Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 409 (30.10.1934)
- Date
- 1934-10-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SenV 2 DIE NEUE WELT Nr. 409 ständigen das Brot wegnehmen, daß z. B. die Tobls-Sascha ^Tupiker beschäftigt, die nicht-einmal bodenständig;? österreichische Juden sind i welche Fürsorge!), sondern Polen. Flumänen, Bulgaren usw., und die überdies noch in ständiger Anstellung: in verschiedenen Wiener Theatern stehen. Wieviele Behauptungen, so viele gelinde gesagt ■— Irrtümer. Menschen gegenüber, die aus purer Verriäclitigungssuchl. das, was alle Spatzen von den Dächern pfeifen, nicht aören wollen oder falsch hören, Ist jede Polemik, ja jeder. Ueberzeugungsversuch zwecklos. Statt den Start der österreichischen Filmindustrie, in der übrigens viel jüdisches Geld angelegt Ist, mit Wohlwollen zu betrachten, setzt das „Neuigkeits-Weltl/Iatt", scheinbar •uich -Jas Organ für den g e i s t i g e n Mittelstand, ihren Stolz drein, vergiftend zu wirken. Das kann gewiß nicht gut tun. Das ewige Jonglieren mit dem Begriff „Bodens'iänüigkeit" fängt nachgerade an. langweilig zu werden. Gelbe und braune Karten Für die Hörer der österreichischen Hochschulen wurde nach Beseitigung des nationalsozialistischen Regimes ein Institut geschaffen, welches den Hörern den billigen Besuch von Theatern und Konzerten und Teilnahme an allen möglichen Bildungsgelegenheiten ermöglichen soll. Es heißt: „Kultur- und Bildungsinstitut der Österreichischen Hochschulen" und steht unter einer von der Regierung ernannten Leitung, trägt daher öffentlichen Charakter. Diesea Institut gibt an alle Hörer Teilnehmerkarten aus. Aber die arischen Hörer bekommen hellgelbe Karten und die jüdischen Körer braune . . . Beide Sorten tragen einen Aufdruck, welcher darauf hinweist, daß die Karte bei Veranstaltungen aller Art vorgewiesen werden muß und Mißbrauch der Karte disziplinarisch, also von der Universitätsbehörde bestraft Wird. Die arische, gelbe Karte trägt weiter den Aufdruck: „Die Karte berechtigt zur Benützung sämtlicher Einrichtungen des Kultur- und B i 1gungsinstitut s." Auf der braunen, jüdischen Karte, welche sonst den gleichen Text wie die gelbe aufweist, fehlt dieser Passus, das heißt, es fehlt der Hinweis auf das dem Karteninhaber zustehende Benutzung» recht. Es erweist sich als notwendig, an die Unterrichts-- behöide und an die' Leitungen der österreichischen Hochschulen die Frage zu richten, welchem Zwecke die Z w e i f a r b i g k e i t und . der Textunterschied dienen. zm Eine Erklärung jüdischen Sdtulfrage Nachstehende Resolution in Angelegenheit des . österreichisch-jüdischen Schulproblemb wurde uns '.Übermittelt: in einer Konferenz der Vertrauensmänner der österreichischen Judenstaatspartei, der Ziohisten-Revisionisten und der Vertreter dieser Parteien im Wiener Kultusvorstand wurde Herr Oberbaurat Ing. Robert Stricker, der als Obmann des Jüdischen Volksbundes für Oesterreih den Kampf gegen die Verweisung der jüdischen Jugend in ein Schulghetto und für die Errichtung eines öffentlichen jüdischen Schulwerkes führt, der Dank ausgesprochen. Die Konferenz erklärt sich mit dem Antrage auf Errichtung eines öffentlichen jüdischen Schulwerkes, welchen Oberbaurat Stricker namens des Jüdischen Volksbundes der Bundesregierung unterbreitet hat. vollkommen einverstanden. " Mit Befremden hat die Konferenz festgestellt, daß der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Herr Dr. Defeider Friedmann, einen Schritt unternommen hat, welcher die Arbeit für das jüdische Schulwerk schädigt uad den Bestrebungen der Gegner der jüdischen Schule Vorschub leistet. In einer Mitteilung an die Jüd. Telegraphen-Agentur (J. T. A.) hat Herr Dr. Friedmann erklärt/ daß der von Oberbaurät Stricker vertretene Antrag des Jüdischen Volksbundes darauf hinausläuft, auf die jüdischen Eltern einen Zwang zur jüdischen Schule auszuüben und die jüdische Erziehung einer in deutschchristlichem Geiste wirkenden Beamtenschaft auszuliefern, also dem jüdischnationalen Programm widerspricht. Es wird festgestellt, daß nicht der geringste Grund für eine 3olche Erklärung vorlag. Im Antrage des Jüdischen Volksbundes, dessen voller Wortlaut veiöfentlicht wurde und Herrn Dr. Friemann bekannt war, wird ausdrücklich und unzweideutig hervorgehoben, daß es sich um Schulen für die Kinder jener Eltern handle, welche die jüdische national-religiöse Erziehung wünschen, und daß ein Schulwerk mit jüdischen Lehrern unter jüdischer Anleitung gefordert wird. Also: Keine Zwangsschule, keine Schulen unter deutsch-christlicher Anleitung! . .. Die sachlich unbegründeten Erklärungen1 des Herrn Dr. Friedmann haben, wie vorauszusehen war, den Gegnern des jüdischen Schulwerkes Gelegenheit zur Behauptung gegeben, daß die Jüdischnationalen nicht mehr geschlossen hinter der Forderung eines jüdischen Schulwerkes stehen. Das Organ der „Union österreichischer Juden", der Gegnerin 'des jüdischen BcÄulwerk'es,' schreibt mit Hinweis auf die Aeußcrungrn des Herrn Dr. Friedmann. voll Gennugtuung, daß die Jüdischnätionalen, seit ihr Mann den Präsidentenwahl der Judengemeinde einnimmt. Wasser in ihren Wein gegossen, daß sie erkannt haben, wie „gefährlich die Forderung nach einem jüdischen Schulwerke ist". In Anbetracht dieser Umstände stellt die Konferenz mit Bedauern fest, daß die von Herrn Dr. Friedmann abgegebenen, sachlich nicht begründeten Erklärungen danach angetan sind, die jüdischnationale Aktion für das öffentliche jüdische Schulwerk zu beeinträchtigen. Juifanboykott der amerikanischen Nazis gescheitert Aus New York (J. T. A.): Daß der von der „D a w a" (Deutsch-Amerikanischer Wirtschafts-Ausschuß) zur Abwehr des jüdischen Boykotts Hitler-Deutsehlands eingeleitete Boykott der amerikanischen Juden durch die Deutschen Amerikas ein Fehlschlag war, wurde auf der soeben in Chikago abgehaltenen Konvention der „Dawa" zugegeben. Die Atmosphäre der Konferenz war eine so laue, daß die Konferenz vor dem festgesetzten Datum geschlossen wurde. Im ganzen waren 100 Delegierte aus den Vereinigten Staaten anwesend. Von der Leitung der „Dawa" wurde erklärt, daß die Pläne zum Arrangement einer Ausstellung deutscher Waren zwecks Abwehr des jüdischen Boykotts Hitler-Deutschlands nicht verwirklicht werden können. Von den ungarischen Nationalsozialisten Aus Budapest (J. T. A.): Unter dem Vorsitz Jes Reichtagsabgeovdneten Zoltän M e s k o hielt die Ungarländische Nationalsozialistische Partei ihre erste öffentliche Sitzung „nach den Sommerferien" in einem Gasthause in Ofen ab. Mesko erklärte: Wir fürchten nicht die Presse, die zu 90 Prozent in jüdischen Händen ist, ihre Verleumdungen erreichen uns nicht. Die Juden, die Palästinas Grenze bis zur Leopoldstadt (V. Stadtbezirk Budapests, in dem die intellektuelle jüdische Schicht wohnt) ausgedehnt haben, können heute noch in Personen-Waggons verschwinden; später, wenn unsere Partei am Ruder sein wird, werden wir sie in Last -Waggons abtransportieren, deren Aufschrift lautet: „Vierzig Mann oder sechs Pferde!" Prolest gegen die!