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Die neue Welt · 1934-10-26 · Heft 408 (26.10.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 408 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 408 DIE NEUE WELT Seite 5 le ims» Schlägereien in Haifa Aus Jerusalem wird u. d. 28. Oktober gemeldet: Auf dem Hadar Hakarmol in Haifa ist es im Zu- BanuiK uhang mit einem Arbeitskonflikt zwischen Juden und Arabern zu einer Schlägerei gekommen, in welcher mehrere Personen auf beiden Seiten verwundet wurden. Einige Verwundete wurden ins Spital gebracht. Die Zusammenstöße sind dadurch entstanden, daß drei arabische Bauarbeiter, die im Rechow-Kosr.hon beschäftigt waren, einen jüdischen Arbeiter überfielen, der 7Avei anderen Juden zu Hilfe kommen wollte. Inzwischen kam eipe Gruppe von ungefähr zwanzig arabischen Bauarbeitern herbei, welche daranging, die Juden zu schlagen. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor. Zusammenstöße in Tel-Awiw Aus Tel-Awivv wird u. d. 28. Oktober gemeldet: Hier wurden au8 einer Gruppe von fünfundzwanzig Arbeitern acht Juden verhaftet, welche versuchten, elf Araber, welche beim Bau eines Hauses im Florentin- Viertel beschäftigt waren, am Arbeiten zu stören. Bei einem Zusammenstoß wurden vier Araber und zwei Juden verwundet. Kampf iür jüdische Arbeit Aus J o r n s a! e m wird u. d. 23. Okt-rb r gemeldet: In der Kolonie K f a r Gunim in der Nähe von P e t ach T i k w a h ist ein Konflikt zwischen jüdischen Arbeitern und der Leitung eines P a r d e s s ausgebrochen, an dessen Spitze ein gewisser Schreier steht. Der Eigentümer dieses Pardess Ist angeblich ein litauischer Jude i:jni"iis Feinste'ii, der in Kowno «ein Domizil hat. Der Verwalter Sehreier hat arabische Arbeiter aufgenommen und läßt keine Juden zu. Im Kampf um jüdische A-beit in Kfav Gunim wurden jüdische Wachposten aufgestellt. Unter diesen nahm die Polizei elf Verhaftungen vor. Die Verhaftung stützt sich auf die Verordnung, wonach d'*o Beteiligung am VVachpostenstehen vor UnteriKhmungnn, welche Araber beschäftigen, verboten ist. Dpt jüdische Arbeiterrat in Petacb Tikwah bat abgelehnt, sic h mit dem Verwalter Schreier in Unterhandlungen einzulassen, weil er die Polizei gegen jüdische Arbeiter gerufen hat, " (J. T .A.) Auf 1 Kapitalisten — 2 Arbeiter Wir erhalten aus Tel-Awlw folgenden äußerst "belehrenden Bericht der „Palnews": In letzter Zeit wurden eine Reihe von statistischen Berechnungen und Schätzungen über die Entwicklung Palästinas im Jahre 1934 veröffentlicht, die mehrfache Beachtung verdienen. Es handelt sich dabei um die Einwanderung und jüdische Bevölke-" rungsentwicklung in den Städten wie auf dem Lande, die Kapitalsinvestitionen der jüdischen Wirtschaft, die Anlage neuer Orangenpflanzungen u. a. m. In den ersten acht Monaten (Jänner-August) 1934 sind insgesamt 23.64§ Personen, davon 2 2.7 2 8 Juden, als Einwanderer registriert worden, unter denen sich allerdings Uber 2500 „legalisierte" Touristen befinden, die schon vor 1934 ins Land kamen. In den ersten beiden Dritteln 1934 sind also etwa 21.000 Juden neu eingewandert. Insgesamt dUrf te die Zahl der registrierten Neueinwanderer bis Ende 1934 auf etwa 35.000 steigen, zu denen noch die nicht exakt erfaßbare sonstige Einwanderung hinzukommt, so daß 1D34 die EinwänderungSziffer 1933 in Höhe von über 40.000 wahrscheinlich um einige