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Die neue Welt · 1934-10-12 · Heft 404 (12.10.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 404 (12.10.1934)
Date
1934-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Prem 20 Groschen Mntgang 8 ffroftag, den Oktober 19)4 Nr* 404 V* b« b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediä par redltcur" °<l*el{ Hie», l l REVUE HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1 50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährfg Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—. vierteljährig Lewa 120.—: IfSHen monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion w. Verwaltung: IX» Universitätsstr, 8, Tel. A-2Ö-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Zwei Freunde des jüdi§dten Voike§ Gerade in einem Augenblick, da der südslawische König französischen Boden betrat, um mit dem Außenminister der französischen Regierung Lebensfragen beider Staaten, Jugoslawiens und E'rankreichs, zu besprechen, wurden die beiden Staatsmänner von mörderischer Hand niedergestreckt. Noch sind die Hintergründe dieser Mordtat nicht klar. Noch weiß man nicht, in welchem Zusammenhang mit revolutionären Gewalttendenzen da3 Attentat steht. Aber wie immer man, politisch und psychologisch, die abscheuliche Bluttat deuten mag — die Ueberzeugung, daß zwei große, für den europäischen Frieden bedeutsame Persönlichkeiten dahingegangen sind, ist einstimmig. Die menschliche Teilnahme am tragischen Ende dieser zwei Männer wird von der Sorge begleitet,' daß hier die sittlichen Grundlagen, auf denen das Leben der Völker und Menschen beruht, erschüttert werden und einer Mentalität Platz machen, die schon vor dem Weltkrieg so viel Unheil angerichtet hat. Gerade die kleinen, locker gefügten Gruppen, die innerhalb der mächtigen Staaten stehen, müssen befürchten, daß ihre Existenz, moralisch und materiell, durch Ueberhandnahme einer aggressiven Mentalität gefährdet werden könne. Die jüdischen Volkssplitter, da und dort versprengt, finden ihren Halt ausschließlich in moralischen Gesetzen und Vereinbarungen, also in Formen, die von jeder Gewalt entfernt sind.- Eine desto größere Anteilnahme können wir Juden dem Tod des jugoslawischen Königs und des französischen Außenministers widmen. König Alexander, der Sohn des Begründers Südslawiens, setzte die judengerechte Tradition seines Stammes und Volkes fort. Die Juden Jugoslawiens hatten in diesem Lande eine wahre Heimat; ungestört konnten und können sie ihre nationalen Werte pflegen. Das Interesse des ermordeten Königs und der Besten seiner Untertanen für Klage gegen den polnischen Staat In Krakau wird demnächst ein interessanter Prozeß stattfinden, den der frühere jüdische Rechtsanwalt Dr. David Berger wegen Verletzung religiöser Minderheitenrechte gegen den polnischen S.t&at angestrengt hat. Dr. Berger war von der Rechtsamvaltsliste gestrichen worden, weil er sich geweigert hatte, am Sabbat vor Gericht zu erscheinen. Er stützt seine Klage auf die Bestimmungen, durch die den Angehörigen religiöser Minderheiten die f r e ie Ausübung ihrer Religion garantiert wird, und fordert vom Staat eine Entschädigung von 600.000 Zloty mit der Begründung, daß ihm durch die Streichung von der Anwaltsliste die Möglichkeit genommen wurde, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Bombenwürfe gegen jüdische Geschäfte Die Serie der Terrorakte gegen die Juden in Lemberg hat sich vermehrt. Gegen den Verkaufsladen der Enis-Parfum-Firma, deren Inhaber ein Jude äst, wurde eine Bombe geschleudert, die großen Schaden das zionistische Aufbauwerk in Palästina ging weit über oberflächliche Informationen hinaus. Unsere jugoslawischen Brüder dankten ihrem Regenten, indem sie in Erez Israel . auf seinen Namen einen Wald pflanzten — das schönste, einfachste und würdigste Geschenk, das ein armes Volk zu vergeben hat. Die Juden Jugoslawiens und der, ganzen Welt nehmen an dem Schmerz teil, von dem das jugoslawische Volk und die Familie des ermordeten Königs erfüllt sind. Frankreich hat mit Louis B a r t h o u einen Mann verloren, der eben im Begriffe war, durch raumgreifende Pakte den Frieden für Europa zu sichern. Kein Politiker, der mit den zur Schablone erstarrten Friedensfloskeln arbeitete, sondern ein Staatsmann, dem es ums Ganze der europäischen .m Kultur und Sicherheit ging, war Barthou im Begriffe, durch Vereinbarungen, mit König .Alexander die dynamischen Kräfte des Balkans an 'die ewestlichen Sphären zu binden. Dem Volk angehörend, das auf seinem Gebiet und darüber weit hinaus die Begriffe menschlicher Tugend, vornehmlich der Gleichheit, verwirklichte, kam Barthou jedesmal, so oft ihn europäische Aufgaben riefen. Seinen jüdischen Mitbürgern versagte er sich nicht. Den Organisationen,, die n a t i onaljüdischen, zionistische n Interessen dienten, wandte er sich mit viel Aufmerksamkeit zu. Im Pariser Pro-Palästina-Komitee saßen seine engsten Mitarbeiter. So wie an König Alexander, hat auch an Louis Barthou das jüdische Volk einen verständnisvollen Freund