♦ C. A* Aus Warschau (J. T. A.): Der jetzt in Warschau weilende bekannte jüdische Politiker und Publizist W. Latzki-Bertholdi, einst Minister für jüdische Angelegenheiten der ukrainischen Regierung, erklärte in einer Pressekonferenz, daß das auf seine Anregung hin vor etwa acht Jahren zwischen den jüdischen Emigrationsgesellschaften geschlossene Abkommen betreffend Regelung der jüdischen Emigration abgelaufen und nicht erneuert worden sei. Es sei nun an der Zeit, eine neue demokratische Institution zur Lösung der brennendsten Aufgaben: der Unterbringung der Emigranten zu schaffen. Latzki richtete scharfe Angriffe gegen die J. C. A. (die mit dem Gelde von Baron Hirsch arbeitende Gesellschaft) und fragte, warum nicht jüdische Emigranten jetzt auf J.-C.-A.-Boden in Argentinien angesiedelt werden. Die J. C. A. besitzt heute noch in Argentinien 100.000 Hektar guten Bodens, den sie an Italiener verpachtet, statt daß sie die jüdische Kolonisationearbeit fortführt. Latzki kündigte das Zusammentreten einer Konferenz der jüdischen Emigranten-Hilfsgesellschaften Polens, Lettlands, Litauens und Rumäniens bei Mitbeteiligung der jüdischen Wirtschaftsorganisationen dieser Länder an. Wieder ein jüdisches Todesopfer Aus Warschau: Sindel Joskowicz, Gruppenführer des Brith Hechajol (Jüdische Reservisten), der beim Ueberfall einer Antisemitengruppe auf seine Gruppe im Städtchen Nowo-Miasto schwere Verletzungen davongetragen hat, ist im Hospital seinen Wunden erlegen. Joskowicz hat durch seinen Mut und seine Umsicht bei dem Ueberfall es zuwege gebracht, daß die Huligan- Gruppe, die sich aus der Dorfjugend zusammensetzte und in einer vielfachen Ueberzahl war, weichen mußte. Dürfen polnische Juden nach BiroiBidsdian? Aus Warschau: (J. T. A.) Die jüdieche Emigrationsgesellschaft „JEAS" teilt mit: Dem Vorsitzenden von „JEAS", Dr. M. P e k e r, wurde bei seinem Besuche in Moskau seitens der Führer, von Ozet und Komzet erklärt:. Heute,, und wahrscheinlich auch in naher Zukunft, besteht für polnische Juden k e in e Möglichkeit, sich in Biro-Bidschan anzusiedeln. Biro-Bidschan ist zur Ansiedlung jüdischer Bürger aus der Sowjetunion da, die Frage der Ansiedlung von Auslandsjuden kann erst dann in Frage kommen, wenn vom Ausland entsprechende Mittel hiefür zur Verfügung gestellt werden. Demgegenüber erklärt die Gesellschaft „Agro- Jud", die sich für die Ansiedlung polnischer Juden in Biro-Bidschan einsetzt, daß ihr von den maßgebenden Behörden in Moskau die Ansiedlung einer gewissen Zahl polnischer Juden in Blro-Bldschan in bestimmte Aussicht gestellt worden ist. Demnächst werde sich eine Abordnung des „Agro-Jud", bestehend aus den Advokaten M. S u r l z und S. G o 1 d b e r g, nach Moskau begeben, um' diese Frage endgültig zu regeln. IJINOPROGRAMME ■ %__DIESER WOCHE KREUZ-KINO Woltzeile 17 . Tel. R-21-M6 PoJfzeiltfaaen Nr. 17 nil,,T'!W Mo* Cor Vorstellungen: ruiizvuvatgen nr« i/ „nd evclin knopp v»», %h» ROTEN T UIftM Fleischmarkt 1, R-29-1G9, R-29-159 .ÄBillli mW" DER WELTERFOLG ANNA STENlfl Vom indischen An(irHitIer»Boykott Aus H a r s c h a u: Die Leitung des Zentralvcrbandos der jüdischen kaufmännisch e n V o reine Polens erklärte in einer Pressekonferenz, daß dl« Meldungen, wonach der Verband sich nicht mehr au dem Anti-Hitler-Boykott beteiligt, unwahr seien, der Verband unterstütze nach wie vor den Boykott. In den ersten sieben Monaten 193i betrug Urr deutsche Import in Polen 88 Millionen Zloty, in der gleichen Periode 1934 nur 58 Millionen Zloty; der deutsche Iniport ist demnach um 25 Millionen Zloty oder u in 3 0 Prozent g » s u n k e n, während der u, 11 g e, ni eine Import um 8 Prozent gestiegen ist (182 Millionen Zloty in den ersten sieben Monaten 1934 gegen 450 Millionen Zloty in der gleichen Periode 1983). In der gleichen Zeit ist der polnische Export nach Deutschlund von 84 Millionen Zloty auf 98 Millionen Zloty gestiegen. Die Verminderung des deutschen Imports steht also nicht in Zusammenhang mit irgendeiner