Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 405 (16.10.1934)
- Date
- 1934-10-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 105 DIE NEUA WELT Seite a Eine gr^ße Ahtmn der Jiidesi§#aiai§partei Die große englische Zionist^n-Konferenz Wir haben in unserer letzten Ausgabe Uber die am 7. Oktober in London abgehaltene zionistische Konferenz und die dort gefaßten Beschlüsse berichtet. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns hiezu: Am 7. Oktober fand in London (First Avenue Hotel, Holborn, London W. C. 1) eine Konferenz der Zioniatcn Großbritanniens und Irlands itatt, in welcher sich die Zioni.st Föderation (Allgemeine Zionisten), die Juden s t a a t s p a r t e i, die Misrachi und die Poale Zion beteiligten. Diese Konferenz fand über Initiative der Judenstaatspartei statt, welche sich schon im Monat Mai sofort nach den letzten Einreisebe schränkungen in Palästina, an die anderen zionistischen Parteien Großbritanniens mit dem Vorschlag wandte, eine vereinigte Front in Frage der Alijah (Einwanderung) zu bilden. Nach Unterhandlungen, die einige Monate dauerten, fand die Konferenz statt und nahm einige Resolutionen einstimmig an, in welchen sie von der britischen Regierung eine vergrößerte A-Hjah fofderten (der Arbeltskategorie sowie aller anderen Kategorien), ebenso eine Forderung an die Regierung, eine grundsätzliche Durchsicht aller Einreisebestimmungen vorzunehmen. Während der Unterhandlungen mit den anderen zionistischen Partelen wurde die Frage wegen Errichtung eines Legislative Council (Palästina-Parlaments) aktuell. Die Judenstaatspartei wandte sich sofort an die anderen Parteien mit dem Vorschlag der Schaffung eines vereinigten (gemeinsamen) Ausschusses für den Kampf gegen die Errichtung des Parlaments. Die Frage der Schaffung dieser Einheitsfront wurde vorläufig offen gelassen, die Konferenz faßte aber einen Beschluß (einstimmig), in welchem sie die Opposition gegen Schaffung eines Parlaments kategorisch zum Ausdruck brachte. In der Generaldebatte, an welcher die Vertreter aller Parteien sowie Prof. Br o d e t z k i von der Zionistischen Exekutive und Prof. W e i z m a n n teilnahmen, sprach das Mitglied der Weltleitung der Judenstaatspartei Dr. J. Machower. Er wies auf die große Bedeutung dieser, über Initiative der Judenstaatspartei zustande gekommenen ersten Konferenz hin, an welcher alle zionistischen Parteien teilnehmen. Sie war notwendig, um den Frieden in der zerklüfteten Zionistischen Weltorganisation anzubahnen, ohne welchen die zionistische Sache der größten Gefahr ausgesetzt ist. Er teilte mit, daß steh die Judenstaatspartei bemühen werde, auch in allen anderen Ländern eine E i nheits front aller zionistischen Parteien im Kampfe um die jüdische Einwanderung und gegen das Palästina-Parlament zu schaffen. Die Judenstaatspartei war auf der Konferenz durch folgende Mitglieder vertreten: Dr. J. Machower, A. Angel, L. E. Cohc n, M. Gorowitz, E. Schlapobersky, Frl. K. Ehrlich und M. Trachtenberg. Es fehlten auf der Konferenz nur die Revisionisten, welche geladen waren, sich aber aus technischen Gründen nicht beteiligen konnten. Die Konferenz beschloß, ihren Resolutionen die weiteste Verbreitung zu geben. In England werden sie allen führenden Politikern, Zeitungen, Parlaments- und Regierungsmitgliedern Ubermittelt werden. Die Judenstaatspartei als Initiator kann mit großer Genugtuung auf den Verlauf der Konferenz hinweisen. Innerzionistischer Frieden Aus London : Die Reihe der von der Zionistischen Exekutive initiierten zwischenparteilichen Konferenzen zur Herbeiführung der innerzionistischen Befriedung wurde soeben mit einer Aussprache zwischen Mitgliedern der Exekutive und Vertretern der Revisionisten eröffnet. An der Besprechung nahmen seitens der Zionistischen Exekutive David Ben Gurion, Prof. Selig Brodetsky und Berl Locker, seitens der Revisionisten Jacobl und Doktor Schwartzmann teil. Die Besprechung wird fortgesetzt. IWfflHMj^4WfflWCT™""'"'^''IU1' "Jl'"" Klassenkampf und IiideBi§t&at§pariei Von Meir Großmann (Tel-Awiw) (Schluß zur vorigen Nummer.) 