Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 406 (19.10.1934)
- Date
- 1934-10-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 406 DER NEUE WELT Seite 7 Das Judentum in Südamerika Aus Lima (Peru) wird .uns geschrieben: Vor drei Jahren hat die Jüdenschaft Perus in die Jüdische Welt Südamerikas eine neue, Losung geworfen: Die Proklamierung des 1. Jänner als eines Feiertages für das südamerikanische Judentum. Die Losung war da, aber man legte in sie ke^en Inhalt. Daher drang sie nicht ins reale Leben d^r Juden ein, bis auf Peru, wo dieser Tagbereits tatsächlich als Feiertag gilt. Es kann aber ein Moment von historischer Bedeutung werden, wenn dich die Feier des 1. Jänner in systematischer Arbeit für eine geeinte Front der gesamten südamerikanischen Judenheit verwandelt. Die geschichtliche Notwendigkeit drängt mit aller Kraft dahin. Die hitloristische Propaganda arbeitet in allen südamerikanischen Republiken systematisch und großzügig; sie dringt in die obskursten Winkel und verpestet die Atmosphäre. Viele Millionen Mark werden für diesen Zweck verwendet. Die Presse, das Theater, der iFilm, die Schule, die politischen Parteien und religiösen Vereine, die Gesellschaft sind dieser Propaganda preisgegeben. Und tatsächlich maoht sich in ganz Südamerika die Wirkung bemerkbar. Die Judenfrage, die bisher in den gastfreundlichen Republiken Südamerikas nicht existierte, ist nun ein schmerzliches Problem geworden. Das südamerikanische Judentum bedarf einer einheitlichen Front, um dieser Gefahr begegnen zu können. Man wird auch energischer den antideutschen Boykott durchführen können. Es gibt viele kleine jüdische Siedlungen, die einzeln einer solchen Aufgabe nicht gewachsen sind. Und noch ein Umstand ruft die Notwendigkeit einer gemeinsamen jüdischen Front in Südamerika hervor; die Einwanderungsfrage. Der Drang, auszuwandern, ist in der alten Welt jüdischerseits von Tag zu Tag aktueller. Hunderttausende Juden werden da ur.d d^rt entwurzelt und suchen die Möglichkeit, irgendwo, Brot zu finden. Man kann nicht leugnen, daß es gewisse Ein- Tvanderungschancen in Südamerika gibt; zumal die meisten Länder verschlossen sind, zum Teil aus Angst, da/3 ©Ine Flut billiger Arbeitshände hereindringen könnte. jOiese Politik lk'ß sich für Südamerika nicht anwenden: Di^ riesigen unbesetzten Flächen warten auf neue Emigranten, welche ein Segen für das Land werden könnten, und zweifellos wird nach Aufhören der wirtschaftlichen Krise die Frage einer neuen Einwanderung aktuell werden. Aber abgesehen von den vorhandenen Einschränkungen gibt es in Südamerika eine gewisse jüdische Einwanderung, und gerade in jene Länder, wo die Krisis am ßchlrfsten ist, wo die Möglichkeiten der Einordnung die minimalsten sind. Dies hängt mit der Desorientiertheit und der Beziehungslosigkeit der jüdischen Siedlungen Südamerikas untereinander zusammen. Es iat merkwürdig, daß z. B. die Judenheit Chiles besser orientiert ist über die Vorgänge in China und Aegypten, ais über Venezuela und Columbien. Eine Vereinheitlichung der A rbeit unter den jüdischen Siedli ngen in Süda-nerika, die Schaffung eines innigeren Hundes zwischen den einzelnen Staaten, könnte dem abnormalen Zustand