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Die neue Welt · 1934-11-02 · Heft 410 (2.11.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 410 (2.11.1934)
Date
1934-11-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Stftfc £ Nr. 410 C U N A R d WHITE STAR nach Amerika und Canada KOSCHERE KÜCHE unter Aufsicht des Beth Din (London) WIEN REPRfiSENtANZ: I, KXR4TNERRING 4 Schritt ..Der inh>rn;ition:d<< -lade" auf die Protokoll«« be. rufen. Auch Adolf Hitler Ist in seinem Buch „M e i n Kampf" nicht ohne die. dummdreisten Märchen von der jüdischen Weltherrschaft ausgekommen. Die antisemitische Literatur, insbesondere die hakenkreuzlerische, hat versucht, das deutsche Volk und auch viele andere mit den aus» den Protokollen bezogenen Lügen zu vergiften. Die hitleristischeii Zeitschriften ü la „Hammer", „Stürmer", „Michel" usw. beziehen, obwohl die Protokolle schon längst als gemeine Fälschung erwiesen sind, ihre Argumente gegen das Judentum aus eben dieser Schrift, welche im heurigen Jahr zum zweitenmal vor Gericht steht. Erst vor zwei Monaten hat, wie unseren Lesern erinnerlich sein dürfte, der Oberste Gerichtshof in Grahamstow n (Südafrika) die Führer der antisemitischen Grauhemden-Organisation wegen Verleumdung verurteilt, weil sie Pamphlete nach dem Muster der „Protokolle" verfertigten und zu beweisen suchten, daß eine jüdische V e r s e luv ö r u n g zur E r o b er u n g d e r W r Ii (!) bestehe. Wenn nun ein Schweizer Gericht, an dessen Rechtlichkeit, Unparteilichkeit und Loyalität bisher niemals gezweifelt wurde, über diese „Protokolle" urteilt, d. h. den Beweis der Fälschung durch Sachverständige nochmals erbringt, so geht es nicht darum, daß die Judenheit hier vor einem öffentlichen Forum rehabilitiert wird. Denn es gibt keinen vernünftigen Menschen, der an die Echtheit der genannten Protokolle glaubt. Es geht vielmehr darum, vor der Kulturwelt wieder einmal —- und insbesondere in der Zeit des blutrünstigen Hakenkreuzes — die gemeinen Methoden zu enthüllen, mit denen der Antisemitismus unter der Flagge der Hitler-Propaganda in bisher vom Judenhaß verschont gebliebene Bereiche einzudringen versucht. In diesem Sinne muß der Berner Prozeß als ein«; Sache der Kultur und Würde für alle Menschen betrachtet werden. Die Zeugen marschieren auf Ueber den Prozeß berichtet die J. T. A.: Unter großem Andrang des Publikums und der Presse wurde am Montag, den 29. Oktober, vormittags, im Assisensaal zu Bern die Verhandlung aufgenommen. Das Gericht beschloß, die Experten Prof. Baumgarten und C. A. Loßli am Mittwoch, den 31. Oktober, zu vernehmen und ihre bereits eingereichten Expertisen an dem gleichen Tage zur Veröffentlichung freizugeben. Am Montag begann das Gericht mit der Vernehmung der von der Klägersohaft geführten Zeugen. Als erster wurde Prof. Dr. Chaim Weizmann (gew. Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency) vernommen. Seine Bekundungen machten tiefen Eindruck auf die Zuhörerschaft. Weizmann schilderte die Lage und die Stwimung der Weltjudenheit in der Epoche vor dem T. Zionistenkongreß 1897 und die Umstände, die Herzl und die anderen zionistischen Führer veranlaßten, den Kongreß nach Basel einzuberufen. Wie weit entfernt waren die Gedanken und Interessen der Juden der damaligen Zeit von irrsinnigen Plänen, wie sie in dem Machwerk „Protokolle der Weisen von Zion" entwickelt