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Die neue Welt · 1934-10-09 · Heft 403 (9.10.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 403 (9.10.1934)
Date
1934-10-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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feite 2 DIE NETTE WELT Nr. 403 U'üüiüiüi;!: hillllllülüllill'llliffi I ludenstaatspavtef 1 | Mittwoch, lr. Oktober, halb 9 Uhr, Judenstaatshölm, 1 ü 1, Weidertorgasss 14, Versammlung: s | Palästina u# fudenstäalssfona'sfllUS«'' | | Ein politischer Reisebericht, gehalten von Rabbiner § Dr. 1. 2, Kanner. 1 1 Donnerstag, II. Oktober, halb 9 Uhr, Cafe Neptun, § 1 XX, Gaußplate 7, Vef.-ammlung: j | //ludennot und Judcnsfaaf*" | I Redner: Frankel, FtUt Riehler, I 1 1 ^HihiS^liiil.iiiliM'iiiinii'illtliillll'iiililliiliiil^ jüdischen Fragen das Wort ergreift. Wenn es der „Fteichspost" wirklich darum zu tun ist, in der jüdischen Schulfrage Klärung zu schaffen, dann muß Sie eich an Tatsachen halten, aber nicht an die Auslassungen eines Blatte?, hinter dem ein winaiger Bruchteil der von der „Rcichspost" angerufenen ,.Wiener Judenschaft" steht. Sie darf sich nicht ohne Prüfung, kritiklos hinter Verleumdungen und Unwahrheiten stellen, welche von einer kleinen jüdischen Gruppo skrupellos ausgestreut werden. Damit ist niemandem gedient, weder der Wahrheit noch der Sache. Der Artikel in der „Jüdischen Presse" stellt den verbrecherischen Versuch dar, das Verhalten zwischen der österreichischen Regierung und der österreichischen Judenschaft zu vergiften und damit Unheil für alle, für Oesterreich zu stiften. Wenn die ,.Reichspost" gewillt ist, das jüdische Schulproblem grundsätzlich und ehrlich zu erörtern, danh ist ihr Gelegenheit dazu gegeben. Vor wenigen Tagen ist der „Jüdische Volksbund Oesterreichs" (Jüdische Volkspartei) mit einem Antrag hervor* getreten, welcher die jüdische Erziehungsfrage vom national-religiösen Standpunkt aus behandelt, also von einem Standpunkt, der auch der Standpunkt der „Reichspost" ist. Der „Jüdische Volkabund" hat die rein mechanische Trennung der jüdischen Kinder von den deutsch-christlichen abgelehnt. Jüdi* sehe Kinder in Klassen absondern, wo sie von nichtjüdischen Lehrern in nicht jüdischem Geiste Unterrichtet werden, bedeutet eine Zurücksetzung dieser Kinder und eine Versündigung an dem auch von der „Reichspost" hochgehaltenen Prinzip der religiös-nationalen Erziehung. Eine rein lokale Absonderung jüdischer Kinder stigmatisiert diese Kinder als unerwünschtes, störendes Element, daran kann die gewandteste Dialektik nichts andern. Aber der „Jüdische Volksbund" hat sich mit dieser Ablehnung nicht begnügt. Er hat der österreichischen Regierung den positiven Antrag auf Errichtung eines öffentlichen jüdischen Schul werk es (Volks-, Haupt- und Mittelschulen) unterbreitet, welches allen jüdischen Eltern, welche die national-religiöse Erziehung ihrer Kinder im jüdischen Geiste wünschen, dies möglich machen soll. Im Rahmen des öffentlichen Schulwerkes, in gleichberechtigten Schulen sollen unter jüdischer Anleitung jüdische Kinder zu guten Juden und treuen Oesterreichern erzogen werden. Dieser Antrag, der das Problem an der Wurzel erfaßt, aus der Sphäre unaufrichtiger Tagespolitik heraushebt und von häßlicher, verlogener Agitation freimacht, liegt vor. Wenn die „Reichspost" wirklich Klärung will, dann hat sie zu diesem grundsätzlichen Antrag der zu ehrlicher Verständigung von Volk zu Volk gewillten, nationalen Judenschaft Stellung zu nehmen. Sie darf sich nicht hinter die skrupellosen Auslassungen einer Gruppe stellen, deren Bedeutung in der österreichischen