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Die neue Welt · 1934-10-26 · Heft 408 (26.10.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 408 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT ERGMANN BABEHSfEIG 3 HIMMELPf ORTO. 5 K Ö LLW ERHOFti. 1 <fft-. ab, der einzige Vormund über die ganze jüdische Arbeiterschaft in Palästina zu sein. Sie behauptet, daß niemand den jüdischen nationalen Arbeiter zwingen kann, just in die Histadruth einzutreten, welche von der Mapai beherrscht wird und welche man zu politischen Zwecken (Presse, Wahlen, Fonds) Uenützt. Das Monopol der Histadruth auf Arbeitszuweisung ist ebenfalls unbegründet. Wir sind der Ansicht, dnli jede Gruppe von Arbeitern, wenn sie es will, sich zu einer Gewerkschaft organisieren darf, die ihre wirtschaftlichen Interessen verteidigen soll, solange solch eine Gewerkschaft nicht das Fundament des Arbeiterlebens, nicht die Arbeitsbedingungen untergräbt, die Löhne nicht hcrabdrückt, wirtschaftliche Streiks nicht stört. Solange sie die Aufgabe» eines professionellen Vereines erfüllt, hat sie das volle Recht, von den Arbeit- -ebern anerkannt und von anderen Gewerkschafton als gleichwertig behandelt zu werden. Es gibt wiederum Menschen, die meinen, daß eine Geworkschaft das Ideal ist. welches man anstreben muß, und wenn es wirklich gelingen würde, die Histadruth zu „neutralisieren", der Augenblick gekommen sei, alle bestehenden professionellen Verbände zu einer mächtigen Organisation zusammenzuschweißen. Sollte es vielleicht einmal dazu kommen, werden wir zweifelsohne nicht die Störer solch einer Einheit sein. Will man aber tiefer hiueinblicken in das Wesen der Frage, die Konzentration heißt, entstehen ernste Zweifel in bezug auf die Ratsamkeit und Zweckmäßigkeit der ganzen Theorie. Sollen wir tatsächlich solch eine Konzentrierung in Palästina anstreben? Ist sie für Volk und Land notwendig" und wünschenswert? Muß der Prozeß sien wirklich so abspielen, wie die Marxisten ihn ansagen? Ich staube, daß dieses ganze Problem revidiert werden muß. DU; schwere Krisis, welche die Menschheit jetzt erlebt, kommt von eben dieser Konzen tri cr u n g der Kräfte und der Energien, welche die Macht in die Hände einflußreicher Einzelpersonen gaben. Die Diktatur in der Politik, die Vertrustung in der Wirtschaft, die Syndikalisierung auf dem Gebiete der Arbeit •— sie sind es wt'che in sich den Keim künftiger Stürme und Zusammenstöße tragen. * Die Judenataatspartei strebt danach, im Wirt-' ßchaftaleben so weit als möglich die „Politik" von der „Arbeit" zu trennen. Insbesondere stellt sie sich dem Versuch von Parteien entgegen, die ökonomischen Bedürfnisse von Menschen, oft auch deren Not und schlechte Lage zu politischen Zwecken auszunützen. Für die Judenstaatspartei gilt nur ein Maß, das sie auf Fremde und Ferne, auf Eigene und Nahestehende in gleicher Weise anwendet. Sie bekämpft die „Histadruth" wegen deren Seelenfängerei. Genau so will sie die hintergründigen Absichten der „Nationalen Arbeiters chaf t", die dasselbe in anderer Verkleidung tut, ans Licht bringen. Es ist ein unerträglicher Zustand, die Histadruth der Parteilichkeit zu beschuldigen und selbst das gleiche zu tun, im Augenblick, da man sich ein Stückchen Machtapparat zugelegt hat. Die sozialistische Histadruth, die zu einer sozialen Revolution rüstet, ist für uns genau so unannehmbar wie die revisionistische Histadruth, die ihre Direktion von einem im Ausland befindlichen Zentralkomitee erhält, dessen Hauptlinie darin besteht, die nationale, Front zu brechen. (Weitere Artikel folgen.) Schweizer Prozesse wegen der „Protokolle