Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 404 (12.10.1934)
- Date
- 1934-10-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2712027--4645-2718154- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
feite 4 DIE NEUE WELT Nr. '404 über die arabisch© Wüste bii Pewien, und selbst der Schute des „englischen Wege9" bis Indien und Persien wird bereits dem Aeroplan anvertraut. Gerade die wachsende Bedeutung des Luftweges wacht für England eine wichtige Luftverkehrsstation im Vorderen Orient erforderlich und Palästina liegt für diesen Zweck am günstigsten. Um aber diese Aufgabe erfüllen zu können, muß die Bevölkerung dem britischen Empire freundlicher gesinnt sein, als dies bei der arabischen Bevölkerung des Irak und Aegyptens der Fall Ist. Hier bietet sich eine günstige Chance für die Juden. Da die Juden keine Volksgenossen in den Nachbarländern besitzen, können sie viel besser als die Araber ihr Schicksal ans britische Empire binden und hievon profitieren. Das Imperium braucht Palästina und es kann dieses Land ohne wohlwollende Zustimmung des judischen Teiles der Bevölkerung nicht fest in der Hand behalten. Ob nun die Klagen der Juden gegen die britische Palästina-Regierung berechtigt sind oder nicht, die Ereignisse sind stärker als die Menschen, und die Führer des palästinensischen Judentums müssen sich über kleinliche Dinge hinwegsetzen und sich auf die Hauptaufgabe, d. i. den Beweis, daß das jüdische Palästina für die britische Weltmacht wichtig ist, konzentrieren. Durch die Entwicklung Palästinas zum wichtigsten Zentrum für Englands Handel und Politik können die Juden am besten in London Einfluß gewinnen. Die Eisenbahn durch die Wüste bis Persien muß so rasch als möglich fertiggestellt werden. Die Kaufleute am Hafen von Haifa werden die Rolle des Vermittlers für ein Territorium spielen, das die Ufer des Mittelländischen Meeres über Aegypten bis nach Persien und Arabien umfaßt. Die Suez-Aden-Linie muß ihre Monopolstellung verlieren und es muß eine parallele Palästina-Irak- Linie geschaffen werden. Aber Eisenbahnen und Häfen sind nicht ohne die menschliche Entwicklungsenergie denkbar, und nur eine mächtige jüdische Bevölkerung in Palästina wird die Räder des Handels und der Industrie in Bewegung setzen. Diese Interessen müssen die jüdischen Führer für ihr Volk ausnützen. Dem jüdischen Volk gehört die Zukunft, wenn es genug weitsichtig ist, trotz der gegenwärtigen Schwierigkeiten den Augenblick auszunützen. Die Juden müssen sich mit dem britischen Imperium identifizieren. Anstatt sich über die Sympathien aufzuhalten, die dieser oder jener Kolonialbeamter für die Arafcar an den Tag legt, müssen sie 3tch auf den Standpunkt stellen, daß sie zufolge der gegebenen Verhältnisse und vom Standpunkte der Gerechtigkeit beim britischen Imperium den Vorzug vor den Arabern genießen. Anmerkung der Red. Der Autor hat grundsätzlich in vielem recht. Aber er übersieht, daß eine Fortsetzung der araberfreundlichen und judenfeindlichen Politik der Palästina-Regierung einen Zustand arabischer Vorherrschaft in Palästina herbeiführen kann, der alle schönen Hoffnungen, die englischen und die jüdischen, Uber den Haufen wirft. Nicht nur die Juden, auch die Engländer müssen sich des ungeheuren Wertes eines jüdischen Palästina für das britische Imperium bev/ußt werden. Palästina-Bericht an den Völkerbund Aus G e n f (J. T. A.): Im offiziellen