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Die neue Welt · 1934-10-16 · Heft 405 (16.10.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 405 (16.10.1934)
Date
1934-10-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WEL1 Nr. tt)5 Versammlungen der Judensfaafsparlei Mittwoch, 17. Okt0tH?r, halb i) Uhr, JüdpitstnAt*- heim, I., Werdertorgass© 14, „Zionistische Friedensverhandlungen in London und die Forderung: e ii der ,j u den stau t s p a r t c i". Redner: Ober baurat Robert Stricker, Fritz Richter. Donnerstag;, 18. Oktober, halb 9 Ühr, Gastwirtschaft Schuh, X., Pernerstorfergftsse 13, „D i e Lage der Juden, der Judenstaat, als Lösung". Redner Rabb. Dr. 1. Z, Kanter, Hans Kctlb. Samstag, 20. Oktober, 8 Uhr, Sektion Frater. Große Versammlung Restaurant „Zum Radfahrer", IL, AusstellungsstraOe (vis-ä-vis Molkereistraße). Redner Ing. Robert Stricker, Rabbiner Dr. t. T. K a ti n e r. positiven jüdischen Inhalt des Schulwesens keine Lösung darstellt. Diesen positiven Inhalt zu schaffen, muß das Bestreben der jüdischen Gemeinschaft sein, und wir können nichtg lauben, daß ein? Regierung, die auf die religiöse Erziehung ihrer eigenen Jugend so großen Wert legt, den Darlegungen des Bedürfnisses einer jüdischen Erziehung für jüdische Kinder verständnislos gegenüberstünde. Den Juden nur ihren bisherigen Platz nehmen und ihnen, keinen neuen geben, ist ein Verfahren, das die Juden irritieren muß, und wie sich in Wien zeigte, sind auch die Nätionaljüd^n, die ja den pädagogischen Vorteil rein jüdischer Gruppen begreifen, nicht bereit, eine Absonderung dieser Art hinzunehmen. Die Einsicht, daß die Judenfrage nur durch Einräumung einer autonom en Lebenssphäre für die Juden gelöst werden kann, scheint in Oesterreich in maßgebenden Kreis-an vorhanden zu sein; . . . Die Entwicklung einer Reihe von Ländern stellt die Juden heute vor neue Probleme. Wenn wir ihnen ins Au je sehen, so müssen wir die Angst vor dem „Ghetto" überwinden. Wir werden in Europa nicht ins Ghetto zurückkehren; aber Wir werden viele Fehler, die wir nach unserem Auszug aus dem Ghetto begangen haben, indem wir das jüdische Eigenleben immer mehr liquidierten, wiedergutmachen müssen. Nicht nur Im Interesse unseres Zusammenlebens mit den anderen Völkern, die ein p h y s i o g n o m i e 1 o s e s Judentum noch weniger begreifen und achten können als ein klar seiner Eigenart bewußtes, sondern in erster Linie in unserem eigenen Interesse, weil wir um unseres Menschentums willen auf den ungeheuren Reichtum jüdischer Gemeinschaftswerte und jüdischer Ueberlieferung nicht verzichten können." Wahlen zum jüdischen Welle In Amerika — am 28» April Aus New York: Der „American Jewish Congress", die Organisation der national gesinnten Judenschaft in "den Vereinigten Staaten, hielt in der Vorwoche eine Tagung ab, die 3ich in der Hauptsache mit dem Problem des Jüdischen Weltkon greßes befaßte. Die Haltung der Delegierten des American Jewish Congress auf der vorbereitenden Genfer Jüdischen Weltkonferenz wurde gebilligt und demgemäß beschlossen, die nationalen Wahlen, aus denen die Delegiert enaus Amerika zu dem im August 1935 zusammentretenden ersten Jüdischen Weltkongreß hervorgeehn sollen, für den 28. April 1935 anzusetzen. Die tschechischen Fa§du§ten und Hitler Aus' Prag: (J. T. A.) Auf der Slawischen Insel zu Prag hielt die Nationale Liga des Abg. S tf ib r n y eine Kundgebung ab, auf der Stfibrny erklärte, er habe das Geheimnis des Erfolges Hitlers auf Grund der ihm zugänglich gemachten Literatur studiert. „In der ganzen Welt", sagte Stfibrny, „gibt es keinen so genialen Organisator, wie es Adolf Hitler ist." Jeder Deutsche, so weit er nicht Jude ist, müsse für das Dritte Reich begeistert sein. Von diesem Standpunkt aus müssen sich die Tschechen zu den Deutschen einstellen. Die inner- und außenpolitischen