von Zion" Aua Bern (J, T. A-): Am 39. Oktober kommt vor dem Strafgericht in Bern der Prozeß in der Angelegenheit der „Protokolle der Weisen von Z i o n" wieder zur Verhandlung. Es handelt sich um eine Klage des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes gegen die Gauleitung des „Bundes nationalsozialistischer Eidgenossen" und der „Nationalen Front". Die Klage stützt sich auf das kan» tonal-bernische Gesetz, das ein Strafverfahren gegen die Verbreitung von Hetz- und Schundschriften vorsieht. Gegenstand der Klage sind das berüchtigte Pamphlet „Protokolle dar Weisen von Zion" und andere antisemitische Hetzschriften, die von Mitgliedern der „Nationalsozialistischen Eidgenossen" und der „Nationalen Palästina * Reisende finden cn Tel-Aviv, Adiad'Haam* Str. 52/ im "W3 Hotel ,TaIpioth' das europäisch geführte Haus mit allen Bequemlichkeiten In ruhiger Lage im Zentrum der Stadt Gelegen. Gut und modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser. Großer schattiger Garten mit Liegestühlen Wianei Küche. Aufmerksame Bedienung Sita der Austro - Palästinensischen Handelskammer und der Hitachduth Olei Aus»ria. Front" im Juni 1933 unter das Publikum verteilt wurden. In der ersten Gerichtsverhandlung wurde seitens des Klägers der Antrag gestellt, eine Expertise anzuordnen, welche über die Echtheit oder Unechtheit der „Protokolle" Aufschluß geben soll. Der Richter gab diesem Antrag statt. Seitens der Kläger wurde Professor Dr. A. Baum garten (Basel), seitens der Angeklagten der berüchtigte Pastor Münchmeyer aus Oldenburg bestellt. Zum dritten Experten ernannte der Gerichtspräsident den bekannten christlich-schweizerischen Schriftsteller C. A. Loosli (Bern). Die Experten haben bereits ihre Gutachten ausgearbeitet bis auf den Experten der Angeklagten Pastor Münchmeyer, der bisher nicht erreicht werden kennte. Im Verlauf der kommenden Verhandlung wird auch ein Vertreter der Schweizer Freimaurerloge „Alpina" über die angeblichen geheimen Beziehungen zwischen Freimaurern und Juden verhört werden. Das moderne praktische Lehrbuch zum Selbstunterricht Lerne Hebräisch von BiN-CHAVtV W erscheint! Das beste Lehrbuch aller Zeiten! Die ersten 1000 Worte für's tägliche Leben, praktische Grammatik, kein Vokabelbüffeln, kein Kopfzerbrechen, mühelos, spielend leicht! Verlag Jos. Schlesinger, Wien, I., Seitenstetteng. 5 Maurice Maeterlinck zur jüdischen Kultur Aus Rom: Maurice Maeterlinck, der über 70 Jahre alte, berühmte belgische Dichter und Nobelpreisträger, ist in Rom zur Teilnahme am Internationalen Theaterkongreß eingetroffen. Er empfing den römischen Vertreter der J. T. A. und äußerte sich über den Anteil der Juden an dem modernen Theater und über den Rassen Wahnsinn, dessen Opfer so viele am heutigen Kulturleben hervorragend teilnehmende Juden geworden sind. Das ganze Rassenprinzip, sagte Maeterlinck, ist vom wissenschaftlichen Standpunkt unbegründet, und schon ganz und gar absurd ist die Verbindung dieses Prinzips mit Kunstfragen oder mit der Zugehörigkeit eines Künstlers zu einer bestimmten Rasse oder Religion. Ueberhaupt ist es eine Blasphemie, zu sagen, daß ein gewisses Volk in die Literatur oder in das Theaterwesen „zerstörende Elemente" hineinbringen könne. In der Kunst gilt das Gesetz: jeder Schaffende gebe das, was für seine Eigenart am charakteristischesten ist. Das jüdische Volk hat uns die höchsten und tiefsten dramatischen und lyrischen Motive gechenkt, und es ist wahrhaftig der Vernunft ganz und gar zuwider, von einer zersetzenden Wirkung des Judentums auf den Gebieten von Literatur und Theater zu sprechen. Ich habe die