Kommunique de3 Völkerbundes wird der Bericht mitgeteilt, den der dänische Delegierte Erik de Scavenius der Völkerbundversammlung im Auftrag der VI. Kommission Uber deren letzte Beratungen erstattet hat. Ueber die Beratungen, betreffend das Palästina-Mandat, weißt es in dem Bericht: „Die Frage des Jüdischen Nationalheims in Palästina, die in der VI. Kommission bereits wiederholt angeschnitten worden ist, wurde von mehreren Rednern berührt. Der Delegierte Polens gab der Hoffnung Ausdruck, daß man der überschüssigen jüdischen Bevölkerung Mittel- und Osteuropas die Niederlassung in Palästina gestatten werde; zu diesem Zweck solle die zionistische Einwanderung verstärkt werden unter Berücksichtigung der besonders günstigen Wirtschaftslage des Gebietes, die in einem hohen Maß der Tätigkeit des jüdischen Bevölkerungselements zuzuschreiben sei. Die Delegierten Pers i e n s und des Iraks sprachen die Hoffnung aus, daß die zionistische Einwanderung nicht zum Schaden der erworbenen Rechte der eingesessenen arabischen Bevölkerung vor sich gehen werde. Der Delegierte der englischen Mandatarmacht für Palästina erklärte, seine Regierung sei in gleicher Weise um die Interessen beider Bevölkerungselemente Palästinas, des jüdischen und des arabischen, besorgt gewesen. Er nahm Bezug auf die Bestimmungen des Mandats und die interpretierende Autorität der Mandatskommission, die vor kurzem bestätigte, daß die jüdische Einwanderung abhängig sein solle yon der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Mandatsgebietes." Unsere jüdischen Leaer werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann T u c h n e r (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten »ämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Gro« sehen täglich. Keine NebengebUhren. Für Anfragen Telephon R-41-1-20. E Der Triumph der Schönheit KÖNIGIN CHRISTINE SCHWEDEN-KINO Telephon A-49-0-60 Vorstellungen: 7,4, 7,6, '/s8, 7,10 Uhr fetro^ »ytfJ Frieda Schiff mann verschieden Nach langem, schwerem Leiden ist in Wien am Mittwoch, den 10. Oktober, die Gattin des bekannten Zionisten und Kultusvorstehers Max Schiffmann, Frau Frieda S c h i f f m a nn, gestorben. Die Verblichene gehörte zu jenen wenigen Frauen, welche umfassende zionistische Interessen an den Tag legen, und war Uberall dort zu finden, wo es sich um die Propagierung des zionistischen Gedankens handelte. Das jüdische Wien kannte sie als Wohltäterin großen Stils, als eine Persönlichkeit, die, tief religiös, zum größten Teil im stillen Werke des Wohltuns an . ihren armen jüdischen Mitbürgern übte. Zahlreiche zionistische und jüdische Institutionen hatten an ihr eine stets bereitwillige Förderin. Frau Frieda Schiff mann war mit ihrem Gatten in idealer Ehe verbunden. Die aufopferungsvollste Pflege seitens des Gatten und die Kunst der Aerzte vermochten nicht, das Leben der Frau Schiffmann zu retten. Herrn Max Schiff mann, unserem Gesinnungsgenossen, wird das Bewußtsein, daß sich ihm die Anteilnahme aller seiner Freunde und Nahestehenden zuwendet, den tiefen Schmerz um die Verlorene lindern. Alfred Dreyfus — 75 Jahre all Dr. Simon Horowffz gestorben Mit Dr. Simon Horowitz ist einer der wertvollsten Männer aus dem zionistischen Leben geschieden. Mit einer Hingebung sondergleichen, :mit Preisgabe aller persönlichen Interessen hat er auf den verschiedensten Gebieten der zionistischen Arbeit