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Die neue Welt · 1934-10-26 · Heft 408 (26.10.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 408 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE JfiEtTE WELT Nr. 408 «"i'I.VÜP C U N A R o WHITE ST AR nach Amerika und Canada | KOSCHERE KÜCHE | | unter Aufsicht des Beth Din (London) § 1 REPRÄSENTANZ: j | WIEN I, KÄß *TNERRING 4 ( KoIoni§ation außerhalb des Zionismus Die wiederenvachten Territorialisten Zu einer Zeit, da die politische Basis des Zionismus, ein für Kolonialzwecke freies Palästina, noch nicht existierte und man der kaiserlichen Türkei als reellen Verhandlungspartner nicht sicher war, tauchte in gewissen zionistischen Kreisen der Gedanke auf, ein Ansiedlungsterritorium außerhalb Palästinas zu suchen, bzw. die Bestrebungen in diese Richtung hinzuleiten. Der Exponent dieser aus dem Herzl-Zionism.us hervorgegangenen Tendenz war - der englisch-jüdische Schriftsteller Israel Z a n g w i 11, der auch der Initiator der Jewish Territorial Oganisation, kurz „Ito" genannt, wurde. Im Augenblick, wo Palästina als britisches Mandatsgebiet in Sicht schien, die herzl-zionistische Lösung der Judenfrage also greifbare Formen annahm, löste Israel Zangwill seine Ito auf, und es verblieben nur mehr kleine intellektuelle Gruppen von Anhängern der jüdisch-territorialistischen Idee. Unter dem ungeheuren judenfeindlichen Druck in zahlreichen Ländern und infolge der Schwierigkeiten der jüdischen Kolonisation Palästinas — Schwierigkeiten, die ausschließlich auf die administrativen Maßnahmen der britischen Palästina-Regierung (Einwande- Tüngs- und Bodenkaufsbeschränkungen) zurückzuführen Sind, bekamen die längst vergessenen Territorialisten wiederum Anhänger. Sie gingen sogar daran, „V e rbände für jüdische Kolonisation" zu schaffen, die neben der Verbreitung des territorialistischen Gedankens das praktische Ziel verfolgen, die jüdische Emigration in ein geschlossenes, für Maasenkolonisation geeignetes-Gebiet zu leiten. In Paris, dem Zentrum der territorialistischen Bewegung, wurde unter Teilnahme zahlreicher Fachleute auf dem Gebiet des sozialen Aufbaues und der Kolonisation eine „Liga für jüdische Kolonisation" gegründet, die „in einem freien Territorium die Förderung einer konzentrierten Kolonisation betreiben will". Dieser Liga gehören u. a. die deutschen Emigranten Georg Bernhard, der 'gewesene Chefredakteur der Berliner „VossLschen Zeitung", und der bekannte Schriftsteller Alfred D ö b 1 i n an, zwei Männer, die erst das Hitler-Regime zum Nachdenken Uber die Judenfrage gebracht hat. Die J. T. A. berichtet über diese Angelegenheit u. a.: „Die Liga schuf bereits Verbindungen mit Gesinnungsfreunden in der Schweiz, in Deutschland, England, Polen und Amerika. Das provisorische Exekutivkomitee knüpfte, wie mitgeteilt wird, politische Verbindungen an, die von großer Tragweite für die Bewegung sein werden. In den nächsten Monaten wird eine Konferenz von Vertretern des Territorialismus in verschiedenen Ländern zur Festsetzung des Programms der neuen Bewegung und Wahl des Zentrums derselben abgehalten werden. In London, wo der Territorialismus viele Anhänger hat, besteht bereits ein Komitee unter der Führung des jüdischen Gelehrten und Politikers Chacham Dr. Moses G a 81 e r. Dieser erklärte Vertretern der englischen Presse, er sei früher ein Gegner des Territorialismus gewesen, weil er glaubte, dieser werde der Palästina-Arbeit