tausend Uberschritten werden dürfte. Bereits bei früheren Besprechungen wurde auf den unverhältnismäßig starken Anteil der Kapitalisteneinwanderung, bzw. die verhältnismäßig viel zu geringe Arbeitereinwanderung hingewiesen. Unter den 22.728 jüdischen Einwanderern der Monate Jänner-August 1934 befanden sich: 3228 Personen mit mindestens pal. Pfd. 1000 159 Personen mit mindestens pal. Pfd. 250 6351 Arbeiter. Den Rest bilden Studenten, Geistliche, Verwandte usw. Auf einen Kapitalisteneinwanderer kommen demnach knapp zwei Arbeitereinwänderer. Dieses Mißverhältnis macht sich sofort geltend. Die kapitalistischen Einwanderer ballen sich zürn weitaus grüßten Teile in den Städten zusammen und gründen kleine und mittlere Ladengeschäfte wie andere Handelsunternehmen, an denen bereits eine b eängstigende Ueberfülie herrscht. Ein nicht unerheblicher Teil der kapitalistischen Einwander übt den ärztlichen Beruf aus mit dem Ergebnis, daß zur Zeit in Tel-Awlw auf 2 50 Einwohner 1 Arzt entfällt. Die relativ geringe Arbeitercinwanderung wird vom Arbeiterbedarf der Industrie, Sauwirtschaft und des Transportgcwerbes zum größten Teil absorbiert, so daß nur ein geringer Teil der Einwanderung für die L a n dwirtschaft übrigbleibt. Die jüdische Bevölkerungsentwicklung in den Städten wie auf dem Lande spiegelt diese Verhältnisse in krasser Form wider, sie wird mangels einer Volkszählung wie folgt geschätzt: RevüIlv.-rungszühlunK Schätzung OkJ 1932 Nriv ]931 l.Sepi.1934 Jerusalem ....... 34.000 53.100 64.000 Tel-Awiw........ 15400 45.600 102.000 Jaffa (inkl. Bait-we-Gah) . . 3.1Q0 7.210 14.000 Haifa......... 6.200 16.060 33.500 Tiberias......4 . 4.400 5.380 6.000 Safed......... , 3.000 2.550 2.500 Städte insgesamt .... . Q7.800 129.900 222.000 Land und Landstädte . . . 14.990 44.710 61.000 Stadtu. Landbevölk. insges. B2.790 174.610 283.000 Während Bich die jüdische Bevölkerung in den Jahren 1932 bis 1934 von etwa 175.000 auf 283.000 Personen vermehrt hat, entfällt die Bevölkerungszunahme von zirka 108.000 Personen zu 8 5 Prozent auf die Städte und nur zu 15 Prozent aufs Land. Die Stadt Tel- SIEGM. KORNMEHL CmOSSFLIiSCHHAUMEI Zentrale: IX., Berggasse 19. Tel. 4*17-3-99 u. A-16-9-54 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen fltr »t&»Welsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr Kultusgeweinde Wien Autoxuatiallung koatoitlo» :; «X. Berggasie IS / XVIII., Währlnger«tr. »7;:;H<HMMHMMM»MM>M......MMtMMMHMMMMMlf A w i w allein hat mehr als die Hälfte der Mehrbevölkerung absorbiert. In Wirklichkeit ist der städtische Anteil aber noch ein weit größerer, da Orte, wie Ramat-Gan, Petach-Tikwa, Rischon-le-Zion, Rehoboth u. a., zum Teil industriellen, bzw. klein- und mittelstädtischen Charakter angenommen haben und ihre Bevölkerung zu einem erheblichen Teil in städtischen Berufen erwerbstätig ist. Der Zuwachs der landwirtschaftlich tätigen jüdischen Bevölkerung in den letzten drei Jahren ist also weit gering er, als er in den obigen Ziffern zum Ausdruck kommt, und dürfte sich nur auf wenige tausend belaufen, von denen noch ein Teil auf die natürliche Bevölkerungsvermehrung entfällt. Die jüdische Siedlungstätigkeit in Palästina nimmt auf diese Weise in den letzten drei Jahren einen immer stärkeren, fast ausschließlich städtischindustriellen Charakter an, wobei der Anteil der kleinkapitalistischen Einwanderer mit etwa pal. Pfd. 1000 Kapital ein unverhältnismäßig starker ist. Die Städte werden daher mit kleinkapitalistischen Existenzen überfüllt. Diese Situation ergibt sich aus den Einwanderungsbestimmungen, durch welche die Arbeitereinwanderung eng begrenzt wird. Sie ergibt sich ferner aus dem Umstand, daß die landwirtschaftliche An Siedlung von lOOO-pal.