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Die neue Welt · 1934-10-30 · Heft 409 (30.10.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 409 (30.10.1934)
Date
1934-10-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 409 bis zum Untergang), Byzanz und Mekka (Durchbruch des Islam), Zwischen Arabern und Türken (Zeit der Kreuzzüge bis zu den Mamelucken) und schließlich die Türken zeit. Gegen \v a r t u n d Zukunft dar. Derart ist die Geschichte Palästinas durch fünftausend Jahre vor dem Auge dos Lesers abgerollt — als Stück Weltgeschichte. als Stück jüdische Geschichte. Hugo Herrmann hat mit den vier Bändchen seiner Palästina- Kunde, die nun vollständig vorliegen, eine wertvolle und notwendige Leistung vollbracht. Vom Ko-fürslendamni narli TsI-AvJw „Das Land der Söhn e." Palästina nahegerückt. Von Erich Gottgetreu. Verlag der Buchhandlung Richard Layi, Wien. Durchpulst vom Blut des wirklichen, rauschenden Und berauschenden Leben3, kann auch der . zurückhaltende Schilderer täglichen Geschehens zurn Herold dieses Geschehens werden. Es gibt verschiedene Arten, diese Funktion zu erfüllen: eine sachlich-vorsichtige, zu nichts verpflichtende; eine von Sympathie oder Skepsis befangene; eine lyrisch beschwingte und dichterisch verantwortungsvolle . . . Das neue Palästina sucht eich seinen Schildcrer unter denen aus, die sich kopfüber in das Abenteuer „Orient" stürzen, kurzum unter denen, die dem Philister Nasenstüber versetzen. Erich Gottgetreu ist unter ihnen. Von den deutschen Emigranten, die hebräische Vokabeln lernen, oder von Habima oder vom Sicheinordnen oder von den drei Symbolstädten Tel- Awiw, Haifa, Jerusalem erzählend, wird er heiß und voller Atem und doch sachbeherrscht. Ein Beispiel. Schewuoth- Fest „Chag Habikurim" in Haifa. „Ussischkin läßt die Taube frei . . . ": „Am Ende der Herzlstraße ist eine Tribüne errichtet. Auf ihr steht Ussischkin, Präsident des Keren Kajemeth. Abgesandte der Kolonien bringen dem verehrten Bodenvater des Landes die Frucht der Arbeit . dar, wie vor Jahrtausenden ihre Ahnen den Zehnten dem Priester . . . Jetzt singen sie die .Hatikwah*. Und die nächste Minute webt einen Sehleier der Stille über die lärmende Straße: Ussischkin spricht. Eine Taube hält er in der Hand: . ,In vielen Farben schimmert das jüdische Volk wie diese Taube . . ., frei, ganz frei zu sein sehnt sich das jüdische Volk wie diese Taube ... Es wird frei sein wie diese friedliche Taube." ... Und da fliegt der Vogel hoch — über die jubelnde Menge--die Blicke folgen ihm — aber jetzt sehen wir nur noch den Himmel." Das Land der Söhne! Ein schönes, starkes, dankbares Buch. o. r. Polizeiwagen Nr. 17. Im K r e u z - K i n o, der Fifrnstätte, wo der Nervenstärkste. das Gruseln lernen kann, läuft jetzt wieder ein Gangsterfilm großen Formats. Diesmal ist der Policeman der Held des Tages, bzw. der Kacht, im Höllentempo alle Stadien menschlicher Vermessenheit und Brutalität seines Opfers durchrasend. „Polizelwagen Nr. 17" läßt den Zuschauer vom ersten Augenblick an nimmer los. Die Jagd nach dem Gangster — diesmal arbeitet er mit den Mitteln des Intellektuellen •— ist durchzuckt von Spannungen und Ueberraschungen. EinVerbrechernlm hohen Grades. o. r. . Jüdische Künstlerspiele Nach „Masaltow" spielt das Ensemble M. Sieglers ein Vojksstück amerikanischer Provenienz, die musikalisch gelungene Herzensgeschichte „Komödiantin" mit Sevilla Pastor in der Titelrolle. Dieser Star hat nun. das Publikum der Künstlerspiele (II., Praterstr. 