Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 408 (26.10.1934)
- Date
- 1934-10-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 408 DIE NEUE WELT Seite 3 n dl enkeller 1, Rotenturmstraße 12 GANSBRUST MIT SCHOLET GANSBIEGL MIT RITSCHERT FLADEN jeden Samstag Ich war dabei Wenn „Vorsicht" siegt Von Robert Stricker Vor einigen Tagen hielten die englischen Zionisten in London eine Konferenz ab, um gegen antizionistische Pläne und Taten der britischen Palästina- Regierung Protest einzulegen. Man sprach über die ruinöse Drosselung der jüdischen Einwanderung nach Palästina, über die schikanöse Erschwerung jüdischen Bodenkaufes, vor allem über den Plan der Palästina- Regierung, bereits in der nächsten Zeit in Palästina einen Legislative Council (Gesetzgebenden Rat), schlicht gesagt: ein Parlament mit arabischer Majorität, einzurichten. Alle sprachen die Meinung aus, daß diese Einrichtung den Arabern die Möglichkeit biete, den Zionismus an Ort und Stelle und vernichtend zu bekämpfen. Nicht mehr als bisher, mit ungesetzlichen Mitteln, denen man gesetzlichen Widerstand entgegenrichten kann. Fortan v/erden sie mit den einwandfreien Mitteln einer demokratischen Gesetzgebung jede weitere jüdische Aufbauarbeit unendlich erschweren oder unmöglich inachen. * Der Kampf der Zionisten gegen das Palästina- Parlament wird jetzt unter einem sehr erschwerenden Umstand geführt, denn die englische Regierung beruft sich — und mit Recht — darauf, daß eine schriftlich festgelegte Erklärung der zionistischen Weltorganisation vorliegt, in welcher der Einrichtung eines Legislative Council zugestimmt wird. In seiner Rede auf der eben erwähnten Zionistenkonferenz in London erinnerte Professor W e i zmann an diesen Umstand. Er sagte: „Das Problem des Legislative Council ist kein neues. Es stand bereits 1921 zur Diskussion. Damals wurde uns gesagt, daß der Völkerbund das Mandat v i e 11 e i c h t n i c h t r a t i f i z i e r e n werde, falls wir nicht unser Einverständnis zu einem legislative Council geb»3n würden. Wir gaben unser Einverständnis, viele von uns gegen ihre bessere Einsicht. Glücklicherweise waren die Araber gegen den Council und der Plan fiel durch." •» Ja, die Zustimmung wurde gegeben, und ich war dabei. Zur entscheidenden Sitzung der zionistischen Exekutive hatte Präsident Weizmann den verstorbenen Oberrabbiner Dr. C h a j e s, den Präsidenten des Zionistischen Aktionskomitees, und mich, den Vizepräsidenten, von Wien nach London berufen. Weizmann teilte der Exekutive und uns mit, daß die englische Regierung ein „Weißbuch" über Palästina verfaßt habe, in welchem die Grundsätze der künftigen Verwaltung Palästinas festgelegt seien. Die Regierung richte durch ihn an die zionistische Organisation die Forderung, vor Herausgabe des „Weißbuches" ihr Einverständnis mit den im Buche enthaltenen Grundzügen zu erklären. An die Araber sei die gleiche Forderung gerichtet worden. Die Verlesung des Entwurfes des „Weißbuches" rief bei uns größte Bestürzung hervor, denn hier lag offenkundig die Absicht vor, das feierlich versprochene Jüdische Nationalheim politisch und wirtschaftlich auf ein Minimum herabzudrücken. Besonders gefährlich schien tfer Passus, welcher die Einrichtung eines Legislative Council (Parlament) vorsah. Der einmütigen Ablehnung des Vorschlages trat Weizmann mit zwei Argumenten entgegen: 1. Wenn die Zionisten ihre Zustimmung nicht erteilen, droht die Gefahr, daß der Völkerbund das Palästina-Mandat und die Balfour- Deklaration nicht ratifizieren werde. 