werden! Weizmann gab einen kurzen Abriß der auf dem Zionistenkongreß in Basel 1897 diskutierten Fragen und angenommenen Beschlüsse und erklärte, daß ein Plan zur Erringung der Weltherrschaft durch die Juden in keiner wie immer gearteten Weise zur Sprache kam. Niemals je hat es eine internationale Judenorganisation mit machthaberischen Plänen gegeben. Nichtt, sei lächerlicher, als den vornehmen Denker Achad Haatn, den er, Weizmann, persönlich gut gekannt hat, mit der Autorschaft der „Prolokolle" in Zusammenhang zu bringen, wie dies in der Einleitung zu den „Protokolleu"- geschieht. Weizmann erklärte weiter», er kenne sehr gut das Verhandlungsprotokoll von 1897, das von jedem in der schweizerischen Landesbibliothek eingesehen werden könne. Welzmann schloß, es sei eine grausame Ironie, die Juden als die Urheber de« russischen Bolschewismus zu bezeichnen, wo doch die Juden im heutigen Rußland zu den deklassierten Volksschichten gehören. Der zweite Zeuge, Comte du C h a y 1 a, machte 1909 die Bekanntschaft des „Professors" N i 1 u s, der als der russische Herausgeber der „Protokolle" fungierte. Der Zeuge hatte Einsicht in die „Protokolle" genommen, bevor sie gedruckt waren. Nilus hatte seinerseits das angebliche französische Original auf indirektem Wege vom Chef der russischen Ochrana (zarische Gehelmpolizei zur Verfolgung der Revolutionäre), General Rachovsky. erhalten, der erklärte, das Manuskript von Paris nach Rußland gebracht zu haben. Der Zeuge hatte den Eindruck, daß Nilus oft selbst Zweifel an der Echtheit der „Protokolle" hatte. Zweck der Verbreitung der „Protokolle" war, Nikolaus IT. zu einer antijüdischen und reaktionären Politik zu bewegen. Als dritter Zeuge erscheint der in Paris lebende russische Schriftsteller und Historiker Sergius S v a t ikow. Der Zeuge las die „Protokolle" im Jahre 1905 in der russischen Ausgabe des Sergius Nilus. 1917 hatte er als Mitglied der provisorischen Regierung den Auftrag erhielt, die Ochrana zu liquidieren. Da erfuhr er weitere Details über die „Protokolle" von einem Kenner der russischen Geheimpolizei namens Heinrich Bind, der früher unter General Rachovsky arbeitete. Bind bekam von Rachovsky verschiedene Befehle, falsche Dokumente herzustellen, insbesondere gefälschte Texte revolutionärer .Schriften. Bind wußte bestimmt, daß Rachovsky auch die „Geheimnisse der Weisen von Zion" vorbereitet hatte. Die „Protokolle" verfolgten antisemitische Zwecke. Der Urheber ist nach der Aussage Heinrich Binds ein gewisser Golowinsky, ein enger Mitarbeiter Rachovskys. Von Beruf Journalist, arbeitete. Golovvinskv viel In der NationalbibUothck. wo er auch die antluapoleonisehe Schrift des arischen französischen Arztes Joly „Dialogue <*ux enfers entre Machiavelli et Montesquieu" vorfdgU und sio 1,ei der Herstellung «1er „Protokolle" als Rahniei: benützte. Golowinskv hat die g#K*» Napoh-on gemünzten satirischen t'ebertrelbungen i?