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Die neue Welt · 1934-11-09 · Heft 412 (9.11.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 412 (9.11.1934)
Date
1934-11-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 41z DIE NEUE WELT Seite 3 Brief aus Jerusalem Von Oskar Herlinger (Jerusalem). Jetzt ist seit den Stadtratswahlen über ein Monat verstrichen und Jerusalem hat noch immer keinen Mayor (Bürgermeister). In wenigen Tagen wird der Rekurs, der vom unterlegenen Nflshnshlbi beim Supreme Court eingebracht worden Ist, verhandelt werden. Da die Gründe des Rekurses kaum ausreichen, um eine Aendernng de« Wahlresultats zu erreichen, geht die Diskussion weiter, beschäftigt die Frage der kommenden M a y o r s w a h 1 nach wie vor alle Gemüter. Die Situation ist ja auch neu und interessant. Vor allem der Umstand, daß die dritte Notabeinfamilie des Landes, die K h a Id i s, durch Dr. Hussein Fakhri Khaldi den Kampf um politischen Einfluß aufgenommen hat, in welchem sich bisher die Muftileutc mit den N a s h a s 1» i b i s teilten. Es war allerdings ein Zusammentreffen einer Reihe besonders günstiger Umstände, das Dr. Khaldi ermöglichte, den Ex-Mayor Nashashibi im eigenen Wahlkreis Eilt Rodert Hontgomery Unbekannter mordet ri-v Der Film der haarsträubenden Sensationen letroX 3o!du/un) aver/ Vorstellungen: /», Vh6, V28 u. V*1# Uhr Kreuz-Kino!. zu schlagen, und es spricht für die große Klugheit des früheren Regierungsbeamten Khaldi, daß er es geschickt verstanden hat, sich der Unterstützung des Mufti, der Jude 11 und der Engländer zu versichern, ohne irgend welche Bindungen einzugehen. Nur so konnte Dr. Khaldi gewühlt werden, dessen Einfluß auf seine arabischen Iicndsleute heule noch viel kleiner ist, als der seines unterlegenen Gegners. Er scheint aber der Mann zu sein, der min zielbewußt seine Position verbessern und seinen Anhang vergrößern wird, und die Juden werden gut daran handeln, rechtzeitig mit Dr. Khaldi als neuer politischer arabischer Macht zu rechnen. Zum Bürgermeister allerdings dürfte es Dr. Khaldi diesmal nicht bringen. Es ist zwar nicht unmöglich, doch unwahrscheinlich, wenn auch derartige Gerüchte noch immer verbreitet werden. Zuerst schien es sicher, daß ein Jude Mayor von Jerusalem wird. Es gibt eine jüdische Mehrheit und der Kandidat stand bereits lest. Daniel Auster, der vor 15 Jahren aus Oesterreich nach Palästina kam, sich als Rechtsanwalt betätigt, gehörte bereits dem alten Stadtrat an und bewährte sich. Er ist Allgemeiner Z i on i s t, etwas rechtsstehend, hat einen guten Blick für die Zukunft und starke Sympathien bei den Juden. Seino Wahl schien bereits gesichert, da die Regierung dadurch der Notwendigkeit enthoben gewesen wäre, eine a rnbis e h e Gruppe auf Kosten der anderen zu unterstützen. Jedoch knapp nach den Wahlen setzten sofort Quertreibereien seitens der zionistischen Linken ein, die zu einer Demission Austers führten, die er allerdings nachher widerrief. Heute scheint es nun, als ob die Juden in der Stadt, wo sie ß 0 F rozent der Bevölkerung bilden, wieder den Mayorspostcn infolge innerer Streitigkeiten nicht werden besetzen können. In der letzten Zeit verdichtet sich sogar das Gerücht, daß das Government den Mayor ernennen will, der