Judenschaft verschwindend klein ist. H£ // „hbibics zum In der letzten Zeit beschäftigt sich die englische 1* r e 8 8 e gründlicher und ausführlicher als bisher mit den Fragen, welche sich für England aus seiner Stellung als palästinensischer Mandatarmacht erheben. Insbesondere die Londoner „Time s" widmen dieser Frage eine Reihe von Aufsätzen, die bei der dominierenden Stellung des bedeutendsten politischen Organs Englands als Ausdruck der Regierungsmeinung angesehen werden können. In ihrer Ausgabe vom 5. Oktober unterziehe« die „Times" drei wichtige Probleme, und zwar den Legislative Council (Parlament), die Bodenfrage und die. Arbeitereinwanderung, einer Analyse, mit der sich der Zionismus auseinandersetzen muß. Im Nachstehenden geben wir die wesentlichen Teile des „Times"-Auf3atzes wieder, der sich in gewissem Sinne an die Zionistische Exekutive wendet, indem er ihr nahelegt, sich mit den Tendenzen der britischen Mandatarmacht in bezug auf Palästina abzufinden. % Der „Legislative Council" Die Mandatarrnacht, so führen die „Times" aus, fühlt Bich für das Schicksal Palästinas verantwortlich und hat, um dieser Verpflichtung nachzukommen, beschlossen, einen Verwaltungskörper zu schaffen. Die Institution soll in einer Art beratender Körperschaft bestehen, welche die Regierung in bezug auf ihre Projekte gesetzgeberischer Art zu unterstützen hat. Weder die britische noch die palästinensische Regierung haben bis jetzt daran gedacht, daß die in Rede stehende Körperschaft eine tatsächliche gesetzgebende Kraft besitzen soll, aber es besteht kein Zweifel, daß eie unbedingt einen großen Einfluß auf die Reglerungspolitik haben wird. Bei Einführung der Zivilregierung im Jahre 1920 bestellte der Oberkommissär eine beratende Körperschaft (Advisory Council), deren oine Hälfte von der Regierung gestellt, die andere Hälfte der Bevölkerung des Landes entnommen werden sollte. Die Unruhen im Mai 1921 hemmten die Entwicklung der Verfassung. Die palästinensische Verwaltungsbehörde, die im August 1922 zum ersten Male ein definitives Regime für das Mandatsgebiet installierte, sah ein Parlament, einen Legislative Council, vor, der aus 12 gewählten und 10 Regierungsvertretern mit dem Oberkommissär an der Spitze bestehen sollte. Dieser Council sollte an die Stelle res Advisory Council treten, im ganzen und großen allerdings dieselben Machtvollkommenheiten besitzen. Diese neugeschaffene Institution sollte in erster Linie die Gewissens- und Religionsfreiheit wahren und „keinen Unterschied innerhalb der Bevölkerung in bezug auf Rasse, Religion und Sprache" machen oder Irgend etwas unternehmen, was im Widerspruch zu den Bestimmungen des Mandats stünde. Ein solcher Rat hätte die Möglichkeit eines direkten Kontaktes zwischen der Bevölkerung und der Regierung, welters könnten hier Juden und Araber sich gegenseitig direkte Vorschläge bezüglich einer grundlegenden Verständigung machen. Tatsächlich verlangten die Zionisten eine Round-Table-Konferenz, insbesondere nach den Unruhen im August 192Ö, was auch im Sinne der britischen und palästinensischen Regierung lag, während die Araber damals die Teilnahme an einer Verständigungskonferenz ablehnten. Das Projekt eines Gesetzgebenden Rates (Parlament) fiel zufolge der Weigerung der Araber, an den Wahlen teilzunehmen. Bloß die Juden waren zur Mitarbeit bereit, so daß der Advisory Council nur aus Regierungsmitgliedern bestehen konnte. Nach den Unruhen von 1929 war es klar, daß Schritte zur Klärung der Situation unternommen werden mußten, und das Kolonialamt gab bekannt, daß ein Gesetzgebender Rat errichtet werde, und zwar auf Grundlage