gewirkt. Seiner Neigung folgend, hat er der Pflege der hebräischen Kultur gedient. Als aber , die Wanderbewegung nach Palästina stürmisch einsetzte und die Regelung der Emigration einen Leiter von deh höchsten Qualitäten erforderte, war Dr. Simon Horowitz zur Stelle. Er wurde'Vorsitzender des Wiener Pälästina -Amtes und Seele» dieser Institution in allerschwerster Zeit. Der elementare Drang der Massen nach Palästina, der Ansturm der konkurrierenden, sich befehdenden Parteien stellte ihn vor eine schier unausführbare Aufgabe. Er hat sie verständnisvoll und gerecht gesöst. Der Name des Organisators der österreichischen Wanderbewegung wird mit dem Wiener Palästina-Amte immer verbunden bleiben. Ing. Wilhelm Greilinger gestorben. Am 7. Oktober 1934 verschied Gg. Ing. Wilhelm Gredinger im 71. Lebensjahr nach kurzem schwerem Leiden. Als junger Student trat er in die „K a d i m a h" ein, welche damals die erste Vorkämpferin des Zionsgedankens war. Damals vollzog die Kadimah ihren Uebergang vom Studentenverein zur ersten schlagenden jüdischen nationalen Verbindung, an welcher Wilhelm Gredinger in hervorragender Weise teilnahm. Vor einigen Jahren zog sich Ing. Wilhelm Gredinger von seiner hervorragenden industriellen Betätigung zurück und betätigte sich im A.-H.-Verband der „Kadimah" als eines der aktivsten Mitglieder. Seine hervorragendste Eigenschaft war unendliche Güte. Mit der Familie und den Freunden trauern viele, denen er ein Wohltäter war. Ein Mann, der schon vor Theodor Herzl für den Zionsgedanken eingetreten ist und ihn bis zum Tode aufrecht verfochten hat. Mensa academica judaica Der KUchenbe trieb der Mensa academica judaica, IX. Bezirk, Zimmermannplatz 8, wird Montag, den 15. Oktober d. .1., um 12 Uhr mittags, wieder eröffnet. BLAU-WEISS BILLIGE SONDERFAHRTEN AUF DEM LANDWEG NACH PALXSTINA Abfahrt des ersten Sonderxugtts am 17. November 1934 um 198ü von Wi«n-Os'bahnhol. Die Reise führt über Ungarn, Jugoslawen, Bulgarien, Türkei, Syrien nach Haifa» Speise- und^Schlafwagen Rituell« Kost. Radlosend«- u. Empfangsanlage. Schlafgelegenheit iür Reisende III. Klasse geboten. FAHBPRKIS INKL. DURC HKIXSUVISA AM WIKN: IIX. Klasse: für Chaluzim (Zertlflkalbesitsser): ohne Verpflegung.........s 195.— mit Verpflegung......., . S 209.— HI. KlaHse: für Touristen, mit Verpflegung . . . S 200.— I7.Klus.se: für Touriaten, mit Verpflegung . . . S 490.—- SCIILAFWAGBNBKNÜTZUN« iür Reisende II. Klaaao gegen normale Gebühr. Für leidende Personen, die «ich nicht der Gefahr der Seekrankheit aussetzen dUrfen, die einzige Möglichkeit, gefahr- 1 o h nach Palästina und dem vorderen Orient zu gelangen. ANMELDUNGEN UND AUSKÜNFTE: OextPrrelchlKdieti Verkehrsbureau, Wien, I., Frledrichstraüe 7, Telephon B-JJ7-500 OenterreUhiiche» Palästina-Ami, Wien, f., Karntnerstruüe 38, Telephon tt-27-1-86 Menschen der alteren Generation erinnern sich gewiß noch an die Dreyfus-Affäre. Wie aus einem Hochverratsprozeß gegen einen Offizier des französischen Generalstabs ein Prozeß zugunsten der sittlichen Grundlagen des Rechtes wurde und schließlich eine Sache des Judentums der Welt, das gehört zu den erschütterndsten. Kapiteln der neueren Geschichte. Man kennt den Tatbestand. Im Jahre 1894 wurde Alfred Dreyfus, Hauptmann im französischen Generalstab, unter der Beschuldigung, wichtige militärische Dokumente an Deutschland verkauft zu haben, vor ein Kriegsgericht gestellt und zu