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Die neue Welt · 1934-11-13 · Heft 413 (13.11.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 413 (13.11.1934)
Date
1934-11-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE N"EÜE TOL: iMimwin Nr. 413 RUNDSCHAU Clemcnceau über Edmond de Rothschild Im Buche des langjährigen Sekretär* Jean Marlet, des großen französischen Staatsmannes. „Clemenceau über sich selbst" findet sich eine Stell-, welche dem jetzt verstorbenen „Vater Palästinas", dem Baron Edmond de Rothschild, gewidmet ist. Sie lautet: . . . „Apropos — Juden, fällt m»r ein: Gestern nar der alte Edmund de Rothschild hei mir. Nun diesen Edmond de Rothschild halte ich für den besten Juden unter allen Juden der Welt. Ersaß hier neben mir und sprach äußerst vernünftig Uber die veifvchitdenstcn Dinge. Was vun emfm Bankier überrascht. Er sprach auch Dinge und brachte Anschauungen 7.um Ausdruck, die den Edelsinn des Herzen» verraten. Dieser alte Edmond de Rothschild gehört nämlich, zu jenen Meuchen, die wirklich interessante Ansichten haben. Auch das war schließlich nicht der schlechteste Gedanke, 80 Millionen Francs zur Errichtung von wissenschaftlichen Laboratorien an der Pariser Universität zu?[>e:-den. Wahrlich nicht der schlechteste Gtdanke." „Und er ist Jude: Und noch dazu was für ein selbstbewußter Jude! Und er ist stolz darauf, daß er Jude ist. Eines Tages, ich war gerade »ehr schlecht gelaunt, begann ich vor ihm auf die Juden zu schimpfen. Da erhob sich der alte Herr, schlug mit der Faust auf meinen Tisch, auf meinen M I n i s t e r p r ä s i d c nt c n t i a c h. Herr Sekretär, und brüllte mir förmlich ins Gesicht: „Schweigen Sie, Herr Clemcnceau, das Judentum und Israel sind das größte Volk auf dem Erdenrund!' Und er begann mir «.'inen Vortragzu halten über die M a k k a b ä c r. Wissen Sie, Herr Sekretär, ich liebe die Makkabäer nicht. Aber das gefällt mir unendlich gut, wenn jemand sich* nicht dcssDn schämt, was er ist, und vor allem sich nicht dessen schämt, daß er Jude ist. Denn der Mene-ch kann nur dann etwas sein, wenn er es vollständig iat." Eine SuJsms'epjsbfnk mit Lieferfrist Der Nam? Biro-Bidschan ist der Welt dadurch ■bekanntgeworden, daß die Sowjetregierung seit fast zehn j Jahren die Errichtung eines jüdischen autonomen Rayons, j einer Judenrepubülc Biro-Bidschan. proklamiert, j Was in dieser Zeit an Prognosen seitens der russischen i Machthaber und ihrer Anhänger in den verschiedenen j Ländern in die Welt gesetzt wurde, hätte zu günstigeren j Resultaten berechtigt. Unzählige Male hieß es. daß die. j Kolonisierung Biro-Bidschans durch jüdische Bauern Fortschritte mache, daß man vor einer entscheidenden Phase j der Fertigstellung der Judenrepublik stehe, daß soviele , lind soviele tausrade Juden im Begriffe, seien, ihren Wohnort mit einem dauernden Aufenthalt im Amur- Gebiet, d. i. Biro-Bidschan, zu vertauschen. Und dif amerikanischen Juden gaben Millionen und abermals Millionen DoUara für dieses Phantom her . .. In der letrten Woche gab es in Moskau wieder eine I>ebatte über B^ro-Bic1r.