Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 410 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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r*r. 410 DDE NEUE WELT Seite 3 : Ein innerzioni§ti§dier Waffenstillstand Wir haben in unserer letzten Nummer berichtet, dal.l nach längeren Verhandlungen zwischen dem Führer d^r Zionistischer. Arbeiterpartei Ben Gurion und dem Führer der Zionisten-Revisionisten Jabotinsky in Lonndon ein Pakt abgeschlossen wurde, welcher weitere Gewaltakte beider Parteien verhindern soll. Nunmehr liegt der Text der Abmachung vor. Er lautet: 1. Ohne Beeinträchtigung de Freihent von Diskussion und Kritik in der zionistischen Bewegung verpflichten sich alle Parteien, Mittel im Parteikampf nicht anzuwenden, die jenseits der Grenzen politischer und ideologischer Erörterung liegen und mit den sittlichen Grundsätzen des Zionismus und zivilisiertem Verhalten unvereinbar sind. 2. Alle Parteien sollen Aufrufe an ihre Mitglieder erlassen, in denen Terror- und Gewaltakte jeder Art und unter allen Umständen, sei es in Palästina oder in der Diaspora, verboten werden. Jede Partei soll die schärfsten Mittel anwenden, um solche Akte auszumerzen. Dieses Verbot betrifft ebenso auch das E i ntreten für Terror und Gewaltakte sowie deren Gutheiß u n g. 3. Alle Parteien verpflichten sich, sämtliche ihnen zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden, um den Bruch oder die Verletzung des Abkommens zu verhindern, dessen Zustandekommen zwischen den Arbeiterorganisationen Palästinas herbeizuführen sie versprochen haben und durch welches kameradschaftliche Beziehungen zwischen den Arbeitern hergestellt, eine g erechte Verteilung der Arbeit unter alle Arbeitsuchenden gewährleistet und angemessene Arbeitsbedingungen gesichert werden sollen. 4. AHe Parteien verpflichten sich, scharfe Mittel zur Verhütung jedes unfairen Vorgehens im Parteikampf zu verhindern, wie: Verleumdung, Verunglimpfung, Beschimpfung von Personen oder Gruppen, Verbreitung falscher Nachrichten, Denunziationen, Beschimpfung der Symbole, Fahnen und Uniformen der Gegner. 5. In Ländern, wo eine zionistische Gruppe von der Regierung verboten oder ungern gesehen ist, darf keine Gruppe oder Person ihren Gegner direkt oder indirekt mit Hilfe der Regierung bekam pf e n. Ebenso ist es verboten, eine gegnerische Partei oder Ihre Mitglieder mit Ausdrücken zu bezeichnen, durch die ihr Bestehen in diesen Ländern gefährdet werden könnte. 6. In keinem Fall und unter keinen Umständen ist es Parteien oder einzelnen ihrer Mitglieder gestattet, Versammlungen einer gegnerischen Partei zu sprengen oder zu stören. 7. Alle Parteien verpflichten sich, über Mitglieder, die eine der obigen Bestimmungen verletzt haben, sobald dies der Partei direkt oder durch Vermittlung eines Mitgliedes der betreffenden Partei bekannt geworden ist, eine der folgenden Strafen zu verhängen: Mißbilligungserklärung, Geldstrafe, vorübergehende Entziehung der Mitgliedsrechte oder endgültiger Ausschluß aus der Partei; da, wo es sich um Schekelzahlcr handelt, A u sschluß aus der Zionistischen Organisation. Wenn eine Partei die Bestrafung von Mitgliedern, die eine solche Uebertretung sich zuschulden kommen ließen, unterläßt, oder wenn die betroffene Partei mit der verhängten Strafe nicht zufrieden ist, dann steht der Partei zu, Berufung bei einem zwischenpartcilic h e n Gericht einzulegen, das in jedem Land im Bedarfsfall eingesetzt wird. 8. In Palästina und Polen sind solche Gerichte sofort '" zusetzen. Eine in einem solchen Strafverfahren aus d--:- Zionistischen Organisation ausgeschlossene Person hat das Recht der Berufung an das Ehren- (Kongreß-) Gericht der Zionistischen