Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 404 (12.10.1934)
- Date
- 1934-10-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 ME NEUE WELf Nr. 404 i*>HHHHl»t!'H!!»!i»!l!l!i)!WHI!i:i!!!l!i!l!:: '!:il!!l!!!lll!n::!l!:l!lll!i|lliiilll:||II C U N A R » WHITE ST AR nach Amerika und Canada | KOSCHERE KÜCHE | =§ unter Aufsicht des Beth Din (Londorf) | 1 REPRÄSENTANZ: | | WIEN lv KKRttTNERRING 4 | eililllii!il!lllU!llilll!l!iilllll!!IH^ Jedermann weiß, wer mit dem Worte „Fremden" gemeint ist. In erster Linie die polnischen, russischen und sonstigen Juden, die der Weltkrieg nach Frankreich geworfen hat, und die deutschen Juden, die vor Hitler geflüchtet sind. Durch das mörderische Attentat gegen König Alexander und Minister Barthou hat jetzt die Aktion gegen die „Fremden" einen ganz rabiaten Charakter angenommen. Am schmerzlichsten werden das jene verspüren, die wohl am weitesten von dieser an zwei großen Judenfreunden verübten Mordtat stehen: die Juden. * Man könnte sagen, daß dies Einzelfälle sind, Episoden. Gewiß sind es Episoden, aber ganz bezeichnende und charakteristische. Solche Episoden waren es, die Überall zur Aufrollung der Judenfrage geführt haben. Es ist wohl verlockend, in der Charakterisierung dieser Vorgänge als wenig bedeutende „Zwischenfälle" Trost zu suchen. Aber Ist damit etwas getan? Au§ aller Weif Vor einer „Nazrfiziermig" Polens? Aus London: (J. T. A.) Die Londoner Presse bringt Mitteilungen darüber, daß eine gemeinsame Konferenz von Beamten des deutschen und des polnischen Innenministeriums zwecks Schaffung eines Uebereinkommens zum Schutz vor gegenseitigen Angriffen durch Presse, Bücher und Radio abgehalten wurde und spricht in diesem Zusammenhange von einer „Nazifizlerung" Polens. „News Chronicle" berichtet, daß ein deutsch-polnisches Uebereinkommen betreffend engere geistige Zusammenarbeit und Austausch von Rednern und Professoren getroffen wurde. „Daily Mail" weiß zu berichten, daß der jüdischen Presse in Polen verboten werden soll, Ungünstiges über die Lage der Juden in Deutschland zu berichten, während gleichzeitig Polen den Propagandisten des Dr. Goebbels seine Tore öffnen wird. England für die jüdischen Minderheiten Aus Genf: In der politischen Kommission des Völkerbundes berührte Lord Eden, der Geheimsiegelbewahrer Großbritanniens, das jüdische Problem in Deutschland und in den osteuropäischen Ländern und wies auf die schlechte Behandlung der Juden in diesen Ländern als ein Beispiel dafür hin, warum die Rechte nationaler Minderheiten vom Völkerbund geschützt werden müssen. Die jüdischen Minderheiten, erklärte Eden, werden durch die bestehenden Minderheitsverträge durchaus korrekt geschützt. Diese beziehen sich jedoch nur auf gewisse Länder. Der Mehrzahl der Länder ist das sogenannte jüdische Problem unbekannt. Jede Regierung trägt die unmittelbare Verantwortung für Personen aller RasBen, Sprachen und Religionen in den Territorien, die sie verwaltet. Nach der Behandlung ihrer Minderheiten wird jede Regierung beurteilt, und auf einer guten Behandlung aller Staatsbürger beruht auch der gute Name eines jeden Landes. Numerus clausus in Lettland Aus Riga: Der Studentenrat der R i g a e r Universität hat am 23. September der Verwaltung der Universität die