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Die neue Welt · 1934-11-13 · Heft 413 (13.11.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 413 (13.11.1934)
Date
1934-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang 8 Dienstag/ den 13* November 1934 Nr* 413 V.b.b. Zeitung vom-^Verleger versendet „Journal expedie par rediteur" REVU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGS' MGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig o 4.—. ganzjährig S 16.— r Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig lA]oty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Kumänlcn monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 11.—; Schwclis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4,50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u,Verwaltung: IX, Universitätsstr.8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u,Freitag In Fesseln ge§dilagen [&X& Jerusalem: Wie jetzt bekannt wird, hut der englische Polizeirichter W. C. Curry zur Begründungseines Urteile.» gegen die 6 0 Jude n, die wegen illegaler Einwanderung des Landes verwiesen wurden, wobei mehrere von ihnen vorher noch lange Gefängnisstrafen abzubüßen haben, folgendes ausgeführt: „Niemand ist trauriger als ich angesichts der LeF-Mi dieser Einv/andprcr; aber wenn ich mich von hier unangemessenen Scnthnents leiten lassen wollte, müßte ich fast allen Juden Deutschlands und Osteuropas erlauben«, nach Palästina zu kommen. Das geht aber nicht an. Illegale Einwanderung muß aufhören. Ich werde in Zukunft n och .viel strengersein'müssen." — Die Gefangenen wurc'er* nach der Urteilsverkündung in drei Gruppen 7 u je 2 0 an o i n andcrgclosselt abgeführt. Wie. aus Saloniki telegraphiert wird, haben die griechischen Behörden im Zusammenhang mit dem kürzlichen Besuch einer englischen Kommmission zur Untersuchung der Ursachen illegaler jüdischer Einwanderung in Palästina die Weisung erhalten, die Einwanderung von Juden nach Griechenland strenger zu kontrollieren. In Verfolg dieser jetzt streng gehandhabten Weisungen begegnen Juden, die nach Griechenland aus welchen Gründen immer einreisen wollen, großen Schwierigkeiten und Schikanen. Aus Warschau: Die Polnische Telegraphen- Agentur (PAT) teilt mit: Die Polizei hat die Tätigkeit einer zehngliedrigcn jüdischen Bande eingestellt, die sich mit der illegalen Auswanderung von Juden nach Palästina über Wien beschäftigte. Die Bande hat mit einem gewissen Fingerson, dem Besitzer des Wiener Reisebüros „Kosmos", und mit einem Schiffskapitän in Verbindung gestanden. Judenreine Filme tri einer Reihe von Aufsätzen haben wir die Situation beleuchtet, in welcher sich die jüdischen Filmschaffenden durch . den Umstand befinden, daß die in Oesterr.eich, d. h. -Wien erzeugten Filme fast ausschließlich nach den Wünschen Hitler-Deuts chla n'd s hergestellt sind. Der im Dritten Reich geltende Arierparagraph wird "mit Rücksicht auf den reichsdeutschen Absatz aüch bei der Wiener Filmproduktion angewendet, und so stehen wir Vor der Tatsache, daß auch der jüdische Filmproduzent von der Mitarbeit am Film Juden als Schauspieler, Komparsen, Techniker, Kameraleute usw. ausschließt. Unsere Darstellung gipfelt in der These: Auch in Oesterreich gilt die Zugehörigkeit zum Judentum als Ausschließungsgrund! Die Rassen- Zugehörigkeit ist unter Beweis zu stellen! Der Reichsverband der technischen Personale der Bühnen-, Film- und Kinoindustrie Oesterreichs, der korporativ in die Vaterländische Front eingegliedert ist, hat auf sein Beitrittserklärungsformular die Rubrik Rassenzugehörigkeit gesetzt. Der Reichsverband macht also nach dem Muster des Dritten Reiches eine Unterscheidung zwischen „ A riern" und „Niclitaricrn" bei der Frage der Behandlung im Verband und in weiterer Folge bei der Zuteilung von Arbeit. In unserer Ausgabe vom 11. Oktober d. J. veröffentlichten wir nebst einer Zuschrift, die sich mit der oben angeführten Feststellung beschäftigt, den Wortlaut des vom Reichsverband ausgegebenen Beitrittsformulars, in welchem die erwähnte Rubrik