Organisation. * Das Uebereinkommen ist zu begrüßen, und es wäre zu wünschen, daß die Masse der Geführten auf beiden Seiten der gemeinsamen Parole der Führer Folge leistet. Aber so begrüßenswert der Pakt ist, so verfehlt wäre es, ihn dahin zu deuten, daß nunmehr der Frieden im Zionismus hergestellt ist. Er betrifft nur Aeußcr- 1 i c h k e i t e n, nur äußere Erscheinungen und Auswirkungen. Wie der Versuch gemacht wird, innerliche Probleme zu berühren — wie etwa die Arbeitsverteilung in Palästina an alle Arbeitsuchenden —, bringt der Text nur ganz allgemein gehaltene Wendungen. Die zwischen Ben Gurion und Jabotinsky getroffenen Abmachungen lassen die tiefer liegenden Ursachen der zerstörenden Kämpfe im Zionismus bestehen, vor allem die beiden Tatsachen, daß die Leitung der Zionistischen Weltorganisation in der Hand einer Partei liegt und daß das Verhältnis der Zionisten-Revisionisten zur Zionistischen Weltorganisation völlig ungeklärt ist. Lindenkeller 1, Rotenturmstraße 12 GANSBRUST MIT SCHOLET GANSB1EGL MIT RITSCHERT FLADEN jeden Samstag!i§mai§ „Near Eust and India" für das Palästina-Parlament Aus London: Als Antwort auf die zur Frage des Legislative Council für Palästina von der außerordentlichen Tagung der englischen Zionisten gefaßte Resolution veröffentlicht die dem Kolonialministerium nahestehende Zeitschrift „Near E a s t and I n d i t" einen Artikel, in dem sie die Einsetzung des Council als eine Notwendigkeit bezeichnet. In dem Artikel wird darauf hingewiesen, daß das Palästina-Mandat der Mandatarjuacht die VerjM'lichtung auferlegt, Vol ks Vertretungskörperschaften in Palästina einzusetzen; ein diesbezügliches Versprechen habe England auch der Mandatskommission des Völkerbundes gegeben. Wenn die Araber und Juden sich selbst überlassen blieben, so wird in dem Artikel weiter argumentiert, würden sie niemals zu einer Verständigung kommen. Ein Legislative Council biete dagegen die Möglichkeit, sich auseinanderzusetzen. Deshalb sei die Regierung auf dem rechten Weg, wenn sie den beiden Bevölkerungsteilen eine gemeinsame Körperschaft für politische Aussprache gebe. Auch könnten die Araber sich die Vorteile nicht verhehlen, die dem Lande aus der Schaffung des Jüdischen Nationalheimes erstehen, die unerläßlich sei auf Grund der internationalen Anerkennung der Stellung Palästinas und die Fortsetzung der jüdischen Mitarbeit bei der Erschließung des Landes erfordere. * Die Behauptung des Ministerblattes, daß das Völkerbundmandat die Errichtung von parlamentarischen Körperschaften fordert, ist ein Musterbeispiel für Verdrehung. Das Mandat schreibt vor, in Palästina :'iiiiiHiiinnniiMiiniimi.............»mntniiiimimiu......iiiiiiiiiniiiiiiiii........iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiii: BLAU-WEISS Wien—Haifa au$ im Loudwt$ IN NICHT GANZEN 4 TAGEN Abfahrt des ersten SONDERZUGES Samstag, den 17. Nov., 19.20 Uhr abends von Wien-Ostbahnhof Schlaf- und Speisewagen €> Rituelle Küche AUSKÜNFTE — KARTENVERKAUF: Ocbterrclchisches Yorkehrsbureau, Wien, I., Friedrichstraße 7, Telephon «-27-500 INFORMATIONEN: Oesterreichlsches Palästina-Amt, Wien, I., Kärntner- Straße 28, Telephon R-27-4-86 Palästina-Fahrten, Wien, I., Franz-Josefs-Kai 7/9, Telephon R-28-Ö-65 ENDTERMIN PER EINZAHLUNGEN t 10. NOVEMBER 1934! das Jüdische Nationalheim zu schaffen und, für den Fall, als dieser Hauptzweck des Mandats erreicht ist, eine "Selbstverwaltung vorzubereiten. Mit seinen 23 Prozent Juden ist heute Palästina noch weit davon entfernt, jüdisches Nationalheim zu sein. Jetzt von der Errichtung eines Parlaments mit arabischer Majorität als Erfüllung einer Mandatspflicht zu sprechen, ist Höchstmaß von Sophismus. Die Behauptung, daß nur ein Parlament