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Die neue Welt · 1934-11-06 · Heft 411 (6.11.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 411 (6.11.1934)
Date
1934-11-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 die yßtris WBtx iNr. III ia den beruiständigen Vertretungen! Die Aktion muß bald aufgenommen werden, denn wenn die Entwicklung so weiter geht, werden dir österreichischen Juden wirtschaftlich bald nichts mehr zw verlieren haben Zur Not der jüdischen Aerzte Aus dem Mitteilungsblatt der ..Vereinigung jüdischer Aerzte in Wien": In unseren Memoranden, die wir im Sommer 1933 und im Sommer 1934 an das Bundeskanzlern mt, beziehungsweise an das Bürgermeisteramt der Stadt Wien gerichtet haben, haben wir hervorgehoben; 1. An den Wiener Fondskrankenanstalten wurden seit dem 1. Juni 1933, von einer einzigen Ausnahme abgesehen, keine jüdischen Anwärter zu Aspiranten ernannt. Ebenso wurden in sämtlichen Fondsspitälern die jüdischen Aspiranten bei der Ernennung zum Sekundararzt Ubergangen, trotzdem bis heute etwa 100 Ernennungen erfolgt sind. Die zwei Ausnahmen, die auf persönliche Beziehungen zurückzuführen sein dürften, ändern grundsätzlich nichts an den Tatsachen. In analoger Weise werden jüdische Aerzte im Krankenhaus Lainz der Stadt Wien behandelt, wo ebenfalls junge und daher bedeutend weniger gut ausgebildete Kollegen den rangälteren jüdischen Kollegen vorgezogen wurden. 2. An den Heil- und Fürsorgeinstituten der G em e i n d e Wien waren bis zum Sommer 1931 58 vertragsmäßig angestellte Aerzte gekündigt worden. Darunter 56 Juden. Zufolge unserer Vorsprachen und Interventionen sind insgesamt 7 Kündigungen zurückgezogen worden. Auf Grund der von uns angestellten Erhebungen konnten wir feststellen, daß faüt alle gekündigten Aerzte in sehr prekären Verhältnissen, manche von ihnen in bitterster Not leben. Ein großer Teil von ihnen ist Frontkämpfer gewesen oder stammt aus hochverdienten Familien. Manche der Gekündigten sind i nv a 11 d und im Besitze von Kriegsauszeichnungen. Seit dem Sommer 1934 haben sich die Zustände in den genannten Institutionen fortschreitend verschlechtert. Dazu kommt neuerdings der Abbau jüdischer Aerzte in den Sozialversicherungs-institut c n. Die Tatsache des Mitglicderrückgangcs wird dazu benützt, jüdische Kollegen aus ihren Kassenstellen zu entfernen. So wurden in den letzten Wochen bei der Versicherungskasse für kaufmännische Angestellte 25 Kollegen teils vorzeitig pensioniert, teils, soweit sie nioht das zehnte Dienstjahr erreicht hatten, gekündigt. In gleicher Weise verfuhr man bei der Versicherungskasse für Industrieangestellte, bei welcher 10 jüdische Kollegen ihre Kündigung erhalten haben. Auch bei der Arbeiter-Versicherungskasse droht einer großen.Zahl vornehmlich jüdischer Kollegen dieselbe Gefahr. Bei anderen Kassen sollen Kündigungen jüdischer Kollegen bevorstehen. Wenn auch von den Maßgebenden scheinbar sachliche Gründe für dieses Vorgehen angeführt werden, so ist doch auf Grund unserer Erhebungen klar zutage getraten, daß diesen Kündigungen nicht allein oudgetäre Rücksichten oder sonstige sozialpolitische Erwägungen zugrunde liegen, sondern daß in erster Linie die Zugehörigkeit der Betroffenen zum Judentum bestimmend war. Wie wenig diese Maßnahmen ausschließlich aus Ersparungsgründen vorgenommen werden, geht schon daraus hervor, daß an Stelle der Gekündigten zum Teil bereits nichtjüdische Anwärter bestellt wurden, beziehungsweise in Aussicht genommen sind. Juden$taaf§pariei HHMHMHHlHanBH Mittwoch, 7« November/ l/29Uhr abends' JudensCaafeheim,!