Ereignisse . drängen die nationalen Parteien zu einer Konzentration. Stfibrny richtete heftige Angriffe gegen die tschechische nationalsozialistische Partei (Partei des Außenministers Dr. Beneä). Hiebei kam ea zu antisemitischen Zwischenrufen seitens des Publikums. «Segen das Spairiolisdie Aus Istanbul: Die halboffizielle türkische Zeitung „Dschumhurijet" (Republik) wendet sich in einem Leitartikel dagegen, daß die Kenntnis der türkischen Sprache bei den in der Türkei lebenden nationalen Minderheiten nur wenig verbreitet ist, und klagt dabei besonders die Juden an. Wenn man es noch verstehen könne, schreibt das Blatt, daß ein Grieche oder Armenier nicht türkisch spricht, weil er sich eben seiner eigenen Nationalsprache bedient, so müsse man sich doch dagegen wenden, daß die Juden niemals die türkische, sondern die spagniolische, und wo auch dies nicht der Fall ist, irgend eine europäische Sprache an Stelle der türkischen sprechen. „Wir hätten gar nichts gegen die Juden", heißt ea in dem Artikel weiter, „wenn sie ihre eigene Nationalsprache, die hebräische, sprächen; untragbar aber finden v/ir es, daß sie weder ihre eigene noch die Landessprache gebrauchen." Die amerikanische Arbeiter-Föderation für Anti¬ Hitler-Boykott Aus San Franzisko (J. T.-A.): Auf dem Kongreß der amerikanischen Arbeiterföderation wurde nach Anhören der Berichte über die Situation im heutigen Deutschland beschlossen, deutsche Waren weiterhin zu boykottieren. Es wurde nachgewiesen, daß die deutschen Gewerkschaftler und die Juden noch immer unterdrückt werden. RUNDSCHAU Man will kein HilterrGef.; Die Harvard -U n i v o r S i t y in Boston, die älteste und bedeutendste Universität der Vereinigten Staaten, hat das Angebot Dr. Ernst Hanfstaengls des Hitler-Intimus und Auslandspressechefs der N8DAP. ein Stipendium im Werte von 1000 Dollar In Re gistermark für einen Studenten der Universität zu stiften, um diesem für ein Jahr das Studium in München zu ermöglichen, abgelehnt. Der Präsident der Harvard- Universlty, James B. C o n a n t, erklärte: „Wir sind nicht gewillt, eine Stiftung anzunehmen von jemandem, der bis zur Stunde in enger Beziehung zur Führung einer politischen Partei gestanden hat, die die Universitäten in Deutschland degradiert hat, indem sie Maßnahmen ergriff, durch die Prinzipien angetastet werden, die für uns in Amerika sowie für die Universitäten der ganzen Welt fundamental sind." Frau Pease, eine nichtjüdische Harvard-Graduierte, .sandte im Namen vieler Kollegen und Kolleginnen an den Präsidenten Conant ein Telegramm, in v/elchem sie darauf hinweist, daß Hanfstaengl, der sich mit der „mörderischen Nazipartei identifiziert und zu deren Großen Fünf gehört", sich dadurch selbst aus dem Kulturkreis der Harvard-Graduierten ausschließt. „Wenn Sie" — hieß es in dem Telegramm weiter — „seine dreißig Silberlinge, ein Blutgeld für die Kreuzigung der Menschlichkeit, annehmen, verraten Sie die Freiheit, in deren Namen Amerika und die Harvard-University geschaffen wurden." Segen trockene ZimmerluH SS^an^'oVe'Ä» BRISWEL" «f bei allen Installateuren und Haushaltgeschäften ä S 5.— Ausfuhr!. Prosp.: Tel. B-50-8-55, U-49-4-12. III., Salesianerg. 29. Eine uiaklare Geschichte Um den Anti-Hitler-Boykott Wir haben vor kurzem aus London berichtet, daß die vom „Jewish Council for the Boycott of German Goods and Services" einberufene internationale Konferenz für den Boykott Hitler-Deutschlands am 15. Oktober in London unter Teilnahme von Vertretern aus 16 Ländern, darunter viele Repräsentanten nicht jüdischer Organisationen, eröffnet wird. Nun bringt die J. T. A. folgende Meldung aus London: „Daily Herald" bringt ein aufsehe neregendes Interview mit dem Vorsitzenden des Jewish Repräsentative Council for the Boycott of German Goods and Services, Horowitz, in welchem dieser mitteilt, der geplante