5. Das Gespenst der Klassendiktatur oder Parteidiktatur (eigentlich die gleichen Begriffe!) In Palästina wirkt bei weitem ernster, als man meint; jedesf alls realer wie beispielsweise die D i k t a t u r einer Person. Es ist nicht wichtig, ob das klar und deutlich formuliert wird. Das Schaffen gewisser Bedingungen führt selbstverständlich automatisch zu bestimmten Konsequenzen. Wer sich im Frieden angeblich nur „zum Schutz" bewaffnet, wird sehr oft der Angreifer. Das bekannte: „Die Kanonen gehen von selbst los . . ." Die Lage in Palästina wird noch dadurch schicksalsschwerer, daß die Dinge in der Entwicklung begriffen sind — eigentlich ohne einen gehörigen Widerstand seitens anderer Klassen oder Gruppen der Bevölkerung. Niemand wird bestreiten, daß vor unseren Augen ein Staat im Staate organisiert wird — ein besonderes System von Arbeiter-Schulen, Arbeiter- Kolonien, Arbeiter - Unternehmungen, Arbeiter - Spitäler, Arbeiter-Büros, Arbeiter-Banken, Schutztruppen usw., die allesamt dem einen Zweck dienen: de:- Herrschaft! Es wird systematisch ein Geschlecht von Klassenkämpfern und Klassenhassern erzögen, dessen Anhänglichkeit und Gefolgschaft nicht dem Volk und dem Land, sondern anderen Göttern gehört, gleichgültig — welchen. Der Klassenseparatismus wächst sich zu einer Gefahr für unsere Gegenwart und Zukunft aus. Er bricht das Fundament der jüdischen Volkseinheit und des Baues, den wir eben erst aufzurichten beginnen. Die Tätigkeit der Histadruth kann nicht mit der Arbeit eines gewöhnlichen professionellen Vereins verglichen werden. Nein. In Palästina haben wir es mit einem politischen Instrument zu tun. LUSTIGE ERLEBNISSE IN M STOCKWERKEN IN KAtWJMMUt! Es handelt sich da keinesfalls um die Verteidigung der professionellen Interessen der Arbeitnehmer, was natürlich, gesund und wünschenswert ist; besonders in Palästina wäre es ein Verbrechen, den Einwanderer vogelfrei zu halten. Das Unglück besteht aber darin, daß ganz bewußt die Interessen der Klasse über das Volksinteresse gestellt werden. Der Judenstaat der Zukunft bekommt in den Augen tausender Menschen das Bild eines Klassenstaates. Der Primat des Sozialismus, der Egoismus der eigenen Partei (die neben« bei in Palästina den ganzen Menschen v$>n der Wiege bis zur Bahre umfaßt), die Priorität der verzweigten Klassenwirtschaft distanzieren, trennen die Menschen; sie teilen das Volk in zwei Schichten. Dort, wo Doppelinteressen und Doppelaufgaben existieren, besteht ständig die Gefahr, daß gerade der Egoismus die Oberhand gewinnen wird. Und darin gerade besteht die Gefahr — die ideologische, die politische und wirtschaftliche — seitens der linken Expansion in einem neuen, sich erst bauenden Land wie Palästina. Wenn man über die engen Klasaeninteressen und über deren Bekämpfung spricht, muß man nicht nur die Arbeiterparteien vor Augen haben. Auch große Teile des bürgerlichen Jischuws, der neuen und der alten Bourgeoisie, sind in ihrer Stellung und Handlungsweise von den engen eigenen Interessen geblendet. Der Primat des Kapitals und des eigenen Ich nimmt oft abstoßende Formehan. Man opfert die Erstgeburt der nationalen Interessen auf dem Altar des größeren Profits. Man ist begeistert vom Chaluziamus, dem Lobhymnen gesungen werden, aber man will nicht verstehen, daß der Begriff „Chaluzismus" v i e Is e i t i g e r ist. Es ist kein Geheimnis, daß die wohlhabende Klasse In Palästina zu schnell vergißt, daß sie nicht allein im Land ist. sondern daß noch andere Partner da sind, verdienstvolle Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft, die ein Recht auf materielle Güter haben. Wir wollen hier nicht die europäischen Nöte mit allen ihren Details wiederholen. Man vergißt zu oft den Primat der nationalen Interessen, beruhigt sich schnell und versinkt in apathische Gleichgültigkeit hinter Dämmen sozialer Gegensätze. Ja, auch bei diesem Teil stoßen wir auf eine Engstirnigkeit von Menschen, die alles vergessen und nichts dazu gelernt haben, obwohl sie in einer Zeit nationalen Umbruchs und sozialer Umschichtung leben. Klassenegoismus und Klassenengherzigkeit finden wir auch bei großen