^»'«1 <Jo,r «Mokierte sich über die Weltherrsclmftsplanö -^apolevns IH.) in ernsthafte Pläne der Juden iimgefalsent» -.Prpt»- Uolle" wurden in der russischen Ausgabe \l£* Kihis in großer Auflage verbreitet. Zweck dieser A*"lon war, die Schuld au den Oktober-Unruhen de» Jua<» zuzuschreiben. Der vierte Zeuge, Wladimir B u r z e w, einer der besten Kenner der russischen revolutionären Bewegung, erhielt vor 30 Jahren Kenntnis von den „Protokollen", erhielt .sie sofort für eine Fälschung. Rachovsky selbst, sagte Burzew, kannte ich nicht, doch wußte Ich von seiner Fälflchertätiglceit. Heinrich Bind kannte ich persönlich. Lobuchin. früher Polizeidirektor, erklärte mir, wie die ..Protokolle" gefälscht wurden. Lobuchin wurde darauf bestraft und seines Amtes enthoben. Di* Kollegen Lobuchins bestätigten dessen Aussagen in vollem Umfange. Urheber der gefälschten „Protokoll«'" waren, nach einer Version, Faohovsk y und G o 1 o w i ns k y. Nilus war ein Mittelding zwischen Fälschet- und Fanatiker, er wußte »im die F ii 1 s c h u n g, machte aber dennoch Gebrauch von ihr. Der Zar hat, als er von der Fälschung erfuhr, den Gebrauch der „Protokolle" verboten. Sie wurden aber dennoch weiterverbreitet. Ueber die Haltung des Zaren informierte mich General Globitschow, der behauptete, die „Protokolle" seien in den Jahren 1896 bis 1900 gefälscht worden. In einer amtlich angestellten Untersuchung hat Rachovsky selbst zugegeben, daß die „Protokolle" gefälscht seien. Der fünfte Zeuge, Boris N i k o 1 a j e w s k y. befaßte sich mit der in der Einleitung zu den „Protokollen" aufgestellten Behauptuug, daß ein Jude namens Schapiro die „Protokolle" aus einem Archiv einer französischen Freimaurerloge in Paris gestohlen habe, und daß die „Protokolle" durch Vermittlung einer russischen Agentin nach Rußland kamen. Nlkolajewsky war als Historiker der Sache nachgegangen und könne diese Behauptung als Hirngespinste bezeichnen. In jüdischen Kreisen war keine besondere Sympathie für den Bolschewismus vorhanden. In der neuesten Zeit gibt es unter den Bolschewisten nur zv/ei bis drei jüdische Führer. Von der russischen Fälschung wurden Ausgaben in d e u ts c h e r Sprache und in anderen Sprachen gedruckt. Aber alle diese Uebersetzungen seien noch mehr gefälscht. Eine deutsche Urausgabe gibt es nicht. Der Zeuge erklärte auf Befragen des Vorsitzenden, er sei nicht Angehöriger des jüdischen Volkes, sondern Russe und Sozialdemokrat. Eine lächerliche Fälschung Am heutigen Dienstag, den 30. Oktober, dem zweiten Verhandlungstag, sind weitere hervorragende jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten als Zeugen vernommen worden. Dr. Henri S 1 i o s b e r g, ehemaliger juristischer Beirat im früheren russischen Innenministerium, sagte aus, die „Protokolle" seien ihm um die Jahrhundertwende in Petersburg als Manuskript zu Gesicht gekommen; er sollte über sie ein Gutachten abgeben. Der Zeuge hatte, den Eindruck, die „Protokolle" seion eine lächerliche Fälschun g, verfaßt zu dem Zwecke, nicht nur die Juden, sondern auch die für die demokratische rneiheit in Rußland kämpfende Partei zu diskreditieren. Nach seinen Kenntnissen über Rußland müßten die „Protokolle" als Machenschaft der geheimen politischen Polizei (Ochrana), die sich mit derlei Fälschungen zu politischen Zwecken befaßte, bewertet werden. Der Zeuge hat seinerzeit in Paris eine Liga zur Bekämpfung des russischen Antisemitismus gegründet. Der nächste Zeuge, Dr. Mayer Ebner (Czernowitz), hat als Delegierter dem 1. Zionistenkongreß, 1897, in Basel beigewohnt und hat ausnahmslos an allen Verhandlungen teilgenommen. Erörtert wurde die Lage der Juden in der ganzen Welt. Man verhandelte über die A n- Siedlung von Juden in Palästina und uie Schaffung eines öffentlichrechtlich geschützten Gemeinwesens. Geheime Sitzungen und geheime Protokolle gab es nicht. IMHjukow