den Frieden zwischen Arabern und Juden herstellen kann, reiht sich würdig a:e. Der Oberrabbiner Englands beim High Commissioner von Palästina Aus London (J. T. A.): Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz hatte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Misrachi-Organisation Großbritanniens eine Unterredung mit dem High Commissioner für Palästina General Sir Artur Wauchope. Oberrabbiner Dr. Hertz legte dem High Commissioner den Standpunkt der religiösen Judenheit der ganzen Welt in bezug auf eine der Subventionierung der mohammedanischen geistr liehen Gerichte entsprechende Gewährung einer Beihilfe aus öffentlichen Mitteln für die Rabbinischen Gerichte in Palästina dar und befürwortete die Förderung der von jüdischen Stadtgemeinden unternommenen Versuche, die öffentliche Entweihung des Sabbats zu verhindern, seitens der staatlichen Behörden. Verstärkte antizionistische Propaganda der Araber Aus Jerusalem (J. T. A.): Die arabische Presse Palästinas hat in der letzten Zeit die a n t i z i onistische Hetze verstärkt. Darin tut sich besonders die Jugendwochenschrift „Esch - Schabab" hervor, die von dem jungen christlichen Araber Emile G h o r y herausgegeben wird, einem Manne, der unter den palästinensischen Schriftleitern den Rekord in Verurteilungen in Straf- und Zivilsachen aufweist. Diese und andere Zeitungen sagen voraus, daß auf Grund eines angeblichen zionistischen Fünfjahresplanes die Araber 1937 in Palästina nur noch eine Minderheit bilden werden, 1938 würden sämtliche palästinensische Araber nach Transjordanien umgesiedelt und 1939 ein autonomes jüdisches Gemeinwesen in Palästina proklamiert werden. Die Zeitungen veröffentlichen ununterbrochen Proteste und Artikel gegen jüdische Einwanderung und jüdischen Bodenkauf. Die Verfasser sind zum großen Teil Einwohner der durch ihren fanatischen Nationalismus bekannten christlich-arabischen Stadt Nablus. VORANZEIGE IN WENIGEN WOCHEN ERSCHEINT IM Fl 13 A - V Li RL A O, WIEN VI, DIE NEUE THEO0OR-HERZL-B1OGRAPHIE von ALEX. BEIN C50 M-ITEN. KS BIi.ÜER. ZAHLREICHE FAKSIMILE UND BEILAGEN DURCH SEINE GRÜNDLICHKEIT UND DURCH DIE FÜLLE BIS¬ HER NUCH NIEMALS VERÖFFENTLICHTER DOKUMENTE EIN STANDARDWERK UM ALLEN KREISEN DIE ANSCHAFFUNG ZU ERMÖGLICHEN1, ERÖFFNEN WIR EINE SUBSKRIPTION ZU VORZUGSPREISEN LEINEN S 25.S0, HALBLEINEN S 21—, KART. S 16.80 NACH ERSCHEINEN WERDEN DIE PREISE ERHÖHT BESTELLSCHEIN ICH SUBSKRIBIERE AUS DEM FIBA VERLAG, WIEN EXEMPLAR(E) DES WERKES THEODOR-HERZL-BIOGRAPHIE v. ALEX BEIN ZUM VORZUGSPREISE VON LEINEN S 25.SO, HALBLEINEN S 21.-, KART. S 16.80 (NICH lOEWÜNSCHTES STREICHEN) NAME: ............................................^........................................................... ADRESSE: ................................................................................................. ORT UND DATUM:............................................................................. wird, wurden bereits in dieser Angelegenheit Verhandlungen zwischen Emir Abdulla Und dem englischen Kolonialamt geführt, in deren Verlauf der Emir erklärt habe, daß er bereit sei, die Balfour-Deklaration anzuerkennen. England stellt sich diesem Plan günstig gegenüber und Abdullas Reise nach London soll tatsächlich im Zusammenhang mit dem erwähnten Projekt gestanden haben. Eine teilweise Bestätigung dieser Meldungen will man in der kürzlich eingeführten Zollunion zwischen Palästina und Transjordanien sehen. Transjordamen und Palästina Aus Kairo wird gemeldet: In hiesigen politischen Kreisen wird die Frage der Vereinigung von Palästina und Transjordanien unter dem Szepter des Emir Abdulla als eine Sache der nächsten Zukunft Angesehen. Wie berichtet Ilm die Juden im