Leistungen des MINOPROGRAMME S% DIESER WOCHE KREUZ'KINO Wollzeile 17 . Tel. R-2l-<>-t6 Dnlidhiu/Anon Ni 17 mit TIM Mo. COY Vorstellungen: fi'OUZifiwagen rir» 17 und üvcun knopp u, %6, %8, y«,io ROTEN?UftM I.FIeischmarktl,R-29-109,R-29-159 1*5 XlL\T?i,%, Die Königin von Paris" reu«. hebräischen Palästina-Theaters Habima auf mich wirken lassen. Leider war es mir versagt, die originellen Leistungen der jiddischen Theater in Osteuropa kennenzulernen, Voll und ganz hatte ich Gelegenheit, die Leistungen der berühmtenn jüdischen Schauspieler auf den allgemeinen Bühnen Europas zu würdigen und ich bin tief beeindruckt von dem erhabenen Künstlertum des Juden und seinem Kunstgewissen, Max Reinhardt, mit dessen Regieauffassung ich freilich nicht immer einverstanden bin, halte ich für das größte Theatergenie unserer Zeit. Zum Schluß sagte Maeterlinck: „Im Jahre 1925 besuchte ich Palästina. Damals war das zionistische Kolonisationswerk noch in seiner erten Phase. Ich wünsche dem Zionismus, daß er sein Ziel ei reicht dumit das jüdische Volk auf eigenem Boden ungestört seine großen künstlerischen Werte zum Besten der Menschheit entfalten könne," Hochkommibsar MacDonald Uber die deutschen Juden Aus Amsterdam: In einer vom Direktorium der Stiftung zur Ausbildung jüdischer Arbeiter im „Wieringermeerpolder" veranstalteten Versammlung sprach der Hochkommissar des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge Prof. James G. MacDonald über das Flüchtlingsproblem. Die Auswanderung der Juden aus dem Zentrum Europas, sagte er, ist noch nicht zum Stillstand gekommen. Für die Berufsumschichtung der deutsch-jüdischen Jugend, die sehr dringend geworden ist, wurden bereits über eine Million Pfund ausgegeben. MacDonald äußerte sich sehr pessimistisch über die Gegenwartslage und die Zukunft der deutschen Juden. Er sei, sagte er, Uber die geringe Hilfsarbeit der christlichen Organisationen enttäuscht; einzig das jüdische Beispiel und besonders das der holländischen Juden geben den Flüchtlingen Hoffnung. SÄMTLICHE ARTIKEL IN WASCHE UNO WIRKWAREN SPOTTBILLIG! Führen«! In ETERNA-Hemileti (von »'80 *»ufw ) Nr. 408 ■ UNO I LIGI I l »ufw ) I Jüdische Tragödie Aus einer Stadt im Rheinland wird berichtet: Der jüdische Sanitätsrat Dr. A. hatte drei Söhne. Der älteste fiel schon 1914 beim Vormarsch auf Paris, der zweite ein Jahr später in der Champagne, der dritte kam nicht an die Front, sondern tat Dienst als Unterarzt in einem Kriegslazarett, weil er der letzte überlebende Sohn einer Familie war. Der alte Herr blieb als Regimentsarzt bei der Truppe, wurde verwundet und erhielt das Eiserne Kreuz I. Klasse. Sechs Jahre nach Kriegsende übergab der 60jährige Kriegsverlctzte seine Kassenpraxis dem einzigen Sohn und setzte sich zur Ruhe. Sein Vermögen hatte die Inflation vernichtet. Im Juni 1933 wurde Dr. A. jun. eröffnet, daß er als Nichtarier ohne Frontkämpfereigenschaft von der Kassenpraxis ausgeschlossen worden sei. Der Hinweis auf den Heldentod seiner beiden Brüder und die Fronttätigkeit seines kriegsverletzten Vaters, der jetzt vollkommen auf ihn angewiesen ist, wurde zurückgewiesen, es wurde ihm gesagt, man könne Nichtarier nur dann zulassen, wenn der Vater im Kriege gefallen sei. Um seine und des Sohnes Existenz zu retten, beantragte der schwerkranke alte Herr, als Kriegsteilnehmer wieder zur Kassenpraxis zugelassen zu werden. Diesem Antrag mußte stattgegeben werden. Der Siebzigjährige war aber gesundheitlich nicht imstande, die Praxis selbst auszuüben, und ließ sich durch seinen Sohn vertreten. Auf eine Denunziation hin, daß er sich von einem nichtzulassungsberechtigten