Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 409 (30.10.1934)
- Date
- 1934-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. U S«ite 3 Gegen den Terror der Histadrufh Wir haben in unser'r letzten Nummer über den feigen und brutalen Ueberfa.ll der sozialdemokratischen Hißtadruth auf eine gegnerische Versammlung in Haifa berichtet. 1800 Leute haben ein Häuflein von 80 meuchlings überfallen. Verletzte, englische und arabische Polizei muß die Jude :i voneinanderreißen, Schande über Schande! Diesmal ist die Verwahrlosung dieser verführten Jugend bo kraß in die Erscheinung getreten, daß die aus Linken bestehende Exekutive eingreift. Die J. T. A. meldet aus Jerusalem: Die Zionistische ralüwtina-Kxekutive hat eine Erklärung veröffentlicht, in der sie dir Vorfälle in Haifa am 19. Oktober streng verurteilt und ihrer Empörung über den brutalen Angriff Ausdruck gibt, durch den die Kette der Exzesse, die den jüdischen Namen In Palästina beflecken und die Atmosphäre vergiften, fortgesetzt wird. Wie groß immer der Unwille über die Haltung der Revisionisten in der Frage der Awodath Iwrith (Jüdische. Arbeit) in Haifa sein möge, so rechtfertigt er doch kelnesw egs die A n w e n düng vo n O e walt gegen vlne Versammlung in geschlossenem Raum und die Verletzung der Versammlung»- und Redefreiheit. Die Tatsache, daß Revisionisten Versammlungen und Einzelpersonen in und außerhalb Palästinas angegriffen haben, bildet keine Entschuldigung dafür, daß Mitglieder der Histadruth In gleicher Weise vorgehen. Von den Ereignissen sei die Exekutive im Hinblick auf die in London zur Sicherung u r b a n e r Formen der inneren Auseinandersetzung geführten Verhandlungen besonders getroffen. Sie erklärt ihre feste Entschlossenheit, alle Maßnahmen zu treffen und Ihren gesamten Einfluß aufzubieten, um eine Wiederholung der Anwendung von Gewalt im öffentlichen Leben zu verhüten und die Freiheit der Meinungsäußerung zu sichern, die ein unschätzbarer Besitz der Bewegung ist. Aus Tel-Awiw: Die jüdische Arbeiterpartei Palästinas (Miflagath Poale Erez Jisroel) veröffentlicht eine. Erklärung, in der sie die Ausschreitungen in Haifa schärfsten s verurteilt. In der Erklärung heißt es u. a.: Der Zusammenstoß in Hadar Hakarmel zu Haifa artete in einen schweren Krawall aus, der 25 Verwundete, zum größten Teil Mitglieder des Rates der Histadruth Haovvdim, zur Folge hatte. Die Verwundungen rühren von Schlägen der Polizei her. Abgesehen von einem schwerverwundeten jungen Mann, bei dem sich eine Operation als notwendig herausstellte, zählt man aber keine Schwerverwundeten. Das Zentralkomitee der Arbeiterpartei Palästinas hat eine. Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet. Die Ursache dieses Zusammenstoßes war die ungeheure Erregung der Arbeiter gegen die Revisionisten, die den Kampf um jüdische Arbeit behindert haben. PalästinaiEffmanderung im September Aus Jerusalem: (J. T. A.) Nach amtlicher Mitteilung sind im September d. J. 4804 Personen, davon 1585 Juden, in Palästina eingewandert. Unter den Juden waren 459 sogenannte Kapitalisten mit einem Eigenbesitz von mindestens 1000 Pfund. Die Zahl der jüdischen Studierenden in Deutschland auf ein Fünftel gesunken Aus Berlin: Die Mitteilungen der „Deutschen Hochschulstatistik" geben bekannt: Im Winter 1933/34 waren an den deutschen Hochschulen insgesamt 102.007 reichsdeutsche Studenten immatrikuliert, davon waren evangelisch 68.835 (67,48 Prozent), katholisch 30.656 (30,05 Prozent), jüdisch 812 (0,80 Prozent). Aus der Zahl 812 ist zu ersehen, wie stark der jüdische Anteil am deutschen Hochschulstudium