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Die neue Welt · 1934-10-26 · Heft 408 (26.10.1934) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 408 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 408 «traßen in Palästina zum Ziele gesetzt hat, gegründet. Hauptsächliche Gründerin ist die Industrial and Financiai Corporation of Palestine, die hierin mit der Shell Company eng zusammenarbeitet. Zu den Direktoren der neuen Gesellschaft gehören die früheren Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, Colonel F. H. K i s c h und Emanuel N e u m a n n. Direkte Schiffslinie Norwegen—Palästina Aus Oslo: Wegen der außerordentlichen Verzögerung der Einfuhr von Jaffa-Orangen nach Norwegen hat die „Spanische Linie", eine Zvveigabteilung der norwegischen Großreederei Fred Olsen, beschlossen, eine direkte Route zwischen Palästina und Norwegen einzurichten. Das erste Schiff dieser Route wird in Haifa voraussichtlich Ende dieses Jahres die erste Ladung aufnehmen. Die norwegische Presse mißt der neuen Schiffslinie große Bedeutung bei. Die Linie wird durch Motor-Schnellschiffe bedient werden: ein Motorschiff „Bosporu s" wurde zu diesem Zwecke neu er baut, es hat 3500 Tonnen und entwickelt eine Geschwindigkeit von 16 Meilen. Au§ HitlersDeut§diland Keine Winterhilfe für Juden! Die Berliner „Deutsche Zeitung" versucht, die Verzweiflung der Bevölkerung angesichts der zu erwartenden Wintersnot auf die Juden abzulenken Sie Tendet sich (Nr. 242 vom 21. Oktober) dagegen, daß aucn die Juden aus dem Ertrag des Winterhilfswerks unterstützt werden, und weist darauf hin, Gaß schon Hunderte von jüdischen Anmeldungen vorliegen. Wie sicher der Jude sich wieder in Deutschland itihlt, schreibt die „Deutsche Zeitung", geht aus seinem täglich dreister werdenden Benehmen deutlich hervor. Dieses Benehmen wiederum ist es, das in dem deutschen Menschen den Wunsch nach einer Eindämmung solcher volksfremder Elemente laut werden läßt. Die Zeitung bringt eine Reihe offenbar erlogener Berichte über angeblichen Mißbrauch, den die Juden mit den ihnen vom Winterhilfswerk gewährten Unterstützungen treiben. Die „Roehm-Verschwörung" und die' Juden Julius Streicher hat in seinem „Stürmer" wiederholt behauptet, daß die angebliche Verschwörung des Stabschefs der SA., Ernst R o e h m, die durch das G emetzei vom 30. Juni liquidiert wurde, von Juden angezettelt worden sei. Er brachte die Ermordung mehrerer Juden in Hirschberg und in anderen schlesischen Städten am 1. und 2. Juli durch SS.-Leute mit der Hinrichtung des Roehm-Freundes Heines in Zusammenhang, um „glaubhaft" zu machen, daß die Juden sich gemeinsam mit ihren Mördern (es ist bekannt, daß Heines noch von früher her mehrere Judenmorde auf dem Gewissen hat) gegen Hitler verschworen haben. Nunmehr weist die Saarbrückener Wochenschrift „W e s 11 a n d" darauf hin, daß die von Alfred Rosen* berg, Leiter des außenpolitischen Amtes Hitlers und weltanschaulichem Leiter der NS.