-chan. Der Sowjetpräsident Kalinin j erklärte dem Vor-sitz^v-dcn der Birc-Btdechan-Sicdlunf, | Librr'orrg: „Ich werde Ihre Arbeit nur dann als Erfolg ansehen, wenn es Ihnen gelingt, innerhalb fünf bis acht Jahren den jüdischen autonomen Rayon Biro- Bid^oban zu einer jüdischen sozialistischen Sowjetrepublik auszugestalten." Also diesmal fa.?t «in Achtjahrplan. Und der Präsident der Ozet (Gesellschaft für Ueberführung der Juden zur Landwirtschaft in Rußland) verlangte in einer Ansprache eine Erhöhung der Vergünstigungen für die nach Biro-Bidschan gehenden jüdischen Siedler .. . Verlockend scheint das Leben in Biro-Bidschan nicht zu sein: Sümpfe, schlechtes Klima, Mangel an produktiven Voraussetzungen. Aber Sowjetrußland läßt nicht locker. Aus purem Haß gegen den Zionismus und gegen jüdische Kultur und Tradit'on führt es seinen Bluff bis zum bitteren Ende ... Eine s«h&n&Hdie Kfotradsgunq Das Hitler-Regime hat die deutschen Juden, soweit der Zionismus ihnen nicht den Weg ins Judentum gewiesen, zur Besinnung gebracht. Allerdings nicht alle. Unbelehrbar erscheinen uns die Kreise rings um den „Centraiverein", dessen Organ „C.-V.-Zeitung" nach wie vor von einem innigen Zusammengehen mit den Deutschen faselt und dessen publizistischer Führer Dr. Alfred Hirsch borg sich damit nicht abfinden kann, daß die regierenden Hakenkreuzler ihm um keinen Preis, mag er noch so laut seine Germanen treue; beteuern, um d^n Hals fallen .v/ollen. Herr Hirscbhreg schreibt in der „C.-V,-Zeitung" am 3 November 1934: „Von d«r Straße, auf der jüdische Meiibchen durch die deutsche Gegenwart gehen, zweigt »Ich an j einer bestimmten Stelle der Weg nach draußen ab. Das iHt keine neue Erscheinung. Bloß ihre Bedeutung hat sich gewandelt. Heute heißt nach draußen den Weg In fremde Länder, vor allem nauh Palästina, \ wählen. Früher war ch der Weg aun der jÜdiwchen Gef mtinschaft hinaun d u r c h T a u f e oder Austritt. Zwan-< nuri V-'ille wir UV;?' Im>vr v.l» dü"T'!y tu vjl-h-•• Entscheidung zusammen." Wahrlich, eine interessante Betrachtung! Nach Hirüchberg sagt sich der Jude, der nach Palästina geht, von der jüdischen Gemeinschaft los ebenso wie derjenige, welcher seinerzeit den Weg der Taufe oder des Austritts gegangen ist. Schändlicher kann sich die unentwegte asaii milanteste Einstellung der C.-v.-Leute wehl nicht dokumentieren. Sollen wir den Tierren heute wieder sagen, was Palästina für das Judentum bedeutet? Hinweisen auf die von der ganzen Welt begründeten und anerkannten Leistungen, dio dem zionistischen Gedanken ihren Ursprung verleihen? Palästina, auf das alle Juden stolz sind, Palästina, das als einziges Land den jüdischen Landaleuten des Dr. Hirschberg: eine würdige, zukunftsreiche und jüdische Unterkunft gewährt und vielleicht dazu ausersehen ist, auch Herrn Dr. Hirschberg und seine C.-V.-Gsnos-sen dereinst aufnehmen zu müssen? Dr. Hirschbergs Aeußerung ist dumm, dreist, überheblich und widersinnig. Ist ihm und seinen Genossen wirklich nicht zu helfen? lliti die jüdische Sdhule Von Direktor Julius S t e i n e r (Graz). Der Verfasser ist Direktor der ausgezeichnet geleiteten j ü d i s c h e n Volk sschule in Graz. Die jüdische Schule steht wiederum im Mittelpunkte einer regen, leider auch erregten Diskussion. Die Veranlassung bot diesmal der bekannte Erlaß der Regierung, welcher die Zusammenfassung der katholischen Schüler in Sonderklassen anordnete. Die Erregung hierüber löste eine Protestresolution des Vorstandes der isr. Kultusgemeinde Wien aus. FJs sei dahingestellt, ob die Angelegenheit nicht ruhiger, aber dafür nachdrücklicher hätte aufgenommen werden können. Meiner Ansicht nach ist gerade aus dieser Verordnung eine judenfeindliche Stellung der Regierung nicht abzuleiten. Es nützt uns wenig, wenn Berichterstatter der ausländischen Presse, wie schon früher in anderen Fällen, die Angelegenheit für sensationelle Berichte ausnützen. Es ist wenig zweckdienlich, wenn