dann wahrscheinlich ein E n g I ii 11 d e r sein wird. Viel Interesse fanden die vielen V e rs öh n u n g sversuche, die zu einer Kooperation der Revisionisten und der Linken führen solltsn. Alle palästinensischen Versuche wurden brutal unterbrochen durch den gemeinen Ueberfall von 15 0 0 Lin k e n auf eine revisionistische Versammlung von 8 0 Leuten in Haifa. Polizei mußte eingreifen und die Empörung gegen die Linken war allgemein. Als dann aus London die Nachricht vom Uebereinkommen zwischen der Exekutive und Jabotlnsky kam, da ging die Nachricht fast ohne Kommentar durch die Presse, da die Meinung hier vorherrscht, daß ein wirklicher Friede erst dann möglich sei, bis in den Fragen des palästinensischen Alltags eine gemeinsame Linie gefunden ist. In die Spannung, die durch die Zwischenfälle in Haifa hervorgerufen worden ist, fiel der Berufungsprozeß der Birjonim (Extreme Revisionisten). Erstaunlich klein war das Interesse. Nur Journalisten und Freunde und Verwandte hatten sich eingefunden. Die Verurteilten, die in Fesseln in den Saal gebracht wurden, sahen gut aus, besonders Achi Meir, der viel von seinem fahrigen Wesen verloren hat. Erstaunlich war die Verteidigungsrede von Dr. Levitzky für Aba Achi Meir. Die Briefe und Anmerkungen Achi Meirs wurden als eine Art Kinderei dargestellt, betont wurde die Stelle, wo Achi Meir schrieb, daß er Marxist sei, erklärt wurde, daß Achi Meir nie etwas gegen England unternehmen wollte und seine Sehnsucht ein stilles Kabinett sei und er sich von der Politik in Zukunft ganz zurückziehen wolle. Man erwartete ErlOsmifi von der täglichen Qual ist die sanft-acharfe allgemein eine andere Haltung und Verteidigung. Ein anderer Prozeß, der sich zur selben Zeit abspielte, fand nur laues Interesse. Die arabischen Mörder Abdul Medjid und Abdul Hamid, die eine etwas unklare Rolle im Stawsky-Prozeß gespielt hatten, wurden des Mordes schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Die Verwaltung publizierte vorgestern die Einwanderungslisten für den Monat September dieses Jahres. 1158 Personen erhielten Arbeiterzertifikate und kamen mit weiteren 1505 Personen ins Land. 459 Personen mit Kapitalist enzertif i k a t, die mit 427 Angehörigen kamen, dürften neue Pf. St. 1,000.000 ins Land gebracht haben. Nur vier Personen mit dem Miniraaleinkommen von Pf. St, 4 monatlich wurden registriert und zwei Personen der Kategorie A mit Pf. St. 500 Vermögen. Alle Eingewanderten dürften bereits Arbeitsmöglichkeiten gefunden haben, ent- W0RAW7EIGE IN WENIOEN WOCHEtf ERSCHEfNT IM FIBA-VERLAO, WIEN VI, DIE NEUE THE0DOR-HERZL-B10GRAPH1E von ALEX. BEIN 650 SEITEN, lß BILDER, ZAHLREICHE FAKSIMILE UND BEILAGEN DURCH SEINE GRÜNDLICHKEIT UND DURCH DIE FÜLLE BIS¬ HER NUCH NIEMALS VERÖFFENTLICHTER DOKUMENTE EIN STANDARDWERK UM ALLEN KREISEN DIE ANSCHAFFUNG ZU ERMÖGLICHEN, ERÖFFNEN WIR EINE SUBSKRIPTION ZU VORZUGSPREISEN LEINEN S 25.20, HALBLEINEN S 21—, KART. S 16.80 NACH ERSCHEINEN WERDEN DIE PREISE ERHÖHT BESTELLSCHEIN ICH SUBSKRIBIERE AUS DEM MBA - VERLAG, WIEN .............EXEMPLAR(E) DES WERKES THEODOR-HERZL-BIOGRAPHIE v. ALEX BEIN ZUM VORZUGSPREISE VON LEINEN S 25.20, HALBLEINEN S 21.-, KART. S 16.80 (NICHTGEWÜNSCHTES STREICHEN) NAME: ..................'