Anti-Hitler-Boykottkongreß sei verschoben worden, und andeutet, daß einflußreiche deutsche Kreise eine entschiedene Schwenkung in der antijüdischen Politik de3 Hitler- Regimes vorbereiten. Horowitz erklärte, falls die notwendigen Zusicherungen der deutschen Regierung ausbleiben, beziehungsweise nicht verwirklicht werden, werde der Anti-Hitler-Boykott mit verdoppelter Kraft wieder aufgenommen werden. * Was da geschehen sein mag! Man braucht zu den reichlich mysteriösen „Andeutungen" über eine „Schwenkung" Hitlers wirklich kein Zutrauen zu haben. Eine gewisse Schichte reicher Juden in England hat immer gegen den Boykott gearbeitet. Liegt nicht wieder ein Manöver dieser Herrschaften, welchen der Boykott aus verschiedenen Gründen auf die Nerven geht, vor? KREUZ-KINO <' Wollzeile 17 * Tel. R-21-2-16 ABENTEURER IN SHANGHAI mit Jack Holt, Lia Lee u. Ralph Oraves. Vorstellungen: k, V*6, V»8, V-tlO I, Fleischmarkt 1, R-29-109, R-29-159 G. Arliss, L. Joung, B. Karloff Beginn: 4,%«, Va8,%10 Palästina ist Mandatsland Vor kurzem lief der japanische Dampfer „Minsei Maru" irn Hafen von Haifa ein. Der Kapitän des Schiffes weigerte sich, die englische Flagge zu hissen, indem er erklärte, daß Palästina kein englisches Gebiet, sondern Mandatsland sei, das dem Völkerbund unterstehe. Das britische Kolonialamt hat sich über diesen Flaggenkonflikt berichten lassen. Die japanische Auffassung kann zum Ausgangspunkt zionistischer Betrachtungen gemacht werden. Der demokratische Geist der luden „Die Juden hatten alle erforderlichen Eigenschaften, um ein großes Volk zu werden, aber nicht die politischen Voraussetzungen. Ihr demokratischer, republikanischer und revolutionärer Geist hinderte sie, eine kriegerische und erobernde Rasse zu werden. In der kriegerischen Periode der Menschheit war die höchste Eigenschaft blinde Unterwerfung unter einen einzigen Führer. Die Juden waren aber ein zu fortgeschrittenes Volk für diese kriegerische Periode der Menschheit... Ihr freiheitlicher Sinn war so stark, daß die Aegypter, als sie sahen, daß sie ihn nicht linterdrücken können, sie aus der Gefangenschaft entließen, um sie loszuwerden. SiQ führten blutige Kriege für ihre Unabhängigkeit gegen die Römer. In diesen Kämpfeh ging eine Million Juden augrunde. ... Die Demokrätle der Welt verdankt Viel dem Demokratismus der Juden. Aber dieser demokratisch^ Geist war auch das Unglück der Juden." (Worte des Bukarester Oberbürgermeisters und Präsidenten des Advokätenverbandes Dem. J. D o b r e s c u\ ift der Bukarester Tageszeitung „Adeverul".) Andreas Hofe» und Moses Kürzlich berichteten wir die wenig bekannte Tatsache; daß der Tiroler Held und Rebelt Andreas Hof et vom jüdischen Advokaten B a s s e v i verteidigt wurde. Im Zusammenhang damit, daß ganz Tirol eben die Erinnerung an die Freiheitskämpfe 1809 (eine Art 125jähriges Jubiläum) feierte, ist es nicht uninteressant, des Liedes zu gedenken, das ununterbrochen zum Himmel stieg und auch in Deutschland, im Vorkriegsdeutschland, zu den populärsten Liedern gehörte. Es ist: „Zu Mantua in Banden..." Der Verfasser des Liedes ist der im sächsischen Vogtland geborene Jude Julius Mosen, der eigentlich Moses hieß. Julius Moses, also ein waschechter Nicht: arier, besang den deutschen Tiroler Helden Andreas Hofer. Eine sonderbare Assimilation Der türkische Regent Kemal Pascha, der „Ghasl** (Führer), hat für sein Land ein Kulturprogramm entT wickelt, das eine Annäherung an die Formen des Westens vorsieht. Nachdem der Fes verschwunden war, begann die Latinisierung des türkischen Alphabets. Die sephardischen Juden der Türkei scheinen diesen Prozeß im engeren jüdischen Kreis mitmachen zu wollen.. In Konstantinopel ist soeben ein hebräisches Gebetbuch in hebräischer Sprache, aber in 1 a t e i n U sehen Buchstaben, nach den Regeln der türkischeiß Orthographie