die tschechische Liga gegen den Antisemitismus in Prag wegen dieses Schulerlasses bei der österreichischen Regierung Protest einlegt. Geschieht uns ein Unrecht, so müssen vor allem wir selbst genug Mut und Kraft aufbringen, um unsere gerechte Sache zu verteidigen. Mit all den Protestaktionen wäre die Angelegenheit wieder einmal resultatlos erledigt gewesen, wenn nicht Oberbaurat Stricker aus der Situation die richtige Folgerung gezogen hätte, das Positive herauszuholen und die Forderung nach Errichtung eines jüdischen Schul Werkes zu stellen. Die Forderung ist nicht neu. Sic bildete schon vor einem Jahrzehnt einen wichtigen Punkt des zionistischen Programms bei den Wahlen in die Kultusgemeinde. An die Verwirklichung sind aber die Gewählten nie ernstlich herangegangen, auch dann nicht, als die Zionisten die Majorität in der Gemeinde erlangten. An die jüdische Schule hatte man vergessen. An Mahnern hat es nicht gefehlt. Alljährlich, wenn in den Budgetdebatten die mangelhafte jüdische Erziehung der Jugend, besonders die unbefriedigenden Erfolge des Religionsunterrichtes, zur Sprache kamen, wurde auf die Notwendigkeit der jüdischen Schule hingewiesen. Wieder war es Oberbaurat Stricker, der jederzeit die Wichtigkeit der Schule erkannte und auch sein Blatt zur Verfügung stellte, wenn es galt, für die jüdische Schule einzutreten oder überhaupt die Fragen der Erziehung zu erörtern. Bedauerlicherweise ist diesmal die Schuldangelegenheit wieder zu einem Streitobjekt der Parteien geworden, obwohl gerade hier die Möglichkeit für ein einheitliches I Vorgehen gegeben ist. Die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" sind Gegner der jüdisch-nation a 1 e n Schule, haben aber gegen eine jüdisch-konfessionelle nichts einzuwenden. Die Allgemeinen Zionisten wehren sich gegen die Errichtung jüdischer öffentlicher Schulen durch den Staat. So fehlt es auch in dieser wichtigen Sache an einem einigen Wollen, an bewußter Führung. Es sei an dieser Stelle des jetzigen Oberrabbiners C h a j e s gedacht, der ohne äußeren Zwang, ohne. Polemik ein jüdisches Schulwerk in Angriff genommen hat. Leider hatten die gegründeten Volksschulen keinen Bestand, da er seine ganze Kraft den höheren Schulen, Gymnasium und Pädagogium, zuwandte. Man muß aber aus der gegenwärtigen, unleidlichen Situation herauskommen und darf nicht um Worte, wie national und konfessionell, streiten. Das Wort „j üdisch" schafft die Synthese beider Begriffe. Die jüdische Schule kann nicht anational sein, sie kann nicht antikonfessionell sein. Sie ist heute eine Notwendigkeit mehr denn je. Man halte sich nur den Kurs der Regierung vor Augen, die wiederholt den christlichen Charakter der Staatsführung betont. Dieser wird sich am ehesten und kräftigsten auf dem Gebiete der Erziehung und der Schule auswirken, und wenn man schon früher mit Recht sagen konnte, die öffentliche Schule ist zum großen Teil eine christlich-konfessionelle, so wird dies um so mehr jetzt der Fall sein, wo wieder die Ansicht vorherrschend wird, daß die Erziehung auf religiöser Sittlichkeit aufzubauen ist, wie ja auch der § 1 des Rcichsvolksachulgeaelzes sittlich-religiöse Erziehung als erste Aufgabe der Volksschule hinstellt. Und das mit Recht. Wir haben während des vergangenen sozialistischen Regimes erlebt, daß das religiöse Moment systematisch aus der Schule ausgeschaltet wurde, und unsere Jugend hiedurch immer mehr dem Judentum entfremdet wurde. Deshalb verlangen wir die jüdische Schule;, in der das Judentum im