„.;................................................................................... ADRESSE:................................................................................................. ORT UND DATUM:............... gegen anderslautenden Informationen, wonach bereits ein höheres Angebot an Arbeitskräften da ist, als der Nachfrage entspricht. Allerdings nur in den Städten, während das Land noch viele tausende Arbeitshände beschäftigen kann. Schon jetzt beschäftigt man sich mit der Frage, wie man dem Abfluß der Arbeiter in die Stadt Einhalt gebieten könnte und wie man neue Arbeiter für die Landwirtschaft gewinnen kann, da es klar ist, daß die Frühjahrsarbeit auf dem Lande unbedingt gesichert werden muß. In der Frage des Legislative Council (Parlament) ist es etwas still geworden. Erst bis der High Commissioner hier sein wird, dürften neue Verhandlungen beginnen. Unrichtig ist die Nachricht der „Jüdischen Rundschau", daß die Gruppe des Mufti in den Council eintritt. Unter dem Drucke der Jugend erklärte der Mufti, der ursprünglich für Beteiligung war, daß er eine Kooperation mit den Juden ablehne und den Council, der für die Araber ohne Interesse sei, da Bodcu- und Immigrationsfragen nicht in die Kompetenz des Council fallen sollen, nicht beschicken werde. Immer mehr in den Vordergrund schiebt sich die Frage, was mit den in Massen einwandernden Haurans (Araber aus Südsyrien) anzufangen sei. Interessant ist, daß sich mit dieser Frage weniger die Juden beschäftigen, als die Araber, die in den Haurans unwillkommene Konkurrenten im Kampfe um den Arbeitsplatz sehen, da sie heute anspruchsvoller als früher sind und bei den lächerlich niedrigen Löhnen, wie sie die Haurans fordern, nicht existieren können. Von Interesse sind weiters die kommenden Wahlen in Transjordanien, von deren Ausfall es auch abhängen wird, ob weitere Verhandlungen wegen der Möglichkeit, Juden in Transjordanien anzusiedeln, Erfolg haben können. Verhandlungen laufen ja ständig, wenn auch nicht mehr von offiziellen Stellen. Die Privatinitiative hat sich der Sache angenommen, doch vorläufig ohne sichtbaren Erfolg. denstaafspartei Oesterreichs" £e*jfe Samstag, den 1. Dezember, punkf Vt9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental, II, Taborstraße 4 Lichterziinder: Kantor Josef Feuer unter Mitwirkung des Männerchores des jüd. Gesangvereines (Leitung: Kapellmeister 1. Brandmann) Festrede: Oberbaurat Ing. Robert Stricker Mitwirkende: Ernst Deutsch (Thealer in der Josefstadt) > Ljuba Lewitzka, Hebräische Gesänge Prof. Josef Zimbler, Violinvorträge Jüdischer Gesangverein Karten zu S 2.—, 1.50 und 1.- bei: „Neue Welt", IX. Universitätsstraße 8/1. (A-20-2-78; Paula Stricker, II, Hollandstraße 10 (A-48-1-89); Warenhaus Brüder Schiffmann, II, Taborstraße 48 e r 5 1 c r e c h t e i t i g K t e hiedtkk StkUiet und das jud^bum Von Dr. T. Z. K a 11 n e r (Wien) Uns muß die Nation der Hebräer als ein wichtiges, universalhistorisches Volk erscheinen, und alles Böse, welches man diesem Volke nachzusagen gewöhnt ist, alle Bemühungen witziger Köpfe, es zu verkleinern, werden uns nicht verhindern, gerecht gegen dasselbe zu sein. (Schiller: Einleitung zur „Sendung Mosis".) Am 10. November sind es 175 Jahre, daß Friedrich Schiller geboren wurde. In