Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 405 (16.10.1934)
- Date
- 1934-10-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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jUte 4 DIE NEUE WELT Nr. 405 Die Betflude* m Hauhams Von Essad Bey Die Bergjuden sind ein in sich geschlossenes Kaukasusvolk, das das Leben aller kaukasischen Völker führt, sich aber mit ihnen nicht vermischt, sondern einige, wenn auch nicht viele, nur ihm eigentümliche Sitten besitzt. Sie haben den alten Glanz der Chazarenherrsehaft längst vergessen und leben heute als ein primitives Volk von Analphabeten dahin, das gar nicht glauben will, daß es einstmals unten in den Ebenen zusammen mit den türkischen Nomaden Ub2r ein Imperium gebot. Wenn man die Dörfer dieser Juden besucht, so bemerkt man zunächst keinerlei Abweichungen von anderen Siedlungen. Die Häuser und die Kleidung der Bewohner unterscheiden sich in nichts von denen der kaukasischen Dörfer, und auch das Gotteshaus ähnelt vollkommen der Bergmoschee. Wenn man jedoch ein Haus betritt, und vom Hausvater mit den üblichen Verbeugungen empfangen wird, erkennt man den Unterschied. Die Frau des Wirtes erscheint, sie bringt eine Waschschüssel, verbeugt sich vor dem Gast und zieht ihm die Schuhe aus. Sie wäscht ihm sodann nach alttestamentarischem Ritus die Füße und trocknet sie, wenn der Gast besonders ehrwürdig ist, mit ihren eigenen Haaren. So war es der Brauch bei den Vätern im heiligen Lande, so geschieht es bei den Söhnen In den Bergen des Kaukasus noch heute. Alles im Hause richtet sich nach dem Alten Testament. Andere Gesetze kennen die Bergjuden nicht. In der Woche tragen sie Säbel und Dolch und legen ihre Waffen nur am Sabbat ab. Sie bearbeiten gleich den anderen Kaukasiern mehr Feld, als sie brauchen, um dem Dieb und den Armen, die nicht betteln, etwas zu bieten. Die Bergjuden besitzen in jedem Dorfe eine kleine Schule. Der Rabbiner ist Lehrer und Schlächter zugleich. Doch halten auch sie nicht viel von der Wissenschaft, denn selbst der Dorfrabbiner kennt sich in den Gesetzen Dicht besonders aus und antwortet auf alle Fragen nach Gesetzen, Sitten 'und Geschichte mit: „Ma amgaares" (Ich bin ein Ignorant) und setzt dann bescheiden hinzu: „Frage beim Chacham-Baschi", das ist der Oberrabbiner in Derbend. Dieser Chacham-Baschi, der den Sitz in Derbend hat, ist die einzige Autorität der Bergjuden, ihre höchste Instanz in allen Fragen des Lebens und der einzige Mensch im Kaukasus, der das Gesetz der Väter in vollem Umfange beherrscht und auslegt. Wenn der Chacham- Baschi (das Wort bedeutet der Oberkluge) stirbt, trauern alle Juden, sammeln Geld und schicken Boten nach Jerusalem oder nach Konstantinopel, um einen neuen Chachamzu finden. Die Sprache der Juden ist ein persischer Dialekt, der auch von aserbeidjanischen, bucharischen und persischen Juden gesprochen wird, aber die Namen, die sie führen, sind derart alttestamentarisch, daß sie für einen europäischen Juden schwer auszusprechen sind. Die verbreitetsten Männernamen sind: Nachschon, Uftsch, Banoiou, Zufanja; die Frauennamen: Avigail, Serach, Panina, Kerengapuch, Jemina und ähnliche. Die meisten dieser Juden sind Ackerbauer, Handwerker und kleine Händler, die es nicht lieben, die Berge zu verlassen, und es nicht fassen können, daß es irgendwo im Westen auch Juden gibt, die nie mehr als ein Weib haben. Denn die Vielweiberei ist für die Bergjuden erlaubt. Trotz der obligaten