Mittelpunkt diu Unterrichts steht. Unsere Kinder werden sich nur in einem jüdischen Milieu wohlfühlen upd ihrer Eigenart entsprechend gebildet und erzogen v/erden können. Die Zeit drängt zur Errichtung jüdischer Schulen, namentlich jüdischer Volks¬ und Hauptschulen. Die Männer, denen die Führung der österreichischen Judenheit anvertraut ist, dürfen daran nicht vergessen. Die Regierung wird in konsequenter Veriolgung ihrer auf deutsch-christliche Erziehung gerichteten Bestrebungen dem jüdischen Schulwerk ihre Unterstützung nicht versagen können. Es ist sicherlich in Wien Gelegenheit geboten, die Absichten der Regierung in dieser Richtung kennenzulernen und die entsprechenden notwendigen Maßnahmen zu treffen. Man verschanze sich nicht hinter der Ausrede von der Unmöglichkeit der Realisierung. Gewiß ist die Aufgabe keine leichte. Was aber in Graz, Prag, Brünn, Mährüich-Ostrau, Agram und in vielen anderen kleineren Orten möglich war, muß auch in Wien, der größten Judengemeinde Mitteleuropas, möglich .sein. Jedenfalls wird die Diskussion Uber die jüdische Schule nicht mehr verstummen. Die Hifadidiifh Olef Ausiria (Vereinigung der Einwanderer ans Oesterreich'.)" Vom Sekretär der Organisation österreichischer) Juden In Palästina. Herrn Dr. Walter Eckstein, erhalten wir aus Tel-Awiw folgenden Situationsbericht; Auch die Einwanderung aus Oesterreich hat einen größeren Umfang angenommen. Man schätzt die, Zahl der Olim aus Oesterreich in Tel-Awiw auf mehr als 2000. in Haifa auf 800, in Jerusalem auf Uber 600, im übrigen Lande auf zirka 1000, insgesamt auf 1500 bis 5000. Die H. O. A. dient den Interessen der hier leben-« den Oesterreicher und der noch später Einwandernden und insbesondere ihrer wirtschaftlichen, kui» t u r c 1 1 e n. und g v :> e 1 1 s c h a f 11 i c h o n Eingliederung. Sie hat ein Sekretariat geschaffen. Abteilungen für Stellenvermittlung und Wirtschafte e r a (. u n ig. eine R e c h t s h i 1 f e a b t e ilung und eine F U r s o r g o a. b t c i l u n g, Kurse für Hebräisch, Englisch und Arabisch eingerichtet. Jeden Dienstag finden im Hotel Talpiotli belehrende. Vorträge, statt, die von zirka 100 bis 150 Personen regelmäßig? besucht werden. Infolge der f o r t s c h r c i t e n d e n V e r a. r m u h g der Juden in Wien kommen die Neueinwanderer aus Oesterreich zum Unterschied von jenen aus Deutschland fast mittellos an urld wenden sich in Fällen von Erkrankungen. Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit und um Gewährung konstruktiver Darlehen an uns. Es muß leider festgestellt werden, daß es hier keine zentralen Institutionen gibt, welche den Ne.ueinwande.rern ohne Unterschied ihres H e rk u nf1 s1a nd e a zur Seite stehen. Der Waad HakiJah (Kultusgemeinde'), steht auf dem Standpunkt, daß die Fürsorge für die. Neueinwanderer Aufgabe der Sochnuth (Zionistische Organisation) ist; diese wieder erklärt, nur für Einwanderer aus Deutschland Mittel zu besitzen. Die H. O. A. konnte den Standpunkt, daß die Hilfsgeldetf für alle deutschsprachigen Opfer des Anti.