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Die neue Welt · 1934-10-19 · Heft 406 (19.10.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 406 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 406 DIE NEÜK WELT Seite 5 Der Weg dew M4emt&&i§p&ftei Von IMNr Großmann (Tel-Awiw) (Siehe Ausgabe Nr. 404 und 405 unseres Blattes.) "Nationaler Monismus ..... die Einheitlichkeit und Geschlössenheit der zionistischen Weltanschauung und die konsequente Realisation der nationalen Aspirationen in Palästina —• gehört zu den Grundsätzen der Juden- Stafctspartci: Für sie ist der Zionismus vor allem eine Bewegung, die die Wiederaufrichtung des Juden- Ptt.gKRÖOERgHEIM II, MALZGASSE 7 / 1EL A-48-U-77 NÜchJter KOCH Beginn 29. Oktober / Dauer acht Wochen Anmeldung sofort ß t a a t e s und die Umschichtung der Grundlagen des jüdischen ökonomischen Lebens anstrebt. Alles, was uns der Verwirklichung dieses angestrebten Zieles näherbringt, ist nützlich und begrüßenswert; alles, was diesen Prozeß stört oder verlangsamt, ist schädlich und muß ■beseitigt werden. Daraus ergibt sich die Konsequenz, daß in einer Periode solch tiefer Umwandlungen in der Geschichte unseres Volkes, wie wir sie jetzt erleben, die national jüdische Bewegung ein höchstes Gebot kennt: die Konzenträtion aller Kräfte auf den Staatsaufbau. Dieser Grundsatz tangiert in vollem Maß auch Unser Wirtschaft Ii ches Leben. Dio ökonomischen Interessen von Klassen, Gruppen oder Personen müssen dem Vorrang der nationalen Interessen unterworfen sein. Natürlich ist, wie stets bei - der Feststellung von Prinzipien, auch hier eine Gefahr der Gencra.lisierung und Dogmatisierung vorhanden. So kann man beispielsweise das Recht sozialer Gruppen oder auch Einzelpersonen auf Verteidigung ihrer gerechten Lebensinteressen, wenn sie auch in Konflikt mit der Gesamtheit kommen, nicht ganz einfach von der Hand weisen. Das wäre widersinnig. Es handelt sich in unserem Fall bloß um die Feststellung von Grundlinien, welche die Haltung verschiedener sozialer Schichten in ihrem politischen und wirtschaftlichen Kampf bestimmen sollen. Wie gesagt, sehen wir die Hauptaufgabe des Zionismus — in allen seinen Formen und Schattierungen — im Aufbau eines Heims für das jüdische Volk. In solch einer Zeit gilt die erste und wichtigste Verpflichtung jedes einzelnen darin, genau so wie in Krieg oder Revolution, nicht seiner Klasse oder Gruppe, sondern geradewegs dem ganzen Volk und seinen historischen nationalen Idealen. Der Befreiungsprozeß ist ein kontinuierlicher. Er erfordert für längere Zeit die Sammlung und Einsetzung aller Kräfte. Deswegen kann keine Rede sein von hochwertigen und minderwertigen, privilegierten und untergeordneten Elementen. Alle Juden, difl für Palästina arbeiten oder bereitstehen zur Einwanderung", um direkten Anteil an dem Aufbauprozeß zU nehmen, sind für den Zionismus gleichwertig. Es ist vielleicht notwendig, die Geeignetsten auszuwählen und die „Schädlichen" zu eliminieren, aber im Vergleich zum Hr.up'iprinzip ist dies von sekundärer Bedeutung. Dio Aufgabe des Zionismus besteht doch darin, In kürzester Zelt mit den bescheidensten Mitteln auf deirt k 161 n s t c li Stück Boden die mög- ' Höhst g r ö ß t e Anzahl von Juden anzusiedeln. Nur vo» diesen! Grundsatz