gesunken ist. Bereits im ersten Halbjahr, in dem die neue Hochschulgesetzgebung in Kraft trat, ist die festgesetzte Richtzahl für Nichtarier von 1,5 Prozent unterschritten worden. Von den 812 jüdischen Studenten waren 589 Männer und 223 Frauen, davon standen im ersten Semester nur 13 Männer und 3 Frauen, zusammen also nur 16. Sie machten 1,97 Prozent der Gesamtzahl aller jüdischen Studenten aus, während im allgemeinen 6,6 Prozent aller Studenten erstes Semester waren. Den 812 Studenten im Winteresemester 1933/34 stehen im Winter 1932/33 4382 jüdische Studenten gegenüber, die Zahl hat sich also innnrhalbe eines Jahres um mehr als vier Fünftel verringert! Bei den Juristen ist die Zahl auf weniger als ein Zwanzigstel (von 952 auf 46) gesunken; keiner der Juristen stand im ersten Semester. Das Ergebnis in dem jetzt angefangenen Studienjahre dürfte noch krasser sein. Elektrizität in Palästina Ueber die Entwicklung des Ruthenberg-Werkes bringt die Jüdische Preßzentrale Zürich, einen Bericht von Ing. Rudolf Pflster, dem auch in Wien bestbekannten Schweizer Ingenieur, welcher die Erbauung des Jordan- Kraftwerkes leitete. In dem Bericht heißt es: „Die Geschäfte der Palestine Electric Corporation gedeihen. Nach Fertigstellung der ersten Jordan- Kraftanlage hätte Ruthenberg sofort mit dem Ausbau der zweiten Kraftstufe beginnen sollen. So mußte er, um den Ansturm der Konsumenten rasch befriedigen zu können, sich entschließen, eine Dam.pfturbinenzentrale mit 25.000 PS in Haifa zu beginnen, deren Baudauer wesentlich kürzer, deren laufende Betriebsauslagen aber höher sind. Gegen Ende 1934 soll diese Anlage, die in der Nähe der Kisonmündung der Haifabucht liegt, in den Betrieb kommen. Die Aufträge für die Dampfturbinenkessel (Velox) wurden in der Schweiz placiert, da, -wie Ihnen bekannt sein dürfte, Ing. Ruthenberg müde wurde, die englische Industrie zu hevoraugen, während kein paralleles Entgegenkommen der Engländer in Palästina vorhanden ist. Die Energieabgabe der Ruthenberg-Werke zeigt' folgende Entwicklung: 1931 ..... 11,306.363 Kilowattstunden 1932 ..... 16,663.471 1933 . . . * . 29,120.155 Diese Ziffern reden eine sehr deutliche, eindringliche Sprache. Die Verteilung der Energie war für das Jahr 1933 wie folgt: a) Straßenbeleuchtung . k . . 1,7 Prozent b) Wasserversorgung . * * . 7,2 „ c) Beleuchtung ..««.. 13,6 „ d) Kraft......... 32,8 e) Bewässerung......44,7 „ Bei der gegenwärtigen Bautätigkeit werden monatlich in Haifa und Tel-Awiw allein 1600 Hausanschlüsse vollzogen." Die Handelsflagge Palästinas. Als Handelsflagge Palästinas, die von den Schiffen der kürzlich gegründeten jüdisch-palästinensischen Schiffahrtsgesellschaft geführt wird, wurde der Union Jack (britische Flagge) mit einem Kreis, in dem das Wort „Palästina" in englischer Sprache steht, bestimmt. Eine Synagoge vor lom Kippur gepfändet Aus Prag (J. T. A.): Knapp vor Jörn Kippur erschienen in der Synagoge in B i 1 k y in Karpathorußland zwei Exekutoren aus Mukacevo, um einen Rückstand an staatlichen Gebühren von KÖ 600 zu exekutieren. Da ihpen. nur eine Rate von Kc 200 angeboten wurde, beschlagnahmten sie die Bänke und Betstühle, die sie aus der Synagoge wegführten. Außerdem wurden Leuchter und sogar auch Gebetbücher gepfändet, obwohl diese nach der Exekutionsordnüng von Exekutionen auageschlossen sind. Abg. Dr. Goldstein richtete an den tschechoslowakischen Finanzminister eine Interpellation, in der er u. a. darauf hinweist, daß die Exekution knapp vor dem höchsten jüdischen Feiertag durchgeführt wurde, so daß die Gläubigen gezwungen waren, Stühle aus Privatwohnungen