Rasscnzugehörigke i t vorkommt. Dem Reichsverband war es scheinbar unangenehm, vor der weiten Oeffentlichkeiü der Analogie mit Nazideutschland geziehen zu. werden. Er sandte uns nämlich eine Art Berichtigung. Der diese sogenannte Berichtigung enthaltende Brief trägt am Kopf die vorgedruckte Firma „Reichsverband" usw., ferner den Stampiglienaufdruck „Wiener Film-Börse" und schließlich als Unterschrift den Namen eines Direktors J. L. Pock. Das Schriftstück entspricht also durchaus nicht den gesetzlichen Normen einer Berichtigung. Nichtsdestoweniger bringen wir es zum Abdruck. Denn wir freuen uns, feststellen zu können, daß der „Reichsverband" unsere Behauptung bestätigt. Die Zuschrift des Reic/isverbandes, bzw. der Wiener Film-Börse, bzw. des Herrn Direktors J, L. Pock lautet: ' ' „Sehr geehrter Herr Redakteur! oie haben am 6. 11. d. .T., in der Dienstagnummer Ihres geschätzten Blattes Nr. 411, Seite 2, 2. Spalte, unter dem Titel „Judenreine Filme" eine uns schädigende, vollkommen unrichtige Notiz gebracht. Wir ersuchen Sie daher im Sinne des § 24/23 des Preßgesetzes, in freundschaftlichem Interesse Ihrer Leser um die nachfolgende Berichtigung in der Freitagnummer, am 9. dieses Monats: Sie schrieben u. a.: „Dabei hat man von allen ohne Rücksicht auf Religion und Zuständigkeit die Mitgliedsbeiträge von S 1.— bis 3.— und Einschreibegebühr S —.60 verlangt! Richtig dagegen ist: Arische Mitglieder ohne Rücksicht auf die Konfession zahlen S 1.— Binaciureibejebühr und eine dreimonatliche Mitgliedsgebühr von S 1.— pro Monat im voraus, sowie S —.60 Selbstkostenpreis für das Legitimationspassepartout mit Lichtbild. Arbeitslosen Mitgliedern werden die Mitgliedsgebühren gestundet, bis sie durch ein von der Filmbörse vermitteltes Engagement in der Lage sind, die Mitgliedsbeiträge inklusive der 10 Prozent Provision zu bezahlen. Die Gagen betragen ungefähr S 18.— pro Tag. Nichtarische, beim Film Beschäftigung Suchende zahlen weder eine Einschreibgebühr noch Mitgliedsbeiträge im vorhinein. — Diese Bewerber werden bloß vorgemerkt und in Evidenz geführt, da nichtarische Bewerber nur im Proporzverhältnisse verwendet werden können, falls es sich um eine Filmproduktion handelt, die für den reichsdeutschen Markt bestimmt ist und sich den dort geltenden Bestimmungen zu fügen hat. Es liegt sonach gewiß in Ihrem Interesse, den beim Film Beschäftigung Suchenden Nichtariern diese Bestimmungen bekanntzugeben! Mit vorzüglicher Hochachtung Dir. J. L. Pock." Nach Lektüre dieser „Berichtigung" wird wohl kein logisch denkender Mensch zweifeln, daß der korporativ in die Vaterländische Front eingegliederte Reichsverband der techn. Personale der Bühnen-, Film- und Kino-Industrie Oesterreichs mit Rücksicht auf den reichsdeutschen Markt eine differenzierte Behandlung „arischer" und „nichtarischer" Bewerber um Arbeit an den Tag legt. Das war die Pointe unseres seinerzeitigen Aufsatzes und das bestätigt uns/nunmehr die Zuschrift des Reichsverbandes. Allerdings wird nicht gesagt, ob auch eine differenzierte Behandlung „arischer" und „nichtarischer" Kinobesucher von den reichsdeutschen Stellen gefordert wird. Für diese Auffassung werden wir Sorge tragen. Wovon sollen «iie Jsaden leben? Wir haben unter diesem Titel in der vorletzten Nummer eine Betrachtung über die traurige Wirtschaftslage der Juden in Oesterreich gebracht, in welchem auch darauf hingewiesen wurde, daß nicht nur „arische" Unternehmungen, sondern auch jüdische und solche mit überwiegend jüdischer Kundschaft die Einstellung von jüdischen Angestellten und Arbeitern ablehnen. Der Artikel hat das stärkste Echo ausgelöst und die Vertreter der verschiedensten Berufe sind in der Redaktion erschienen, um durch Anführung zahlloser konkreter Fälle die traurige Richtigkeit der Ausführungen unseres Blattes zu erhärten und — um Rat und Hilfe zu bitten. Unter anderem haben auch hervorragende Vertreter der j üdischen Künstler schaft vorgesprochen und darauf hingewiesen, daß die B o y k o 11 i e r u n g au sübender jüdischer Künstle r. Musiker, Sänger, Schauspieler