Abbruch tun. Heute aber, wo Palästina einen entsprechenden Teil der Emigration aufnimmt und dir jüdische ökonomische und politische Lage sich katastrophal gestaltet hat, sei er überzeugter Anhänger der Idee der Schaffung eines neuen Territoriums für die emigrierenden jüdischen Massen. In Amerika ist einer der Führer der Bewegung der Publizist Dr. Chaim Szytlowski, Vorsitzender der Arbeiterliga für den Jüdischen Weltkongreß. Diese Liga tritt für die Schaffung einer großen Pionierbewegung jüdischer Arbeitsloser zum Zwecke einer konzentrierten Kolonisation ein. In Warschau und in verschiedenen Provinzstädten bestehen bereits territorialistische Organisationen. Diese sind dabei, sich zu einem Landesverband zusammenzuschließen. Es wurde beschlossen, in Warschau die Monatsschrift „Frajland" zur Ver- . fechtung der Ziele der Bewegung herauszugeben. In anderen Zentren werden Organe in den betreffenden europäischen Sprachen erscheinen. Das erflte „Frajland"-Heft ist in Warschau bereits erschienen." . Wie man sieht, verstehen sich die neuerwachten «IHHIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIII. Unverlangte Manuskripte werden nur retourniert, wenn Rückporto beiliegt. HjiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiHniiiiiiiumiiiiiiiiiiiuinmiimmiH» Territorialisten in Szene zu setzen. Man liest in der J.-T.-A.-Meldung „über politische Verbindungen, die von großer Tragweite für die Bewegung «ein werden" (vermutlich wird hier auf Sowjetrußland angespielt), über „Konferenzen In verschiedenen Ländern", von „einer konzentrierten Kolonisation". Diese gewiß gutgemeinten Bestrebungen sind zweifellos auf die Ungeduld derjüdischen-Welt zurückzuführen, die sich einem Meer von Gefahren, Schwierigkelten und Mißverständnissen gegenübergestellt sieht, nicht weniger aber auch der harten Tätsache, daß sich fast alle Lander einer nennenswerten Einwanderung verschließen. Wir Zionistcn befürchten durchaus nicht, daß die territorialistische Bewegung unseren Tendenzen und unserem Prestige eine Konkurrenz bedeuten könnte. Die Frage jüdischer Massensiedlung liegt unter den gegenwärtigen Verhältnissen in der Luft. Wir befürchten vielmehr, daß die Schwierigkeiten, die mit einer Massensiedlung auf irgend einem Territorium ■ verbunden sind, größer sein werden, als sie heute den Befürwortern der territorialistischen Lösung erscheinen. Wir Zionisten haben in dieser Sache große Erfahrung. Fünfzehn Jahre Nachkriegskolonisation in Palästina, von einer weltumspannenden Organisation und von opferbereiten jüdischen Menschen in Angriff genommen, berechtigen uns, die Pläne der in der „Liga für jüdische Kolonisation" konzentrierten Territorialisten mit Skepsis zu betrachten. Bisher haben alle neben dem Zionismus einhergehenden Jüdischen Kolonisationsversuche ein unrühmliches Ende gefunden. Es ist die Gefahr vorhanden, daß die Nachfolger Israel Zangwills nicht besser abschneiden werden. o. r. . . iiiir'^-T'-ilBiiM""!- ^& .