der früher geschaffenen Richtlinien. Vor allem mußten in Palästina die Gemeindeverwaltungen reorganisiert werden. Das ist nun geschehen. Und man nimmt an. daß der Oberkommissär, Sir Arthur Wauchope, wenn er aus London nach Palästina zurückkommt, einen vollkommenen Plan für den Gesetzgebenden Rat mitbringen werde. Die Araber sind hievon nicht sehr entzückt; sie verlangen Selbstverwaltung, was mehr ist, als ihnen angeboten wurde. Die Juden jedoch sind leidenschaftlich erregt. Sie haben ihre Absicht kundgegeben, sich an den Wahlen zu diesem palästinensischen Parlament nicht zu beteiligen, solange die Millionen Juden außerhalb Palästinas nicht mit ins Kalkül gezogen werden. In Palästina beläuft sich die Zahl der jüdischen Bürger auf weniger als ein Fünftel der Bevölkerung. Aber in Ansehung der historischen Verbindung des jüdischen Volkes mit Palästina, wie sie im Mandat anerkannt ist, müßte man ihnen, nach ihrem Wunsch, 50 Prozent Beteiligung am Council zuerkennen. Die Bodenfrage Gemäß Art. VI des Mandats sollen die Juden ermutigt werden, sich auf dem Lande anzusiedeln, sogar auch auf Staatsländereien und auf jenen Böden, die für öffentliche Zwecke nicht verwendet werden. Die Jewish Agency interpretiert dies dahin, daß alle verfügbaren Staatsländereien, die nicht unmittelbar von der Regierung gebraucht werden, den Juden zur Verfügung zu stellen 3ind. Aber die Antwort der Palästina-Regierung lautet dahin, daß es verfügbares Land nicht gibt; bestimmte Böden sind an langfristige Konzessionen gebunden, während andere, insbesondere an der Küste, der P1 c a (Palesttne Jewish Colonization Association) auf lange Zeit verpachtet wurden. Es bleiben also nur die Bei s an¬ Böden, welche die türkische Regierung seinerzeit den Bebauern weggenommen hat und die später wieder diesen unter günstigen Bedingungen während des Regimes von Herbert Samuel zurückgegeben wurden. Die Jewish Agency ist mit dieser Antwort nicht zufrieden. Allerdings bilden die Staatsländereien nur einen geringen Prozentsatz des anbaufähigen Bodens. Viel wichtiger sind die Bodenkäufe durch den Nationalfonds, die Pica und durch die privaten Hände. Von Jahr zu Jahr nehmen diese Käufe zu, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die Nationalfondsböden unübertragbar sind. Dieser jüdische Landerwerb und die konsequenterweise eintretende Verdrängung der arabischen Eigentümer waren die Ursachen der Augustunruhen des Jahres 1928, wenn auch anerkannt werden muß, daß der Jüdische Nationalfonds die arabischen Besitzer glänzend entschädigt hat. Einwanderung Die wichtigste Frage ist die der Einwanderung, eine Frage, auf welche all die Störungen in Palästina zurückzuführen sind. Abgesehen von denjenigen, welche ein Maximum der jüdischen Einwanderung nach Palästina wünschen, auf daß eine jüdische Majorität so DliSiR WOCHfi KREUZ-KENO Wollzelle 17 Tel. R-21-2-16 ASRNTlUftER IN SHANGHAI mit JflClt Holt. Lia Lee u. Ralph Otaves. 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Für sio ist Palästina zu allererst ein Zufluchtsland; es ist dies ei« Gedanke, der von Tag zu Tag an Intensität gewinnt, un4 solange es einen Juden gibt, der von Palästina ausgeschlössen ist, kommt das Wort „Einschränkung'* über ihre Lippen. Kritiker der Einwanderungspolitik der Regierung gebrauchen dieses Wort sehr häufig, besonders in letzter Zeit. Und doch hat Juda noch nie so viel Juden in Palästina ansiedeln können wie im letzten Jahr, im Jahr der „Einschränkung". In diesem Jahr wurden 38.238 Juden in Palästina angesiedelt — während es im Jahrq 1930 bloß 4944 und im Jahre 1931 4075 waren. Die Hauptdifferenz besteht in