usw. katastrophale Dimensionen angenommen hat. Wir haben auch unzählige Zuschriften über das gleiche Thema erhalten. Nachstehend sei ein von einem namhaften Wiener Künstler stammenden Brief veröffentlicht: „Geehrte Redaktion! Zu Ihrem Artikel „Wovon sollen die Juden leben?" erlaube ich mir, Ihnen folgenden Von der Judenstaaispartei Oesterreichs Versammlungskalender f Dienstag, den 13. November, y<i) Uhr abends, Cafe Lovrana, III., Löwen gas sc 36. Thema: Der Weg der Judenstaatsnartei. Redner: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Fritz Richter. Dienstag, den 13. November, y>9 Uhr abends, Verein Esra, XV., Schanzstraße 32. Thema: Unser Recht auf Palästina. Redner: Josef Frankel, Rabbiner Dr. I. Z. Kanncr. Mittwoch, den 14. November, '/,9 Uhr abends, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 1.4. Thema: Das jüdische Theater. Redner; Dr. Oskar Rosenfeld. Donnerstag, den 15. November, ¥<9 Uhr abends, im Heim, P r a t e r, II., Kleine Zufahrtstraße 166 (bei Straßenbahnhaltestelle Molkerei), Sektionsversammlung. Donnerstag, den 15. November, 8 Uhr abends, im Heim, I., Werdertorgasse Ii, öffentliche Diskussion über Judenstaatsnartei und Union der Revisionisten. Diskussionsredner: Dr. S. Wolf und ein Vertreter der Union der Zio nisten- Revisionisten. Samstag, den 17. November, %U Uhr abends, im Heim Prater, II., Kleine Zufahrtstraße 166 (bei Straßenbahnhaltestelle Molkerei), Thema: Judenstaat und Judennot: Redner; Dr. Wolf, Theodor Grubner. wmmmmmBBBamamaam charakteristischen Fall mitzuteilen. Im Cafe Herrenliof in der Herrengasse gastiert derzeit die Kapelle des Professors Mathe. Den Besitzern dieses Stadtcafes, das zum Großteil von jüdischem Publikum frequentiert wird, dürfte es bekannt sein, daß Professor Mathe" nicht geradezu zu den Philosemiten zu zählen ist. Bezeichnend für die Gesinnung dieses Herrn ist der Umstand, daß Mathe seit Jahren an der antisemitischen Bewegung Anteil nahm, selbstverständlich keine Juden einstellte und des öfteren diese seine Gesinnung öffentlich bekräftigte. Mathe war im Sommer 1933 im Kursalon de3 Herrn Hübner im Engangement und hat trotz der überdurchschnittlichen musikalischen Qualitäten seines Orchesters diese seine Position in genanntem Unternehmen nicht wieder aufnehmen können, da seine j u d e n f e i n tili c h e Einstellung den Besuchern des Kursalons allzu gut bekannt war und das Publikum bei der Leitung des Kursalons sich gegen ein Reengagement des Herrn Mathe ausdrücklich auflehnte. Ferner ist die Tatsache bekannt, daß Mathe ganz offiziell erklärt hat, daß er Kompositionen jüdischer Komponisten und Autoren nicht zur Aufführung bringen wolle. Es verwundert um so mehr, daß gerade Mathe von den jüdischen Unternehmern in Wien so bevorzugt wird, wo es diesen Herren genau bekannt ist, welcher Gesinnung Herr Professor Mathe ist. Besonders trauri?; ist aber der Umstand, daß gerade zur Zeit in Wien Dutzende prominenter jüdischer Dirigenten engagementlos sind. Den Herren Unternehmern wäre es ein Leichtes, die Not der jüdischen Kapellmeister und Musiker zu lindern, um so eher aber, als die musikalischen Qualitäten des Großteils der in Wien spazierengehenden jüdischen Kapellmeister und Musiker sich auf demselben Niveau bewegen wie die des Herrn Professor Mathe. Hier muß Abhilfe geschaffen werden. Es geht nicht an, daß dem jüdischen Publikum judenfeindliche Kapellmeister zugemutet werden. Ich bitte Sie, geehrte Redaktion, um Veröffentlichung meines Briefes. Vielleicht werden sich die Unternehmer ihrer menschlichen Pflicht besinnen. Hochachtend ■— u.-- e.—-" Sie müssen nadt PaläsÖBHits gehen,.* Aus Riga. (J. T. A.) Von den 62 jüdischen Sozialisten, die nach den Ereignissen des 15. Mai in Isolierung.shaft genommen worden waren, sind heute nur noch 17 in Haft, unter ihnen 15 Bundisten und zwei Zionistcn-Sozialisten. Die befreiten Zionisten-Sozialisten, auch ihr Parteiführer Prof. Laserson, verpflichteten sich, das Land vjk verlassen und nach Palästina zu gehen.

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