Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 409 (30.10.1934)
- Date
- 1934-10-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang 8 Dienstag/ den 30* Okfof —1914 Nr* 409 V* b* b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediß par Pediteur" f ig.- „Journal expedie par rediteur" DIE NEUE »±LT REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—: Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-: Bumänlen monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-: Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljähria Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 120.—: Italien monatl ch Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.-? Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete,vAnzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Samstag, den 3. November, Y29 Uhr abends, Festsaal des „Hotel Continental14 ,BaIfour?Gedenktag' I I, Tab o r z/Das Schicksal des Zionismus seit dir BalfoursDeklarafion" t r a ß e 4 Redner: Rabb. Dr. I. Z. Kanner, Fritz Richter, Oberbaurat Robert Stricker, Dr. Sal. Wolf | Johann Kremenezky [ Eilt Mann der alten zionistischen Garde Dreißig Jahre nach Theodor Herzl ist Johann Kremenezky in Wien gestorben. Er ist 85 Jahre alt geworden, sein Leben hat also einen Zeitraum Umfaßt, In dem die großen geschichtlichen Ereignisse für das jüdische Volk in der Galuth und in Palästina sichtbar geworden sind. Die Gründung der zionistischen Organisation mit all ihren Nebeninstitutionen hat der nun Verstorbene mittätig erlebt und dadurch die Basis für sein zionistisches Lebenswerk gewonnen. Die" Berührung mit dem um zehn Jahre jüngeren Herzl wirkte sich positiv aus. Kremenezky stellte sich vorbehaltlos in d£n Dienst der zionistischen Sache und schon nach kurzer Zeit gehörte er zu den führenden Männern der Bewegq'ng. Damals war die zionistische Organisation eine einheitliche, man kannte noch nicht das Systemder Fraktionen, öö daß Männer auch verschiedener politischer Tei^donzen (in Einzelheiten) zusammenarbeiten konnten. Der reine. Hßrzl-Zionismus vereinigte Menschen ungleicher Konzeption und Lebenshaltung, Bereits auf dem ersten Ziotiistenkongreß in Basel kam Kremenezky in die Leitung den Zionistischen Organisation, in das sogenannte Enge r e Akt i o n s k o mi t e e, das der heutigen Z i o n i s t is eben Exekutive entspricht. Aber. Kremenezkys Talent lag nicht auf der Linie eines politischen Aktivismus, sondern des O r g a n i s atoTischen. Es war daher ein Glück, daß er als Mit» gründer des K e r e n K a j e m e t h, des Jüdischen NationalfWls, gleich auch die Leitung dieses wichtigen Fonds übernahm, an dessen Spitze in Wien er bis zum Jahre 1007 stand. Es muß erwähnt worden, daß Johann Kremenezky (1850 in Odessa geboren, Gründer der ersten österreichischen Glühlampenfabrik, führend in dieser Branche) seine größten ' Erfolge im praktischen werktätigen Leben hatte: er war ein Industrieller größten Stils, bahnbrechend auf dein Gebiet der Elektroindustrie. Der Name Kremonezky . ist mit der Entwicklung der elektrischen Gl"hlampe eng verknüpft. Die großen kaufmännischen Erfolge gaben Kremenezky die Möglichkeit praktischer Betätigung des Zionismus. Er gründete gleich nach Kriegsende in Tel-Awlw eine Fabrik für elektrische Bedarfsartikel und .gemeinsam mit seinen riwstechen Freund Boris Goldberg die „Silikatf'-Ziegelwerke, deren Errichtung Anregung zu zahlreichen Gründungen ähnlicher Art