Nichtarier vertreten lasse, wurde ihm nun nach einem Vierteljahr die Zulassung entzogen. Die Familie hungert jetzt buchstäblich. Gegen den deutschen Botschafter Luther Aus New York: In der Schlußsitzung der vom, Kongreß der Vereinigten Staaten eingesetzten K o mmission zur Untersuchung der Nazi-U m» triebe erklärte der Vorsitzende der Kommission, Abgeordneter Mac C o r m i c k, der deutsche Botschafter in Washington, Dr. Hans Luther, habe sich nicht nur als Vertreter der deutschen Regierung, sondern zugleich auch als Agent der Nazi-Partei betätigt, was aus dem. Material der Kommission unzweifelhaft hervorgeht. Das Verbleiben Dr. Luthers in Amerika sei mit dem internationalen Recht unvereinbar. Einige hundert deutsche Nationalsozialisten, die die Verhandlungen der Kommission zu stören versuchten, wurden von der Polizei mit Knütteln auseinandergetrieben. Getauft und beschnitten Aus Prag (.T. T. A.): Einem Gerichtssaalbericht aus Ungarn entnehmen wir folgendes: Vor Gericht hatte sich der Privatbeamte Stefan Schwab wegen U rkundenfälschung zu verantworten. Er hat seinen Sohn, obwohl er und seine Frau reformierten Glaubens sind, auch in die israelitische Glaubensgemeinschaft aufnehmen, das heißt beschneiden lassen* Der Angeklagte erklärte, das Ganze sei nur geschehen, weil er seiner Mutter nicht verraten wollte, daß er getauft sei. Ich habe, sagte der Angeklagte, ein protestantisches Mädchen geheiratet. Ich selbst blieb Israelit. Als jedoch meine Frau in andere Umstände kam, ließ ich mich taufen, damit mein Kind als Christ, zur Welt komme. Infolgedessen wurde mein Sohn, Albert Peter Schwab, als Reformierter getauft und immatrikuliert. Da jedoch meine alte Mutter nicht wußte, daß ich mich hatte taufen lassen, und ich ihr die Aufregung einer solchen Mitteilung ersparen wollte, ließ ich in ihrer Gegenwart den Knaben beschneiden. Wenn wir ein Mädchen bekommen hätten, hätte es dieser Zeremonie nicht bedurft. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten mit der Begründung frei, daß dieser das Kind im Matrikelamt richtig habe eintragen lassen. Hier wurde also keinerlei Urkundenfälschung" verübt. Daß er überdies auch die mosaisch-rituelle Zeremonie am Kinde durchführen ließ, sei keine strafbare Handlung. Der Staatsanwalt legte Berufung gegen das freisprechende Urteil ein. _ M. Soloweitschik Generalkonsul Litauens. Dr. Max Soloweitschik, einst Minister für jüdische Angelegenheiten in Litauen, später Mitglied der Zionistischen Exekutive, der seinen ständigen Wohnsitz in Palästina genommen hat, wurde zum Generalkonsul Litauens in Palästina an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurücktretenden 73jährigen Dr. Simon Rosenbaum ernannt. Dr. M. Soloweitschik ist ein bekannter Gelehrter und Mitherausgeber der großen Jüdischen Enzyklopädie. BLAU-WEISS PsMütoofaUdek üut^£a*dwe$ ßlLLIGE SONDERFAHRTEN REISEDAUER; WIEN-HAIFA 3"* TAGE Abfahrt des ersten SONDERZUGES Samstag, den 17. Nov., 19.20 Uhr abends von Wien-Ostbahnhof Ankunft Mittwoch früh in Palästina Bequeme Fahrt Schlaf- und Speisewagen Rituelle Küche Wegen der vielen VORANMELDUNGEN empfiehlt es sich, die FAHRKARTEN ehestens zu besorgen Platzkarten werden ausgefolgt KAUTENVERKAUF — AUSKÜNFTE: OobteirelchlschtiH Verkohrwbureau, Wien, I., Friedrlchstraße 7, Telephon B-27-500 „Orblb", Wien, I., KärntnerstralJe 41, Telephon lt-2ü-l-t:j INFORMATIONEN; Österreichisches Palilütlna-Aint, Wien, I., Künitiierstruflü 2ß, Telephon K-2M-8Ü Palilbtlnii-Fulirton, Wien, I., Fraiu-.Jobcfn-IUi 7/9, Zimmer 129 A, Telephon K-28-Ö-05 mmm

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