♦, Werderlorgasse 14 Vortragt Rabbiner Dr. I. Murmelstein „Verfassungsfragen im alten ludenstaat11 Von der Judenstaatspartei Versaminlungskalender Mittwoch, 7. November: Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14. Rabb. Dr. I. Murmelstein: Verfas&ungsfragen im alten Judentum. Mittwoch, 7. November: Cafe Patria, VI., Mariahllferstiaße 127. Thema: Judteunot — Jugendnot — Judenstaat. Redner: Gustav Sperling. Rabb. Dr. I. Z. Kanner. Theodor Grubner. Donnerstag, 8. November: Juden&taatsheim, I., Werdertorgasse 14. Generalversammlung des JudenstaatUrischen Studcntcnklubs. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung. 3. Wahl des Tagesprüsidiura». S. Studentenfragen in der Jutfont&taatspartel: Oberbaurat Ing. Robert Stricker. 4. Diskussion und Wahlen. 5. Anfällige*. Judenstaatspartei — Sektion Prater: Donnerstag, de« 8. November, 8 Uhr abends, im neuen Sektionsheim, II., Prater, Kleine Zufahrtsstraße 16 ß, bei Straßenbahnhaltestelle Molkoreistf alU'. Versammlung: Referent Herr Fritz Richte r. Thema: Der Weg der Judenstaatspartei. Verfcrauensmäuüerbebprechungen II. Bezirk: Samstag, den 10. November, halb 9 Uhr, Judenstaatshelm, I., Werdertorgas»e 14. IX. Bezirk: Donnerstag, den 8. November, 8 Uhr, Judenstaatehelm, I., Werdertorgasse 14. XX. Bezirk: Mittwoch, den 7. November, 8 Uhr, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14. Judenrei'ne Filme Unsere Ausführungen Uber die Znätäride in der sogenannten „österreichischen" Filmindustrie, über die versuchte Tarnung und die Schädigung der österreichischen Interessen haben weit über die engeren Film« krt*i3e hinaus Beachtung und Zustimmung gefunden. Dies bezeugt eine Reihe von Zuschriften, deren eine wir nachstehend wiedergeben. Sie lautet: Ich nehme höfl. Bezug auf Ihre Filmartikel in Ihrem gesch. Blatte und überreiche Ihnen mitfolgend eine Beitrittserklärung, die man (auf Grund eines Inserates im „Neuen Wiener Tagblatt" vom 28. Oktober 1. J.) Interessenten, meist Arbeitslosen, welche sich bei der sogenannten Arbeitsgemeinschaft „V i n d o b o n a". Wien, VII., Neubaugasse 64. Cafe Neubauhof (täglich von 5 bis 7 Uhr abends), meldeten, vorgelegt hat. Dabei hat man von allen, ohne Rücksicht auf Religion und Zuständigkeit, die Mitgliedsbeiträge von S 1.— bis 3.— und Einschreibcgf.bühr S 0.60 verlangt. Aus den Fragen ersehen Sie, daß es sich um getarnte Ilakenkveuzler handelt, die sich nicht scheuen, Mitgliedsbeiträge auch von sogenannten Nichtariern zu verlangen und entgegenzunehmen, wenn sich zufallsweise ein solcher bereit findet. * Nachstehend reproduzieren wir die in Rede stehende Beitrittserklärung genau nach dem Originalformular: Rmg Reichsverband der technischen Personale II der Buhnen-, Film- und Kino-Industrie ■ ms ■ Oesterreichs Nr. Ortsgruppe: Mitgliedsbeiträge sind klagbar. Leserlich schreiben! Fachsektion: Bühne, Film, Kino? Wiener-Film-Börse? Beitrittserklärung iaut Statuten. Name: Beruf: Geburtstag, Jahr, Ort. Land: ledig, verh.: Rassenzugehörigkeit — Religion?: Heimatszuständig, seit wann?: und so weiter. Aufnahme S 1.—. Monatlicher Beitrag S 3.—. W. F. B. und Arbeitslose S 1.—. Eigenhändige Unterschrift: Ein eindringlicherer Beweis, daß hier der hakenkreuzlerische Arierparagraph sein Unwesen treibt, braucht wohl nicht erbracht zu werden. Was sagen, die kompetenten Faktoren dazu? KREUZ-KINO Wollzeile 17 > Tel. R-21-2-16 Spott — Rekorde — Sensation!! ^ffiffi Schwere Aufgaben der Wiener Judengemeinde In einer Pressekonferenz wurden die Aufgaben der Wiener Judengemeinde besprochen, wobei das Präsidium der Gemeinde, und zwar Präsident Dr. Friedmann und die Vizepräsidenten Dr. Löwenherz und Dr. Tic h o, sich zur genannten Frage ausführlich äußerten. Hiebei wurden folgende Feststellungen gemacht: Die wirtschaftliche Lage brachte es mit sich, daß in den letzten Jahren die Anforderungen, welche an die Wiener israelitische Kultusgemeinde als eine fast 200.000 Seelen umfassende Gemeinschaft gestellt werden, gewaltig gestiegen sind. Ist doch diese Körperschaft in der gegenwärtigen Zeit geradezu die Zufluchtsstätte all jener ihrer Angehörigen geworden, die, sei es in wirtschaftlicher Not, Hilse suchen, sei es durch ihre Glaubens- und Stammeszugehörigkeit Existenz und Erwerb gefährdet sehen oder gar verloren haben. Imposant sind die Leistungen, auf welche die Wiener Kultusgemeinde hinzuweisen vermag und die sich nicht allein in der Erhaltung der Stätten für den Kultus erschöpfen können. Im Jahre 1932 haben die Ausgaben der Kultusgemeinde S 6,806.905.