zahllosen Feiern werden Persönlichkeit und Werk des Didüers für das deutsche Volk und für die Well gewürdigt werdeji. Es ist nicht bloß ein kalendarischer, sondern ein durch die Verhältnisse in Deutschland sich ergebender Anlaß zu einer Rückschau über das, was der große deutsche Dichter über das Judentum gedacht hat. Einiges über seine Stellung zum Judentum hat Schiller in seiner Schrift „Dia Sendung Mosis''' enlloickelt. Er stellt hier 'zunächst die Enttäuschungen des großen jüdischen Führers an seinem Volk dar. Schiller gehörte als Philosoph zu den Idealisten. Er konnte sich in die Gefühlswelt Mosis einleben. Aber der d y-n a m ische P roze// einer. V^ol fc"s b ewegung war seinem Wesen fremd. Seine Ausführungen sind nur verständlich, wenn man sich den Zustand seiner Zeit vor Augen hält. Lebte er heute, so würde er zweifellos über das Judentum anders denken. Seine herabsetzenden Aeußerungen sind Reflexe kritiklos übernommener Stimmen des damals noch anhaltenden mittelalterlichen Fanatismus. Nachdem Schiller duuon gesprochen hat, daß einem großen Teil der Menschheit die unentrinnbaren Folgen der Vielgötterei erspart worden seien, sagt er: „Die Juden sind als ein unreines und gemeines Gefäß, als unreiner Canul zu schätzen, der das edelste der Güter bewahrte und zuführte," Man muß bedenken, daß Schiller nur wenige Juden kannte und darum Gelegenheit halte, sie bloß nach ihrer scheinbar nicht sehr anziehenden Außenseite zu beurteilen. In geschäftlichen Beziehungen stand er mit dem Geldverleiher Beil, dem Buchhändler Michaelis und dem Sammler Friedländer. Zioei jüdische Zeitgenossen zogen seine Aufmerksamkeil auf sich: Moses Mendelssohn und Snlomon Maimon. Der eine interessierte ihn als Aestheliker. der andere als Philosoph (Kantianer), Diesen, einen litauischen Juden, lud er sogar zur Mitarbeit an den ..Hören" ein. Die dichterische Schönheil der Bibel brachte Gottfried Herder ihm nahe, der das deutsche Volk in seinem Werk „Ueber den Geist der hebräischen Poesie" auf die Kostbarkeilen der Bibel aufmerksam machte. Schillier fand Gefallen an der Bibel; er lernte viel vom Pathos der Sprache des Propheten Jesaja. Ein dramatisches Jugendgedicht. „Ab so- Ion'"' ist verlorengegangen. In „IV all e n s ( c i ns La gei'" (Kapuzinerpredigt) finden sich mehrere biblische Bilder und Anspielungen. Im „Wallenstein" führt Schiller die Jakobsleiter zugleich mit den Deutungen der Slernseher und Kabbaiisten an. in den ..Räubern" zeigt er, wie der alte Moor sich über den Verlust seines Sohnes durch die Erzählung von Jakobs Trauer über den verlorenen Sohn tröstet. Die „Jungfrau von Orleans" vergleicht sich mit Moses und David. All das sind. Hinweise auf die Bibel, wie man sie auch bei aii'lc reu Dichtern finden kann. Viel bedeutungsvoller />( die Erkenntnis, daß Schiller sich Grundsät/.iu h>.-s aus dem Geist der Bibel zu eigen gemacht hat, 11. zw. aus jenem tieist, der eine Moral der Gewalt, ablehnt und einem U ebermenschen kein Ausnahmsrecht zugesteht. Marquis Posa tritt nn König Philipp heran, ivie nur Moses an Pharao. Die Befreiung der Niederlande ist ein Ziel, das der Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft gleichkommt. So wie die Propheten

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