Forderung unterbreitet, den Numerus clausus für Juden und andere Angehörige nationaler Minderheiten einzuführen. Es verlautet, daß die Verwaltung der Universität diese Forderung in E rw ä g u n g ziehen dürfte. Inzwischen erfährt man, daß als Folge der Zulassungsprüfung für das neue Schuljahr die Zahl jüdischer Studenten an der Rigaer Universität in diesem Jahr um 50 Prozent geringer sein wird als im vergangenen Jahr. Ausbildung von Chaluzlra zu Seeleuten und Hafenarbeitern Aus Warschau: In Gdingen haben sich mehrere jüdische jung^ Leute zu einer Auabildungsgemeinschaft zusammengeschlossen, die den Namen „Gordonia" führt und die Ausbildung ihrer Mitglieder zu Seeleuten und Hafenarbeitern zwecks späterer Ausübung dieser Berufe in Palästina zum Ziele hat. Numerus clausus an den deutschen technischen Hochschulen Aus Berlin: Das Unterrichtsministerium hat anläßlich des Beginns des neuen Semesters verfügt, daß an technischen Hochschulen nur noch 1% Prozent nichtarische Studenten inskribiert werden dürfen. Aus Lettland Aus Riga: Die Regierung hat alle Vereini- 'UDgealinkagerichteter jüdischerLehrer, einschließlich der Zisho (Zentralverband Jiddischer l^jhrer), verboten. Stimmen zum Frieden Im Zusammenhang mit den Ausführungen von Melr Großmann, dem Vorstand der Judenstaatspartei, der sich In unserem Blatt über den wirklichen Sinn des Begriffe« „Frieden" In der Zionistischen Organisation äußerte, erhalten wir von verschiedenen zionistischen Seiten Erklärungen und Vorschläge. Nachstehend veröffentlichen wir zwei dieser dem Frieden dienenden Zuschriften, die als Beginn einer Diskussion angesehen werden können. Befriedung der Organisation Von Dr. Martin Lichtner (Trautenau) Seit ungefähr drei Jahren bemühe ich mich, durch private Korrespondenzen mit führenden Persönlichkeiten der verschiedensten zionistischen Parteien irgend eiue Gruppe zu finden, die durch Bildung eines Initiativkomitees die Voraussetzung für eine innerzionistische Round- Table-Konferenz schaffen könnte. Alle meine Schritte wurden meist mit viel Bereitschaft, viel gutem Willen und tiefstem Verständnis beantwortet, aber keiner der vielen Menschen hielt den Zeitpunkt für gegeben, die praktische Arbeit aufzunehmen. Jetzt endlich scheint sich eine völlige Wandlung der Meinungen zu vollziehen. Die Konferenz der Allgemeinen Zionisten und des Misrachi und der Friedensvorschlag der revisionistischen Exekutive an die Mappai (Linke) deuten darauf hin, daß überall, selbst in den höchsten Parteiinstanzen, die Ueberzeugung von der Unhaltbarkeit des heutigen Zustandes Platz greift: daß Wege gesucht werden müssen, um eine Kooperation auf neuer Grundlage zu suchen. Trotzdem bin ich nach meinen bisherigen Erfahrungen sehr skeptisch bezüglich des Erfolges all dieser Versuche. Die Parteiführer, speziell der beiden sich am heftigsten bekämpfenden Flügel, sind zu schwer durch die Vergangenheit „belastet", zu stark in ihren Parteity&d&Yi Wbtqen eme &M&i6imgi mit Diana, stärkt Sie für den ganzen Tag, Sie arbeiten flott und ermüden nicht. Massagen mit „DIANA" erfüllen mit verjüngender Kraft, stählen Körper und Nerven. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege. DIA.NA FRANZBRANNTWEIN doktrinen verstrickt, als daß man aus diesen Kreisen fruchtbare Friedensideen erwarten könnte. Jeder Z i o n i s t ist heute von der unbedingten Notwendigkeit des Friedens überzeugt, aber kein verantwortungsvoller Mensch wird einen Frieden wünschen, dem nach einiger Zeit eine verstärkte Feindschaft folgen würde. Was wir brauchen, ist ein wirklicher starker, ja revolutionärer Wille zum Frieden von untenher. Es wäre nun eine sehr dankenswerte Aufgabe, zunächst diesen Friedenswillen in konkrete Formen kristallisieren zu lassen. Ist es gelungen, den Gegenstand restlos zu klären, dann kann man an die Organisation des Friedenswerkes schreiten und eine innerzionistische Round-Table-Konferenz hinter geschlossenen Türen, um jeden Anreiz der Propaganda nach außen für die eigene Partei zu verhindern, abhalten. Ich gestatte mir, diese Diskussion zu eröffnen, und nehme aus der Fülle der Vorschläge, soweit sie mir zukamen, jene heraus, die ich für realisierbar und gut halte: 1. Erlassung einer zionistischen Amnestie : Alle Ehrengerichtsurteile, die seit den letzten fünf Jahren von zionistischen Ehrengerichten gefällt wurden, werden aufgehoben und die verurteilten Menschen, Parteien und Organisationen bedingungslos wieder in ihre Rechte eingesetzt. Ausgenommen sind nur jene Urteile, die erflossen sind, infolge ehrloser oder niedriger Gesinnung des Angeklagten. 2. Der Zionisten kongreß wird für den Sommer 1935 einberufen. 3. Die Wahlordnung zum Zionistenkongreß wird für Erez Israel in vollkommen gleicher Form /erlassen wie für die Länder der G a 1 u t h, so daß die Bevorzugung der Parteien in Erez Israel, die zu so viel Mißhelligkeiten geführt hat, aufgehoben ist. 4. Alle wähl werbenden Parteien müssen sich durch ihre verantwortlichen Stellen auf einem Revers verpflichten, vorbehaltlos und bedingungslos die Beschlüsse des kommenden Kongresses zu erfüllen. 5. Jene Länder, in denen infolge des Regimes keine Wahlen stattfinden können, entsenden zum Kongreß je einen Vertreter der Parteien, die am letzten Kongreß vertreten waren. Diese Delegierten haben kein Stimmrecht, sind aber wählbar in die zionistischen Institutionen. 6. Die zionistischen Parteien unterwerfen sich freiwillig einem in jedem Lande separat zu wählenden Ehrengericht. 7. Die Parteien garantieren bis zu den Kongreßwahlen einen Burgfrieden in Presse und Versammlungssaal, der erst mit Ausschreibung der Kongreßwahlen aufgehoben wird. Doch auch während des Wahlkampfes sollen alle persönlichen Angriffe unterlassen wei'den. Das bestbekannte Restaurant Hotel Stefanie Wi«n il, TaborStraße Nr. 12, Telephon R-46-3-57 empfiehlt seine reichhaltige Speisenauswahl Menü von 3 1.60 an, Speisen am Rost, täglich frische Fische, erstklassige Bedienung i Man wird vielleicht einwenden, daß manche dieser Vorschläge in die Rechte des Kongresses und des A. C. eingreifen. Demgegenüber ist zu antworten, daß man formell ja vorbehaltlich der Zustimmung des Kongresses diese Bestimmungen in Kraft setzen kann. Selbstverständlich erheben diese Vorschläge keinen Anspruch auf Vollkommenheit. Aber die Diskussion wird hoffentlich eine Lösung bringen, die es ermöglicht, endlich die entscheidenden Schritte ins Werk zu setzen. Juden/ vereinigt euch! Von Dr. E. H. (Brünn) In dem immer heftiger werdenden politischen Kampf der Parteien ist man im Begriffe, daran zu vergessen, daß Freiheit und Gerechtigkeit für jedes Gemeinwesen die erstrebenswerteste Form darstellen. Jeder Mensch strebt volle Freiheit für sich an, die nur eine Grenze bestimmt eben das Recht. Daher ist das Ziel Grenzen bestimmt eben das Recht. Daher ist das Ziel und die Devise jeder aufbauenden höherstehenden Bewegung: „Freiheit und Gerechtigkeit!" Andernfalls ist sie von Haus aus zum Tode verurteilt. Jede Führung verlangt Gehorsam; sie hat Anspruch darauf, wenn der Gehorsam Heischende die Gewähr bietet, daß ihm alle Bürger gleich wert sind, wenn er gegen niemanden Vorurteile hegt. Die auf Grund eines Parteiprogrammes gewählten Führer sind bloß verpflichtet, die Interessen ihrer Parteigänger zu vertreten. Und erst jene Parteien, in deren Programm die Devise Kampf und Haß dominiert — können deren Führer überhaupt von jemand außer von ihren Parteigängern Gehorsam verlangen? Ist von solchen Parteien überhaupt noch Aufbauarbeit zu erwarten oder legen sie nicht Vielmehr den Keim zu kommenden Bürgerkriegen? Wenn hemmungsloser Parteikampf schon für große Völker schweren Schaden bedeutet — die Juden stößt er zur Bedeutungslosigkeit herab. Jetzt gilt es, das Unkraut der Zwietracht auszureißen, und zu verhindern, daß in die Seele unserer Jugend der Keim von Egoismus und Neid gelegt werde. Der einfache arbeitende Mensch will mit dem schmutzigen. Parteikrieg nichts gemein haben und erkennt, daß er unser gemeinsames Ziel zu zerstören droht. So wird der RufV „Juden, vereinigt euch!" immer lauter und dringender. Jud Süß kommt JudifdierVolk§bundf« öfterreidi (lüdifdie Volkspartei) An die jüdische Studentenschaft! Kollegen und Kolleginnen! Bei der Inskription wird von euch die Bekanntgabe der Volkszugehörigkeit und Parteizugehörigkeit gefordert. Bekennet euch zum jüdischen Volke! Füllet die Rubrik „Volkszugehörigkeit" mit „jüdisch" aus! Bekennet euch parteimäßig zum „Jüdischen Volksbund für Oesterreich", der jüdischnationalen Organisation, welche treu zum jüdischen Volke und treu zu Oesterreich steht! Dieses offene und ehrenhafte Bekenntnis flößt jedermann Achtung ein und klärt und sichert eure Stellung als akademischer Bürger und Staatsbürger. Studenten und Studentinnnen, die noch nicht den Beitritt zum „Jüdischen Volksbund" vollzogen haben, können die Mitgliedschaft bei jedem der Unterzeichneten melden. Für die akademische Gruppe im „Jüdischen Volksbund": Dr. Adolf Leser (Alt-Präses des J. A. Juristenvereines), Dipl.-Kfm. Isaak Engelberg (Präses der („Judäa"), cand. jur. Max Schächter (Vizepräses der „Judäa"), cand. med. Josef Haber (H.-A.-Mitglled), cand. med. Fritz Keßler (H.-A.-Mitglied), stud. jur. Marceil Pachtmann (H.-A.-Mitglied), abs. med. Samuel Löw (Präses des A. V. J. Mediziner), cand. phil. Herbert Eckstein (Präses des J.-A. Philosophenvereines), cand. phil. Michael Seid manu (Alt-Präses des J.-A. Philosophenvereines), Dipl.-Kfni. Siegmund H111 m a n u (Alt-Präses der Ver. jüd. Hörer an der Hochsch. f. Welth,), cand. phil. Marcell Alpern, cand. med. Aron Horn, cand. med. Erwin Lencz, stud. techn. Marcell AI ba 1 a. Wir bitten um Einsendung von Adressen, an die wir Probeexemplare versenden können \ftf€»rb6H HG für unser Blatt! D»e Verwaltung „D / f NEUE WELT"