gab. Herzl, der ihm im Roman „Altneuland" ein literarisches Denkmal setzte, hat Kremenezky, einer der wenigen von der alten Garde, stets die Treue bewahrt. Im Haus des Verstorbenen befinden sich heute noch zahlreiche Dokumente von Herzls Hand, die man als Wiener Herzl- Archiv bezeichnet und die dem Herzl-Forscher unentbehrliches Material bieten. Nach dem Tode Prof. Leon Kellners ist Johann Kremenezky zusammen mit Direktor M. Reichenfeld der Bewahrer des Herzischen literarischpolitischen Nachlasses gewesen. Die Frage, was mit diesem Gut geschieht, wird jetzt wohl gelöst werden müssen. Ueber das Testament Johann Kremenezkys, der Bürger der Stadt Wien, Ehrenbürger von Tel-Awiw und Ehrenmitglied der Wiener Technik war, ist nichts Positives bekannt. Aus dem Kreis des Verstorbenen erfährt man, daß die zionistischen Fonds Keren Kajemeth und Keren Hajessord mit namhaften Beträgen bedacht wurden. * Sonntag, den 28. Oktober, 12 Uhr mittags, wurde Johann Kremenezky in der Familiengruft bestattet. Der Verstorbene hinterläßt vier Kinder: -drei Söhne, Josef, Alexander und Theodor, und eine Tochter, vereh. Heymann. Viele Tausende .folgten dem. Sarg,, .ein Zeugnis für . die große Popularität und Wertschätzung, die der Verstorbene in allen Kreisen der Bevölkerung genoß. Das ganze jüdische Wien sowie die Wiener Technische Hochschule und Stadtgemeinde waren vertreten. Ein imposanter Zug bildete das Geleite. Da, dem Wunsche des Verstorbenen ensprechend keine R e d e n gehalten wurden, ging das Trauerzeremoniell in würdiger Einfachheit und Kürze von statten. Die rituellen Funktionen besorgte Rabb. Dr. Schwarz, der Sohn des verstorbenen Rektors Prof. Schwarz, der in wenigen Worten das jüdische Wirken des Toten plastisch darzustellen wußte. Zionistisches Friedensabkommen Aus London meldet die J. T. A. u. d. 28. Oktobert Davd Ben Gurion namens der Zionistischen. Exekutive und Vladimir Jabotinsky namens der Revisionistischen Union unterzeichneten nach einer Tag- und Nachtsitzung ein „Antiterror-Abkommen", daa den Frieden in der zionistischen Bewegung wiederherstellen und dem Palästina-Aufbau dienen soll. Die zionistischen Gruppen beurteilen dieses Abkommen optimistisch und erwarten weitere Vereinbarungen ähnlicher Art. Un§ere nächste Nummer geht den Beziehern wegen des gesetzlichen Feiertages am Donnerstag, den 1. November, um einen Tag später zu. £I1IIIIIIIIIIIIIIIIIIII1I1IIIIIIIIIIIIIIIIIIII1IIIIII1I1IIIII1II1I!I1II!IIU | J UP E N STA ATS PAR TRI % 1 Frei zugängliche große I | Versammlungen« f Er Mittwoch, 31. Oktober 1934:; Judenstaatsheim, 5 H I-, Werdertorgasse 14, „Die Gefahr der Ein- 5 Wanderungssperre für das-Judentum E und Palästina"; Redner; Theodor Grubner. =j S Samstag, 3. November 1934: Festsaal Hotel 5 jjjj Continental, IL, Taborstraße 4, „1 7 Jahre Bai- 5 four-Deklaration"; Redner: Ing. Robert 5 S Stricker, Rabb. Dr. I. Z. Kanner, Fritz Richter, Dr. Sal. Wolf. 11 g 1E11S11111C11111111111! 