^t^ÜHRUNS^ ^^^■»""■'ÄN IVANP^RO«NfASsER %ta u*^, WTOBfö"* fernaa». iMöftorÖl' iiuxfiiM &e's-M' äm Aus Oesterreich Das Wiener Kultuspräsidium beim Bundeskanzler Am 23. Oktober wurde amtlich verlautbart: „Gestern empfing Bundeskanzler Dr. v. Schuschnigg das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde,' bestehend aus Präsidenten Dr. Friedmann sowie den Vizepräsidenten Dr. Löwenherz und Dr. Ticho. In einer längeren Aussprache wurden die einzelnen von der Kultusgemeinde in einem Memorandum dargelegten, für die Judenachaft Oesterreichs wichtigen Fragen einer eingehenden Erörterung unterzogen. Der Bundeskanzler ließ sich in allen diesen Fragen eingehend über die einschlägigen Verhältnisse informieren und wiederholte seine bereits bei anderer Gelegenheit abgegebene Erklärung, daß die Bundesregierung selbstverständlich auf dem Boden des Verfassungsgrundsatzes der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Staatsbürger vor dem Gesetz zu stehen gesonnen sei." Der verbotene ,/Iud Süß" Inmitten der Filmsaison und des Filmgeschäftes hat die österreichische Polizeidirektion die Vorführung eines Films, der bereits mehrere Tage gelaufen war, verboten. Man beachte: nicht den Film, sondern seine Vorführung, was so viel heißt wie eine administrative Maßnahme. Die Polizei will es nicht darauf ankommen lassen, daß etwaige Demonstrationen gegen die Tendenz des Films die Ruhe und Ordnung stören oder gar die körperliche Sicherheit der Kinobesucher gefährden. Denn es gab bereits, heißt es in der Kundmachung des Verbots, demonstrative Störungen seitens jener Leute, bei denen der Film — es ist „Jud Süß" — lebhaften Widerspruch hervorgerufen hatte. Da von Haus aus keinerlei Grund vorlag, dem Film den Weg in die Kinos zu versperren, so hat die polizeiliche Verfügung kein anderes Motiv gehabt, als der Einstellung gewisser Kreise in Wien Rechnung zu tragen. Bei aller Bedachtnahme auf die Zeitumstände empfinden wir jeden Zugriff im Bereich geistigästhetischen Lebens als Eingriff in unsere eigene Anschauung und Stellungnahme. Im Falle „Jud Süß" allerdings setzen wir uns leicht darüber hinweg; denn hier hat das Verbot den Respekt vor ethischen oder künstlerisch bedeutsamen Werten nicht in Frage gestellt. Es kann keine Rede davon sein, daß die Empfindlichkeit des jüdischen Zuschauers durch das Verbot getroffen wurde, genau so wie die nur auf das Optische und Akustische des Tonfilms Eingestellten (Prince of Wales und die rumänische Königin waren von „Jud SÜß" begeistert) sich vom Sujet irgendwie irritiert fühlten. Aber in Oesterreich herrscht zur Zelt, in gewissen Schichten die Tendenz, alles, was getan und erlebt wird, unter dem Aspekt seines Heimatswertes zu sehen, so daß hie und da Nervenproben unvermeidlich sind. Wir volksbewußte Juden nehmen das Verbot, soweit es eben der Obsorge für Ruhe, Ordnung und Sicherheit Das bestbekannte Restaurant Hotel Stefanie Wien II, Tabor straße Nr. 12, Te.ephon R-46-8-57 empfiehlt .-eme reicnhaltige Speisenauswahl Menü von S 1.60 an, Speisen am Rost, täglich frische Fische, erstklassige Bedienung entstammt, mit Gleichgültigkeit zur Kenntnis. Wir verlieren nicht unsere. Nerven, wie jene, die hinter solch einer Verfügung allerlei Motive wittern und am liebsten bc* haupten möchten, daß die Kultur und Freiheit der Kunst in Gefahr sei. Denjenigen, bei denen der „Jud Süß" „lebhaften Widerspruch" hervorgerufen hat, wollen wir kein Kolleg Uber künstlerische Dinge, über Formung filmischer Probleme halten. Es wäre zwecklos. Es wäre insbesondere dann zwecklos, wenn sie diesen „Widerspruch" als Tarnung ihrer politischen Motive benützem wollten. Unsere eigene kritische Stellungnahme war klar. Wir schrieben: „Weder die Rothschilds noch der Ewige Jude noch auch Jud Süß sind begeisternde Figuren der jüdischen Geschichte und jüdisch-christlichen Legende. Jud Süß vor allem fehlt die sittliche Kraft, die einer Reihe anderer jüdischer Gestalten