2. Die Zionisten können, trotz besserer Einsicht, ihre Zustimmung zum Parlament geben, weil die Araber das Parlament ablehnen werden. Mehrere Sitzungen hindurch tobte der Wortkampf gegen den Antrag Weizmanns, bis es ihm gelang, den Widerstand zu brechen. In der Schlußsitzung legte Präsident Weizmann die Uhr auf den Tisch und sagte: „Noch drei Stunden haben wir Zeit. Um fünf Uhr muß ich bei Minister Churchill sein und ihm unsere schriftliche Erklärung bringen. Fällt sie negativ aus, dann droht die Annullierung der Balfour-Deklaration, d. h. die Nichtbestätigung des Palästina-Mandats. Auf Sie, meine Herren, fällt die Verantwortung! Ich kann sie nicht tragen." Angesichts der fürchterlichen Beklemmung, welche diese dramatisch gestaltete Drohung hervorrief, ergriff ich das Wort. Ich warnte davor, den tückischen Drohungen einer antizionistischen Bürokratie zu weichen. Ich warnte davor, in katastrophale Mutlosigkeit zu verfallen und daran zu glauben, daß die Völker der Welt ihr feierliches Versprechen brechen werden, weil es einem Bürokratenklüngel nicht gelungen sei, den Zionisten selbstmörderische Zugeständnisse abzupressen. Ich warnte davor, in der Parlamentsfrage eine krumme Spekulation einzugehen, darauf zu bauen, daß ja die Araber das Parlament ablehnen werden. Denn, wenn die Araber heute ablehnen, 1 ' --.en sie morgen annehmen. Unsere Zustimmung aber bleibt und kann jederzeit zum Verhängnis werden. Aber ich sprach vergebens. Die drohende Uhr auf dem Tisch erwies sich stärker als nüchterner Verstand und Glaube an die Stärke der eigenen Sache. Die „Vorsicht" siegte! Alle haben unterschrieben, auch Dr. Soloweitschik und Jabotinsky, die damals schon in Opposition gegen Weizmanns Politik standen. Ich blieb als Neinsager allein. # Aus Jerusalem kommt jetzt die Meldung, daß die Araber, und zwar auch die extremsten Chauvinisten und Zionistenhasser unter ihnen, mit dem Parlamentsplan einverstanden sind. Die Gruppe des Mufti hat beschlossen, unter allen Umständen am Parlament teilzunehmen. Die Befürchtung, die ich Sei rheumaiifrfjcn «Befdjtoer&en in öett ©ele.nten unb ©Itcbern fotoie bei ftopftneh toirfen Iogal= XahUtUn rafd) unb ftdjer. SBeim Xaufenbc oott Steinten biefes 9Ktttel nerorbnen, fönnen auch Sie es nertrauens; voll faufen. 3n allen Slpoihefen erhältlich, ^ßrets S 2.40. Jüdische Eltern! 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In der palästinensischen Eresse und Oeffentlichkeit werden die Aeußerungen lebhaft kommentiert, die Churchill in Damaskus syrischen Journalisten gegenüber, betreffend die Frage eines arabischen Staatenbundes, getan hat. Churchill erklärte, seiner Meinung nach würde es mit der Zeit zu einem solchen Staatenbund kommen, wobei er hinzufügte: „Wenn es den Juden gelungen ist, nach einem zweitausendjährigen Exil nach Palästina zu kommen, warum sollte es dann nicht möglich sein, eine panarabische Föderation zu errichten." Weg der 3udemtaat§pmtei Von Meir Groß mann (Tel-Awiw) (Siehe Ausgaben Nr. 404, 405 und 406) Jede Kritik der Histadruth-Methoden und Machtgelüste wird von den Agitatoren der „Mapai", der p o 1 i t isehen Organisation der sozialdemokratischen palästinensischen Arbeiterschaft, als Ausdruck von „Arbeiterfeindschaft" verschrien. Es ist wohl .die leichteste Art, auf diesem Wege die Gehirne zu verdunkeln und die Dinge durcheinanderzumischen. Der Effekt dieser Manipulation ist stark, aber allmählich begreift man, daß man ein „einwandfreier Proletarier" sein und gleichzeitig unzeitgemäße und grundlose Streiks bekämpfen kann, die den Baum entwurzeln, auf dem die junge jüdische Arbeiterschaft Palästinas sitzt. Man kann treuer „Trade-Unionist" (Anhänger der gewerkschaftlichen Organisation) sein, Wirkliche!