34) erobert und feiert allabendlich mit Erna Siegler Triumphe. Dastextlich ' und musikalisch saubere Stück verdient den: Besuch, den es seit einigen Tagen aufzuweisen hat. Eine jüdische Operette ohne Derbheiten und Geschmacklosigkeiten.—. leider eine Seltenheit unserer Tage. Schwarzer Sonntag des jüdischen Sports. H akoah. gegen Rapid 1:5. Trotz des hohen Toruntersphiedes war das Treffen nie einseitig. Hakoah war dem oftmaligen Meister ein völlig ebenbürtiger Gegner und: nur das schwache Spiel der Hakoah-Verteidigung verhalf ■'Rapid zu dem hohen Sieg. Es zeigte sich eben, daß eine Ersatzverteidigung gegen den Rapid-Sturm doch zu schwach ist. In der Halfreihe fehlte B r e i t f e 1 d, der in der ersten Hälfte weder durch M a u s ne r noch in der zweiten durch Ehrlich 2 ersetzt werden konnte. Von den Halves war Platschek noch der beste. Der Hakoah-Angriff arbeitete schwungvoll und wurde namentlich in der zweiten Hälfte, als M a u s n e r in den Angriff vorging, dem Rapid-Tor sehr oft gefährlich. Hier war es ■wieder D o n n e n fe 1 d, der die meisten Angriffe inszenierte. Den einzigen Treffer der Hakoah erzielte Zwiebel, der in der zweiten Hälfte wegen Unsportlichkeit ausgeschlossen wurde. In der letzten Minute vergab Donnenfeld einen Elfer. Trotz der Niederlage bewies die Hakoah, daß sie eine äußerst starke, ambitionierte Einheit bildet, die für die stärksten Vereine einen ernsten Gegner abgibt. Hakoah spielte in folgender Aufstellung: Löwy; Amster, Strohs; Liebermann, Platschek, Mausner; Ehrlich 1, Zwiebel, Ehrlich 2, Donnenfeld, Reich. — Im Wiener Cup unterlag Hasmonea- M a k k a b i gegen Dianabad 2:5. Die Tore der jüdischen Amateurmannschaft erzielten S c h ö n t a 1 und Bleiberg. — Hockey: Allround — Hakoah 1: 0. Schwaches und auch unglückliches Spiel der Hakoah. Makkabi — ßoxmeister von Warschau. Unter ungeheurem Zulauf wurde in Warschau der Meisterschaftskampf zwischen der Boxmannschaft des jüdischen Sportklubs Makkabi und der polnischen Boxmannschaft „Skoda" ausgetragen. Obwohl in der „Skoda" bekannte polnische Meister mitwirkten, gelang es dem Makkabi, die „Skoda" mit 9 : 7 zu schlagen und den Warschauer Meistertitel an sich zu bringen- Auf der Seite des Makkabi zeiennete sich besonders Bau ding aus. Makkabi wird sich demnächst an den Kämpfen um die Meisterschaft von P o 1 c " beteiligen. Irrend über die Wä§§er Von SdieBomo Jizdiaki (SafconsksF Eines Tages erschien im Hafen von Saloniki ein griechisches Schiff, welches unter englischer Flagge fährt und „V e 1 o s" heißt. Wir, die wir am Meeresufer spazieren gehen, um in. der Gluthitze dos Tages dort Kühle zu finden, blicken gespannt aufs Meer. Ein sonderbares Schiff, noch merkwürdiger die Passagiere! Es fährt nämlich mit 380 jungen Menschen. Wer sind sie? Wie kommen ck> hichcr? Und woher kommen sie? Solcherart waren die Fragen, die von Mund zu Mund gingen, von Gruppe zu Gruppe; überall wurde von diesem Ereignis gesprochen. Die jüdischen und zionistischen Persönlichkeiten der Stadt, die Zeitungen und der Mann auf der Gasse wurden von diesem Fragen bewegt. Vor zwei Wochen bereits war das Schiff „Velos" mit seinen 380 jüdischen Passagieren der jüdischen Welt bekannt. Man wußte darüber folgendes: Das Schiff kam an der griechischen Insel C h l o s vorbei und führte Juden mit sich. Diese fuhren nach Palästina, wo sie aber nicht eingelassen wurden, und bemühten sich, an Ufern anderer Länder, Türkei, Jugoslawien, Bulgarien, zu lar.den. Aber kein einziges Land ließ sie ihren Fuß auf ihr Gebiet setzen, mit der Motivierung, daß