eigen ist." Wie es übrigens heißt, ist das letzte Wort noch, nicht gesprochen. Der Wiener Kardinal I n n i t z e r prüft den Film „Jud Süß" auf die Fähigkeit, Gefühle gewisser Kreise verletzen zu können. o. r. Zur jüdischen Sdiulfrage in Oesterreich Die Prager „Selbstwchr" bringt i:i ihrer Ausgabe vom 19. d. M. die Meldung, daß die „Liga gegen den Antisemitismus" (tschechoslowakische Sektion) an den österreichischen Bundeskanzler Dr. v. Scliuschnigg ein Schreiben gerichtet hat, in welchem auf die Verfügung der Unterrichtsverwaltung, betreffend die Teilung der Schulklassen in katholische und nichtkatholische, Bezug genommen wird. Die Liga gibt der Regierung zur Erwägung, den Erlaß außer Kraft zu setzen oder Grundlagen für ein selbständiges jüdisches Schulwesen in Oesterreich zu schaffen. I Samstag, den 27 Oktober, V„9 Uhr abends, Judenstaafsheim, I, Werdertorgassc 14 Mwd jüäsdtet Huust All t wirkende: Samuel Schwager (Rezitation), David Tendier (Konzertsänger), Prof. Josef Zimbler (Vibtine), Am Flügel: Kapellmeister Josef Bllitt. Keine ludenunruhen in Jugoslawien Wir erhalten aus Osijek (Jugoslawien) folgende Zuschrift: „Nr. 405 Ihrer werten Zeitung vom 16. d. M. bringt eine Nachricht, die mich, der ich in Osijek lebe, nicht wenig überrascht! Es ist mir ganz unerfindlich, von wo der Beograder Korrespondent der J. T. A. seine Nachrichten bezieht, noch dazu mit so präzisen Details ausgeschmückte! Ich gestatte mir, Ihnen mitzuteilen, daß in Osijek auch nicht eine Spur von antijüdischen Ausschreitungen festzustellen war! Es wurde kein einziges Geschäft angegriffen, es wurde kein' einziges Fenster eines Juden eingeschlagen und die Beograder Regierung hatte gar keine Veranlassung, irgend welche Ordres zu geben, weil die „Ausschreitungen" in Osijek einzig und allein in der Phantasie des Berichtserstatters existieren. Ebenso verhält sich die Sache mit Zagreb und Sarajevo! Sie können sich denken, wie solche Nachrichten auf uns Juden hier wirken, noch dazu Informationen, die doch ihren Weg über die ganze Welt nehmen! Ich bitte Sie sehr, diesen Zeilen in Ihrem werten Blatte Raum zu geben. Hochachtend Rudolf Heller (Osijek). * Die J. T. A. bringt jetzt in der Angelegenheit folgenden Bericht: Kurz nach der Ermordung des Königs Alexander I. von Jugoslawien in Marseille brachte die französische offiziöse Agentur Havas die Mitteilung, daß bei. Untersuchung der Leiche des Mörders, dessen Identität damals noch nicht feststand, festgestellt wurde, daß er beschnitten sei und demnach entweder ein Jude oder ein Muselman wäre. In Verbindung damit brachten englische und französische Zeitungen Mitteilungen aus Jugoslawien, daß es in einigen Städten zu judenfeindlichen Kundgebungen gekommen wäre. Nunmehr wird uns von jüdischer Seite in Belgrad bestätigt, daß judenfeindliche Unruhen in Jugoslawien nicht vorgekommen seien. Auch sei es nicht richtig, daß das GrandrabVInat Jugoslawiens erklärt hätte, der Attentäter sei nach mohammedanischem Ritus beschnitten. Das Grandra>ibinat hat sich mit der Sache überhaupt nicht befaßt." |llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!IIH §s Palästinareisen zu den §§' H günstigsten Bedingungen §| =E Abfahrten allwöchentlich HS Auskünfte und Anmeldungen: Es SS Imern. Reise- und Verkeilrsbüro „Universal"» Ssf' SC I., Kämtnerrinq 3 (9 \\3-6 Uhr) g l ^lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll

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