Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 412 (9.11.1934)
- Date
- 1934-11-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ME NEUE WELT Nr. 413 $iabetiftet! Srinhen mit (Stfolg 3eUino«r-2*heinrießling. öcn aumcrarmen $tttt»20eitt, S 2.- ö«t ßtlc: Z E I L I N G E R Sait»ftc<ifi«r $m>»tftrfift« ly / snaviaftilferflüitcl «7 HSMntftimomiftr.tfS, ädfcnftrafte 30 Ä»afl«itf*«lnftr.40 Hitler#Deut§diIand .Steuergesetze gegen Juden Im ..Pariser Tageblatt" bespricht Mucius die neue Steuergesetzgebung des Dritten Reiches, die gegen Nichtarier und undeutsche Christen gerichtet und dazu angetan ist. die jüdischen religiösen Gemeinden und die sozialfürsorgerische Tätigkeit der Juden in Deutschland zugrunde, zu richten. Paragraph 1 des neuen Steuergesetzes — erschienen im Reichsgesetzbjatt vom 17. Oktober 1934 — normiert als allgemeinen Grundsatz, daß die Steuergesetze nach nationalsozialistischer Weltanschauung auszulegen sind. In Paragraph 2, Abs. 3, wird festgelegt, daß Fragen der Billigkeit und Zweckmäßigkeit nur nach nationalsozialistischer Weltanschauung zu beurteilen seien. Diese Weltanschauung macht einen Unterschied zwischen „Ariern" und ,,Nichtariern" und erkennt darüber hinaus als „arteigene Weltanschauung" nur die nationalsozialistische Weltanschauung an. Was nicht „arisch" ist, ist nicht mehr „gemeinnützi g". Wer Jude oder jüdischer Abstammung ist oder als Arier den Nationalsozialismus ablehnt, wird für seine Abstammung oder Ueberzeugung mit dem Entzug steuergesetzlicher Vergünstigungen bestraft. Die jüdischen Religionsgesellschaften und jüdischen Einzelgemeinden sind durch das neue Steueranpassungsgesetz noch besonders benachteiligt worden. Bisher war „K icche" mit „Religionsgemeinschaft" gleichgesetzt, daher waren die jüdischen Gemeinden und ihre Anstalten ebenso wie die katholische und die evangelische Kirche von Steuern befreit. Dem ist ein Ende bereitet, da nach Paragraph 19 des Gesetzes als „k i r c h- 1 i c h" nur solche Zwecke angesehen werden, durch deren Erfüllung eine christliche Religionsgesellschaf t ausschließlich und unmittelbar gefördert wird. Deutsch-arische Bekleidungsfabrifaanten Die Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie kündigt eine große Propagandaaktion gegen die jüdische Bekleidungsfabrikation an, die in der Zeit vom 3. bis 19. November unter der Aegide führender Persönlichkeiten durchgeführt werden soll und an der sich fast ohne Ausnahme alle Einzelhändler Groß-Berlins beteiligen werden. In der Ankündigung heißt es u. a.: „Dem. Publikum soll dadurch nicht nur die eigentlich selbstverständliche Verpflichtung, die wirklich deutsche Arbeit zu unterstützen, vor Augen geführt werden, sondern darüber hinaus soll es sich überzeugen können, daß auch seinem Geschmack und seinem Geldbeutel in jeder Weise Rechnung getragen wird." Goebbels' „Antijüdische Liga" in Belgien Aus Antwerpen wird berichtet, daß dort eine „A n t i j ü d 18 c h e Liga" mit Uber das ganze Land verbreiteten Zweigstellen entdeckt wurde, die ihre Instruktionen vom Reicbspropagandami nister tum in Berlin bezieht. Es konnte festgestellt werden, daß mindestens (3 0 Agenten dieser Liga im ganzen Lande zu Propagandazwecken unterwegs sind und gleichzeitig gegen die Juden und gegen das belgische demokratische System hetzen. Die Liga verfügt über einen Fonds von nicht weniger als 600.000 Francs allein zur Bespitzelung der deutschen Emigranten. Ferner werden aus der gleichen Quelle drei antisemitische Wochenzelt u n g e n subventioniert. Der „Instinkt bäumt sich auf" Aus München: Die „Bayerische Ostmark" in Regensburg veröffentlicht folgenden, für die tragische Lage der Juden auf den deutschen Märkten bezeichnenden Bericht: „Am Wolfgangimarkt am Mittwoch haben sieben