violinvorträge Jüdischer Gesangverein Karten zu S2.~, 1.50 und 1.- bei: „Neue Welt", IX. Universitätsstraße 8/1. (A-20-2-78); Paula Stricker, II, Hollandstraße 10 (A-48-1* 89); Warenhaus .Brüder Schiffmann, II, Taborstiaße 48 _ / c e r n i e s / c r e h t e i t i g K r t e n StudenfeiiffKIiib der Judeiutaatspartet Oeffentliche Diskussion: Donnerstag, den 15. November, 8 Uhr abends, im Heim, I., Werdertorgasse 14. Oeffentliche Diskuasion Uber Judenataatsparte! und Union der Revisionisten. Diskussionsredner: Dr. Salomon Wolf und ein geladener (Vertreter der Union derJZionisten-Revi- B1 o n i s t e :i. a) Programm (beide Redner je 25 Minuten). b) Gegenrede (beide Redner je 25 Minuten). Hochschüler erscheinet. — Gäste willkommen. Bund jüdischer Frontsoldaten, Bezirksgruppe Innere Stadt. Dienstag, den 13. d. M., spricht Kamerad Doktor Leo Ho ro witz über das Thema: „Bevölkerungslehre und Bcvölkerungspolitik". Ort: Cafe „Altes Rathaus", I., Wipplingerstraße 24. Zeit: 8 Uhr abends. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Legitlmiatischer jüdischer Frauenbund. Am Dienstag den 13. November 1934, um halb 8 Uhr abends, findet im Cafe Helenenhof, VII., Siebensterngasse 42, die Gründende Versammlung des Legitimistischen jüdischen Frauenbundes statt. Jüdische Frauen und Madchen sind hiezu herzlich eingeladen! <gs tft niefit nmfjr, baft ... bcioitöcrsj billige greife irgenbroie Dcrbüdjtig erfebeinen uno man glauben mu&, baß für wenig (Selb eben nur minberf toertige GuaUlötett geboten werben rönnen, billige s£rei|c muffen nirfjt unbebingt auf Jioftcn ber Qualität gehen. Mr ift tfelmeftt, önfe bic .V)öl)e bes iöertaufspreifes in crjtcr Üinie uou ber y>öi)c bc* felnlaufspretjes abhängt. Sehr putig hat ber ISiulaufer im (ßrojjcn (Sefegcnheit, ttcftpofleu erftflaffi; c Quamats* waten weit unter Normalpreis einzulaufen. 3n folchen tfällcn faun er bann ourh biefc ßualitätötoaren befonbers billig »erlaufen. SMcfe* feit mehr als einem SSierteliahr* Rimbert fonfeonent geübte C&lufaufs* unb JBet!aufs»Snjtein bes befairnren „äBatenfjaufcs ber Sparfamen" bat ben Stuf: „Schiff mann ift immer befonbers billig!" begrünbet. 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Stchuno II* SÖIä nie 1 für iOtäbdjen, in s-5Iau, ganj ge* füttert unb loattclicrt, ftragen unb Feuers peljartig oer* brämt S 19.5U. ii i n b e rS dj u I |i i e f e 1, \d)mat^ (Sro^c, iUt.-tfl—:J3 S 8.75, (SröRe 28—UO S 7.75, (§rö&e 2ü—27 S ü.75 (in $rauu S 1.— tuebr). 41H c u c r ro a rö S t i e f e l für Herren, mit ßeberfutter unb (Erouponfohjc, angenähte ^unge S 14.90. fti u b e r X r a t u t u a- Hl it 3 u g aus gutem blauen Sritotftoff (*>ofe unb 2?iuic), mit ÄcijjocrfdjluR, (Sröfec 1 S 4.90. <yiir Herren: s2l<iuter-sJ^antel mit Samitrageu, ganfl gefüttert S 51).— , Spürt^lupgc, jmettcili^ S 30.—, 'S 24.--, GheDiot-Niijügc. faönc sJJiufter S 49.—, S 39.—, Worgenröclc aus 2)oublc*8toffen lo.SO, S 9.80, £ua)»(5amafd)cu, alle färben unb ©rögeu S 1.30, iBojcalf* £)albid)uhc mit Grouponfohle S 12.90, ^opelhicsJmnben, mit ,utiet feparaten Siragen S 7.90 bei c rt) i f f m a n n, 2. lu^irl, laboritraße Ibl