sagt aus Es folgte die Einvernahme des Führers der bürgerlich-demokratischen Bewegung in der Zarenzeit und Ministers des Aeußern in der Rnvolutionsrcgierung Kerenski, Professors Paui Miljukow. Dieser erklärte: Keineswegs organisierten die Juden etwa die russische Revolution. Sie machten etwa ein Prozent der Gesunitbevölkerung Kußlands aus und beteiligten sich in entsprechendem Maße an russischen politischen Bewegungen. Die Quelle, der „Protokolle" ist nachweisbar der Dialogue aux enfers von Maurice, Joly, der arischer Abstammung war und angeblich«.; Weltherrscliaftspläne Napoleons III. dialogisch karikierte. Die „Protokolle" wurden mehrmals niedergeschrieben,. Das Niveau der satirischen Schrift von Joly ist etwas zu hoch für das Publikum, für das die „Protokolle" bestimmt waren, und auch für dio Fälscher selbst. Deshalb wurden Stil und Darstellung Liebenswürdige Hausfrauen klagen nicht dem müde heimkommenden Manne Uber ihre aufreibende häusliche Tätigkeit. Sie wissen, daß Ueberrnüdung wirksam bekämpft wird durch den ständigen Gebrauch von DIANA- Franzbranntwcin mit Menthol. Tägliche Massage mit Diana erfrischt, regt den Blutkreislauf an, erhöht die Spannkraft. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpilege. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA,". Weisen Sic minderwertige Nachahmungen zurück. Das bestbekannte Restaurant Hotel Stefanie Wien il, Tabor straße Nr. 12, Ta ephon R-46-S-57 empfiehlt «eine reichhaltige Speisenauswahl Menü von S 1.60 an, Speisen am Rost, täglich frische Hscne, erstklassige Bedienung Jüdische Vertreter im Bundesrat Kultuspräsident Dr. De». Frlcdmann — Hofrat Dr. S. Frankfurter Am 1. Novenmer ■wurde, in Oesterreich die Errichtung des Bundesrates vollzogen, das heißt jener Iiistitut hin, welche an Stelle des im Jahre J 033 abgeschafften Wahlpnrtaments tritt. Der Bundesrat setzt sich aus vier Rtirpewhaftrn zusammen (Staatsrat, Länderrat, Wirt«, schuf tsrat und Kulturrat), deren Mitglieder über Vorschlag des Bundeskanzlers vnm IiundespräsidenUMi ernannt werden. In zwei dieser Körperschaften hat der Bundespräsident über Vorschlug des Bundeskanzlers je einen Vertreter der israelitischen Religionsgesellschaft berufen. Zum Mitglied des Staatsrates wurde der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeiiule, Doktor Desider F r i v d m a n n, ernannt. Die Berufung dea liultuspräsidenten in die oberste beratende Körperschaft Oesterreichs ist für die österreichische Judenschaft angesichts der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Lande von großer Bedeutung. Besonders mit Hinblick darauf, daß die Judenschaft mannigfachen antisemitischen Tendenzen standhalten muß und daher eines Trägers ihrer Wünsche und Beschwerden in der Körperschaft, welche die .Regierung beraten soll, dringend bedarf. Kultuspräsident Dr. Friedmann tritt hiermit in einen Wirkungskreis von größter Wichtigkeit für dio Interessen seiner jüdischen Mitbürger, die an seine Er«» nennung die besten Hoffnungen knüpfen. In den Kultur rat wurde Hotrat Professor Dr. S. F rankf urtc r, früher Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, berufen. Ihm obliegt, dio schwere Aufgabe, sich der jüdisch-kulturellen Probleme anzunehmen, die. insbesondere auf dem Gebiete des jüdischen Schulwesens derzeit ungeklärt erscheinen. vergröbert. An die Stelle Napoleons tratcu die ..Weisen von