der Frage der E i nwanderung von Arbeitern. Zweimal im Jahr begegnen die Regierung und die Jewish Agency einander und auf Grund dieser Begegnung, d. h. Besprechung wird die neue Einwanderungsquote für je*«cchs Monate festgelegt. Die Agency verlangte 1933 (April) 12.750, im Oktober 1933 bereits 24.500, im April 1934 rund 20.100 Zertifikate, während der Oberkommissär für diese drei Termine bloß 5500, 5500 und 6800 Zertifikate bewilligte. Es wurden daher in den letzten zwölf Monaten 12.300 Arbeiterzertifikate bewilligt, abgesehen von den sonstigen Juden, welche ins Land gekommen sind. Nichtsdestoweniger verwenden die Juden in diesem Zusammenhang das Wort „Einschränkung". Die behördlich bewilligte Einwanderung gibt, darüber muß man sich klar sein, nicht die ganze Geschichte wieder. Es existiert eine illegale Einwanderung, die besonders im letzten Jahr zugenommen hat. Man schätzt sie auf 1000 Juden pro Monat. Diese illegalen Einwanderer kommen hauptsächlich in der Maske von Touristen, tauchen irgendwo in Tel-Awiw oder In den Kolonien unter, bis sie sich eingeordnet haben. Andere wieder werden auf dem See- oder Landweg eingeschmuggelt und verlieren sich in den ihnen freundlich gesinnten Kreisen. Da sie ohne Pässe reisen, kann man sie nicht wegschaffen. Dia Kontrolle über diese illegalen Einwanderer ist eines dieser Probleme, wegen welcher sich die Palästina-Regierung gründlich beschäftigen muß. * Die Ausführungen der „Times", die man als Sprachrohr der offiziellen britischen Politik ansehen kann, bezeugen aufs neue, daß das Kolonialamt ebenso wie dia Palästina-Regierung entschlossen sind, ihre antizioni« s t i a c h e Politik fortzusetzen. Die im vorliegenden Artikel gebrauchte Wendung, Sir Arthur Wauchope werde einen „vollkommenen Plan für einen gesetzgebenden Rat" aus London nach Palästina mitbringen, bedeutet, daß man nunmehr das von den Juden abgelehnte Parlament um jeden Preis errichten und es als Instrument für eine weitere Behinderung des jüdischen Aufbauwerkes benützen wird. Dafür spricht auch der Umstand, daß alle falschen Argumente, wie Verdrängung der Araber, geringe Aufnahmsfähigkeit des Landes usw., hier neuerlich aufgetischt werden, um die wirklichen, dem jüdischen Aufbau günstigen Tatsachen; in den Hintergrund zu schieben. Der Artikel gibt leider; zu den größten Besorgnissen Anlaß. Jüdischer Sport Erfolgreiches Debüt Donnen felda (Hakoah) im Länderkampf Oesterreich- Ungarn. Eine durchwegs günstige Kritik findet das Erstauftreten Donnenfelds im Team. Der Hakoahner, obwohl er auf dem ungewohnten Linksverbinder-Posten spielte, bot neben Zischek die beste Leistung im österreichischen Angriff. Auch vermittelte er das einzige Tor der Oesterreicher. Donnenfeld gab viele ausgezeichnete Schüsse gegen das Tor der Ungarn ab, die von dem in Hochform befindlichen ungarische Tormann mit schwerer Mühe abgewehrt wurden. Alle maßgebenden Faktoren erklärten nach dem Spiel, daß der junge talentierte Donnenfeld seinen Weg machen wird. Hockey: Hakoah—W. A. C. 4:0 (1:0)* Sicherer Sieg der Hakoah, die eine gute Leistung bot; die' Tore erzielten Dr. Rosenfeld (2), Ulimann und' Weiß. — Die beiden Hakoahner Haspel (Tormann) und Ulimann (Verbinder) wurden in die österreichische Hockeymannschaft berufen, die am 14. d. den Länderkampf gegen Ungarn austrägt. Wichtig für Polen-Reisende. Am 10. Oktober findet eine besonders billige Fahrt nach Polen statt. Angenehme Fahrt unter bewährter Leitung. Rascheste Anmeldung: Polnisches Verkehrsbüro Francopol. III., Rennweg 1, Tel. U-16-4-90. Gebäude des polnischen Kou^uUU

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