Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 403 (9.10.1934)
- Date
- 1934-10-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. 403 Dflü NEUE WEL1 «&fte 9 Ein fudfedier Bürgermeister in Jerusalem? Aus Jerusalem: Laut Ergebnis der Wahlen In Jerusalem werden im Stadtrat sechs J u d e n und sechs Araber sitzen. Außer den gewählten sechs .Tuden und sechs Arabern wird die Regierung gemäß der neuen Munieipal Ordlnance weitere zwei Stadträte von sich aus ernennen. Die netitfcwählten jüdischen Mitglieder des Stadtrates haben in ihrer konstituierenden Fraktionssitzung beschlossen, die Forderung nach Einsetzung eines Jtid e n als Bürgermeister von Jerusalem zu erheben. Bei diesem Beschhiß ging die Fraktion von der Tatsache aus, daß die jüdischen Stimmen br-f der letzten Wahl die Hälfte aller a b g e ge b e n c n Stimmen ausmachten und daß die Parteivcrhültnisse bei dein Arabern flöh so gestaltet haben, daß viele von ihnen für die Ernennung eines Juden zum Bürgermeister eintreten würden. (Jerusalem hat eine jüdische Bevölkernngsmajorität.) Tel*Awiw — 100,000 Einwohne? Laut einem soeben veröffentlichten Bericht zahlt die jüdische Stadt Tel-Awiw 102.000 Einwohner, während im Jahre 1931 bloß 40.000 Einwohner zu vorzeichnen waren. Es hat sich daher Im Verlaufe von drei Jahren die Bevölkerung der Stadt mehr als verdoppelt. Die erwähnte Ziffer umfnßt die jüdischen Einwohner von J a f f a, Beth Weigan und anderer Vorstädte, welche In der Zukunft zu G r o ß - T e 1 - A w i w gehören werden. Der Zmvachs der jüdischen Bevölkerung in ganz Palästina betrug in den letzten drei Jahnen 130.000 Seelen. Die Bevölkerung von Tel-Awiw stellt also ein Drittel des ganzen jüdischen J i s c h u w in Paliistina dar. ■■■■■BiHanMIBHUaMMWMl^mm^BMOTaOTVBnnanKan^av-s Schulbücher für alle Lehranstalten in den vorgeschriebenen Auflagen, auch antiquarisch, zu wirklich billigsten Preisen liefert die jüdische Buchhandlung Hermann tuchner Wien it., ecke Tabdrsträße Nr. 52 Verzeichnisse umsonst. 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Die Propoganda wird durch Aussendung von speziellen Kurieren in die arabischen Länder und durch Zeitungen und Broschüren in arabischer Sprache geführt. * Ueber die Bemühungen des Hitlerismus, seine antijüdische Propagandapolitik auf den NahenOrient auszudehnen, haben wir mehrmals berichtet. Wie aus einer anderen Nachricht unserer heutigen Ausgabe (Verhältnisse im I r a k) zu ersehen ist, hat die hitleristische Propaganda im Irak bereits, die ersten Erfolge zu verzeichnen. Antijüdische Politik der Irak-Regierung Aus London: Der „Manchester Guardian" berichtet aus Bagdad über eine Verschärfung der antijüdischen Stimmung im Irak und die gegen das jüdische k-ulturelle Leben gerichtete Politik der Irak-Regierung. Die Regierung des Irak hatte bei der Aufnahme des Irak in den Völkerbund darauf hinweisen können, daß eine besondere Bindung für sie in "bezug auf die Beobachtung der Minderheitenklausel nicht notwendig sei, da die Juden des Irak in einer offiziellen Kundgebung zum Ausdruck brachten, sie vertrauen ihrer Regierung, daß diese auch ohne alle Bindung die bürgerlichen, kulturellen und religiösen Rechte der Judenheit wahrnehmen werde. Heute nun — so meldet „Manchester Guardian" — setzt die Irak-Regierung das gesamte jüdische Schrifttum unter Bann. Sie verbietet alle jüdischen Zeitungen des Irak und die Einfuhr jüdischer Zeitungen aus dem A u s- 1 a n d, beschlagnahmt gleichzeitig alle aus Amerika, England und Frankreich eintreffenden nichtjücliscnen Zeitungen, sofern diese etwas Projüdisches bringen, und verbietet auch alle hebräisch geschriebenen Büchel-, von wo immer sie stammen. Sogar religiöse hebräische Bücher, die an das Oberrabbinat in Bagdad gesandt wurden, wurden konfisziert. Ueberdies haben die Postbehörden den Auftrag, alle aus Palästina an Juden im Irak eintreffenden Briefe zu öffnen und deren Inhalt zu kontrollieren. 100 jüdische Häuser in Smyrna beschlagnahmt Aus Konstantinopel (J. T. A.): Die Behörden der Stadt Smyrna (Ifmir) haben mehr als 10 0 Häuser von Juden (griechische Staatsbürger, 3eit Jahrhunderten ansässig), die infolge des kürzlich in Kraft getretenen Gesetzes, das Ausländern jede handwerk- Judenstaafsparte»/ Donnerstag, 11. Oktober, 8 Uhr abends, findet im Vereinshaus „Eara", Wien, II., Stuwerstraße 25, eine dringende Sektionsbesprechung der Judenstaatszlonisten des Prater statt. Judenstaatszionisten des Praters, erscheinet zahlreich! ' s: ^£^J%5$&'&'.. "■■. *5S^'>'<38ÄA^^>'Y^W: v*^&9S8!