-Bewegung, begründete Monatsschrift „Der Weltkampf" in die gleiche Kerbe haut. Im Septemberheft des „Weltkampf" schrieb Rosenberg: „Schon vom Monat April an mehrten sich die Anzeichen, daß die uns feindlich gesinnten internationalen Dunkelmächte, daß Juden und Judengenossen eine geheime Tätigkeit entwickelten, die auf Beseitigung des gehaßten Nationalsozialismus hinausliefen. Der Ton der jüdischen Presse im Reiche wurde von Woche zu Woche arroganter und höhnischer, im Ausland aber erschienen versteckte Meldungen von einem baldigen Umsturz und Chaos." Rosenberg führt Aeußerungen der Warschauer jiddischen Tageszeitungen „Moment" und „Hajnt" an, die angeblich dem Hitlertum ein baldiges Ende voraussagten, und fährt fort: „Deutlicher kann das verbrecherische Treiben des Roehm-Klüngels lind der reaktionären Verbrecher als jüdische Hilfstruppen gar nicht beleuchtet werden, als durch diese jüdischen Untermenschenbekenntnisse, die allein ihre Weltherrschaft im völkischen Reiche bedroht sehen und daher alles daransetzten, den arischen Krieg von neuem zu schüren." Rosenberg beschuldigt den „jüdischen Bankier F. von Mendelssohn" in Berlin, mit General Schleicher in Verbindung gewesen zu sein. (J. T. A.) SA-Leute zünden eine Synagoge an. Aua Prag (J. T. A.): Die J. T. A. meldete vor Monaten, daß die Synagoge in Herford (Westfalen), ein Prachtbau, in Brand gesteckt worden war. Jetzt bringt die Saarbrückener „Volksstimme" eine ihr aus Westfalen zugekommene Mitteilung, in der es u. a. heißt: Die Nazi-Zeitungen beeilten sich zu versichern, daß beim Brand der Synagoge in Herford Brandstiftung nicht in Frage käme, Kurzschluß sei wohl die Ursache gewesen. Man hat jetzt den „Kurzschluß" verhaftet in Gestalt von fünf SA.-Leuten, die sich im Suff ihrer Tat rühmten. Ein SS.-Mann hatte nichts Eiligeres zu tun, als seine SA.-Konkurrenten dem Staatsanwalt anzuzeigen. Man rechnet sogar mit einer Bestrafung, da sie das Volksvermögen geschädigt haben; eine deutsche Versicherungsgesellschaft muß nämlich den Schaden von 20.000 Mark ersetzen. Das jüdische Schulwerk in Deutschland Aus Berlin (Z. T. A.): Auf der letzten Tagung der Reichsvertretung der deutschen Juden wurde über die Tätigkeit auf dem Gebiete des Schul- und Bildungswesens Bericht erstattet. Außerhalb Berlins war ein Schülerzuwachs von 1035 Kindern seit Februar 1934 unterzubringen; das bedeutet 35 neue Klassen. Zu Ostern 1934 wurden neun neue jüdische Volksich u 1 e n mit zirka 900 Schülern eröffnet. Dazu kommt das Schulwerk der Berliner Jüdischen Gemeinde* das seit Juli 1933 einen Zuwachs von rund 1800 Schülern aufweist, die sich auf die alten sowie auf eine neu eingerichtete Schule der Gemeinde verteilen. Neue Schulen wurden gegründet: in Aschaffenburg, Bonn, Breslau, Darmstadt, Lübeck, Mainz, Offenbach, Stettin, Stuttgart und Wiesbaden. Für die Unterhaltung dieser Schulen sowie für die Lehrerausbildung und Fortbildung hat die Reichsvertretung einen hohen Betrag aufwenden müssen. Im Saarland Aus Saarbrücken (J. T. A.): In Saarlouis fand die Beerdigung des jüdischen Kaufmannes Mayer- Hanau statt. Da der Verstorbene früher seine freiheitliche Gesinnung zu bekunden pflegte, verjuchten Burschen und Mädels der Hitler-Jugend in flegelhafter Weise den Trauerzug zu stören und die Teilnehmer zu provozieren. Die freiheitliche Presse des Saarlandes wirft dem wegen seiner nationalsozialistischen Einstellung bekannten Polizeioberinspektor W U r t z von Saarloui3 vor, daß er nichts getan hat, um während des Trauerzuges die Ordnung aufrechtzuerhalten und es zuließ, daß der Zug vom Nazi-Lokal aus