Degradation und Deportation verurteilt. Unter der Führung Emil Zolas, der sein Anklagemanifest „J'accuse" (Ich klage an) schrieb, setzte eine Bewegung für die Revision des Urteils, d. h. für die Unschuld Dreyfus', ein. Das Wiederaufnahmeverfahren in Rennes brachte ein milderes Urteil, aber erst im Jahre 1906 wurde Dreyfus vollständig rehabilitiert. Diese äußeren Umrisse lassen nicht den Haß und die Leidenschaften ahnen, die die Affäre rings um den jüdischen Hauptmann aufgewirbelt hat. Historische Perspektiven verschieben sich leicht. Hier aber schlugen die Wellen der Erregung bis in die privatesten Sphären hinein. In jedem jüdischen Haus empfand man die dem jüdischen Offizier angetane Schmach als eine persönliche Demütigung: die Ehre des jüdischen Volkes, das empfanden alle Juden ohne Unterschied des Bildungsgrades und der sozialen Stellung, stand in Gefahr. Ein sonderbares Geschick brachte es mit sich, daß Theodor Herzl, Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse" in Päris, Zeuge der Sturmtage war und ganz unversehens von der Dreyfus-Psychose ergriffen wurde. Die Welle der Feindschaft und des Hasses gegen den unschuldigen Juden ümbrandete auch1 ihn und führte dazu, daß sich Herzl mit dem, v/as wir heute „Judenfrage" nennen, zu beschäftigen begann. Herzl machto einen schweren seelischen Prozeß durch, der nicht arm an Krisen war. Aber er ging geläutert und reich an innerem Gewinn hervor. Der Fall Dreyfus bildet einen Wendepunkt in seiner Stellung zum Judentum und zum jüdischen Volk. Was unter einer Schichte von Vorurteilen, Erziehungsergebnissen, Bedürfnissen an Komfort! und gesellschaftlicher Geltung gelagert war: die jüdische Seele, brach jetzt mit elementarer Kraft durch und stellte sich in den Dienst der großen Sache, der Judensache. Es ist der Wendepunkt in Herzls Leben, das von nun ab dem jüdischen Volk und dem Instrument seiner Wiedergeburt, dem Zionismus, geweiht Ist. Heute, da 40 Jahre seit dem Prozeß des Obersten Alfred Dreyfus verflossen sind und dieser in stiller Zurückgezogenheit seinen 75. Geburtstag begeht, wird —» nachdem Literatur und Bühne sich des Falles Dreyfus in ausreichendem Maße beschäftigt haben — all das, was seinerzeit die Gemüter von Millionen Menschen, insbesondere Juden, erschüttert hat. wieder lebendig — ein Stück menschlicher und jüdischer Tragödie. o. r. KREUZ-KINO Woilzeile 17 . Tel. R-21-2-16 ABENTEURER IN SHANGHAI mit Jack Holt, Lia Lee u. Ralph Qraves. Vorstellungen: *, V*6, VsB, Y*lO ROTENTURM l Fleischmarkt l,R-29.109,R-29-l59 MB DATUffUBI HC G-flrli5S- L. Joung. B. Karloff MIB W%\J I n#V«1lhira0 Beginn:*,«A»,Y«.10 Theodor Herzls Bild darf In keinem jüdischen Hause fehlen Wir geben ein ausgezeichnetes, auf Kunstdruckpapier farbig In Palästina hurgestelltes Herzl-Forträt (Format 50 mal 33 cm) zum Preise von S 1.20 ab. Bei Poatver»and S 1.00 inkl. Porto gegen Voreinsendung des Betrages. Zu beziehen durch die Verwaltung „Die Neue Welt", Wien, IX., Universltatsstraßc 8. Illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllililii Wiener Jüdisches Familienblatt II, Jahrgang, Nr. 12, Oktoberheft, soeben erschienen! Reich Illustriert S 1.— In jedes jüdische Haus das Wiener Jüdische Familienblatt! Bei den Kolporteuren erhältlich oder direkt zu beziehen vom Verlag, I., Petersplatz 7. Tel. Nr. U-21-0-17 IMHIIIIIIIIlllllIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIllliii