Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 404 (12.10.1934)
- Date
- 1934-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 404 DIE NEUE WELT Seite V Palästina industrialisiert den Orient Gründung der ersten Glasindustrie Aus Haifa wird uns geschrieben: Die vor kurzem im hiesigen Handelsregister mit einem Anfangskapital von 35.000 Pfund registrierte „T h e Palestine Window Glass Works „Phoenicla'" (Fensterglasfabrik) beginnt Anfang Oktober mit der Errichtung der Fabrikbauten. Gründer des Unternehmens sind holländische und deutsche Juden. Das Unternehmen ist in Anlehnung an „Gebroeders Buchsbaum, s'Gravenhage (Holland)" gegründet, deren Mitinhaber Herr Nathan Buchsbaum gemeinsam mit Dr. Fritz Michaelis die Leitung der palästinensischen Fabrik übernimmt. Der Gründung sind umfassende Untersuchungen der Rohmaterial- und Standortverhältnisse vorausgegangen. Die Untersuchungen des Küstensande3 haben im südlichen Teil des Landes zu einer Sandqualität geführt, die dem besten „mitteleuropäischen (Hohenbocka) Sand für Glaserzeugung gleichwertig ist. Die Vorräte reichen für Jahrzehnte. Die Transport Verhältnisse nach Haifa per Bahn sind — auch tariflich — günstig. Die Kalk- und Sodaversorgung bereitet keine Schwierigkeiten. Der palästinensische Platten- und Fensterglasbedarf hat sich in den beiden letzten Jahren und im ersten Quartal 1934 nach der Importstatistik wie folgt gestaltet: Import von Fensterglas Plattenglas Menge in Tonnen 1932 530 215 1933 .»*»...*. 730 303 1934 1. Quartal...... 536 273 Der Import hat sich also im Jahre 1933 dem Vorjahr gegenüber um etwa 40 Prozent gesteigert, im 1. Quartal 1934 erreicht der Import bereits 7 5, bzw. 90 Prozent desjenigen des ganzen Jahres 19 33. Die starke Bautätigkeit hat zu einer sprunghaften Steigerung geführt. Das Glas wird bisher zum weitaus größten Teil aus belgischen Fabriken und in kleinen Quantitäten aus der Tschechoslowakei bezogen. Die Aufnahme der Fensterglasproduktion stellt im gesamten Orient ein Novum dar. Die .Palcstiae Window Glass Works .Phoenicia'" ist die erste und einzige Fensterglasfabrik im ganzen Nahen Osten. Das Unternehmen wird vorerst etwa zur Hälfte für den palästinensischen Bedarf und im übrigen für den Export arbeiten. Die benachbarten Länd?r bis in die Türkei und nach Aegypten Stollen ein weite? Absatzgebiet dar, das für das Unternehmen eine günstige Entwicklungßbasis bildet. Der Export ist für die hiesige Fabrik insofern erleichtert, als sie im Anschluß an da& holländische Unternehmen gegi'ündst ist, das seit Jahrzehnten in der ganzen Levante über eine umfangreiche, gut eingeführte Verkaufsorganisation mit eigenen Filialen verfügt. Der palästinensische Markt selbst ist durch den Zoll von 12 Prozent ad valorem gosenützt. Für die Einrichtung und den Betrieb sind erstklassige Ingenieure und Facharbeiter gesichert, von uenen ein jüdischer Facharbeitcratamm ausgebildet wird. Die Belegschaft wird im Anfang etwa 12 0 Mann betragen und nach einem Jahre verdoppelt werden. Die Anlage wird zu den rationellsten und modernsten der überhaupt existierenden Glasfabriken gehören. Das Gelände in der Haifa-Bai ist durch Geleisanschluß mit der Palästinabahn und der Hedschasbahn verbunden. Die Fabrikhalle, eine dar größten palästinensischen Industriebauten, hat eine Länge von 106 Meter und eine Tiefe von 20 Meter. Die besondere industriepolitische Bedeutung der Gründung besteht darin, daß es sich um ein Unternehmen eines international syndizierten Fabrikationszweiges handelt, das nicht ohne weiteres durch Konkurrenzbetriebe in den Nachbarländern in seinem Absatz eingeengt werden kann. Die palästinensische Industrie, die bisher nur über wenige Betriebe dieser Art verfügt, wird dadurch in ihrer Exportfähigkeit wesentlich gefördert, die bislang — bis auf den Kunstzahnexport — ja noch in den allerersten Anfängen steckt. Jüdische Kulturelle (Kunststelle) IL, Aspernbrückengasse 2, Tel. R-48-2-91. Büro 9—17 Uhr. Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten in alle Theater Wiens zur Verfügung. Konzerte: 12. Oktober Friedmann; 16. Oktober Lotte Lehmann; 25. Oktober Piatigarsky. Führungen: Univ.-Prof. Dr. Max Eisler: Das alte Wien. Treffpunkt Sonntag 10 Uhr 30, Universitätsrampe. ... Generalversammlung der „Hisiadrath Iwrith". Samstag, 13. Oktober, halb 8 Uhr abends, findet ini Heim der Histadruth, II., Kleine Mohrengasse 3. die Generalversammlung, der Histadruth Iwrith mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnung und Nachruf nach Ch. N. Blalik: Prä3. Dr. D. Rothblum. 2. Tätigkeitsbericht: M. Ungerfeld. 3. Debatte. 4. Wahlen. Besondere Einladungen wurden nicht ausgesendet. Der Jüdische Angestelltenverband „Kmunah" eröffnete Mittwoch, 10. Oktober. *U9 Uhr abends, im Kuraaal des Verbandes, I., Franz-Josefs-Kai 7-9 (Eingang Biberstraße 17), einen modernen Kurs der französischen Sprache für Anfänger. Der Kurs wird unter Leitung von Frau Dr. Ella Rudner-Pfeffer nach der direkten Sprechmethode, ohne Lehrmittel, mit Unterstützung von französischen Schallplatten abgehalten werden. Er soll, die Teilnehmer in der kürzesten Zeit dahin bringen, sich in reinem Französisch ausdrücken zu können. Maimonides-Institut, II., Fraterstrafle 11. Studienjahr 1934/35. Veränderungen im Dozentenkollegium. Herr Rabbiner M. H o r o w i t z hat eine ehrenvolle Berufung als Oberrabbiner nach Stanislau erhalten. Als neue Lehrkraft ist Herr Dr. Salomon Rapaport eingetreten. Der Leiter des Instituts, Herr Rabb. Dr. A. Kaminka, reist für einige Wochen nach Palästina und wird in seiner Abwesenheit von den Kollegen vertreten werden. Interimistischer Vortragsplan: Montag: Rabbiner Zickier: 6 Uhr Maimonides, Einleitung zur Mischna; 7 Uhr Talmud. Dienstag: Dr. Sal. Rapaport': 6 Uhr Midrasch; 7 Uhr Megillat Taanit. Mittwoch: Rabbiner M. Zickier: 6 Uhr Tanchuraa; 7 Uhr Jad Chasaka. Donnerstag: Studienrat Doktor M. Bauer: Ikkarim; eventuell eine zweite Stunde: Propheten. Samstag: 4 Uhr Rabb. M. Zickier oder Dr. Rapaport (in Vertretung): Pentateuch. Das Rektorat der Universität hat an die Leitung eine Anfrage wegen Wiederaufnahme der Vorlesungen gerichtet und es wurde u. a. ein Zyklus von Vorträgen über Maimonides als Theologe und Philosoph von Herrn Rabbiner Dr. Kaminka im Rahmen der Universitätsvorlesungen, anläßlich des 800jährigen Jubiläums, in Aussicht gestellt. Tftlmud-Thora-Vereln für den IV. und V. Bezirk, Wiedner Hauptstraße 83. Der Unterricht in unserer Sprach- und Bibelschule hat bereits begonnen. Neueinschreibungen; ab 2. Oktober 1934 täglich von" Montag bis Donnerstag zwischen 5 bis 6 Uhr nachmittags in unserem neuen Schullokal, Wien, V., Siebenbrunnongasse 1 a (Tempelgebäude). Die akad. Verb. „Kadlmah", Wien, bringt die tieftraurige Nachricht zur Kenntnis, daß ihr lieber fl. H. litt. Wilhelm Gredlnser Zuckerfabriksdirektor i. R. am 7. Oktober 1934, 11 Uhr nachts. In seinem 71. Lebensjahre nach kurzem, schwerem Leiden plötzlich verschieden ist. Der Verstorbene hat seit dem Jahre 18S5 unserer Verbindung angehört und war uns in all diesen Jahren ein Vorbild an öesinnungatreue, Güte und selbstlosem Wohltätigkeitssinn. Wir werden unseres Bundesbruders stets in Ehren gedenken. FIDUCIT! Für die Activitas: stud. ing. Max Haber, dzt. x. Für den A.