müssen wir ausgehen, wenn wir von der Qualifikation des Eltiwandererniaterlals und von der Methodik des Aufbaues an sieh sprechen. Wenn Palästina von allen Juden für alle Juden aufgebaut wird, müssen sich auch die Wege und Mittel, die hiefür angewendet werden, im Machtbereich aller befinden. Das betrifft sowohl das Recht auf Alijah (Einwanderung) als auch die Verwendung der Fonds und Banken wie auch den allgemeinen Einfluß auf die Wirtschaft und Politik des Landes. Deswegen verlangen wir zum Beispiel, daß in der Verwaltung der nationalen Fonds Vertreter aller Schiebten sitzen und daß die gesammelten Gelder zugunsten aller Einwanderer verwendet werden — ohne Unterschied von Klasse dder Partei. Bisher bot sich uns leider ein anderes Bild: Die Fonds wurden hauptsächlich für spezifische Zwecke einer Klasse verwendet, fast einer Partei. Mehr noch. Man hat mit den Mitteln der Gesamtheit dio Durchführung von sozialen Experimenten einer „gewissen radikalen Art" unterstützt. Diesbezüglich ist viel Unrecht geschehen. Auf Rechnung der nationalen Mittel hat man just die separatistischen Tendenzen gestärkt. Die Ausrede, daß die Arbeiterorganisationen die ersten waren, daß sie zu den energischesten und aktivsten gehören —- ist ein Motiv, aber keine Entschuldigung für die Leitung der nationalen Fonds, welche die Gesamtheit und ausschließlich die Gesamtheit im Auge behalten müssen. * Recht auf Arbeit für jeden Juden, der nach Palästina kommt} Recht für jeden jüdischen Menschen in Palästina, Arbeit xu bekommen, wo, wann und wie er will; Itecht eines jeden Bewohners, sich ziun Schulz seiner Interessen in der ihm genehmen Art zu organisieren — ohne Zwang und ohne diktatorische Befehle seitens Menschen, die sich selbst zu Herrschern eingesetzt haben —, gehört zu den wichtigsten Punkten des sozialen Programms der Judenstaatspartci. Diese Forderung ist eine direkte Folge des Hauptprinzips: daß alles, was die Verwurzelung des Einwanderers im wirtschaftlichen Organismus des Landes erleichtert, begrüßenswert ist, hingegen alles, was durch künstliche Einschränkung seine Entwicklung stört, Schaden bringt. Das, was wir jetzt in Palästina sehen, gehört just der zweiten Kategorie an. Eben um dessentwilleu bekämpft die Judenstaatspartei gewisse Krankheitserscheinungen des jüdischen Lebens im neuen Heim, Erscheinungen, für die hauptsächlich die Histadruth, die palästinensische linke Arbeiterorganisation, die Verantwortung trägt — eine Organisation, die bekanntlich ein Instrument in den Händen einer politischen Partei, der Maplagat Poale Erez Israel („Mapai"), ist. Die Histadruth will wirklich die ganze Arbeiterschaft beherrschen, den Arbeitsmarkt kontrollieren und immerfort als einzig berechtigte Vertreterin der palästinensischen Arbeiterklasse gelten. Sie begnügt sich nicht mit ihrer Macht über ihre eigenen Mitglieder, sondern will auch Andersdenkenden ihren Willen aufzwingen. Wenn wir es mit einer bloßen Gewerkschaft zu tun hätten, wäre die Opposition gegen das Monopol der Histadruth nicht so scharf. In der Tätig- Jüdische Elfern! Kauft Schulbücher für eure Kinder in der jüdischen Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke Taborsfraße 32 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen Spesenfreie Zusendung überallhin. Verzeichnisse kostenlos — Für Auskünfte: Tel. R-41-4-2* SACHSECHERBSTHÜTE der leichte Steil hut U,Taborstr. 