Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1934-10-19 · Heft 406 (19.10.1934) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 406 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2711952-2712029--4657-2718168
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DIE NEUE WELT Nr. 406 J!'!!H|!!H;'!i'¥!n!!H!|:',!i!'!r::1Tji!:rw';^]p C U N A R ° WHITE STAK! nach Amerika und Canada 1 | KOSCHERE KÜCHE | | unter Aufsicht des Beth Din (London) m 1 REPRÄSENTANZ! | | WIEW I, KWR^TNERRING 4 1 fuil:.:::*»^ jlidischf Hochfinanz ruiniert Großbritannien, und wir müssen sie besiegen.") Wenn man aber auch die von judenfeindlicher Seite immer wieder hervorgesuchte Unterstellung ablehnen muß, daß die Juden dem Bolschewismus frönen und ihn dort, wo sie mit ihren „Wirtsvölkern" leben, zu propagieren versuchen, so darf man dennoch nicht die Erscheinungen übersehen, welche zu der eben erwähnten schiefen Beurteilung führen. Selbst im Zionismus gibt es Gruppen, welche trotz der jahrhundertealten Erfahrungen von der Idee einer besonderen Mission des Judentums in der Welt faseln; es sind die an der äußersten Linken stehenden Klassenkämpfer, die heute noch versuchen, dem jüdischen Gang in der Geschichte einen Sinn unterzulegen, der dem Judentum Aufgaben für andere Völker stellt, von ihm verlangt, daß er für die anderen Völker die welterlösenden „Kastanien aus dem Feuer hole". Wir wissen, wie die Welt auf diese Bestrebungen reagiert hat. Man hat uns als die zersetzenden Elemente, als unerwünschte Eindringlinge, kurzum als Kulturbolschewiken hingestellt und nach mehr oder minder radikaler Abhilfe gerufen. Vor nicht langer Zeit hat Herriot, dem man gewiß keine Vorurteile gegenüber dem „kämpfenden Proletariat" und kein übertriebenes Wohlwollen gegenüber der „schmarotzenden Bourgeoisie" unterschieben kann, die Sorte der intellektuellen Völkerbeglücker, der ewig revoltierenden Schreibtischhetzer — „Bolschewiken i m F r a c k" genannt. Diese Bezeichnung, so kraß sie aussieht, trifft den Kern der Sache. Wenn der radikale Soziallst Herriot die seinen Gesinnungs- und Klassengenossen benachbarten Intelligenzler als Bolschewiken im Frack bezeichnet, so hat ihm zweifellos seine Erfahrung hiezu das Stichwort gegeben. Die klassenkämpferische Linke im Zionismus, die sich über die natürlichen und historischen Postulate der Nation hinwegsetzt und die Jugend nicht vor den Bolschewiken im Frack zu behüten vermag, ist im Begriffe, die wesentliche Erkenntnis des Zionismus zu mißachten: die Erkenntnis, daß wir zu allererst unser eigenes jüdisches Leben zu gestalten und alles zu stärken haben, das die Zukunft unserer eigenen jüdischen Existenz sichert. Wir haben keine Zeit dazu und auch kein Anrechtdarauf, die Welt zu verbessern und anderen Völkern unsere WeltverbrüeJerungsideale aufzudrängen. Wir haben unsere eigene, dringende Aufgabe zu erfüllen — zurückzukehren I zu den normalen Grundlagen eines nationalen Seins. o. r. wenn Sie den Rat befolgen, Ihren Körper widerstandsfähig und widerstandskräftig zu machen. Im Kampf ums Dasein spielt es eine große Rolle, daß Sie keinen Tag verlieren, daß Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Beruf, Ihrer Beschäftigung fernzubleiben. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag DIANA- Franzbranntwein mit Menthol und Sie schützen sich am besten gegen alle Unbill des Winters und des Alters. In jedem besseren Geschäft erhältlich. 