jüdische Geschäftsleute ihre Marktstände aufgeschlagen und sich am Markt möglichst breitgemacht, um die ländliche Bevölkerung mit ihrem sattsam bekannten Geschäftsgebaren wieder einmal übers Ohr zu hauen. Für eine Anzahl kleinerer Geschäftsleute aus Regensburg, Ingolstadt und der Umgebung war kein Platz mehr vorhanden. Da bäumte sich der gesunde Instinkt der einheimischen Bevölkerung auf und nahm Stellung gegen die jüdischen Händler, mit denen man hier nichts mehr zu tun haben will. Als diesen unerwünschten Gästen dann bedeutet wurde, daß sie am besten täten, so rasch als möglich aus dem Bannkreis der Stadt zu verschwinden, um ernstere Folgen zu vermeiden, packten sie ihre Siebensachen wieder zusammen und zogen unter dem stürmischen Beifall der Bevölkerung ab." KREUZ-KINO Wollzeile 17 . Tel. R-21-2-16 Ein Unbekannter mordet? jäJffS!^ ÄWT^ BalfourfGedenkfeier der ludeitf taatsparfei Oesterreichs Samstag, den 3. November, fand die von der Judenstaatspartei Oesterreichs veranstaltete Balfour- Gedenkffier statt. Der Feötsail des Hotel Continental mußte wegen UeberfüUung polizeilich gesperrt werden. Der Vizepräsident der Jnrienstaatüpartei Oesterreichs, Fi'ltz Richter, leitete die Versammlung mit Worten innipeu Gedenkens an die beiden großen Toten, die das jüdische Volk urtd die zionistische Bewegung in den letzten Tilgen zu bcltlngen haben, Ing. Johann Kremenezky und Enron Edmonrt Rothschild, ein. Nach Ihm eigrltf Rabbinor Dr. I. Z. Kanne r da« Wort, der in temperamentvoller Weise d;i8 Recht des jüdischen Volke? Hilf Püüi.«tln;t hervorhob, ein Recht, da« durch keine antlzionlstische Politik Englands gebeult worden könne. Dr. Salomon Wolf wies auf die eminente politische Bedeutung hin. die die Bulfour-Deklaration .seinerzeit wie heute für die englische Politik hatte und hat und schilderte die Irrwege, die unsere verantwortlichen Führer gegangen sind. Der Referent gab seiner Ueberzeugung Aufdruck, daß das jüdische Volk durch den Zionismus sein Recht finden werde, wenn Zionismus wieder den einheitlichen nationalen Willen des jüdischen Volkes bedeuten wird. Der let-te Redner. Oberbnurat Stricker, erinnerte darnn. daß die jüdfsche und nichtjüdlsche weit am 2. November 1017 glaubte, daß der Judenstaat nunmehr eine Sache der alJernUehsfen Zuk'inft wHre. Viele persönliche Erinnerungen knünfte der Redner an seine Ausführungen. Erinnerungen an schöne Zeiten und Erinnerungen an den Beginn Jener Epoche des Zionismus*, die sich heute so gefahrdrohend' gestaltet, hat. Darum glaubt der Redner, daß die Sehnsucht des jüdischen Volkes nach dem großen Tag. den es erlebte, als man ihm die. Balfour-Deklaration gab, nur dann erfüllt wird, wenn es wieder auf jenen geraden Weg zurückkehren wird, den ihm Theodor Herzl wies und der nur ein Ziel kennt: den Judenstaat. Serbisch-Rumänisches Weinhans IBI, Taborsfraße 18, im Motel National Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß „Mirjam'' und ,/HediaIuz" Zum Konflikt unter den „allgemeinen Zionisten" Die Zionistische Mädchengruppe „Jung-Wizo -•- Mirjam" ersucht uns um Veröffentlichung folgender Erklärung: „Bezugnehmend auf unsere letzte Zuschrift, erlauben wir uns mitzuteilen, daß die angekündigte Führersitzung der Jung-Wizo „Mirjam" am 16. Oktober d. J. stattgefunden hat und nach reiflicher Ueberlegung zu dem Schluß gelangt ist, daß, solange der „Hechalu z" als Rahmehverband für verschieden orientierte Gruppen Jugendlicher zwecks Ausbildung für Palästina gilt, für die Jung-Wizo „Mirjam" kein Anlaß besteht, ihre Stellung als. autonome Gruppe in diesem Rahmenverband zu verlassen." Wir haben vor einiger Zeit über einen Konflikt im Lager: der'allgemein-zionistischen Jugend Wiens berichtet. Bisnun haben die allgemeinen Zionisten ihre Jugendlichen zwecks Ausbildung für Palästina im „Hechaluz" organisiert, welcher unter Patronanz der palästinensischen. Histadruth TArbeitergewerkschaft) steht. Vor einigen Wochen entstand im „Hechaluz" ein schwerer Konflikt, der Gdud Zirim (allg.