ein Ende machen und das Immigrationsproblem in ein System bringen. Ein sonderbarer Zustand: In gevi issen südamerikanische^ Ländern treiben sich Arbeiter und Handwerker herum, ohne jeden Unterhalt, Hunger leidend, in Not und Elend, während für sie gleichzeitig die Möglichkeit besteht, in einem der Nachbarländer Arbeit und Brot zu finden. So gibt es z. B. in Montevideo eine Menge Holzfachleute aus Polen, die im Holzhandel und in der Holzverarbeitung sehr gut bewandert sind, und mit Zündhölzern, Briefpapier usw. hausieren, während sie in Chile, das sehr reich an Holz ist, sehr gute Betätigung finden könnten. Der Feiertag des südamerikanischen Judentums, die Feier der Vereinigung aller jüdischen Siedlungen Südamerikas, muß in eine Aktion zur Schaffung einer geeinten Front verwandelt werden. Das ist dringendste Notwendigkeit. Christliche Missionäre aii der Klagemauer Aus Jerusalem: Während des Morgengebets an der Klagemauer am letzten Sukkoth-Tag verteilten vier mit riesigen Plakaten behangene Missionäre, drei Männer und eine Frau, Broschüren in hebräischem Druck unter dem Titel „Eine Aufforderung an jeden Juden!", die von der „Near East Scripturc Testimony Press" in Jerusalem hergestellt wurden. Die Missionäre wurden von Polizisten entfernt. Vom Präsidium «les Keren Hajessod An alle Zeichner ergeht die dringende Bitte um tunlichste Einhaltung der Verpflichtungstermine. Es geht darum, dem kleinen Arbeitaapparat zeitraubende Interventionen zu ersparen, um ihn für produktive Werbearbeit voll ausnützen zu können. Filme der Wodfce Oesterreich: Maskerade — Frühjahrsparade. England: Jud Süß — Der Mann zweier Welten. Amerika: Königin Christine (Metro-Goldvvyn) Die Königin von Paris — Skandal in Rom — Zarewna. Deutschland (Arierparagraph): Rosen aua dem Süden — Abenteuer eines jungen Herrn in Polen — fcer kühne Schwimmer — Fürst Woronzeff. — Die In*el. Nach Palästina mit dem Lloyd Triesfano Die Geschichte der jüdischen Heimstätte ist innig mit. der Triester Schiffahrtslinie verbunden. Wer immer aus den Ländern Mitteleuropas nach Erez Israel reiste, kennt und schätzt den Dienst des „Lloyd T r t q s t i n o". Die wöchentliche Expreßlinie, welche von Trfest über Brindisi und Zypern in 4H Tagen nach Jaffa und Haifa führt, hat gerade in den letzten Monaten eine besondere Ausgestaltung gefunden: in diese Linie wurden die beiden Großschiffe „Ge r u s a 1 e m m e" und „P i 1 s n a" (12.500 Tonnen) eingestellt, welche außer einer ersten Klasse nur mehr eine Touristenklasse führen. Letztere ist in ihrem Wesen tatsächlich eine ganz hervorragende Touristenklasse, im Preise aber eine dritte Klasse. Die Kabinen sind fast ausschließlich Außenkabinen zu zwei und mehr Betten, manche hievon auch ohne Oberbett. Die Lloyd-Küche genießt seit fast einem Jahrhundert den besten Ruf auf allen Meeren. Im rituellen Speisesaal wird natürlich eine qualitativ erstklassige Speisenfolge geliefert. Das Hauptkontingent der Dampfer stellen heute die Chaluzim; für diese Kategorie von Reisenden hat der Lloyd Triestinö ganz besonders ermäßigte Preise erstellt. Chaluzim zahlen beim Lloyd Triestinö für die gmze Reise von Triest bis nach Jaffa oder sogar bis nach Haifa nur ö. S 160.