Schichten des Bürgertums; nur daß jene, die Linken, besser organisiert, stärker, jünger, forscher sind und deswegen die anderen an die Wand drücken. Die Judcnstaatspartci will nicht die VerteiOl» Jüdische Eltern! Kauft Schulbttcher für eure Kinder in der jüdischen Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke TabortiraOe 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch - zu sehr mäßigen Preisen Spesenfreie Zusendung überallhin. Verzeichnisse kostenlos — Für Auskünfte: Tel. R-41*4-20 gerin dieser Gruppe sein, genau so wenig wie sie ihre Hauptaufgabe darin sieht, jene zu bekämpfen. Sie ist vor allem an der Schaffung eines ökonomischen Gleichgewichts im Lande interessiert. Sie strebt danach, Wege zu einem harmonischen Zusammenleben der Klassen zu finden. Sic ist eine Staatspartei. Von diesem Grundprinzip geht sie bei der Formulierung ihres sozialen und wirtschaftlichen Pro* gramms aus. (Weitere Artikel folgen.). der Frau tvieda Schiffmann Am Sonntag, den 14. Oktober, wurde Frau Frieds Schiffmann, die verstorbene Gattin des Kultüsrätös Herrn Max Schiffmann, zu Grabe getragen. Entsprechend dem weithin reichenden Ruf der Verblichenen war die Teilnahme an der Bestattung eine überaus große. Von der Wiener Judengemeinde waren die Kultusräte mit dem Präsidium an deri Spitze erschienen. Abordnungen zahlloser Wohlfahrtsvereine und Institutionen, zionistischer Vereinigungen, durunter, besonders reich vertreten, der Judenstaatspartei, des Sportklubs „Hakoah", waren gekommen, um der Toten die letzte Ehre zu erweisen. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Taglicht, der die Verstorbene als Vorbild jüdischer Pflichterfüllung, Religiosität und Wohltätigkeitssinnes, als Frau mit dem großen jüdischen Herzen charakterisierte. Die kahtöratea Funktionen versah in gewohnt gediegener Weise Oberkantor Frankel. Unter tiefer Ergriffenheit nahm der Trauerzug Abschied von der Toten, deren jahrzehntelange Dienste für die zionistische Frauenorganisation und führende Teilnahme an allen bedeutenden charitativen Aktionen unvergessen bleiben werden. Ehrung für Dr« Löwenherz Im Rahmen eines Vortrages des Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Josef Löwenherz, Uber seine Amerika-Reise veranstaltete das Zionistische Lahdeskomitee eine große Ehrung für den Vortragenden atii Anlaß seines 50. Geburtstages, den wir in unserem Blatts bereits gewürdigt haben. Der Vorsitzende Dr. O. Gfrünbaum überreichte dem Jubilar die Urkunde über die Eintragung ins Goldene Buch des J. N. F. und einen Kaufvertrag über eine Parzelle auf dem Karmel als Ehrenwidmung. Der Präsident der Kultusgemeinde Dr. D. Friedmann feierte die Leistungen des Herrn Dr. Josef Löwenherz als Jude, als Zionist und langjähriger Vizepräsident der Judengemeinde. Volksoper. Anschließend an die ruhmreiche Tradition des Hauses hat die „neue" Volksoper das jüngste Werk des erfolgreichen Komponisten Wolf- Ferrari „Sly" zur Aufführung gebracht. „Sly", die „Legende vom wiedererweckten Schläfer", zeigt eine harmonische Vereinigung des buffenesken und veristischen Opernstils, wie er sich bei Verdi und Puccini findet. Die reiche Melodik und brillante Instrumentation des neuen Werkes fesselten vom ersten Augenblick an. Peter B a X e v a n o s, ein für Wien neuer Tenor, in der Titelrolle, zeigt hohe Qualitäten und wird bald populär werden. Im ganzen eine kulturreife, sehenswerte Vorstellung. —kr.— LftgltimiBtiscbe Jüdische Frontkämpfer im „Eisernen Bing". Am Donnerstag, den 18. öktober 1934. präzise halb 8 Ühr abends, findet im Cafd Helenenhof, VII.. Siebenaterngas«e 42. eine große W e rbeversammlung statt. Es sprechen u. a.t Qeneralstabsdberst Edmund Allexin, Med. Dr. Siegfried Bogad, Dr. Leo Fischmann. Chefredakteur Hans Kandl. Gleichgesinnte Gäste mit ihren Damen herzlich willkommen! Erscheinen der Kameraden Pflicht! Einladungen in der Kanzlei, I., Parkrinjr Nr. 4 (Tel. R-27-7-57) erhältlich. DAS MONUMENTALE FILMW€RK CONRAD V£l DT Mb m\ ' N a:c h- UON FEUCHTWANCER KAMMERUCHTSPIELE SCHWARIENBERÖPIATC- L0WEN KINO MARIATHERESIEN KINOvi- FLIE6EK KINO* E D ' yv E l L & c o