-Pfd.-Einwanderern dadurch außerordentlich erschwert wird, daß die Ansiedlung zu teuer und mit pal. Pfd. 1000, überhaupt kaum möglich ist. Wäre eine landwirtschaftliche Ansiedlung mit pal. Pfd. 500 möglich, die den Siedlern ein Reservekapital mit einem gewissen Zinsertrag läßt, so würden die ländlichen Siedlungsmöglichkeiten wahrscheinlich stärker in Anspruch genommen. Was nunmehr die landwirtschaftliche Entwicklung des Landes anbetrifft, so werden in der neuen Pflanzungssaison zirka 30.000 Dunam Orangenpflanzungen neu angelegt werden, die bepflanzte Zitrusfläche würde sich damit auf 250.000 Dunam erhöhen, die in fruchttragendem Zustand ein Exportquantum von zirka 25 Millionen Kisten ergeben, was einer Vervier- bis Verfünffachung des Exports des letzten Jahres entspricht. Im übrigen steht die jüdische Landwirtschaft sehr stark im Zeichen der Konzentrierung auf Gemüse- und Fruchtproduktion, eine Tendenz, der sich auch die arabische Landwirtschaft in starkem Maße anschließt. Soweit es in der Hand der zentralen Institutionen liegt, müßte der Ueberproduktionsgefahr auf einzelnen zur Zeit besonders bevorzugten Kulturen vorgebeugt werden. Die jüdischen Kapitalsinvestitionen, deren Höhe für 1934 wiederum auf pal. Pfd. 10,000.000 geschätzt wird, dürften annähernd zur Hälfte auf die städtische Bautätigkeit entfallen, die Investitionen in der Pflanzungswirtschaft werden auf palästinensische Pfd. 1,750.000, in der Industrie auf pal. Pfd. 1,000.000, in der Bautätigkeit in den Kolonien auf pal. Pfd. 800.000, in der gemischen Wirtschaft auf pal. Pfd. 250.000 geschätzt. Der Rest entfällt auf Bodenkäufe, Handel und Verkehr. Gründung einer Möbel« und Holzbearbeilungsfabrik » Wiener Spesdalarbeit Aus Tel-Awiw (Palnews): In Rischon le Z i o n wurde in der vergangenen Woche der Grundstein zu einem großzügig angelegten Unternehmen der Möbel- und Holzindustrie, der Tirsah Ltd. Furniture Manufacturers & Woodworkers, gelegt. Die Tirsah Ltd. ist als Familienaktiengesellschaft mit einem Aktienkapital von pal. Pf. 18.0 0 0 gegründet. Aktionäre sind die Herren A. Kanner, G. Witzelberg, David Blumner, M. Margulies. Die Fabrik wird in großem Maßstab Tischlerplatten (Paneelplatten), die bisher importiert wurden, und Wiener Möbel wie auch Türen und Fensterrahmen herstellen. Sie wird maschinell auf das modernste mit Spezialmaschlnen (Poliermaschinen, hydraulischen Pressen u. a.) ausgestattet und über eine Trockenanlage verfügen. Maschinen Diana?ü Körperlidie und geistig* frische sind die k^ten GUter d? X insbesondere Tugen4TTER Bewahren XV,Sen Sie diese und mehren än(lig0 1 Schätze durch PflegDas ISte Mittel Per9, J?P Zwecke der £ür «fle«e Binreiban- Körperpflege, (Um. ss^^ usw. — ist _ In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nehmen Sie nur ,/")IANA". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. und Werkzeuge im Gewicht von 80 Tonnen sind bereits unterwegs. Das Grundstück umfaßt 10 Dunam (1 Dunam - 1000 Quadratmeter), die Fabrikshalle verfügt über eine Fläche von 2500 Quadratmeter. 