—. In diesem Preise >3t die Kabinenunterbringung, die Verpflegung und eine Gebühr für die G e p ä c k b eförderung und Betreuung seitens des Triester Paiästina-Amtes inbegriffen. Normale Touristen zahlen für das Gleiche ö. S 280.—. Um aber auch den AUerärmsten unter den Chaluzim die Ueberfahrt nach Palästina zu ermöglichen, ist noch ein niedrigerer Fahrpreis für Deckpassagen fixiert worden (ö. S 116.--), mit dem die reine Ueberfahrt bezahlt wird. Josef Roths Roman „Hiob" wird demnächst von einer amerikanischen Gesellschaft verfilmt werden. Das Textbuch haben Osip D y m o w und Friedrich K o h n c r verfaßt. _ Neuaufführung des „Dytrak" In der Jüdischen Bühne, II., Praterstraße 60 (Tel. R-43-4-58), findet Freitag, den 19. Oktober 1934, um halb 9 Uhr zum ersten Male in dieser Saison die Aufführung „D er D y b u k" von An-ski mit Alex Stein in der Hauptrolle statt. — Sonntag, den 21. Oktober 1934, um halb 4 Uhr Nachmittagsvorstellung zu ermäßigten Preisen. Jüdische Rünstlerspiele In den „Jüdischen K ü n s 11 e r s p i e 1 e n" (Theater Reklame, II., Praterstraße 34) begann Mittwoch, den 17. Oktober, das mehrfach angekündigte Gastspiel des Bukarester jüdischen Theaters unter Leitung von M. Siegler mit der Aufführung des Volksstückes „Maseltow", das von Sevilla Pastor zum Sieg geführt wurde. „Maseltow" gelangt bis auf weiteres täglich um halb 9 Uhr zur Aufführung. Der ..Wknfr Jüdische Turnverein MaUKahi* . &cktp.n IX., Wien. IX.. Liechtensteinstraße 20, hat. seinen repelmäßigen Turnbetrieb in allen -Abteihinprn aufpreivm'men. (Herren über 35 Jnhre. Darn^ii, u. zw. rTeriitoturn>:n und moderne rhyttiniisvh« Gymnaatilc, Knaben. M.'iclrhen. Kinder.) .MäCipo Beitrage, für Arbeitslope, imbenrittrlte Horhscliüler und .1 ur^ndlichc. Lehrlinge usv. ermfüHEL Zuschauerraum. Gardambcksistchen, moderne Heizung und Ventüition. kalte und warme Duschen u«w. Der Verein besteht bereit?; 36 Jahre. Welturaufführung „Pclenblut" am 26. Okiober! In dem nach Oskar Nedbals weltberühmter Operett* von Karl Lamac" inszenierten Tonfilm „P o 1 e n b 1 u t" Sind die Rollen in folgender Weise besetzt: Zaremba — Hanf Moser, seine Tochter — A.nny O n d r a, Graf Baransky — Iwan Petrovich, Popicl — Rudolf Carl, Pawlowa — Margarete Kupfer U3W. Die Einrichtung für den Tonfilm stammt von Jaro Benesch. Jene Szenen, die auf einem polnischen Gutshof und bei einem polnischen Bauernfoßt spielen, sind als Original-Außenaufnahmen gedreht. Uraufführung: Freitag, den 2(3. Oktober d. J., in einer prominenten Premierengruppe. Verlautbarungen e!er tu§<geim£inde Wsen« Jakob Aschkenasy und Frau gratulieren Herrn Moses Brandes und Frau anläßlich der Bar-Mizwah ihres Sohnes Norbert aüfs herzlichste. Wiener jüdischer Gesangverein. Die Probetätigkeit für das neue Arbeitsjahr hat begonnen. Das L i t u r g is e h e Konzert wird eine Auslese der berühmtesten Kompositionen bringen. Die Aufnahme Sanges lustiger Damen und Herren findet jeden Dienstag, halb 8 Uhr, im Konzerthaus, Holländer-Saal, statt. Verein für jüdische Gcschiehle und Literatur in Wien. Montag, den 22. Oktober 1934. im Klubsnalf der „Hr.koah", I., v/ieslngerstraße 11 (Caf£ Atlashof, eigener Eingang. Souterrain), Vortrag der; Werrn Professor Dr. Samuel Krau f.'