in der Synagoge für den Gottesdienst aufzustellen. Abg. Dr. Goldstein fragte den Finanzminister, was er zu unternehmen gedenke, um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern. Die erste jüdische Zeitung in arabischer Sprache. Unter der Redaktion des früheren Herausgebers der französisch-jüdischen Zeitung „Israel" hat in Kairo eine arabisch geschriebene jüdische Zeitung, „AI S c harn a c h", zu erscheinen begonnen. Die Zeitung hat es sich zur Aufgabe gesetzt, freundschaftliche Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Aegypten zu pflegen. Von neuen Budiern Hlhel für die Jugend .,D i c G e. s c h i c h t e n clor B i b c 1." Erzählt von Joachim P r i n z. Mit Bildern von Heinz Wallenberg. Erich Reiß Verlag, Berlin. Wer erinnert sich nicht an die Schwierigkeiten, di€ dos Lesen der Bibel dorn jüdischen Kind bereitete! Das gedankliche und sprachliche Gut der Bibel blieb in den meisten Fällen unzugänglich: ohne Hinzufügungen und ohne Ausschmückungen konnte man nicht auskommen. Die Ehrfurcht vor dem Originaltext mußte der Phantasie die Grenze geben. Der Mi drasch, der die biblischen Stoffe erzählt, erweitert, ausschmückt und erklärt, kann dem „Nachdichter der Bibel" die Richtlinien geben. Rabbiner Dr. Joachim Prinz, der in den letzten Jahren Wesen und Gestalt des Judentums in Wort und Schrift verkündet hat, gibt nun in einem reizend ausgestatteten, reichillustrierten Band biblische Geschichten wieder. Bis auf die Geschichten von Josef und seinen Brüdern, welche frei erzählt sind, stellen alle anderen eine treue Wiedergabe des Bibeltextes in einer kindmäßigen Sprache dar. „Die Geschichten der Bibel" von Joachim Prinz werden zweifellos die jüdische Jugend dem biblischen Stoff und den sittlichen Grundlagen des Judentums näherbringen. Sie sind (sprachlich und illustrativ) meisterhaft gelungen. Die jüdischen Erzieher können sich hier viel Anregung holen. 5000 Jahre Palästina Die drei ersten Hefte der „P a 1 ä s t i n a-K u n d eM von Hugo Herrmann (Fiba-Verlag Wien) hatten die Geographie, die Bürgerkunde und das jüdische Aufbauwerk zum Inhalt. Nun ist das vierte, das ist das letzte Heft dieses Werkes erschienen. Es heißt: „Geschichte/* Gemeint ist, wie der Autor im Vorwort ausführt, die Geschichte des Landes, der Menschen, die das Land bewohnten und bearbeiteten. Nach einer Darstellung der geographischen Voraussetzungen stellt der Verfasser, der bereits in den drei ersten Heften gelungene Proben seiner Darstellungsgabe abgegeben hat, die Vorderasiatische Zeit (Urzeit bis zu dem ersten Auftreten der Hebräer), den Judenstaat (von der ersten Etappe Der Kcren Kajesneth Oesterreichs gibt hiemit Kenntnis vom Heinv gang des Gesinnungsgenossen Ins. des Schöpfers des Keren Kajemeth, seines ersten Direktors und Organisators, dessen Herz am Donnerstag, den 25. Oktober 1934, halb 4 Uhr nachmittags zu schlagen aufgehört hat. Sein Name bleibt für alle Zeiten mit unserem Werke verbunden. Seine irdische Hülle wurde Sonntag, den 2S. Oktober 1934, um 12 Uhr mittags zu Grabe getragen. Am 25. Oktober 1934 verschied nach kurzem Krankenlager im 86. Lebensjahre unser innigstgeliebter, fürsorgender Vater, Großvater und Bruder, Herr Johann Kremenezky Bürger der Stadt Wien/ Ehrenmitglied der Technischen Hochschule Wian, Ehrenbürger der Stadt Tel-Awiw. Die Beerdigung fand Sonntag, den 28.. d. M., 12 Uhr mittags vom Zentralfriedhof, l Tor, aus statt. Lotte Heymann geborene Kremenezky, Josef Kremenezky, Alexander Kremenezky, Theodor Kremenezky als Kinder. Anne Marie Kremenezky, als Schwiegertochter. Sämtliche Enkelkinder und Anverwandte.