$!8fö!^ in.............i Ti *y \ '^Ä'Wfcs»*^^ 'TMm^ w / ' * 'M So fährt der Chaluz mit den Ltixu»sdiilfen ,,PtUna" und /.Gerusalemmtc" des Lloyd Trieslino nach Erez Israel» Kabine der Touri§tenk!as§e {Iii* &§as§e) Fahrpreise fUr Chaluzim mit vier Mahlzeiten inklusive EiiischiffungsgebUhr und Gepäckstransport in Triest Ö. S 160.—. Am Deck bloß ö. S 116.—. mmB rjmmmmmmmmmmmmmmmmmBmmmmmKammmmmmm liehe und sonstige gewerbliche Tätigkeit in der Türkei verbietet, zum Verlassen der Türkei gezwungen wurden, beschlagnahmt. Ein Grund für die Beschlagnahme wurde nicht angegeben, auch wurde nichts darüber verlautbart, ob die Eigentümer der Häuser von der Regierung entschädigt werden würden. Die Mehrzahl der Juden, denen die in Smyrna konfiszierten Häuser gehörten, weilen gegenwärtig in Saloniki. Auch im Fernen Osten ♦ Aus Tokio (J. T. A.): Der japanische Vize-Außenminister Sinemitshu ^ab einer bei ihm vorsprechenden jüdischen Abordnung die Zusage, daß er die Regierung von Manschukuo veranlassen werde, die von russischen Weißgardisten in Manschukuo betriebene gefährliche antijüdische Hetze zu verbieten. Antideutsche Boykott Aus New York wird gemeldet: Samuel Untermayer, der Präsident des amerikanischen Boykott-Komitees, wendete sich scharf gegen die Antiboykotterklärung des amerikanischen Außenministers C. Hall. C. Hall hatte kürzlich erklärt, daß die Boykotttierung eines Landes nicht „wünschenswert" sei. Der Boykott sei ein zweischneidiges Schwert und ein Land, das sich eines solchen Mittels bediene, gerate in Gefahr, Schaden zu leiden. Für jeden Dollar Ware, den Amerika nicht kaufe, würden andere Länder Amerika um 5 Dollar Wert boykottleren. Dieser Darstellung trat Untermeyer mit der Erklärung entgegen, daß der Völkerbund den Boykott als einziges Mittel (außer Krieg) gegen Völker, die Ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, anerkannt habe. „Deutschland hat", sagt Untermeyer, „alle menschlichen Rechte mit Füßen getreten, und die Welt hat keine andere Wahl der Abwehrmittel als den Boykott. Es i3t nicht das erstemal, daß der Gentleman mit den feinen Manieren (gemeint ist C. Hall) sich hat von dem Propagandisten, der als „Gesandter" verkelidet ist, nasführen lassen." (Gemeint ist der deutsche Gesandte Dr. Luther.) Wie es heißt, ist die Erklärung des amerikanischen Außenministers darauf zurückzuführen, daß Handelsvertragsverhandlungen zwischen Amerika und Deutschland schweben, wobei sich Amerika bemüht, seinen Export nach Europa wesentlich zu steigern. An die Wiener Ravagl Wir erhielten folgende Zuschrift: Werte Redaktion! Ich bin fleißiger Radiohörer und interessiere mich auch für das Auslandsprogramm. Nachstehend einige Proben: Montag, 8. Oktober: 15.30. Uhr Scottish Reg.: Prof. Eileen Power von der Londoner Universität: „Die Kinder Israels", Vortrag. Mittwoch, 10. Oktober: 18.10 Uhr Bratislava (Tschechoslowakei): Mme. Tomaschef (Gesang): Nr. 3: Sulamith, von Dienzl. Donnerstag, 11. Oktober: 21 Uhr Brüssel, flämisch: Letztes Stück: Aufzug des Königs aus dem „Hohenlied" mit Musik von Candaxel. Freitag, 12. Oktober: 13 Uhr Radio-Paris: Aussendung von der „Voix d'Israel". 15.15 Uhr Regional-Programm (England): Grammophonkonzert. Der Violinist Spiwakowsky: Baal Schern (3 Bilder aus dem chassid. Leben) von Ernst Bloch. Radio-Bericht (Prag): Am 18. September bot das Mähr.-Ostrauer Radio bereits zum zweiten Male innerhalb kurzer Frist eine „Jüdische Dreiviertelstunde", in der der palästinensische Sänger J. Segal- Rosenbach jüdische Volkslieder und jüdisch-palästinensische Lieder sang. Was bringt das Wiener Radio auf diesem Gebiete? In anerkennenswerter Weise vermittelt es dem Hörer die Liederkunst der Malaien, Eskimos, Basken usw. Warum nicht auch Proben jüdischer Kunst, dieheute, wie aus obigen englischen, belgischen, französischen und tschechischen Meldungen zu ersehen ist, im internationalen Kunstleben ihren Platz gewonnen hat? Hochachtend B. J." Anmerkung der Red.: Wir werden die Anregung den zuständigen Stellen übermitteln. Mendelssohn — gestrichen 1 Aus Prag: Die „Prager Presse" teilt mit: Der neue Leiter des „Theater des Volkes" in Deutschland, Walter Brüggmann, hat eine Neuinszenierung des Shakespeareechen „Sommer nachtstrau m" herausgebracht. Er hat die wunderbare Musik des „Nichtariers" Mendelssohn — gestrichen! Der SA.-Marchliedkomponist Edmund Nick hat einen Ersatz „anfertigen'* müssen. Das Resultat war niederschmetternd, aber charals» teristisch für das. neudeuts^-he Kulturniveau!