Saargebiet Die 6000 Juden im Saargebiet durchleben eine Zeit entsetzlichster Spannung. Im Jänner 1935 soll durch Volksabstimmung entschieden werden, ob das Land an Deutschland zurückfällt und damit die Saarjuden ihren Henkern preisgegeben werden. Einige hundert gutsituierter Juden sind dem traurigen Schicksal entronnen. Sie haben schweren materiellen Verlust auf sich genommen und ihre Geschäfte und ihr Hab und Gut ins Ausland überführt, zumeist nach Frankreich. Die anderen sehen in verzweifelter Stimmung den kommenden Dingen entgegen. Natürlich sind die Hakenkreuzler bemüht, ihre Absichten bezüglch der Juden hinter scheinheiligen Friedensbeteuerungen zu verbergen, denn sie wollen die jüdischen Stimmen, welche den Ausschlag geben können, für Deutschland haben. Wie aus dem folgenden Bericht hervorgeht, gibt es auch Juden, die ihnen glauben. Aus Saarbrücken: (J. T. A.'): Der Saar-Front- Leiter Bürckel hatte ausländischen Journalisten auf die Frage, was das Schicksal der Saarland-Juden sein wird, für den Fall, daß das Saargebiet an Deutschland zurückfällt, geantwortet: Wenn die Juden „auf gewisse kulturelle Gebräuche und die Finanzspekulation verzichte n", dann wird ihnen an der Saar kein Haar gekrümmt werden. Dazn bemerkt das „Nachrichtenblatfi der Synagogen-Gemeinden des Saargebietes'« unter anderem: „Das ist bemerkenswert und eigenartig. Besonders, wenn man weiß, wie schwer sich das Judenproblem an der Saar stellt, welche Schicksalsfragen sich aufwerfen, welche Tragödien sich vorbereiten. Etwas hindert unsere Feinde an der Saar, die volle Wahrheit zu sagen. Dürften sie offen reden, wir würden merkwürdige Dinge zu hören bekommen über die Art, wie man mit uns umzugehen beabsichtigt. So aber werden aus streitbaren Hetzern g u tmiitige Redner; sie kennen die Abneigung der Welt gegen einen allzu faustdicken Judenhaß. Man braucht in der Saarfrage eine günstige Weltmeinung und richtet deshalb auch das Judenproblem danach ein. Manche Juden an der Saar erheben darauf ein Freudengeschrei. Sie preisen die Weisheit einer so „maßvollen" Politik. Sie sprechen viel von der vortrefflichen Haltung der gemäßigten Richtung, die wohl zu unterscheiden sei von dem wüsten Radauantisemitismus vorjähriger Ausgabe. Es ist die alte Inkonsequenz, eine Autorität auszuspielen, die man grundsätzlich bekämpfen muß, die alte Halbheit, der alte Fehler, das Große über Kleinem aus dem Auge zu verlieren. Wer sein Recht fordert, seine freiheitlichen Ziele verfolgt, der muß Angriffe auch dann zurückweisen, wenn sie in Watte gewickelt sind. Wir sind in einer Situation, über die man mit inhaltlosen Phrasen nicht hinwegkommt. Und für falsche Loyalität wird die gerechte Strafe nicht ausbleiben." * - Aus Nürnberg: Das Oktober-Heft (Nr. 43) des von Julius Streicher herausgegebenen „Stürme r" bringt unter dem Titel „Saargebiet und Juden" die Zuschrift eines „D. I., Saarbrücken", die mit den Worten schließt: „. . . Für uns Saarländer sind die Juden zu einer Plage geworden. Um so sehnlicher wünschen wir die Einverleibung mit dem Reiche, damit wir endlich von dem Joch der Juden und der Fremdherrschaft befreit werden. Heil Hitler!" In der gleichen Nummer des „Stürmer" wird berichtet: „In Saarbrücken haben sich jüdische Emigranten in einem Schießklub zusammengefunden. Die Scheiben bestehen aus Bildern nationalsozialistischer Führer. Es wird geschossen auf Hitler, Goering, auf Goebbels, Frick, Heß usw. Daß die aus Deutschland davongelaufenen Juden solches mache«, kann nicht überraschen. Würden sie die Möglichkeit haben, anstatt auf ihre Bildnisse auf die FUhrerköpfe in natura zu schießen, dann würden sie es tun. Sit sind eben Juden und tu«, was ihnen der Talmud ai tun gebietet*"