dies keine Feindseligkeit bedeute, sondern auf bloße Formalitäten zurückzuführen sei. Da glaubte man in Saloniki, daß die griechische Regierung, der es an Wohlwollen für die Juden «icht inangelt, den unglücklichen Reisenden erlauben werde, an Land zu gehen. Mehr hörte man nicht von diesem Unglücksschiff und seinen Irrenden . . . Und plötzlich kam das Schiff vor die Tore Salonikis. Große Aufregung der jüdischen Bevölkerung. Stürmisches Verlangen, den Armen zu helfen, aber — ein neuer Schlag. Auf Grund eines Regierungsbefehls verbot der Hafenkapitän dem Schiff, einzufahren, und wir selbst, wir Juden von Saloniki, durften das Schiff, das 380 unserer unglücklichen Brüder beherbergt, nicht betreten. Man beginnt nachzudenken, Betrachtungen anzustellen, sich.die Sache zu erklären, nein, das ist nicht schön, nicht demokratisch. Sind denn die 380 Menschen Diebe? Oder Sonst Verdächtige? Mir, dem Zeitungskorrespondenten, war es geglückt, das Schiff zu betreten und mir die sonderbaren Passagiere anzusehen. Das Schiff selbst steht nicht am Kai, sondern weiter draußen im Meer, so daß man mit einem kleinen Führerschiff heranfahren muß. Der Bootführer, ein alter Jude, sagt zu mir mit trauriger Stimme: „Wirklich erschütternd! Sie sind fast noch Kinder, was würde daranliegen, wenn England sie hereingelassen hätte in unser Land Palästina?" Dann schweigt der Alte und rudert mit voller Kraft weiter. Sein Bart flattert im Winde, von der Ferne sieht man bereits einige Dutzend junge Burschen und Mädchen; welche auf dem Boden liegen und verträumt auf die Stadt blicken. Ich kann auch schon bemerken, daß einige von ihnen in der Richtung meines Schiffchens Ausschau halten und voller Gier meine Bewegungen betrachten. Aus ihren Augen, den lebendigen, klugen jüdischen Augen, blicken Wehmut und Fein, Hoffnung, Selbstbeherrschung. Jetzt sind sie scheinbar sicher, daß der Mensch, der da herankommt, ein Grieche, ein Türke oder vielleicht ein spaniolischer Jude ist, mit dem sie sich nicht werden auseinandersetzen können. Da wird ihr Blick trauriger und hoffnungsloser. Aber einige Augenblicke später wird es auf dem Schiff lebendig. Da zeigt es sich, daß jüdische Zeitungen und jüdische Journalisten doch ein Mein wenig- Popularität besitzen, und man will mich schon mit unzähligen Fragen bestürmen. Aber eine Stimme erhebt sich, sie scheint einer großen P( rsöniiehkott zu gehören, alle werden still und ich kann die »öligen Aufklärungen bekommen. Es gibt nicht viel zu äugen: Da n:iüi sie nach IV.lästir.a nicht hereinließ, fahren sie über die ".leere und warton, bis die jüdische Welt, insbesondere die zionistischen Instanzen, von ihrer unj besehreibliehen Tragödie erfaßt sein werden. Wer sind sie? Chaluzim im edelsten Sinuc des Wertes. Hunderte Burschen und Mädchen am Polen, ein paar auch aus Litauen und Lettland, aus Deutschland und Ungarn. Chaluzim aus den besten und gediegensten jüdischen Familien, Absolventen von Gymnasien und Universitäten, die bereits zwei bis drei Jahre Haehscharah hinter sich haben, die in Landarbeit erfahren snd, perfekte Hebraisten und einwandfreie Idealisten, für die es nur eine Hoffnung gibt: Arbeit und Leben im jüdischen Palästina, wo sie gar so notwendig sind . . . Schon sieben Wochen schaukeln sie auf dem Meer, aber den Mut haben sie nicht verloren. Man schreit die ganze Zeit der jüdischen Welt ins Ohr: „Rettet uns und helfe t u n s!", und man hofft auf schließliche Hilfe, denn die Felder Palästinas warten auf junge Arbeitshände. Die jungen Menschen schicken Telegramme