60 Prozent jüdischer Schulkinder unterernährt Aus Warschau: Die mit der Untersuchung der Schulkinder in öffentlichen Volksschulen, Taimud-Thora- Schtilen und Chedarim beauftragten Schulärzte haben der Volksgesundheitsbehörde einen Bericht erstattet, in dem festgestellt wird, daß etwa 60 Prozent der untersuchten jüdischen Kinder unterernährt sind. In sehr zahlreichen Fällen haben die Kinder, wenn sie zur Schule kommen, kein Frühstück erhalten. Hausverwaltungen übernimmt verläßlicher, konzessionieren Verwalter. Auskunft erteilt die Administration des Blatt..-?. Judenfaufen in Wien Nach einer Mitteilung des Leiters der katholischen Missionsvereinigung sind in Wien in der Zeit vom Jänner 1928 bis anfangs Juli 1934 ungefähr 1000 Personen in die katholische Kirche eingetreten, darunter 447 Juden und 366 Protestanten. Die Verteilung auf einzelne Jahre gibt folgendes Bild: Eintritte in die katholische Kirche: Juden Protestanten 1930 .......... 27 39 1931 .......... 43 51 1932 .......... 42 71 1933 .......... 102 51 1934 (1. Halbjahr)..... 152 66 Zum Vergleiche seien die Ziffern der bei der Wiener Kuitusgemeinde in der gleichen Zeit regi3tiertcn Austritte aus dem Judentum: herangezogen: 1930 .....< .;......752 1931 .............. 756 1932 .............. 812 1933 .............. 777 1934 (1. Halbjahr).........487 Ein Vergleich dieser beiden Tabellen zeigt, wie u nehrlich und unsauber die jüdische Austrittsbewegung ist. Eine Sache der Konjunktur! Zur Zeit, da die Sozialdemokraten das öffentliche Leben in Wien beherrschten und von Stellenwerbern und sonatigen Interessenten den Austritt aus den Kirchen forderten, wurden fast alle jüdischen Austrittler „konfessionslona". Nup 3 bis 4 Prozent wurden katholisch. Nun, da die Sozialdemokraten daniederliegen und die „Katholischen" herrschen, ist der Prozentsatz der katholisch gewordenen jüdischen Austrittler schon auf 40 Prozent gestiegen» Es ist klar, daß man bald auf 100 Prozent kommen wird, denn die „Frcidenkerei" lohnt sich nicht mehr. Das Bild, das sich hier bietet, ist gewiß geeignet, sowohl die unterlegenen Sozialdemokraten als auch die Katholischen mit Verachtung für ihre „Genossen" zu erfüllen. II, Tabor* »trade 18 ifi National Samstag, den 20. Oktober AXIMOFF-TRUPPE 9 Uhr abends Musikschutz Aktuelle Palä§finafaa<|en Das palästinensische Oberrabbinat Aus London wird uns geschrieben: Der Oberrabbiner Dr. Hertz schickt sich an, eine Delegation der englischen Rabbinen zu dem in England weilenden palästinensischen Oberkommissär Sir Arthur Wauchope zu führen, um mit diesem eine Reihe wichtiger Probleme zu besprechen. Der Delegation werden die Rabbiner Dr. Herzog (Irland), Schechter (Belfast), Untermann (Liverpool), durchwegs Mitglieder des Misr a c h i, angehören. Die wichtigste Frage bezieht sich auf die Subventionierung des palästinensischen Rabbinats. Schon seit Jahren bemüht sich der Misrachi, bei der palästinensischen Regierung und dem britischen Kolonialamt in London die Anerkennung des Oberrabbinats als offizieller Institution durchzusetzen, da die Regierung verpflichtet sei, für dieses genau so zu sorgen wie für den arabischen Mufti. Bisher verweigerte die Regierung die Erfüllung dieser selbstverständlichen Forderung. Sie begründete ihr ablehnendes Verhalten damit, daß die Palästina-Administration keinen Unterschied zwischen Arabern und Juden mache, sondern bloß den einstigen Zustand, den Status quo, den sie bei Uebernahme des türkischen Landes vorfand, legalisiert habe. Zur Zeit der Türkenherrschaft, erklärt die Regierung, war die mohammedanische Religion anerkannte Religion und vom Staat subventioniert, die jüdische aber nicht. Es