— betragen, wovon auf das Fürsorgewesen allein S 2,494.875.— entfielen. Im Jahre 1933 wurden bei einem Gesamtausgabenetat von S 7,064.124.— für Fürsorgezwecke S 2,557.877.— verausgabt. Um diesen gesteigerten Erfordernissen gerecht werden zu können, wurden umfassende Sparmaßnahmen durch Drosselung des Sachaufwandes und Minderung der personellen Lasten durchgeführt, ferner ein 20prozentiger Z uschlag zur Kultus Steuer eingehoben. Im laufenden Jahre genügte es nicht mehr, für die Aufrechterhaltung der bestehenden Fürsorge-Institutionen Sorge zu tragen, sondern es mußte deren Ausbau und Erweiterung Platz greifen. 50.000 Köpfe umfaßt der Fürsorgekataster der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Neben der Erhaltung der eigenen Institutionen werden mehr als 200 Vereine und Anstalten mit einem Aufwände von fast S J300.000.— subventioniert und dadurch vielfach deren Bestand ermöglicht. Die Winterausspeisungs- und Kohlenaktion mußten eine erhebliche Erweiterung erfahren. Der „Unentgeltliche Arbeitsnachweis" wurde reorganisiert. Eine eigene neugeschaffene Einrichtung, die Gemiluth-Chesed-Kasse, dient der Gewährung zinsenfreier Darlehen an kleine Händler und Gewerbetreibende. Die Versorgungs¬ und Sieohenanstalt der Kultusgcmeinde erweist sich bei einem Belagraum für 400 Insassen seit Jahren als unzulänglich. Nunmehr werden durch Zubau ungefähr 70 weitere Plätze für Alte und Sieche verfügbar sein. Leider weisen die bisherigen Gebarungsergebnisse der Kultusgemeinde einen starken Rückgang an Einnahmen gegenüber der wesentlichen Steigerung der Ausgaben auf, so daß ein bedeutendes Defizit mit katastrophalen Auswirkungen gerade im Fürsorgewesen droht. Um diese Gefahren zu bannen, tritt der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien nunmehr an alle Gemeindernltglieder heran, tun dieselben zur frehviUJüvii Leistung eines '{OarozonUaen Zuüfwfftt ü£$ehtU ftau ^■IrWfPT ytWnFWIr 9 * mittleren Alters, au meiner Mutteral« Mitbewohnerin, gegen gute Ver* pflegung und mSftlges Honorar Gefl Angebote an Olwold, XXI, BrU>^*rstrafte 16 mmmmmmmmmmmmtmmmmmmmsmmmn Schlages zur Kultusgteuer zu bestimmen. Die zu gewärtigenden Eingänge sollen ausschließlich zur Bedeckung des Fehlbeträge,» im Fürsorgewesen und für die bevorstehende W1 n t o r h i I f six k t I o n der Kultnsgemeindc Verwendung finden. Der bewährte Opfersinn der jüdischen Bevölkerung wird sich hoffentlich in solcher Weise auswirken, daß der Kultusgemeinde die Erlüllung ihrer schweren Gegen« wartsaufgaben ermöglicht wird. Chaluzim nach Brasilien Athen, 2. November. Die 380 Chaluzim, welche sich schon seit einigen Wochen auf dem griechischen Dampfer „Velo s" befinden, da sie an der Landung in Palästina als „Illegale" gehindert wurden, erhielten eine Einladung, sich in Brasilien niederzulassen. Es wird von ihnen allerdings verlangt, daß sie die Reisespesen bis Brasilien bezahlen und sich beim Betreten des Landes mit einem Besitz von je 100 Dollar ausweisen. (Uober das tragische Schicksal der erwähnten 380 Chaluzim brachten wir unter dem Titel „Irrend über die Wässer . . vom Reisekorrespondenten Schclomo Jizchaki in unserer Ausgabe vom 30. Oktober eine ausführliche Schilderung. Anm< der