« :-:emitLsmus. nicht nur für deutsche Staatsbürger gesamt melt würden, bis heute nicht durchsetzen. So ergibt sich, daß die A. O. H. die einzige Für* sorge- und Hilfe-Instanz für die 'Neueinwanderer autf Oesterreich ist, ohne über entsprechende Mittel zu verfügen. Obzwar sich alle Oesterreicher, die hier nur einigermaßen eine Existenz gefunden, haben, selbstlos für soziale Hilfeleistung zur Verfügung stellen, reichen die Mittel bei weitem nicht aus. Das Präsidium hat daher beschlossen, bei allen it| Betracht kommenden Stellen energisch zu intervenieren und auf die schwierige Situation hinzuweisen. Eine Delegation sprach bei allen zuständige*' Stellen vor und ihr Sprecher, Dr. Friedrich Morgenstern, führte aus, daß die Lage der Juden in Oesterreich diese zwingt, bessere wirtschaftliche Möglichkeiten zu suchen. Staatsbürgerliche Rechte und körperliche Sicherheit sind ihnen wohl verfassungsgemäß verbürgt, aber ihre wirtschaftliche. Lage wird irhmer trauriger. Jüdische Lehrlinge finden keine Lehrstellen, jüdische Beamte werden gekündigt, einfach auf die Straße gesetzt. Den jungen jüdischen Aerzten ist ea verwehrt, in den Spitälern zu praktizieren usw. usw. Und gerade die Judenheit Wiens, der Stadt, die dem Zionismus ihren Führer geschenkt hat, wird von allen zionistischen Behörden stiefmütterlich behandelt. Die Quote der E i n w a n d e r u n g s ze r tif i k a t e für Wien steht in keinem Verhältnis zu der Zahl der erforderlichen. Dr. Morgenstern bat daher, bei de? Verteilung der nächsten Zetif ikate eine größere Quote nach Wien zu senden, und wies auch auf die Schwierigkeiten hin, die sich in Wien bei der Erlangung eines Kapitalistenzertifikates ergeben. Der Referent der Zionistischen Exekutive, Herr Izchak Grünbaum, versprach, bei der Verteilung der nächsten Zertifikate eine größere Quote nach Oesterreich zu senden. Dr hier zu Besuch weilende Rabbiner Dr. K aminka aus Wien traf namens der „Allianz" mit der Exekutive die Vereinbarung, daß die an Chaluzim gegebenen Darlehen hier eingezogen und diese Gelder zum Teil für die Hilfe an Oesterreicher in Palästina verwendet werden sollen. KREUZ-KINO Wollzeile 17 * Tel. R-21-2-16 Ein Unbekannter mordet! fiÄS fl>a'e Bestattung Baron Rothschilds Aus P a r i. s: Der Präsident der Republik, Lebru ri, hatte sich bei der Beisetzungsfeier auf dem Friedhof Pero Lachaise durch den Obersten de Bellefond aus seinem Militärkabinett vertreten lassen. Neben dem offiziellen Delegierten der französischen Regierung, Unterrichtsminister BCrthod, haben auch andere Mitglieder des Kabinetts, wie Außenminister Laval, Finanzminister, Gcrmain-Martin, forner General de Gastätt a u, der Vizepräsident des Senats L u c i e n Hubert, der Polizeipräfekt Langeron, der Seinepräfekt Villey, der ehemalige Präsident der Republik, Alexandra Miller and, der belgische und der polnische Botschafter und eine Reihe anderer Diplomaten an der Bestattungsfeier teilgenommen. Die religiösen Zeremonien leiteten der Pariser Großrabbiner Julien Weill und der Grand Rabbin von Frankreich Israel Levi. Dann zog der unübersehbare Strom der Trauergäste an den drei Söhnen des Verstorbenen, Maurice, James und Edouard de Rothschild, vorbei, um ihnen die Anteilnahme auszudrücken, Indische Antifaschisten Verurteilt Aus Rom (J. T. A.): In Rom fand vorige Wochq der Prozeß gegen Dr. Sion Scgrc und Prof. Leone, Ginzburg (letzterer in Odessa geboren und vor einigen Jahren in Italien naturalisiert), die im April d. J. unter der Beschuldigungantifaschistischer T ä t i gk e i t verhaftet worden waren, statt. Mit den Angeklagten waren damals mehrere andere Personen, unter ihnen eino Anzahl Juden, verhaftet, kurz darauf aber wieder in Freiheit gesetzt worden. Dr. Sion Segre wurde zu drei Jahren, Prof. Leone Ginzburg zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Auf Grund der kürzlicheu Amnestie wurde jedem der Verurteilten die Strafe um, ein Jahr verringert.

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