und Briefe in ihre Heimat, besonders nach Polen: man Ist gesund, dio Nachrichten, daß ein paar Dutzend von ihnen ertrunken seien oder schwer krank, sind falsch, im Gegenteil, alles ist wohlauf und guter Dinge . . . „Schreiben Sie, bitte", sagte ein junger Bursche aus Litauen, „daß wir gesund sind, mehr wollen wir nicht. Das wird unseren Eltern genügen." „Melden Sie überall hin", rief mir ein Mädchen aus Kielce zu, „daß sieh die Mädchen besser halten als die Jungen. Man hat Gott sei Dank Appetit, wenn auch der Magen nicht in Ordnung ist, da ihm doch jetzt der Mutter Küche fehlt." Alle sind sie gesund, alle nur von einem Gedanken besessen: um jeden Preis nach Palästina zu kommen. Wie sie auf dem Schiff leben? Genau so, al& wären sie in ihren Hachscharahlagern in der Gallith oder als wären sie — hoffentlich — in einer Kolonie Palästinas: in kleine Gruppen verteilt, nach den Kibbuzim ihrer Herkunft. Man findet hier den Hechaluz, den Schomer-Hazalr, die Gordonia und alle anderen Gruppen streng diszipliniert und ihren Leitern auf den Wink folgend, und in gesundem Tempo tanzt man die Hora und singt patriotische Palä*. stina-Lieder. Man wird nicht ewig auf dem Wasser bleiben, man wird doch nach Palästina kommen! Man hört Stimmen im Kommandoton, Befehle an die einzelnen Gruppen, die auf die Minute zu Diskussionsunterhaltungen anzutreten haben. Alles in klingendem Hebräisch, heiliger Ernst auf den intelligenten Gesichtern. Man hilft auch der Schiffs* mannschaft und einige alte „Seebären" verstehen bereits Hebräisch. Die unglücklichen 380 Chaluzim sollten in Saloniki landen und die Salonikier jüdische Gemeinde hatte bereits ein paar leere Baracken und Fabriksgebäude vorbereitet, um sie einige Wochen zu beherbergen; so lange, Ms die Lage eine positive Lösung gefunden hätte. Aber da geschah wieder ein Unglück: im letzten Augenblick bereute die griechische Regierung ihre erste Zusage und die 380 Chaluzim werden welter auf dem Schiff bleiben und die Meere befahren müssen. Sie stellen ein Symbol unserer Geschichte vor, ein Symbol der wirklichen jüdischen Lage in der Welt . . . ßine intereffuntc IBolfsobftimmung! Es wäre sicherlich nicht uninteressant und durchaus zeitgemäß, durch eine Abstimmung unter der Bevölkerung Wiens festzustellen, wo man alle. Waren des täglichen Bedarfes am billigsten kauft. Eine solche Rundfrage würde voraussichtlich ergeben, daß sich die meisten Stimmen auf das bekannte „Warenhaus der Sparsamen" vereinigen. Seit mehr als 27 Jahren liefert Schiffmanns „Warenhaus der Sparsamen" durch häufige' und regelmäßige Verkaufsveranstaltungen in aktuellen Waren zu sensationell billigen Preisen den Beweis seiner außerordentlichen Leistungsfähigkeit. Kein Wunder daher, daß viele Zehntausende ihren gesamten Warenbedarf nur bei Schiffmann auf der Taborstraße 48 decken und durch besonders günstigen Einkauf viel Geld ersparen. In dieser Woche läuft die große „Mantel-Sensation". Nützen Sie diese Kaüfgelegenheit aus ...' kaufen Sie Fesche Russen-Mäntel, reich verbrämt, K.-Seide gefüttert und watteliert, originelle Fasson . . , » . S 35.— Shetland-Boucle-Mäntel, mit großem Alaskalamm-Schalkragen, K.-Seide gefüttert und watteliert . . . S 49.— Winter-Tuch-Mäntel, reich pelzverbr. (m. Persianerkopf od. Alaskalamm), ganz K.-S. gef., Schafwolle watt. S 59.— Elegante Frauen-Mäntel, a. f. Wintertuch od. Boucle", ganz Mongol gef., Schafwolle watt., gr. echte Pelzverbr. S ti9.— Feine schwarze Boucle-Mäntel, m. echt. 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