39 .- 18.- 25.- 30.- »ÄnSUO 11.50 13.50 XIV, Sechshauserstraßc 39 XVII, Kalvaricnberggassc 34 keit der Histadruth aber ist es klar, daß die Klasseninteressen bei ihr höher stehen als die nationalen. Es wird wohl kaum jemand leugnen, daß sie ganz und gar spezielle Anschauungen und Ziele hat. Genug oft hat sie den Gewerkschaftsapparat für ihre politischen Zwecke ausgenützt. Wer trägt denn die Mitschuld an der Verbreitung des Klassenhasses und des Brith-Schalomismus? Die Judenstaatspartei leugnet nicht die Existenz von Klassen, sozialen Gegensätzen und kapitalistischen Interessen in Palästina; zweifellos müssen die Arbeitnehmer in professionellen Vereinen organisiert sein, zum Schutz ihrer Rechte. Die Partei schätzt die großen Verdienste der Pioniere, die den Boden für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vorbereitet und jahrelang auf der Wache für jüdische Arbeit gestanden haben. Das hindert aber die Judenstaatspartei nicht, gegen den Klassenseparatismus derselben Menschen aufzutreten, einen Separatismus, der in Palästina mit kostspieligen Experimenten auf dem Rüoken der Gesamtheit eng verbunden ist. Wir betrachten es als unsere Pflicht, entgegenzutreten dem Streben, die anderen Klassen unseres Volkes unter dem Druck eines organisierten Kampfproletariats zu halten. In solch einer monopolisierten Stellung auf einer Menge von Gebieten liegt eine große Gefahr. » (Schluß folgt.) Wirtschaftsbrief unseres Palästina-Korrespondenten. Täglich erscheinen hier statistische Tabellen, welche den enormen Aufschwung der Wirtschaft im Lande illustrieren. Aber beim Lesen dieser Ziffern gesellen sich zur Freude über die Gegonwärt Sorgen um die Zukunft. Kann die Entwicklung so weitergehen? Ich will hier auf zwei aus der Fülle gegriffene Tabellen verweisen. Der jüdische Orangenniarkt Das Büro der „American Economic Committee for Palestine" gibt auf Grund einer Prüfung der alten und ncuangelegten jüdischen Orangenpflanzungen folgende Ertrags Ziffern bekannt: Ernte Ertrag In Kisten 1934/35 ..... 4,000.000 1936/36 . . . i . 5,340.000 1936/37 ..... 8,320.000 1937/38 ..... 10,880.000 1938/39 ..... 12,550.000 In vier Jahren wird sich die OrangenprödUktiön verdreifacht haben. Wird es möglich sein, Absatzmärkte für dieses Quantum zu finden? Wenn ja, dann gewiß nicht ohne eine sehr beträchtliche Senkung der Preise. Wenn man bedenkt, daß heute der jüdische Pflanzer auf sehr teurem, zu Spekulationspreisen erworbenem Boden arbeitet und dem jüdischen Arbeiter einen (im Vergleich zum arabischen Arbeiter) hohen Lohn zahlen muß, dann ist berechtlgterweise zu befürchten, daß bei gleichbleibender Entwicklung Stockungen im Absatz, Schwinden jeder Rentabilität und Verdrängung der jüdischen Arbeiter die Folgeerscheinungen sein werden. * Die Höhe der Arbeltslöhne Ueber die jetzt gezählten Löhne gibt das Amerikanisch-palästinensische Wirtschaftsbüro folgendes bekannt: ^lülllUIHlllllllillim^ LAUWEISS PMfatimfakdm *vfdem£*kdi»ef. BILLIGE SONDERFAHRTEN REISEDAUER: WIEN-HAIFA 3^ TAGE Abfahrt des ertten SONDERZUGES Samitag, den 17. Nov., 19.20 Uhr abends von Wien-Ostbahnhof Ankunft Mittwoch früh