photographlert wurde. Hingegen zwang Würtz die in blauen Hemden erschienenen Ordner, den Zug zu verlassen, dies, obwohl in anderen Trauerzügen die getarnte SA. in braunen Westen mitmarschieren darf. etwas ausgeglichen, so daß bei der Feststellung des natürlichen Bevölkerungszuwachses die Juden nicht mehr an letzter Stelle rangieren. Ein antisemitischer Mörder Das Warschauer Kreisgericht hat den Handwerker Szrnietonski wegen Ermordung des jüdischen Hausverwalters Jizchak Krongold zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Szrnietonski hatte Krongold, der zu ihm kam, die Miete einzufordern, mit den Worten: „jüdisches Schwein" empfangen und dann durch Revolverschüsse getötet Der Staatsanwalt forderte strenge Bestrafung des Angeklagten als abschreckendes Beispiel für alle diejenigen, die glauben, daß in Polen ein Menschenleben wohlfeil sei. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß keinerlei mildernde Umstände für den Angeklagten sprächen und daher eine Herabsetzung der Strafe nicht möglich sei. Der Mörder nahm das Urteil mit dem Ruf „Es lebe ein freies Polen ohne Juden!" entgegen. (J.T.A.) Rückgang des güdisdien Studiums in Polen Aus Warschau: Die jüdischen Anwärtern bei der Zulassung zu den sogenannten „praktischen" Fakultäten, den medizinischen und juristischen, gemachten Schwierigkeiten haben dazu geführt, daß die Zahl der an den polnischen Hochschulen inskribierten jüdischen Studenten in diesem Jahre so weit gesunken ist, daß sie nicht mehr als dem Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung (etwa 15 Prozent) entspricht und hinter ihrem Anteil an der städtischen Bevölkerung, zu der ja die Juden gehören, sehr weit zurückbleibt. Auch das Studium jüdischer Studenten aus Polen im Aus- 1 a n d ist stark zurückgegangen. Während in früheren Jahren stets mehrere tausend jüdische Studenten sich um Auslandspässe zum Besuch verschiedener Hochschulen beworben haben, wurden in diesem Jahre bloß 160 Pässe zum Studium im Ausland angefordert. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Anerkennung im Ausland von jüdischen Studenten erworbener Diplome in Polen auf fast unüberwindliche Hindernisse stößt. Um die Inskription an der Hebräischen Universität Jerusalem haben sich 600 Abiturienten aus Polen beworben, doch stehen der Universität für Studenten aus Polen nur 200Zertifikate zur Verfügung. Niedrigste Geburten- und Sterbezahl bei den Juden Die soeben herausgegebene offizielle Geburtenstatistik für die sechs Monate April bis September 1934 zeigt, daß die niedrigste Geburtenzahl unter den Polen bewohnenden Nationalitäten bei den Juden festzustellen ist. Auf 1000 jüdische Einwohner kamen 20.9 Geburten, auf 1000 Katholiken 28.8, auf 100O Griechisch-Orthödoxe 28.5, auf 1000 Evangelische 22.1. Von Todesfällen zählte man bei Evangelischen 14.5, bei Katholiken 14.3, bei Griechisch-Orthodoxen 13.2, bei den Juden 9.5 auf 1000. Die Sterbeziffer ist also bei den Juden am niedrigsten. Der natürliche Zuwachs betrug bei Katholiken 14.6, bei Griechisch-Orthodoxen 13.3, bei den Juden 11.3, bei Evangelischen 7.6 auf 1000. Die niedrigste Geburtenzahl bei den Juden wird, wie man sieht, durch die gleichfalls niedrigste Sterbezahl Das Palästina-Amt Wien teilt mit: Im Oktober 1934 wurden vom