Zion". Der Text stammt nicht von Nilus. Der Oberrabbiner von Stockholm, Dr. Markus Ehrenpreis, tritt als Zeuge auf. Er war Teilnehmer am 1. Zionistenkongreß vom Jahre 1897 in Basel und war auch bei den Vorbercitungsarbeiten durch Theodor Herzl in Wien zugegen. Auf dem Kongroß fungierte er als Schriftführer. Er gibt das Original-Protokoll aea Kongresses von 1897 zu den Akten und erklärt, ein anderes Protokoll habe es nie gegeben. Man habe im übrigen beschlossen, das gesamte stenographische Protokoll zu veröffentlichen. Weder Theodor Herzl noch der Philosoph Ascher Ginzberg (Achad Haam) könnten ein so schäbiges Machwerk wie die „Protokolle" geschrieben haben. Dieser Prozeß, schloß Ehrenpreis, sei nicht bloß ein Prozeß des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes gegen die Nationalsozialisten, sondern ein Prozeß der sechzehn Millionen Juden gegen ihre Ehrabschneider. Der .schweizerische Nationalrat Dr. Färb stein (Zürich) war ebenfalls Teilnehmer am Zionistenkongreß in Basel 1897. Er bestätigte die Echtheit, des von der. schweizerischen Landesbibliothek seitens des Gerichtes ausgeliehenen offiziellen Protokolls; andere Protokolle habe es nicht gegeben. Direktor Tobler (Bern), ein Nichtjude, gibt Auskunft über die den Freimauern in den „Protokollen'* unterschobenen Absichten. Die Freimaurerei, erklärte er, habe in keiner Weise Beziehung zur zionistischen Bewegung. Abgebrochen und vertagt Im Augenblick, wo die Zeugenaussagen beendet waren und allgemein der Beginn der Plaidoycrs erwartet wurde, hat der Prozeß eine Wendung genommen, die am allerwenigste»; erwartet wurde. Das Gericht hat am dritten Verhandlungstag, Mittwoch, den 31. Oktober, einem B e w e i s e r g ä n z u n g su. n t r a g de-r Beklagten stattgegeben, obwold von Kelten der Privatklägerschalt festgestellt wurde, daß die Beklagten schon nach <l«^m ersten Termin Gelegenheit gehabt hätten, einen Exporten zu bestimmen. Die Forderung der Beklagten sei u.jter diesen Umständen eine Verschleppung. Der \W.iitzendo schlug dem Anwalt der Beklagten vor, dem Gericht binnen vier Tugen die V«;rbindlichkeit des Expertenvorschlags zu melden. In dem Fall, daß der Experte annimmt, sollen ihm die Akten während einer i n m o u a t i g e n Frist zur Verfügung gestellt werden. Damit wurde die Verhandlung abgebrochen. Der bekannte Zionist Med.*R. Dr. J. Schallt, der zum engsten Kreis Theodor Herzls gehörte, Mitarrangeur des 1. Zionistenkongresses und politischer Sekretär Herzla war, schreibt uns u. a.: „Die .Wiener Sonn- und Montags-Zeitung' brachte am 29. Oktober ein Interview mit mir. In der Tat war vor einigen Tagen ein Mitglied der Redaktion unter Berufung auf eine amtliche Stelle bei mir erschienen, um Auskunft über den Berner Prozeß zu erbitten. Von einem" Interview kann keine Rede sein. Ich lehne vor allem die äußere Aufmachung dieses .Interviews', die gewiß in bester Absicht erfolgt war, in bezug auf meine Person ab. Das .Interview' enthält aber, von Details abgesehen, eine wesentliche Unrichtigkeit. Die Mitteilung, daß ich vom Gericht aufgefordert worden sei, auszusagen, und daß ich der Kronzeuge des Prozesses sein werde, ist unrichtig. Ich hatte lediglich erwähnt, daß ich von der klägerischen Seite schon vor längerer Zeit um bestimmte Informationen ersucht wurde und diesem Wunsche entsprochen habe."

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