-zionistische Jugend) trat mit der Motivierung aus, daß der „Hechaluz" seine Mitglieder nicht national erzieht, sondern einseitig politisiert. Diese Stellung kommt auch in einem Artikel der „Stimme", des Organs der Wiener allgemeinen Zionisten, zum Ausdruck, in welchem es heißt: „Es hat keinen Sinn, wenn seitens der Pöale-Zion und ihrer Freunde bis zum Ueberdruß das Märchen von der unpolitischen Histadruth aufgetischt wird. Die Histadruth ist einmal eine politische Kampforganiaation der Linken. Sie ist es faktisch, nicht rechtlich, und das ist noch ärger. Es hat keinen Sinn, diesen Zustand zu tarnen." Der Konflikt hat dazu geführt, daß das Landeskomitee der allgemeinen Zionisten einen „allgemeinen Hechaluz" gegründet hat. Ein Teil der allg. zionistischen Jugend hat aber der Parole nicht Folge geleistet, hat sich abgespalten und ist im „Hechaluz" geblieben. Wie aus obenstehender Erklärung zu ersehen, hat der Verband „Mirjam", die allgemein-zionistische Mädchenorgafllsation, gleichfalls der Parole der Leitung die Gefolgschaft versagt und ist im „Hechaluz" verblieben. Israels nicht als Träger umstürzlerischer Freiheitsbotschaft uuftreten. .sondern im Samen uvalier Gottesrechte sprechen, so präsentiert auch, Schiller die angeborenen Menschenrechte und Ansprüche auf Freiheit. In Schiller* Erstlingswerk. „Die llüuber" Iriil ein. Jude auf. /'.* int S p ie ge Iba r g. Andere mit lern auch in Schufterle einen Juden. Spiegelberg ist innerhalb der Uäuberbande keine große, und schöne l'iuur. Man. hui eine Zeitlang oermutet, daß Schiller knd'tder Erinnerung au die unrühmliche Gestalt de* Jud Süß zur Abneigung gegen die Juden gelangt sei. Spiegelberg sollte als Exempel dafür dienen, daß — siehe Jud Süß - die Juden durch, die christlichen Verfolgungen dem Moloch Trug, Hinterlist, Hab- und Uac.1i gier zugetrieben werden. Schiller neigt dem Gedanken zu. daß dun Judentum innner nur Extreme ei zeuge, du* äu(lernt Oute und das äußer»! Schiechte. Für Moses und Jcaujus hegte er höchste Verehrung, ein Spiegelberg flößt ihm Verachtung ein. Gebildet im Kaninchen Geint, der Ding und Schein, Fnld und Abbild scharf trennt, zieht er im Judentum das äußern! Gute. in. der Judenheil das äußerst. Schlechte. Dan Motto meiner Betrachtung weist auf das äußerst Gute hin. Die Stella JJie luden sind aU ein unreinen und gemeines Gefäß ... zu schätzen" auf das äußerst Schlechte. In solchem Spiegel kann Friedrich Schüler uh Antisemit für alle jene erscheinen, die das Judentum nur in seiner Ali kennenlernen. Zwar wies ihn ■ein noru'ürlsdriingcnder Geist, in Höhen wo für materialistische und alltägliche Betrachtungen des L'ninersums kein Platz ist. Aber iih Judentum war er dem unterworfen, was fielt ihm in der Helle des Tages uh (dieltobehaftetes entgegenstellte. Auf der anderen Seite über waren gerade die hohen Gedanken oon Freiheil und Menschentum und der Pathos seiner Gefühle die Fr suche, daß die jüdischen Ghettomemchen, für die er so wenig Verständnis zeigte, ihn liebten, als wäre er einer der ihren. Die Sentenzen in seinen späteren Werken haben in ihrer biblischen Strenge und Formoöllendung die jüdisdie Jugend in Ost und West gepackt und dem deutschen Dichter eine Verehrung verschafft. wie wenigen Dichtern der Weltlilerntur. Es gilt geradezu als Schande im Ghetto. „Schillers IV e i k e" nicht zu kennen. Sinn Same ist populär, seine Ferse werden zitiert und -•■ parodiert. Wohl der beste Beweis dafür, daß Schiller bei den Juden nicht zu den „fremden'' Dichtern zahlt. BSflCHSEL5 VE10UR-« NAPPflHUT SPEZIALITÄT IST DIU MARKENHUT S 24.30, Extra S 36.