erübrigt sich, die Fadenscheinigkeit dieser Argumentation zu beweisen. Sie widerspricht dem Geist der Balfour-Deklaration und des Mandats und schließlich aeuh der wirklichen Lage. Denn das Budget der Administration stammt zu 50 Prozent aus jüdischen Taschen und selbst der größte Teil des arabischen Beitrages ist indirekt den Juden zu verdanken ... So kann es nicht weiter bleiben. Auch die Mandatskommission des Völkerbundes hat sich dafür ausgesprochen, daß die Administration ihre Haltung im obenerwähnten Punkt ändere. Die Delegation trägt, obwohl sie vom Misrachi geführt wird, keinen parteiischen Charakter. Sie spricht im Namen der ganzen Judenschaft. Schaffung einer breiten Koalition Das in Tel-Awiw erscheinende Organ der palästinensischen Judenstaatspartei „Iton Mechujad" beschäftigt sich in einem politisch bedeutsamen Aufsatz mit der Frage, ob die zionistische Exekutive den Weg zu den Parteien und damit zum Frieden in der Zionistischen Organisation finden werde. Nach der Feststellung, daß die Möglichkeit zur Schaffung einer breiten Koalition vorläufig nicht in Sicht sei, charakterisiert das Blatt auf Grund seiner Informationen die zwei Richtungen, die innerhalb der zionistischen Exekutive herrschen: Die eine Richtung erstrebt den Zusammenschluß aller zionistischen Kräfte — sogar mit Einbeziehung der Revisionisten, falls sie ihre Taktik des „Brechens" aufgeben und die Kongreßbeschlüsse annehmen —, um sofort eine vereinigte Front für den politischen Kampf, hauptsächlich gegen den Gesetzgebenden Rat, zu schaffen. Die zweite Richtung, obwohl keine prinzipielle Gegnerin eines Kompromisses, ist gegen eine Vereinigung mit Gruppen, welche die Autorität der Exekutive untergraben und eine separatistische Politik in einem Umfang betreiben, die den Zionismus schädigt. Die Vertreter dieser Richtung verlangen eine „starke Hand" gegen die Zerstörer der Organisation; sie sind zu einem Einverständnis mit den Allgemeinen Zionisten, dem Misrachi und der Judenstaatspartei bereit. Inzwischen, fährt das Blatt fort, hat die Exekutive beschlossen, vorerst sämtliche an der Tagesordnung befindliche Fragen (betreffs des „Friedens" in der Organisation und im Jischuw) durch direkte und indirekte Gespräche mit allen Partelen einschließlich der Revisionisten klarzustellen. Die Fragen sollen betreffen: 1. Zionistische Disziplin. 2. Arbeiten für die Fonds. 3. Arbeitsverhältnisse im Jischuw. 4. Die Gefahr des Gesetzgebenden Rates. Wie der „Iton Mechujad" mitteilt, beabsichtigt die zionistische Exekutive, für den Monat Dezember das Aktionskomitee nach London einzuberufen. Bis dahin sollen die Besprechungen mit den Parteien beendet und die Vorbereitungen der britischen Regierung bezüglich des Gesetzgebenden Rates bekannt geworden sein. Das A. C. wird über prinzipielle innere und äußere Fragen zu beschließen haben und auch den Termin des nächsten Kongresses festsetzen. Wie es heißt, will ein Teil der Exekutive den Kongreß verschieben. Allerdings haben die Verschiebung zwei Drittel des A. C. zu beschließen. Gegenwärtig ist die Exekutive gegen jede konstitutionelle Aenderung in Palästina, also auch gege# den Gesetzgebenden Rat. Das Memorandum de* Exekutive an den High Commissioner spricht aus, daß die ganze Zionistische Organisation und der jüdische Jischuw entschieden den Gesetzgebenden Rat ablehnen, Transfer und nationale Disziplin Der Warschauer „Hajnt" läßt sich von seinen! palästinensischen Korrespondenten über die antideutsch« Boykottaktion in Palästina berichten. Nachdem festgestellt wird, daß