Gastfreundschaft der Bergjuden würde ich keinem empfehlen, ihren Dörfern einen Besuch abzustatten. Der Empfang, den sie einem Fremden bereiten, ist nicht nur für den Europäer eine peinliche Geduldprobe. Das Waschen der Füße und das Abtrocknen sind nur die die ersten der langwierigen Zeremonien, die der wichtigsten vorausgehen, der Zeremonie der Speisung. Diese vollzieht sich auf folgende Weise: Der Gast sitzt auf dem Boden in der Mitte des Zimmers. Neben ihm die ehrwürdigsten Leute des Dorfes. Der Wirt und die jüngeren Leute des Dorfes dürfen weder sitzen noch mitessen. Der Wirt und seine Söhne bewirten den Gast, die übrige Jugend steht an der Tür und glotzt den Fremden verwundert an. Nach unendlichen Waschungen und Gebeten wird das Essen gereicht. Man beginnt mit Früchten: Melonen, Pfirsiche, Birnen, Granatäpfel gelten als Vorspeise; unmittelbar nach den Früchten wird dann der zv/eite Gang, Knoblauch, gereicht, der in unendlichen' Mengen mit etwas Brot verzehrt wird. Knoblauch und Früchte sind die Lieblingsspeisen der Bergjuden, wobei Knoblauch mehr äls medizinische Beikost angesehen wird. Er soll die Potenz des Mannes stärken und erhalten. Nach diesen zwei Gängen reicht der Bergjude seinem Gast Schaffett, das als besondere Delikatesse gilt. Den Geschmack dieser Speise zu beschreiben, ist unmöglich, nur ein Leidensgenosse kann verstehen, welche Selbstbeherrschung der unvorbereitete Gast bei dieser Gelegenheit aufbringen muß. Damit ist aber der Speisezettel eines Festessens noch lange nicht zu Ende. Vielmehr folgt jetzt erst die Hauptspeise, ein frischgeschlachtetes Schaf. Schaffleisch, nach kaukasischer Art am Spieß gebraten, schmeckt vorzüglich. Der Gast gibt sich an dieser Stelle des Festessens bereits den trügerischesten, allerschönsten Hoffnungen hin. Ver- ^ebührt von dem frischgeschlachteten Schaf das Ehrenes sei denn noch Beendigung des Haupt ganges. Ihm gobührt von dem frischgeschrxlchtetcn Sehnt' das Ehrenstück, der gekochte Kopf. Diesen Kopf darf er mit den älteren Tischgenossen teilen, doch erfordert die Sitte der Bergjuden, daß er zunächst die besten Stücke des Kopfes verzehrt. Als solche gelton die Augen des Schafes. Der Gast muß sie mit den Messer hciv.u :r.ckmen und mit allen Zeichen dos Wohlbehagens sich munden lassen. Auf diese Ehre zu verziehten, ist unmöglich. Der Wirt würde die Weigerungals Beleidigung auffassen. Dem Gast steht es lediglich frei, sich schon nach den Früchten von der Tafel zw erheben, doch müssen dann alle Anwesenden das gleiche tun und dürfen den ganzen Tr>g nichts mehr essen. -'- Nach dem Sehafsnugcngang wird noch eine Reihe ähnlicher Leckerbissen gereicht, dann geht man zu Süßigkeiten über und schließt das Festmahl mit reinem Honig ab. Dann sitzen und warten alle, bis es dem Gast aufstößt, und folgen kräftig seinem Beispiel. Damit ist dann das Essen zu Ende. Die Söhne des Wirtes bringen Wasser, um Mund und Hände zu spülen, und die jungen Leute, die bis dahin an der Wand standen, dürfen sich jetzt über die Reste hermachen. Die Frauen erscheinen während des Mahles nicht, (Aus „Zwölf, Geheimnisse im Kaukasus".) aus Rosalia Benisch geb. Neumann, geb. 1. November 1878 Belgrad, verh., XV., Possingerga«e 27. — Marie Magdalena Neumann, geb. 15. Mai 1902 Wien, Berlin- Charlottenburg. — Fanny Feuerstein geb. Hammel, geb. 4. Mai 1S93 Frankfurt am Main, verh., XIT., Kaulbachstraße 23. — Emil Zaitschek, geb. 17. April 1881 Brünn, ger. gesch,, VIII., Schönborngasse 10. — Dr. Otto Fleischer, geb. 24. April 1S93 Wien, verh., Ii, Schottenring 7. — Heinz Baranyi, geb. 3. Februar 1918 Wien, ledig, VI., Mollardgasse 25. — Gisela Grünwald, geb. Stein, geb. 6. August 1902 Vesznrcm, g. g., IV., Wiedner Hauptstraße 23. — Charlotte Kurz, geb. 2. Juli 1882 Brünn, ledig, II., Taborstraße 57. — Salomon Freud, geb. 17. Februar 1885 Tlumacz, verh., XIII., Dreyhausenstraße 15. — Mathilde Redlich geb. Lillil, geb. 22. März 1908 Arnau, verw., XVI., Degengasse 58.