50 Fachleute au« Wien (darunter drei Nichtjuden), für die die Zertifikat« bereits erteilt sind, werden die Fabrik in Ganr» setzen und hiesige Arbeiter anlernen. Zunächst ist die Beschäftigung in Aussicht genommen. Die Tirsah Ltd. wird. kation soll am 1. Jänner aufgenommen werden. Tischlerplatten werden preislich und qualitativ infolge äußerster Rationalisierung des Produktionsprozesses der Importkonkurrenz überlegen sein. Die palästinensische Möbelindustrie soll auf einen hohen Standard gebracht werden, gute Qualität und Preiswürdigkeit dem Export in die benachbarten Länder die Wege ebnen. Zur Ersetzung des Imports von Furnisren ist auch die Aufnahme der Furnierholzerzeugung in Aussicht genommen. Die Tirsah, Ltd., wird für ihre Erzeugnisse in den Städten des Landes Ausstellungs- und Verkaufsräume eröffnen. Ein schlimmes Kurmsum Aus Tel-Awiw (Palnews): Zu der Frage des Marmeladenimports wird uns aus Kreisen der Marmeladenindustrie mitgeteilt: Es klingt kaum glaublich, beruht aber dennoch auf Wahrheit, daß jährlich für viele Tausende von Pfund ausländische Marmeladen in Palästina eingeführt werden, die aus spanischen Orangen hergestellt sind. Obwohl es in Palästina vier Marmeladenfabriken gibt, haben Marmeladen in Palästina so gut wie keinen Schutzzoll. Trotz der größten Bemühungen der interessierten Kreise konnte bis jetzt nicht erreicht werden, daß die Regierung einen höheren Schutzzoll bewilligt. Der Marmeladenzoll beläuft sich auf 10 Müs (30 Groschen); per Kilogramm. Da der palästinensische Erzeuger aber 6 Müs für den Zuckerzoll zu bezahlen hat, während der ausländische Erzeuger zollfreien Zucker verarbeitet, macht der Marmeladenschutzzoll praktisch nur 4 Müs per Kilogramm aus. Wenn spanische und palästinensische Orangen auf dem englischen Markt in Konkurrenz miteinander geraten, so kann man dagegen nicht viel sagen. Wir können es aber nicht verstehen, daß die Palästina-Regierung nicht alles, was in ihrer Macht steht, tut, um die wichtigste Industrie des Landes zu schützen und den inländischen Marmeladenfabriken dabei behilflich zu sein, die nicht exportfähigen Orangen in der Marmeladenfabrikation zu verwerten. Teerpappenproduktion in Palästina Aus Tel-Awiw (Palnews): Die von einem Juden aus Lodz an der Straße Tel-Awiw—Petach-Tikwa errichtete Teerpappenfabrik wird Mitte Oktober ihre Produktion auf dem palästinensischen Markt anbieten. Teerpappe, die zur Dachdeckung leichter Bauten und als Isoliermaterial bei schwereren Bauten Verwendung findet, mußte bis jetzt importiert werden. Die in Palästina hergestellte Teerpappe soll der importierten überlegen sein, da Teerpappe nach Gewicht verzollt, aber nach Metern verkauft wird. Die Importeure haben daher ein Interesse daran, möglichst leichte Pappen zu importieren, um am Zoll sparen zu können. Bei der palästinensischen Produktion kommt dieses Motiv des Angebot« dünner Pappen in Fortfall. Das Unternehmen beschäftigt zunächst 10 bis 15 Arbeiter. Palästinensische Wegebau-Gesellschaft Aus Jerusalem: (J. T. A.) Soeben wurde hier die Palestine Road Construction Company, die sich die Anlegung erstrangiger Asphalt-Ueberland- IN TEL AVIV UND UMGEBUNG, EBENSO HÄUSERVERMIITLUNG ZU KULANTEN BEDINGUNGEN ÜBERNIMMT ZIMMERMANN & GRIFFEL TEL AVIV (PALÄSTINA) RECHOW MFRChAWJA 16

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