*! der Haut ist die schnelle, sanft-scharfe ohne etwas von einer monopolisierten Gewerkschaft oder vom Klassenkampf zu halten, und kann sogar den Opportunismus der Histadruth-Führer verurteilen. Die Ammenmärchen von der „Feindschaft gegen den Arbeiter" klingen kindisch und falsch. Die Gegensätze liegen viel tiefer. Es ist geradezu komisch, z. B. von den bourgeoisen Interessen der Judenstaatler zu sprechen; denn die Anhängerschaft der Judenstaatspartei rekrutiert sich aus arbeitenden Elementen-. Ihre Jugend drängt nach Palästina, um hier ihre Kräfte für den konstruktiven Aufbau des Landes zu verwenden. Sozial ist sie Fleisch und Blut vom Fleisch und Blut der „einwandfrei koscheren" sozialistischen Jugend. "Und was die „Feindschaft" anbetrifft, fragt es sich, wie man jene feind haben kann, welche das Fundament des neuen Staates bilden sollen, der eben in gemeinsamem Aufbau begriffen ist? Die Judenstaatspartei hat keinerlei Reibungspunkte mit den Arbeitern als solchen. Weshalb sollte sie dergleichen haben? Weit gefehlt. Sie bewundert die Opfer, welche ein Teil der ersten chaluzischen Idealisten gebracht hat und noch bis heute bringt. Aber die historische Einschätzung von Verdiensten in der Vergangenheit hindert uns durchaus nicht, böse Dinge und Mißwirtschaft von heute aufzudecken. Die Judenstaatspartei strebt soziale Gerechtigkeit an, eine bessere und gerechtere Welt für alle. Sie rechnet damit, daß die gemeinsamen Interessen der jüdischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Palästina, die heute schon stark genug sind, nach einer Reihe von Jahren noch stärker werden, so daß die beiden Faktoren zwangsläufig zur Ueberwindung der Gegensätze gelangen werden. Wie stark auch die sozialen Differenzen sein mögen, sind die gemeinsamen politischen Interessen viel wichtiger. Aber nicht nur in bezug auf die Lösung der momentanen sozialen Konflikte rechnen wir mit Ausgleich und Verständigung. Auch für die Lösung der sozialen Frage selbst, den eigentlichen Kampf zwischen Kapital und Arbeit, sehen wir andere Wege. Hier wollen wir vorläufig nur feststellen, daß die Judenstaatszionisten gegen eine allzu enge Verknüpfung von Politik und Standesinteressen sind. Da wir keinerlei besondere soziale Schicht darstellen, können wir einen weiteren Blick in die Zukunft werfen. Am wenigsten hat unser Standpunkt mit dem Kampf des Kapitals gegen die Arbeiterschaft zu tun. Es ist bestimmt nicht unsere Aufgabe, die Errungenschaften der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zu vermindern. Im Gegenteil würden wir es gerne sehen, daß die Arbeiterschaft noch besser und noch stärker organisiert sei, widerstandsfähiger und stets zum Schutz der nationalen Positionen bereit. Hiebei darf aber der nationale Primat nicht geschädigt werden. * Die linken zionistischen Parteien geben immerwährend offen zu verstehen, daß in Palästina nur eine Gewerkschaft existieren darf. Sie verlangen auch, daß die Arbeitsverteilung sich in den Händen ihrer Arbeitsbüros befinde, welche vor Jahren von der Histadruth, errichtet wurden und natürlich von ihrer politischen Patei, der „Mapai", beherrscht wird. Letztens allerdings ziehen sie die neuentstandenen Körperschaften ins Kalkül. Doch verlangen sie durchaus, daß die letzte Entscheidung bei ihnen liege. Das Prinzip an sich bleibt dasselbe, es ändern sich bloß die Organisationsformen; die Arbeiter des ganzen Landes sollen unter dem Kommando einer diktatorischen Macht stehen, die sie vergewaltigt und auf einen Wink der Zentralleitung hin das Leben im ganzen Land abstellt. Und da nun die Hauptgewerkschaft, die Histadruth, mit der sozialistischen Partei eng verbunden ist, wird der Sinn des ganzen Planes klar: Oberste Kontrolle, Diktatur, Diktat und Primat. Die Judenstaatspartei nimmt einen anderen Standpunkt ein. Sie spricht vor allem der Histadruth ü;.s Recht 7uh9; ren3dsN0zrae:; »17 Jahre Bali ©ur ^Deklaration« des „Hotel Continental", II, Tab or Straße 4 llllllllillllllll« Redner: Rabb. Dr. I. Z. Kanner, Fritz Richter, Oberbaurat Robert Stricker, Dr. Sal. Wolf