In Palatino Bequeme Fahrt Schlaf- und Speisewagen Rituelle Küche Wegen dei vielen VORANMELDUNGEN empfiehlt es sich, die FAHRKARTEN ehesten« zu Besorgen Platzkarten werden ausgefolgt KAUTENVERKAUF — AUSKÜNFTE i ()e!sl«'ir«'khisclies Verkchrsburcau, Wien, I., Friedrichstraße 7, Telephon fi-37*ÖO0 Ovhtom'ichiKches PaliUtina-Amt, Wien, I., Kärntnerstruße 38, Telephon B-37-1-8G l'u)ä»tinu-Fuhrten, Wien, I., Fram~Joset»-Kfti 7/V, Zimmer 139 A, Telephon R-S8-04S Ta g1o h n Ungelernte Bauarbeiter . . 400 mils (12 ö. SV; Gelernte Bauarbeiter . . . 650—700 mils (bis 21 ö. S), Ungelernte Industriearbeiter 330 mils (10 ö. S) Ungel. Industriearbeiterinnen 200 mils (6 ö. S), Ungelernte landw. Arbeiter . 175—250 mils (bis 7.50 ö. S) Wenn man diese Ansätze mit den Arbeitslöhnen in Europa vergleicht, müssen sie als außergewöhnlich hoch bezeichnet werden. Vergleicht man sie aber mit den Lohnsätzen in den Nachbarländern (Syrien, Irak, Aegypten), so kommt man zum Ergebnis, daß die palästinensischen Löhne in manchen Kategorien vier- und fünfmal so hoch sind. Nur ein Land im Spekulationsfieber kann solche Differenzen ertragen. Schon heute sind zwei Erscheinungen au konstatieren: Abnorme Bodenpreise und Arbeitslöhne haben zu einer drückenden Verteuerung der Wöhliungä- und Geschäftsmiete und wichtigster Gebrauchsartikel geführt. Die palästinensische Industrie, die noch vor kurzem eine gesunde Entwicklung in der Richtung des Exports zeigte, ist im Auslande nicht mehr konkurrenzfähig. Es setzt auoh die bedenkliche Tendenz ein, palästinensische Betriebe in das benachbarte Ausland zu verlegen. Das sind Erscheinungen, die zu ernster Besorgnis für die Zukunft Anlaß geben. MosfruIoPefroIeum fließt bereits nach Haifa Aus Haifa (J. T. A.) Am 14. Oktober morgens Würde die von den Oelfeldern des Irak nach dem Hafen von Haifa in Palästina gehende Oel-Rührenleitung offialöU eröffnet. Das erste Mossul-Oel fließt bereits in die Tanks von Haifa. Ende Oktober wird mit der V e rachiffung des Oolg nach Europa und nach anderen Erdteilen begonnen werden. Mit diesem Tage Ist ein großes Werk vollendet, von dem man sich seit Jahren eine Aufwärtsentwicklung de« Wirtschaftslebens Palästinas verspricht. Im November 1930 hatte der damalige High Commissioner Sir John C h a n c e 11 o r die riesige Öel-Tankanlage der Shell Oil Company, dio eine Aufnahmefähigkeit von Über sechs Millionen Gallonen hat, eröffnet. Gemäß der Konvention zwischen der Regierung Palästinas und der Iraq Oil Company ist die Gesellschaft verpflichtet, auf palästinensischem Boden nur palästinensische Arbeiter zu beschäftigen. Die palästinensische Orangenausfuhr 1983/34. Aus Jerusalem (J. T. A.): Soeben wird das amtliche Ergebnis der Zitrus-Saison 1933-S4 veröffentlicht. Danach wurden in dieser Saison aus Palästina 5,157.976 Kisten Orangen ausgeführt; davon gingen nach England 3,256.158, nach Deutschland 1,298.149 Kisten, der Rest nach anderen Ländern. Das finanzielle Gesamtergebnis der Orangenausfuhr in dieser Saison stellte sich auf 2,441.578 Pfund. Der Anteil Englands an der Abnahme von Palästina-Orangen betrug demnach über 60 Prozent, der Deutschlands über 25 Prozent, der aller anderta Länder zusammen nur IS Protent

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