im Verlauf von 20 Monaten Palästina das einzige Land war, in welchem die Oeffentlieh« keit nicht systematisch an eine Boykottorganieation herantrat, kommt der Korrespondent zu dem Geständnis, daß die Hauptschwierigkeit bei dieser Angelegenheit im Transfer-Abkommen liege, wonach deutsche Juden ihr Geld nur in Form deutscher Waren von Deutschland nach Palästina bringen können. „Das Transfer-Abkommen", schreibt der linksorientierta .Hajnt'-Korrespondent, „ist der Knochen in unseren! Hals, nicht herauszukriegen, nicht hinunterzuschlucken* Es gab Verhandlungen der Jugendgruppen zu gemein«» samer Aktion, welche zu einer gemeinsamen Kon* f erenz führen sollte. Bevor noch das Konferenzkomitee gewählt wurde, flog die ganze Sache auf. Es kam zu einer Spaltung. Fast alle Jugendorganisationen, miti Ausnahme des „Betar" und der „Barkaim" und ähnlicher Gruppen, verließen das Komitee. Sie gaben als- Grund an, die Revisionisten hätten die zahlenmäßige Vorhand im Komitee und außerdem verlangt, das Komitee möge von Haus aus beschließen, daß das Transfer-Abkommen unbedingt zu verwerfen sei. A1W Gruppen, welche die Vorkonferenz verließen, erklärten aber, daß sie in voller Harmonie mit der nationalen! Disziplin und mit den verschiedenen Institutionen die Boykottfrage lösen werden." Die weggegangenen Jugendverbände (zum größtes Teil Linke) und die verschiedenen jüdischen Institutionen Palästinas werden keine Freude haben, wenn sie lesen werden, was der sozialdemokratische Führer und Mitglied der zionistischen Exekutive David Ben Gurion in einer in Warschau kürzlich gehaltenen Rede bezüglicht des Transfer gesagt hat: „Dank innerer Arbeit in Palästina ist die deutschet Katastrophe zu einem Akt nicht von Verzweiflung, son-t dem von neuem Aufbau in Palästina geworden. Bs gab Menschen, welche dies stören wollten, aber dank dem' Transfer wurde es möglich, in einem Jahre 15.0001 deutsche Juden auszulösen und 600.000 andere deutscht Juden moralisch zu stärken — durch die Hoffnung auf Erlösung. Das Transfer-Abkommen ist unser Stolz. Wit wollen es wie eine heilige Fahne tragen." Herr Ben Gurion ist also stolz auf die Düren"-, brechung der Boykott-Front. , Serbisch Rumänisches Weinbaus II, Taborstraße 18, im Hotel National Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und SpleB I Kömgsmord und Judenhefye Aus Paris: (J. T. A.) Kurz nach dem Mordattentat auf König Alexander von Jugoslawien und Louis Barthou in Marseille erschienen in Paria Maueranschläge, in denen das Attentat als ein Werk de» „jüdischen Kommunismus" hingestellt wurde« Nun hört man, daß auch in Jugoslawien Kräfte im Werke waren, das Mordattentat mit „jüdischen Umtrieb e n" in Verbindung zu bringen. Jetzt, nachdem die Herkunft des Attentäters und seiner Helfershelfer aus dem vom Antisemitismus verseuchten mazedonischen Terror* lager — man erinnert sich, daß die gleichen] Terroristenkreise vor einigen Jahren promi» nente Juden in Bulgarien entführt, gepeinigt und er«, preßt haben — aufgeklärt ist, fragt man sich in Paris, ob nicht ein intimer Zusammenhang zwischen dem Mordattentat und der im Anschluß an dasselbe inaugurierten Judenhetze besteht, und ob nicht von Anfang an geplant war, die Schuld an den Morden auf die Juden abzuwälzen. In disem Zusammenhang ist es wichtig, zu erfahren, von welcher Seite die Judenhetzparole In Frankreich und in Jugoslawien ausgegangen ist und welcher Zusammenhang zwischen der Attentatsgruppe selbst und den Verbreitern der Hetzparole besteht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.