gedruckt, erschienen. Hebräisch LateU. nisch Türkisch — eine sonderbare Assimilation der sephardischen Juden... Aus Deutschland Hitler gibt den Ton an Aus Berlin: (J. T. A.) Bei Eröffnung des Winterhilfswerks in der Kroll-Oper zu Berlin hielt Hitler eine Rede, in der er versuchte, den Unmut der Bevölkerung über die verfahrene wirtschaftliche Situation, den Mangel und die steigende Verteuerung der unentbehrlichsten Lebensmittel auf die Juden abzulenken. Er führte am Schluß seiner Rede aus: „Zerstören Sie das Vertrauen in die nationale Volksgemeinschaft, dann werden die Menschen am Ende wieder denen zum Opfer fallen, die als inte rnationale Parasiten und Destrukteure nur darauf lauern, die Welt in ein allgemeines Chaos zu verwandeln. Ich appelliere an Ihren Stolz, in derselben Zeit, da eine teuflische internationale Boykott-Clique- Deutschland, das heißt das deutsche Volk, wirtschaftlich vernichten zu können glaubt. Wenn der Haß dieser jüdisch-internationalen Boykotthetzer gegen Deutschland ein fanatischer ist, dann muß die Liebe jedes einzelnen zu seinem Volk noch tausendmal fanatischer sein." Damit hat Hitler erneut dokumentiert, daß die gesamte Politik der Judenverfolgung und Judenentrechtung von ihm selbst initiiert» ist. Eingeweihte Kreise wissen, daß die wirklich aufbauwilligen Elemente im heutigen Deutachland sich wiederholt gegen die vollkommene Ausmerzung der Juden gesträubt haben, daß aber alle Versuche, Hitler von der Schädlichkeit seiner Judenpolitik zu überzeugen, an seinem fanatischen Judenhaß gescheitert sind. Andererseits konnten und können vollkommen unfähige oder kompromittierte Personen nur darum eine Rolle in der Nazi-Bewegung spielen, weil sie durch eine ununterbrochene Haß- und Pogrom-Propaganda Hitlers Neigungen schmeicheln. So Julius Streicher und der Oberpräsident Wilhelm Kube. Letzterer z. B. war nach den Ereignissen des 30. Juni wegen seiner Beziehungen zur Roehm-Opposition, zu Gregor Strasser und sogar zu Otto Strasser in Prag schwer kompromittiert, er konnte aber seine Nazi-Reputation dadurch retten, daß er einen neuen unerhörte« Haßfeldzug gegen die Juden einleitete. Neue PogroimPropaganda Der Oberpräsident von Brandenburg, Wilhelm Kube, veröffentlichte in vielen Provinzblättern einen Artikel „Nationalsozialismus", in welchem er einer Art Hitlerschen Volkskaisertum das Wort redete, indem er die letzten drei Kaiser aus dem Hause der HohenzoUern als „Judenfreunde" de,* nunzierte. Nach einem lobenden Hinweis auf den Hohenzollernf Ursten Johann Georg, der „Juden h e n k e i> und verbrennen ließ", führt Kube aus: „Das Judentum bleibt der Feind des deutschen Volkes. Das Judentum bleibt der Feind der deutschen Kultur. Das Judentum bleibt der Feind der deutschen Wirtschaft. Das Judentum bleibt der Feind des deutschen Bauerntums und des deutschen Arbeitertums. Das Judentum war auf dem besten Wege, uns rassisch zu versauern Das Judentum hat den Ruf Deutschlands in der ganzen Welt in Schande und Verruf gebracht. Das Judentum verriet uns am 9. November 1918, das Judentum zerrte den ehrwürdigen Generalfcldmarachall Hindonburg vor das Schandforum des verbrecherischen Reichstages der Judenrepublik von Weimar. Das Judentum machte die Inflation in Deutschland. Das Judentum war führend bei den Gehelmorganisationen der Freimaurer und Illuminaten. Das Judentum beherrschte Presse, Theater, Kino, Politik, Wirtschaft und Kunst Im Deutschland der HohenzoUern wie der Republik des Friedrich Ebert. Das Judentum hat allen bürgerlichen und marxistischen Partelen Programme gemacht. Das Judentum hat die deutschen Kolonien genau so ausgeschlachtet, wie die Kraft des arbeitenden deutschen Menschen. Julius Streicher ist eine durchaus berechtigte Persönlichkeit in der Gesamtfront unseres Führers Adolf Hitler,"

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