-H.-Verband: Dr. Max S'i 1 b e r b e r g, Präses. Auf dem Neuen Isr. Friedhof in Wien wurde in den letzten Tagen das Auhel für den verewigten Großrabbiner Israel Friedmann, aus Czortkow fertiggestellt. Der Entwurf dieser überaus würdigen Anlage stammt von dem bekannten Architekten Leopold Ponzen, die Schrift vom Graphiker Arthur Weisz. Die Gesamtausführung oblag der Steinmetzfirma Friedländer & Deutsch. Es wurde hier ein Werk vollbracht, das zeigt, daß es mit einfachen Mitteln möglich ist, eine besondersdem jüdischen Geschmack entsprechende, richtunggebende Lösung zu finden. Bei katarrhalischen Affektionen der Luftwege, Erkrankungen des Magens und des Darmes, namentlich hyperazider Natur, der Leber und der Gallenblase, Entzündungen der Nieren, des Nierenbeckens, der Harnblase, Konkrem'entbüdungen, Gicht, Diabetes ujsw^ vor alhjm: „Preblauer Sauerbrunn", das rein natürliche qsterreichisohe Mineralwasser. . , Soflat Ifilft! $8ei njeumatifjijejt, ..ßt#itfdjeii $Be? fdjinei-fcen Jonne üenoaitbien Äraitfijett'serföeinungen liegt eine Stoffmecfjfelftötung infolge fehlerhafter 33Iut* fiefdjctffenljett oor. 3ur 2lais[d)etbuttg ber fdjäblidjcit 33eftcmbieJIc im 58Iut ift nun- Xogctl in ljcruorragenbcr 2Bei|£. .geeignet. Üogal tjemmi bie 31nfammlung ber Ijatnjßitren Sal3e unb »etmetyxt iljrc s#usfd)cibung. E Konkurs ImBethaus- und Unte. r Stützung sver* ein „Bene Berith" (Kaschlschul), Wien, XX., Ptaschlgasse 4, gelangt die Stelle eines VQRBET1RS im zur Besetzung. Bewerber, welche verheiratet sind, ein einwandfreies, streng religiöses Vorleben, Kenntnis der jüdischen Liturgie, österr. Staatsbürgerschaft nachweisen können und die kantorale Funktion in einer orthodoxen Synagoge bereits ausgeübt haben, wollen ihre Gesuche nebst Beischluß der angeführten Nachweise an den gefertigten Verein bis längstens 15. November 1934 richten. Reflektanten, welche in unserer Synagoge eine diesbezügliche Probe mit negativem Erfolg bereits abgelegt haben, kommen n4cht in Betracht. Bethaus- und Unterstützungsverein „Bene Berith", Wien, XX., Kaschlgasse 4. ( Erklärung. Wir erhalten folgende Zuschrift: In dar 1 letzten Nummer der „Neuen Welt" war die Mitteilung enthalten, daß die Jung-Wizo „M i r j a m" im Verband des „H echaluz" verblieben ist. Demgegenüber müssen; wir bemerken: Die Jung-Wizo „Mirjam" umfaßt Mädchen ' aller parteipolitischen Schatt.'orungen, die hier ihre zionistische Information erhalten und sich an den praktischen! Arbeiten, die dem Aufbau Palästinas dienen, beteiligen. [ Gleich anderen Jugendbünden ist auch die Chaluzgruppe | der Jung-Wizo „Mirjam" dem ,,H echaluz" als autonome Gruppe angeschlossen. Die Jung-Wizo „Mirjam" untersteht den Beschlüssen ihrer Bundesleitung. Zur neugeschaffenen Situation im „Hechaluz" wird erst die für den 16. Oktober einberufene Sitzung der Bundesleitung und der Führerschaft der Jung-Wizo ,.Mirjam" Stellung nehmen.. Israelitischer Jugendgottesdienst. Jugendgottesdienst für Volks-, Haupt- und Mittelschüler (-Schülerinnen) Samstag, den .1.3. Oktober d. J., um 3 Uhr nachmittags in allen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 12. Oktober 1934, werden bei den um 5 Uhr 10 Minuten beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: II., Tempelgasse 5 (Oberrabbiner Dr. I. Taglicht); III., Untere Viaduktgasse 13 (Rabbiner Dr. K. Kupfer); V., Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); X., Humboldtgasse 27 (Rabbiner Dr. A. Weiner); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XLX., Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter); XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein). Samstag, den 13. Oktober 1934, Schrifterklärungen: beim Vormittagsgottesdienste XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein); beim Abendgottesdienste XIII., Eitelbergergasse 22 (Rabbiner Dr. M. Lewin). Verschleiß von Koschergeflügel. Die Gemeindemitglieder werden aufmerksam gemacht, daß vom ehrw. Rabbinat der Isr. Kultusgemeinde Wien nur für das Kaschrus von solchem Geflügel, die Garantie übernommen wird, welches durch die von diesem Rabbinat autorisierten Schlächter geschlachtet ist und sohin die Plomben des Rabbinats der Kultusgemeinde Wien trägt. Die unter Aufsicht des Rabbinats der Kultusgemeinde Wien stehenden Fleischhauer dürfen auch nur solches Geflügel zum Verschleiß bringen. Kompetenzbereich der Kultusgemeinde Wien. Zur Vermeidung von Mißverständnissen hinsichtlich, der Kompetenzen der Kultusgemeinde gibt der Vorstand bekannt, daß durch die seitens des Herrn Volksbildungsreferenten für Wien, Professor Dr. Lugmayer, erfolgte Heranziehung eines Vertrauensmannes für Angelegenheiten der jüdischen Volksbildung' keinerlei Aenderungen in diesen Kompetenzen der Kultusgemeinde eingetreten ist, besonders nicht in bezug auf das Unterrichtswesen und das ihr gesetzlich zustehende Aufsichtsrecht über konfessionelle Vereine, Anstalten und Stiftungen. Nach wie vor sind daher für diese Angelegenheiten der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde .Wien, bezw. die Aemter und Dienststellen der Kultusgemeinde zuständig. Barmizwah-Kürs. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien bringt zur Kenntnis, daß die Einschreibungen für den ersten Barmizwah-Kurs für Kinder mittelloser Eltern im Schuljahre 1934/35 Freitag, den 12. Oktober, und Freitag, den 19. Oktober 1934, jedesmal von 2 bis 3 Uhr nachmittags im Lehrzimmer des Israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, IV. Stock, stattfinden werden. Der Unterricht findet jeden Freitag von 2 bis 4 Uhr nachmittags im genannten Schullokale statt. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, die allverehrte Gattin unseres Seniorchefs, Frau am 10. Oktober 1934 nach langer, schwerer Krankheit abzuberufen. war das Ideal einer treuen, sorgenden Frau, ein guter Mensch, eine edle Wohltäterin. Wir fühlen mit unserem lieben Chef die Trauer um den schweren und unersetzlichen Verlust und werden der teuren Veiblichenen Siefs ein treues und ehrendes Angedenken bewahren. PAS PERSONAL der Firma Brüder Schiff mann - Von schwerstem Leid niedergedrückt, gibt hiemit Max Schiffmann im eigenen Namen qnd namens aller Angehörigen Nachricht von dem unersetzlichen Verlust, der ihn getroffen hat, Seine teure, innigstgeliebte Gattin, Frau FMANN ist nach langem, schwerem, mit rührender Geduld ertragenem Leiden am 10. Oktober 1934 in ein besseres Jenseits abberufen worden. Das Begräbnis der teuren Verblichenen findet am Sonntag, den 14. Oktober 1934, um halb 12 Uhr vormittags auf dem Zentralfriedhof (IV. Tor) statt. Hermann, Bernhard und Schiffmann als Schwäger Max Schiffmann als Gatte Michel Perl Schiffmann als Schwiegermutter R^sa Katz und Sabine ftsch als Nichten