-— Egon Selzer, geb. 30. April 1899, verh., XIX., "Hauntstraße 99 a. — Hermine Rosalia Steiger, geb. 18. September 1905 Wien, ledig, XIII., Hollergasse 29. — Marianne Rappaport, geb. 8. Sept. 1912 Wien, ledig, IV., Brahmsplatz 4. — Robert Reichfeld, Privatbeamter, geb. 18. Jänner 190.1 Wien, verh., X., Favoriten- .straße 180. — Elisabeth Charlotte Ehrenzweig, geb. 1. April 1918 Wien, ledig, Sopron. — Amalia Tuschak, geb. 1. Februar .1908 Wien, ledig, X., Herzgasse 7. — Josef Mautner, geb. 7. Februar 1866 Wien, verh., XIV., Sechshauserstraße 1. — Heinrich Schvvam, geb. 3. Jänner 1906 Wien, ledig, XVI., Feßtgasse 17. — Paula Freudenfeld geb. Reif, geb. 9. März 1893 Wien, verh., XVIII., Gersthoferstraße 61. — Josef Schlösinger, geb. 30. Mai 1902 Wien, verh., II., Miesbachgasse 1. — Hermann Singer, geb. 15. März 1868 Wien, verh., VI., Mariahilferstraße 55. — Franz Oplatek, geb. 21. Mai 1904 Wien, verh., XIX., Würthgasse 14. — Fritz Oesterreicher, geb. 16. November 1916 Wien, ledig, VIII., Josefstädterstraße 81. — Regina Kohn, geb. 7. Juni 1893 Linz, ledig, XII., Rollingergasse 27. — Alexander. Buxbaum, geb. 9. Dez. 1893 Wien, led., VI., Stumpergsse 40. — Peter Heinz Slany, geb. 10. April 1930 Wien, led., II., Schüttau- Straße 46.'- Otto Trt>'.'Himberg, geb. 1. Dezember 1901 Wien, Hadersdorf-Wcidlingau. - Robert Schüller, geb. 18. Ausint "1899 Linz, lcdig, IV., Johann-Strauß-Gsase. 24. Hermino Burg, geb. 18. September 1913 Wien, ledig, XV., Neusaerplatz 4. - Alexander Fein, Musiker, geb. 8. Februar 1902 Wien, Graz, Kleegassc 5. Elisabeth CVIotb, geb. 22. Dezember 1910 Wien, ledig, XXL. Lropoldauorslr?.!^ 0(5. - Dr. Ervin Ku.fler, geb. 16. Februar 1904 Lipto-St.-Miklos, ledig, III., Kundmanngasse 10. --• Grete Spitzer geb. Roth, geb. 5. März 1896 Wien, verh., III., Vordere Zollamtsstraßc 11. Emma Pontzen, geb. 23. Februar 1907 Wien, ledig, III., Veithgasse 11. - Philipp Wrngev, geb. 11. Juni 1913 Wien', VI., Mariahiüerstraße 53. -- Dr. Albert Holländer, geb. 28. Oktober IMS Wien, led., XVII , Dombacherstr. 54. - - Dr. Ferdinand Februar 1899 Linz-Urfahr, verh., III., Albert Sehlesinger, geb. 13. Sepi tember 1913 Wien, ledig, XII., Arndtstraße 87. -— Grete; Goldschmied, geb. 34. Jänner 1908 Wien, ledig, I., Börsegasse 3. —- Dr. Ernst Pechkranz, geb. 24. Februar 1394 Wien, ger. getr., XLX., Sandgasse 46. - - Katharina Keini hold geb. Pollak, geb. 18. Mai 1891 Wien, verh., XIII., j Berghaidengasse 100. — Dr. Ernst Kiistcnbiium, geb. 3. Juni 1899 Wien, ledig, I., Kohlmarkt 5. — Alexander Ernst, geb. 16. Dezember 1905 Wien, lcdig, Atzgcrsdorf. — 1 Dr. Friedrich Weiß, geb. 4. Juli 1900 Kierling, ledig, VI., Mcillardgasse 38. — Helene Zehetner geb. Lipiner, geb. 9. März 1893 Wien, verh., IL, Nordwestbahnstraße 35 a. - Anna Kaufmann, geb. 21. Oktober 1912 Wien, ledig, IL, Leopoldsgasse 6. — Dr. Ludwig Spitzer, geb. 12. September 1872 Wien, verh., IX., Hörigasse 19. --- Hellmut Stiegwarott, geb. 