Palästina-Amt insgesamt 114 Palästina-Auswanderer abgefertigt. Unter diesen sind 82 Personen auf Zertifikate der Jewish Agency gereist; während die restlichen 32 Palästina-Fahrer verschiedenen anderen Einwanderungskategorien angehörten. Die nächste Gruppenabfahrt erfolgt am 30. Oktober 1934 (ab Wien- Südbahnhof um 21.20 Uhr). Bund jüdischer Frontsoldaten: Hcimcrüffnung. Am 21. Oktober fand die feierliche Einweihung des neuen Bezirksheims Landstraße statt. Eine große Zahl geladener Festeste hatte sich eingefunden, unter denen man die Vertreter der im III. Bezirk dislozierten Truppen des Bundesheeres, der Bundespolizei, der Bezirksbehörden, der VaterlUndlschen Front sowie zahlreicher jüdischer Organisationen und Körperschaften bemerkte. Die Feier wurde durch eine längere Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Kupfer (Beirat des Volksbiidungsraferenten des Herrn Bürgermeisters von Wien) eingeleitet. Oberkantor H. Weiß, dessen Ornat mit hohen Kriegsauszeichnungen geschmückt war, verrichtete die kantoralen Funktionen mit wohlgepflegter, schöner Stimme s-'-L ilz. Direktor Gerson W i 111 i n brachte das ewige Gedenklicht zu Ehren der gefallenen jüdischen Helden zum Entflammen, das Mitglied der Bezirksführung des Bundes jüdischer Frontkämpfer Herr Beermann sprach Innige Gedenkworte für Bundeskanzler Dr. Engelbert D o 1 1 f u ß. Bezirksführer Julius Z e 1 1 n i k und Bundesführer des Bundes jüdischer Frontkämpfer Hauptmann Edler von Friedmann legten ein Treuebekenntnis für Oesterreich und das Judentum ab. Es sprachen vom Bund jüdischer Frontkämpfer Hauptmann May und der BezirtcsfUhrer der Vaterländischen Front Oberstleutnant T ä ti b 1 e r. Von der Jüdischen Volkspartei waren Direktor Arnold Reich, von der Judenstaatspartei Herr Fritz Richter anwesend. Filme des» Woche Oesterreich: Maskerade. Lamac-Produktion: Polenblut. Amerika: Die Königin von Paris (Anna Sten). —; Pohzeiwagen Nr. 17. Deutschland (Arierparagraph): Rosen aus dem Süden. — Die Finanzen des Großherzogs. — Englische Hochzeit. „Polenblut". Die Welturaufführung von-„Polenblut" nach der gleichnamigen Operette von Oskar N e d b a 1, wurde unter der einfallsreichen Regie von Karl Lamac ein großer Erfolg. Anny O n d r a als Helene Zaremba verkörpert in diesem Film eine temperamentvolle Polin, der sie ihren bekannt individuellen Liebreiz verleiht. Ihr Partner Ivan Petrovich, als leichtsinniger Graf Baransky, glänzt durch seine elegante Erscheinung und durch seinen sympathischen Tenor. Hans Mosers herzerfrischende Komik rief bei der gestrigen Premiere wahre Lachstürme hervor. Eine glückliohe Aquisition bedeutet der vom Theater an der Wien her bekannte Komiker Rudolf Carl. Die reizende Musik Oskar Nedbals, von Jara Benes bearbeitet, schuf die Stimmung zum großen Erfolg. Färber. „Vorstadtvarietä". Der Wiener Film „Die Amsel von Lichtental", der nunmehr den Titel führt „Vorstadtvariete;", eine Ernst-Neubach-Produktion der Styria-Film- Gesellschaft, weist eine sehr interessante Besetzung auf: Mizzi Ebeseder — Luise Ullrich; Bauzeichner Kernthaler — Mathias Wiedemann; Schul- Seilt ift es tiöfUftc Seit Sfircn SBcbarf an SBaföftoffen, 2Boliftoffen unb Seibenftoffeu für bic falte galjresaeii 3" befolgen. 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