verloren. $8ei ^rfronfntiacn t»cr ^Uninno^^ orpncflfiinii/Sroiirfjüiöac.fiets anrichtete, aber glücklicherweise Menschen nicht verletzte. Der Bombenwerfer wurde verhaftet. — Einige Tage vorher wurde der Kolonialwarenladeri des Juden Dayc hfeld in Lemberg durch eine Brandbombe angezündet, wobei Frau Dayc hfeld so schwere Brandwunden erlitt, daß sie einen Tag darauf starb. Polnische Antisemiten verurteilt Aus Warschau: 24 Mitglieder der;antisemitischen National-radikalen Partei (Nara) hatten sich in sechzehn separaten Gruppen vor Gericht wegen Verteilung antisemitischer Flugblätter zu verantworten. Alle Angeklagten wurden zu je 14 Tagen Gefängn i s mit zweijähriger Bewährungsfrist verurteilt. Zahl der Juden im Warschauer Stadtrat — halbiert Die Regierung, die den aus Wahlen hervorgegangenen Warschauer Stadtrat aufgelöst hat, . geht nun daran, einen neuen Stadtrat zu nominieren. Der bereits ernannte Stadtpräsident und seine vier Stellvertreter sind ausschließlich Nichtjuden. Von den 30 Mitgliedern des Stadtrates werden, wie verlautet, bloß 4 oder 5 Juden sein, dies, obwohl den Juden ihrer Zahl nach mindestens 10 Sitze zukommen. '■ Dienstag, am 1§. Oktober im Hote Continental, halb 9 Uhr (Jüdische Volkspartei) GROSSE VERSAMMLUNG „Die jüdische Sdhulfrage in Oesterreich" Herbst im sonnigen Meran Pension Irma Meister. Meran Idealer ganzjähriger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise, verlangen Sie Prospekte HOTEL PRINCIPE EREDITARIO (ehemals Kronprinz) MERANO Gutbürgerliche's'Haus — Fließendes warmes und kaltes Wasser Mäßige Preise „ Besitzer Pechlaner-Küba UM E DA M A Pension meran STl E K 9% wM \# Deutsches Haus ' «• ^unmittelbareNähe der Kurpromenade und1 des Kurhauses Höchster Komfort / ■ Batterkiiche / Lire 2! Judenfräge im Weiten Judenfrage im Westen? Das gibt es nicht! Die Judenfrage besteht doch nur im Osten, in den Ländern unentwickelter Zivilisation. Das war so die Ansicht der Juden in den letzten Jahrzehnten. Die These Theodor Herzls, daß die Judehfrage geographisch nicht begrenzt ist, konnte diese Ueberzeugung nicht erschüttern. Erst die Vorgänge nach Hitlers Machtergreifung im hochkultivierten Deutschland lockerten -den Glauben daran, daß die hohe westliche Zivilisation und der Antisemitismus einander ausschließen. Jetzt braucht man nicht allzu scharf hinzuhorchen, um wahrzunehmen, daß es auch westwärts von Deutschland so etwas wie eine Judenfrage gibt. „Banden aus den Judenghettis aller Welt überschwemmen uns. Banden, von der jüdischen Plutokratie unseres Landes gemietet, bezahlt und kommandiert. 3 ü d i s c h e s Geld wird bezahlt, um die Patrioten. in unserem Lande daran zu hindern, die Angelegenheiten unserer Nation nach eigenem Gutdünken, selbständig und zum Wohle der Nation zu besorgen.*8 Diese Worte wurden nicht in irgend einer Hetzversammlung im Osten gesprochen. Die Londoner „Times" bringt sie — ohne jeden Kommentar — im Berichte über ein Riesenmeeting in Manchester. Vom Jubel zehntausender Engländer umbraust, hat Sir M o s 1 e y, der Führer der englisch-faschistischen Partei, diese Sätze in die Massen geschleudert. Es verdient erwähnt zu werden, daß Sir Mosley noch vor kaum einem Jahre öffentlich und feierlich erklärt hatte, daß seine Partei nicht antisemitisch ist. Als Beweis für die Richtigkeit der Behauptung Mosleys von der zersetzenden Tätigkeit der Juden in England wird in der faschistischen Presse auf den Verlauf des in der Vorwoche abgehaltenen Parteitages der englischen Sozialisten hingewiesen. Dort war eine Minorität bestrebt, die Vereinigung der Sozialisten mit den Kommunisten herbeizuführen. Die Angelegenheit endete mit dem Ausschluß des Führers im Kampfe für Moskau, des jüdischen Professors Lasky, und seiner engeren Freunde. Die Mosiey-Leute Ofeuteu diesen Vorfall als schlagenden Beweis dafür, daß ihr Kampf gegen die Juden ein Kampf um die Existenz des britischen Imperiums ist. * In einer Wahlversammlung in Lyon hat der Führer des heutigen Frankreichs, der radikal-sozialistische Minister Herriot, in der Polemik gegen den jüdischen, jetzt im kommunistischen Fahrwasser segelnden FUhrer der französischen Sozialdemokraten Leon Blum eine von der ganzen Presse mit frenetischem Jubel aufgenommene Aeußerung getan: „Seit einiger Zeit sucht man uns als Faschisten hinzustellen. Wer tut dies? Jene, die dJe Zerstörung der demokratischen Freiheiten und die Diktatur des Proletariats ganz offen auf ihr Programm gesetzt haben, jene, die sich von Plutokraten, von Revolutionären im Smoking aushalten lassen, die in Schlössern prassen und dabei Krokodilstränen über das Elend des Volkes vergießen." Die Orgahe der nationalen Rechten jubeln: Endlich hat sich Herriot aufgerafft, das Treiben der jüdischen Plutokratie Frankreichs und ihres Söldlings Blum aufzudecken! Und die Partei Herriots, die bürgerliche Linke, läßt diese Deutung der Worte ihres Führers widerspruchslos zu. Wie sie auch völlig passiv zur jetzt in Frankreich einsetzenden Hetze gegen die „Fremden" steht

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