Verminderung des Warenaustausches überhaupt, sondern Ist ein Resultat der von den Juden geführten wirtschaftlichen Aktion. Tragischer Vorfall im Warschauer Arbeiter-Sportklub „HapocP". Aus Warschau: Im Lokal des Warschauer Arbeiter-Sportklubs „Hapoel", der der rechten Gruppe der Poale Zion angehört, spielte sich am Abend des 23. Oktober ein tragischer Vorfall ab, dem ein junges Menschenleben zum Opfer fiel. Während im stark besetzten Klublokal gymnastische Sportübungen abgehalten wurden, fiel plötzlich zwei Schüsse. Der 22jährige Schlossergehilfe Jakob Sandlaufer wurde von einer Revolverkugel in den Hals getroffen, ein zweiter Anwesender, der 2fijährige Tischler Abraham Wilenski erhielt einen Schuß in den linken Arm. Sandlaufer wurde ins Hospital gebracht, wo er bald darauf verschied. Die verständigte Polizei stellte sofort eine Untersuchung an, in deren Folge der verletzte Wilenski verhaftet wurde. Es besteht die Annahme, daß es sich um einen unglücklichen Zufall beim Manipulieren mit einem Revolver gehandelt hat. Gegenüber Meldungen polnischer Zeitungen, daß der Vorfall einen politischen Hintergrund hat und mit dem Arlosoroff-Mord zusammenhängt, erklären maßgebende Kreise der rechten Poale Zion und des „Hapoel", daß der Vorfall nicht im geringsten mit politischen Vorgängen in Zusammenhang zu bringen ist. Muß das sein? Aus Warschau (J. T. A.): Der polnische Sportverbaud, dem auch die jüdischen Sportvereine Polens angeschlossen sind, hat für den 28. Oktober einen Länderwettkampf Pole n-—D e u t s c h la n d im Ping- Pong-Spiel vereinbart. Bei den Ausscheidungskämpfen für dieses Wettspiel, das in Danzig stattfinden soll, sind nur Mitglieder jüdischer Sportvereinigungen siegreich geblieben, und zwar Ehrlich und Löwenherz von der Lemberger „Hasmonea" und die erst 15jährigen Mitglieder des Tarnower Sportklubs „Simson", Klein und Gitek. Die polnische Mannschaft wird somit ausschließlich aus jüdischen Spielern bestehen. Die jüdischen Ping-Pong-Meister in allen Ehren. Aber wäre es nicht ehrenhafter, wundervoller, wenn sie auf Sportspiele mit den Hitler-Deutschen, mit Menschen, die alles Jüdische als verachtenswertes Ungeziefer werten, verzichten würden? Diese Fahrt der jüdischen Sportler nach Danzig wird dem Judentum wenig Ehre bringen. Vor allem muß dieser Schritt auf die geächteten jüdischen Sportler in Hitler-Deutschland befremdend und kränkend wirken. Erste Fahrt des Donau-Motorschiffes „Budapest" nach Palästina Aus Budapest: Das vor kurzem in Anwesenheit des Reichsverwesers Hörthy in der Ganzschen Schiffswerft vom Stapel gelassene Donau-Motorschiff „Budapest" hat soeben seine erste Fahrt von Budapest nach Haifa angetreten. Die Ladung besteht aus verschiedenen Waren, die für Haifa, Jaffa, Jerusalem und Tel-Awiw bestimmt sind. Die ungarische Nationalbank hat die Bewilligung erteilt, daß die vom ungarländischen Büro des Keren Kajemeth gesammelten Beträge in Form von Waren dem Jerusalem er Hauptbüro überantwortet werden. Das Schiff führt hauptsächlich wertvolles Baumaterial mit sich. Bisher war Ungarn am palästinensischen Import kaum zu 0,5 Prozent beteiligt; man hofft nun, eine Belebung des Handelsverkehrs zwischen beiden Ländern zu erzielen. Jüdische Arbeitgeber, erfaßt den Ernst der Zeit, fördert die Arbeltbeschaffungsaktiön zugunsten der jüdischen Arbeitslosen und fordert den Bedarf an Angestellten und Arbeltern beim Jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien I., Kohlmessergassc 4, Telephon U-27-0-65 an. Studentenklub der Judenstuatsnartei. Donnerstag, den 1. November, findet präzise 7 Uhr abends im Heln\ h, Werdertorgasse 14, eine wichtige. Besprechung statt Brach.eirou Pflicht