- II, Taborttrafls 39 XIV, Stohihau»mtr. 39 XVII, Kalf •rlMlnrgg. M Ein Leben in Würde und Ehre««« Seit dem Machtantritt des Nationalsozialismus hat sich das deutsche Judentum gründlich verändert: teils unter dem Druck der Ereignisse, teils unter der Wucht der Selbstbesinnung. Die Bestimmungen und Verordnungen des Dritten Reiches in bezug auf die Juden übten Einfluß nach innen und außen. Die Art der Reflexe auf diese dem Rassismus zugrunde gelegte „Regelung" der Dinge war verschieden. Das aber empfanden alle in Deutschland lebenden Juden in gleicher Weise: Der Nationalsozialismus stellte eine Mauer zv/ischen Juden und Nichtjuden auf. Der nationaljüdische, zionistische Teil der deutschen Judenheit fand sich am rasehesten und leichtesten mit den Erscheinungen des Hitlerismus ab. Die Schmähung und Verächtlichmachung des Jüdischen durch das Hakenkreuz beantwortete er damit, daß es ihm die Würde und Ehre des Judentums entgegenstellte, wobei er selbstverständlich die Betonung des Andersseins als etwas Gegebenes, bzw. geschichtlich Gewordenes empfand. Der zionistische Jude reagierte auf die nationalsozialistischen Versuche, das Judentum für die „Lage Deutschlands" verantwortlich zu machen, mit einer Erstarkung des nationalen Bewußtseins, denn er sah seine zionistische These vom Bestand einer Judenfrage sogar in einem Land bestätigt, in welchem die Emanzipation, die Assimilation, am weitesten gediehen war. Den Schmerz um den Verlust bürgerlicher Rechte, ungeschmälerter Existenz usw. kompensierte er mit der Genugtuung, daß weite jüdische Kreise, die im deutschen Kulturkreis sich nicht mehr als Juden fühlten, nunmehr zurückfanden zu den Quellen ihres Ursprungs, und begannen, ein jüdisches Leben in Geist und Form zu führen. Die kleine Gruppe der sogenannten nationaldeutschen Juden rings um den irren Dr. Naumann spielte im Rahmen der neuen Einstellung keine Rolle* Wesentlich wichtiger sah die Sache bei der Mehrzahl der deutschen Juden aus, die bekanntlich noch in einem Augenblick, da ihr Schicksal im Rahmen des nationalsozialistischen Staates besiegelt war, eine Pardonierung erwarteten und überrascht waren, als der Hitlerismus ihr so oft wiederholtes Bekenntnis „Deutsche Nation und jüdischer Glaube" verächtlich zurückwies. Es sind dies die Mitglieder des Centraivereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Vor einigen Tagen fand eine Kundgebung dieses Vereines statt, bei welcher der stellvertretende Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil „Rechenschaft über die Veränderungen und Ereignisse seit Machtantritt des Nationalsozialismus" gab. Dieser Bericht wies die Merkmale des vorhitlerischen Assimilantentums fast unverändert auf. Herr Dr. Bruno Weil wandte sich gegen jede Diffamierung wegen des jüdischen Glaubens und gegen jede Herabsetzung der jüdischen Abstammung. Die Deutung des Wortes „Abstammung" blieb er allerdings schuldig, und man kann nicht begreifen, daß er an anderer Stelle seines Referates die Anwendung des Rasseprinzips für die Diffamierung und Eliminierung verantwortlch macht. Das Wesentliche seiner Ausführungen besteht darin, daß es immer noch die deutschen Juden von den anderen Juden der Welt scheidet. Weder die unerhörten Verfol- Alf-Herren-Ring Montag, am 12. November 1934, findet um >'>8 Uhr abends im Festsaale des Hotel de France, Wien, I., Schottenring, die dlesmonatige gesellige Zusammenkunft aller A. H. der dem Ring angeschlossenen Verbände statt. Die Bb. werden ersucht, ihre Damen mitzubringen. Sprechen wird Bb. Ing. Robert Stricker über ein aktuelles Thema. Für gute und billige Nachtmahlgelegenheit ist vorgesorgt. ....... 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