28. Juli 1919 Wien, ledig, IX., Säulengasse 15. — Grete Feigelstock, geb. 26. August 1908 Wien, ledig, XIII., Hütteldorferstraße 337. j Czenvenka, geb. 5. Fei Landstraßer Gürtel 19. Jüdische Künstlcrspiele, II., Praterstraße 31. Die Eröffnungsvorstellung dos Bukarester Jüdischen Theaters unter i Leitung des Dir. M. Siegler, welche für Freitag, den 12., ange- I gesetzt war, konnte wegen technischen Schwierigkeiten nicht stattfinden un clwurde für Mittwoch, den 17. Oktober, verschoben. Dio Komödie ..Mascltow" mit der Soubrette Sevilla Pastor und Primadonna Erna Siegler geht als Premiere an diesem Abend. Wichtig für Palästina-Exporteure! Die ö s t e r r.-p a 1 ä s t. W i r t s c. h a f t su. H a n d e 1 skammer teilt mit: Zwecks Ersparung unnötiger Korrespondenzen und Anfragen wird aufmerksam gemacht, daß bei Offertstellung die Preise nicht ab österr. Fabrik, sondern unbedingt eif Jaffa/Haifa unverzollt und möglichst in engl. W ä h rung erstellt werden müssen. Andere aZhlungskonditionen als Regulierung gegen Schiffsdokumento bei Ankunft der Waren. Barzahlung (Kassa gegen Dokumente) oder Akzepte, sind nicht durchzusetzen. Sollten der Kammer Fälle bekannt werden, daß Dokumente bei Vorkommen grundlos oder schikanös nicht eingelöst werden, so wird Uber Aufforderung rigoros gegen die betreffenden Firmen vorgegangen. Auskunft Uber Exportmöglichkeiten. Zoll und Fracht erteilt bereitwilligst die österr.- paläst. Wirtschafts- und Handelskammer, Wien, IX., Alserpl. 3, Tel. B-45-2-11. . Honte „.lud Süß" — ein Monumcntalfilm. Die neue englische Filmproduktion, die hintereinander mit ihren Werken die größten Welterfolge erzielt („Katharina, die Große"', Heinrich VIII.", „Ahasver" u. a.), zeichnet sich sowohl durch dio ganz großen Geldmittel aus, die für die Filme aufgewandt werden, als auch durch die Darstellerbesctzung, die erst den prachtvollen Rahmen dieser Werke Gehalt und Inhalt gibt. Ein neuer solcher Film, mit Conrad Veidt in der Titelrolle, ist „Jud Süß", nach dem berühmten Roman von Lion Feunhtwanger, dessen Uraufführung im Löwen-, Mariatheresien-, Schwarzenbergplatz- und Fliegerkino stattfindet. Der Schauplatz des Films ist der prunk- J liebende Hof des Herzogs Karl Alexander von Württemberg, dessen Mätressen und Günstlinge im Lande eine hemmungslose Herrschaft ausübten. Das abenteuerreiche Schicksal des Titelhelden erforderte die Wiedergabe eines geschlossenen Zeitbildea aus dem 18. Jahrhundert und daher den Bau von Städten, Straßen, Palästen, Plätzen. Sälen und unzähligen luxuriösen Innenräumen .einen Aufwand an Bauten, wie man ihn schon lange in einem Film nicht gesehen hat. Diesen Bauten entspricht die große Anzahl der Mitwirkenden, die in die Tausende geht. trPwjjuwi^immiPf vi»fiMf,""w'j*-'*ii«"M tmmoomujummL^9MmmmauEmwm Gewebte i M ode-Sdtotten J mit Flanellrücken, oder Velours- Flanell Wollstoff-Dessins, für Blusen u Kleider Der Meter <s r>T%°* f ^/,°<We/? o'//} f WA >o>Z °anA * h*ne 7,?^ *o%%X >> ' '"Ht . ^"»•bf^il ä£-*4£*«0 &£&>A^ 'h^d^llA 6 V J i Kinder- Schills ftefel schwarz Gf. 31-35 S Ö.75. Gl. 28- 30 S 775 Gl. 26-27 oraun S Vmehr *ffifc*> «V ^1^"^^^^ .iwy-'L tV^* f^nerbsr-VÄ i/^iif^ 1 Preise Im <A /'F . -JE5 vochittmatm^JmWk |P»h TABOfoSTft»^.^jj^ ^tm^^^Wk^ J '•ll^^ > -o °rfi? y%. * V, , 1o. k*JX&A° ooeV i«»9 ssjftssfri Ä> Mäddien- Mantel reine Wolle. Gr 60. S 12.90, Huberius- Kinder-Mantei kamelhaarart. 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