., ,,B i a 1 i k a 1 s; Gelehrte r". Beginn halb 8 Uhr abendo. Eintritt frei. Gäste willkommen. Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen, Freitag, den 19. Oktober 1934, werden bei den um 4 Uhr 55 Minuten beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bczirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: IL, Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Dt. Z. Taubes); XV., Turnergasse 22 (Dozent Dr. H. J. Zimmels); XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XIX., Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter); XXI., Holsmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Ro3enmann). Samstag, den 20. Oktober 1934, Schrifterklärungen b3im Vormittagsgottesdienste: XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murrnelstein). beim Abendgottesdienste: XIII., Eitelbergergasse 22 (Rabbiner Dr. M. Lewin). Chorsängerstellen Bei der israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangen Chorsängerstellen in don Gemeindetempeln für Ersten Tenor und Zweiten Baß zur Besetzung. In Betracht kommen nur musikalische Bewerber mit vorzüglichen Stimmitteln (Blattlescr), die das 3 5. Lebensjahr nicht überschritten haben, einen sittlichreligiösen Lebenswandel nachweisen können und die österreichische Bundesbürgerschaft besitzen. — Nähere Auskünfte erteilt die Amtsdirektion der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Steck. Israelitische Jugendgottesdienste. 1. Jugendgottesdienst für Volks-, Haupt- und Mittelschüler (Schülerinnen). Samstag, den 20. Oktober d. J., um 3 Uhr nach« mittags in allen Gemeinde- und Vereinssynagogen. 2. Besondere Jugendgottesdienste für Mittelschüler, und -Schülerinnen der Unterklassen im II. und IX. Bezirke. Samstag, den 20. Oktober, um viertel'5 Uhr nachmittags im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgässe 5, und in der Vereinssynagoge, IX., Müllnergasse 21. Begeistert sind aHe von den vielen Vorzügen der seit Jahrzehnten bewährten und beliebten „Reich"-DauerbrandoYen. ,,Reich"-Dauerbrandöfen sind für Inland- und Steinkohle, Koks und Anthrazit geeignet und erzielen eine enorme Ersparnis an Heizmaterial. Primat, die neue Ofentype für Holzheizung, genießt 30 Prozent Bundeszuschuß. „Reich,,-Dauerbrandöfen sind in jeder Größe, Farbe und Ausführung zu haben: IV., Preßgasse 2S, und I., Parkring 12. i i»y.*HvawyjiEgg"^^^^ ii«*: cv $o V^1 r*- AT ' «. ' £ A *J** |e<<,^ <<> V., 0\j£> ^c^Ö* s*^ Gewebte , iVlcde-Scfio jfen j mit Flanellrücken odet Velours- Flaneli wonstofl-Dessins. für Blusen u Kleider De' Meter .70 ' 4<$?,'\ 'oit/ft>rt j o a/cvwJ- A >*v^ * $r* ° \\ ff* ~ < 7(*JiA ^™ Sj^f/U/ ^■■?*2S* *?e , °naf'yr.^ s^m Kinder- Sdiülsfielel schwat? Gr- 51-» J SS q. 20-30 S 775 Gi. 26-27 DTOim S Vsr<%%K^< \°* w^*% <& 4 - % lV Iii 4$0 nN«- JP*** efl* v *Ovv V-r *C «v %^kt#>- ^?S**CV i f^*-^ <g^jjr /Vläddieri- Mantel reine Wolle. Gr 60. S 12.90, Hubertus- Kinde r-ManteS Wamelhaarart. Loden Größe 60 *'0A*» ftäfK^L /i^e* '*V OrrV<?//? ^ss? J>£" J* <c,. CL^es 1b ■p"«, ^CA *<v r°o e Sf***. ■ ^to*. >%, fr *'^<,««k> rr*«&nte* r Ä/e,*"»'"«^- ^'öenft0"5 K anse Wösen ^l'n.'" 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