111111111111111! IB S E11111111BIE11111111B111111 Judinreme Filme m Oesterreich In unserer Ausgabe vom 23. Oktober d. J. beschäftigten wir uns mit den in Wien hergestellten Filmen, die. trotz der offiziellen Marke „österreichisch" nach dem geistigen und administrativen Rezept der Hitlersqhen Filmprüfungsstelle Berlin hergestellt sind. Wir bemerkten auch, daß jüdische Filmproduzenten, angeblich, weil ihnen keine Wahl bleibt, „Filme mit Arierparagräph" finanzieren. Von fachlicher Seite, wird uns hiezu einiges Belegmaterial übermittelt. So erfährt man zum Beispiel, daß „Frasquita" nach der gleichnamigen Lehär-Operette von den jüdischen Produzenten Moritz Grünstem und Ernst Metzger hergestellt, ein Film, von dem, bekannt ist, daß der verantwortliche Produktionsleiter , Juden sogar, als Statisten ablehnte. Es wird sogar behauptet, daß eine diesbezügliche Ablehnung von Juden im Eingang zum Aufnahmeatelier affichiert war. Der „Herr ohne Wohnung" wird unter den finanziellen Auspizien der jüdischen Herren Oskar Glück und Kpmmerzialrat Robert Müller für — Hitler-Deutschland, das heißt ohne jüdische Schauspieler usw., gedreht. Den neuen Rudolf-Forster-Film „Die hohe Schule" dreht die ABC-Filmgesellschaft (Berlin) auf dem Wiener Rosenhügel mit dem Geld des Juden S k 1 a r z. Auch soll von derselben „nichtarischen" Gesellschaft ein zweiter Film, „VorstadtvarietÖ", gedreht werden. Für Hitler-Deutschland dreht einen Film „Fahrt ins Glück" die Pan-Filmgesellschaft des Juden Leopold Meißner. Das ist nur ' eine kleine, allerdings bezeichnende Auslese. ..... Es wird gewiß keinem vernünftigen Menschen einfallen, dieser Erscheinung durch Boykottpärolen an den Leib rücken zu wollen; vor allem deshalb nicht, weil.auch rein österreichische Interessen,hiedurch■ geschädigt werden könnten. Aber es gibt eine Möglichkeit, die jüdischen und (natürlich auch) die nicht jüdischen Produzenten eines Besseren zu belehren, ihnen die Tarnung zumindest zu erschweren: Die österreichische Handels- und Gewerbekammer könnte Filmen, die von lütleristischen Regisseuren, Schauspielern, Techniken, Komparsen für die Mentalität Nazideutschlands in Wien hergestellt .werden, das österreichische Ursprungszertifikat verweigern. Es wäre dies ihr formales und moralisches Recht. Denn ein Film, der vom Drehbuch "bis zum Hilfstechniker mit ausschließlich hakenkreuzlerischen Mitteln hergestellt wird, ist kein österreichischer Film. Von verschiedenen Seiten wurden uns Anregungen gegeben, wie man den guten filmischen Ruf Oesterreichs auch weiterhin bewahren, das heißt, ihn der Gefahr einer Nazisierung entziehen könnte. Der oben angeführte Weg, die Verweigerung des Ursprungszertifikats für getarnte Nazifilme, scheint den österreichischen Filmfachleuten gangbar. «! Der Versuch, die Sachlage klarzustellen und den von uns angeprangerten „jüdischen" Filmproduzenten eines Besseren zu belehren, muß natürlich scheitern, wenn gewisse Ki-eise aus Mißgunst oder aus Unverstand oder aus reiner Bosheit ihre engherzige antisemitische Haßpolitik auf das Gebiet der Filmindustrie ausdehnen wollen. Das Wiener „Neuigkeits-Weltblatt" vom 26. Oktober d. 'J. (das Organ für den christlichsozialkonservativ-demokratischen Mittelstand Oesterreichs) scheint in einem Wolkenkuckucksheim zu leben. Es weiß nichts von den Verhältnissen, die zur Zeit in der österreichischen Filmindustrie herrschen; weiß nichts davon, daß fast alle in Wien hergestellten Filme (auch solche jüdischen Kapitals) für den reichsdeutschen Geschmack bestimmt und daher fast „rein arisch" sind, rein arisch bis auf den Kameramann und den kleinsten Lichttechniker, Komparsen usw. Sie weiß aber auch nicht, daß das Hakenkreuz durch seine rassewahnsinnigen Verfolgungen im Ansehen der Kulturwelt nicht gerade gewonnen hat. Unbeschadet dieser Tatsache wagt es das „Neuig« keits-Weltblatt", mit Fettdruck zu erzählen, daß in de« Filmateliers ausländische jüdiaehe Musiker den botet«