Red.) J. T. A. Polen und das Hitler^Regi'me Wie aus Warschau telegraphiert wird, fand dort im jüdischen Theater Kaminski eine von der jüdischen Organisation zur Bekämpfung des Hitlerismus einberufene Volksversammlung statt, in der das Mitglied des Jüdischen Parlameutsklubs Rosmarin und andere Redner gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland Protest erhoben. Der Vertreter des Warschauer Regierungskommissariats {orderte die Einstellung d6v Angriffe gegen das Dritte Reich. Als diese Aufforderung keine Wirkung hatte, ordnete der RegierungHvertreter die Auflösung der Versammlung1 au, untersagte die Verlesung der Resolutionen und widersetzte sich auch der Abscndung einer Begrüßungsdepesche an den Bund jüdischer Gemeinden der Schweiz, der in Bern den Prozeß gegen die antisemitischen Eidgenossen, betreffend die „Protokolle der Weisen von Zion" führt. Das Theater wurde sodann durch Polizei geräumt, die Teilnehmer an der Versammlung gingen erbittert übet' diese Vergewaltigung auseinander. In der gesamten Judenschaft hat das Vorgehen der Behörden, welches dazu angetan ist, die tiefsten jüdischen Gefühle zu verletzten,, einen niederdrückenden Eindruck gemacht. ML van Rees gestorben Der Zionismus wurde von einem schweren Verlust betroffen. Einer seiner besten und tatkräftigsten christlichen Freunde, der Vertreter Hollands im Völkerbund und, Vizepräsident der Mandatskommission in Genf, M. van Rees, ist am 2. November in Montreux gestorben. Jedesmal, wenn die englische Mandatarmacht über ihre Tätigkeit in Palästina vor der Mandatskommission Rechenschaft abzulegen hatte, war es van Rees, der die Rechte der Juden auf Palästina in energischester Form verfocht. Er beherrschte jedesmal die Debatte über Palästina und war in diesem Sinne der gefürchtetste Gegner der antizionistischen englischen Beamtenschaft in der Palästina-Regierung. Noch in der letzten Sitzung der Mandatskommission im August 1934 forderte er vom Vertreter der Palästina-Regierung Rechenschaft wegen der; Behinderung der jüdischen Einwanderung und konstatierte den Bruch des vom englischen Ministerpräsidenten MacDonald gegebenen Versprechens an die Juden. Der Zionismus hat in einer schweren Zeit seinen besten christlichen Freund im Völkerbund verloren. Dr* Oskar Cohn gestorben In einem Genfer Spital ist am 1. November; Dr. Oskar Cohn, 65 Jahre alt, gestorben. Er war einer; der bekanntesten Führer der deutschen Sozialdemokraten, die er von 1912 bis 1926 im preußischen Landtag; und im deutschen Reichstag vertrat. Nach der Spaltung im Jahre 1916 schloß er sich der radikalen „Unabhängigen S. P. D." an. Nach der Revolution war er; Staatssekretär im Justizministerium und Mitglied des Ausschusses zur Prüfung der Ursachen der deutschen Niederlage. Zum Unterschiede von seinen Parteigenossen jüdischer Abstammung betonte er immer sein Judentum und wurde schließlich Zionist und schloß sich der Fraktion Poale-Zion an. 1924 zog er sieb, vom allgemein-politischen Leben zurück und widmete sich, ganz der jüdischen Arbeit. Zuletzt nahm er im August 1934 an der Jüdischen Weltkonferenzj in Genf regen Anteil. Nach dem Umsturz mußte e* Deutschland verlassen, denn die Hitler-Leuto verfolgten ihn seit Jahren mit mörderischem Haß. Dr. Oskar Cohn gehörte zu den edelsten Menschen in der jüdischen Oeffentlichkeit. Die Leiche wird, einem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, nach Palästina überführt. LegitJmistiaohe jüdische Frontkämpfer im „EJseruen Ring". Mittwoch, den 7. November 1934, präzise 8 Uhr abends, findet im Cafe Colonnaden, I., Rathausplatz 4, die monatliche Hauptversammlung statt. Erscheinen ist Pflicht aller Mitglieder! -Zutritt nur gegen Vorweisung der Migixuäkartfti

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