Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 403 (9.10.1934)
- Date
- 1934-10-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite * DIB NEUE WELx Nr. 403 Die bulgarische Regierung vernichtet das jüdische Schulwerk Aus Sofia: Das Unterrichtsministerium erließ soeben eine Verordnung, wonach Lehrer für bulgarische Sprache, Geschichte, Heimatkunde, Religion und Turnen an den privaten Schulen — worunter auch die j ü d ischen Schulen zu verstehen sind — Personen bulgarischer Nationalität und bulgarischer Staatsangehörigkeit sein müssen; Lehrer and?rer Fächer können zwar Nicht-Bulgaren sein, sie müssen aber über eine abgeschlossene pädagogische Ausbildung verfügen. Alle anderen Lehrer dürfen nicht mehr Unterricht erteilen. Außerdem müssen private Schulen a:i Sonn- und Feiertagen geschlossen bleiben, was ebenfalls einen schweren Schlag gegen t3ic jüdischen Schulen bedeutet. Die jüdischen Lehrer, die an sich hochqualifiziert sind, hatten keine Möglichkeit, den erforderlichen Bildungsgang durchzumachen und eine Staatsprüfung abzulegen, da sie als Volkslehrer in den Volksschulen keine Zulassung fanden und somit die vorgeschriebene einjährige Praxis an einer staatlichen Schule nicht absolvieren konnten. Außerdem wurden jüdische Kandidaten zur Staatsprüfung unter dem Vorwand nicht zugelassen, darf sie Lehrer privater, nicht staatlicher Schulen seien. Nach der neuen Verordnung werden die jüdischen Schulen ohne jüdische Lehrer bleiben müssen und darauf angewiesen sein, nichtjüdische bulgarische Lehrer heranzuziehen, was im Hinblick darauf, daß die Unterrichtssprache an den meisten jüdischen Schulen hebräisch ist, ein Nonsens sei. Die Verordnung hat unter den Juden Bulgariens große Aufregung hervorgerufen; sie fühlen sich durch diese zu Bürgern zweiter Klasse degradiert. Dazu kommt, daß 150 jüdische Lehrerfamilien ihrer wirtschaftlichen Existenz beraubt sein werden. Die weitaus größte Zahl der jüdischen Schulen Bulgariens ist bereits hebraisiert, alle Lehrgegenstände außer bulgarischer Sprache, Geschichte und Landeskunde werden in hebräischer Sprache unterrichtet. Mit der Absetzung der jüdischen Lehrer wird nicht nur das Werk der Hebraisierung vollkommen zunichte gemacht, sondern die Schulen selbst werden entjüdischt. In jüdischen Kreisen wird eine Schließung der jüdischen Schulen in Erwägung gezogen. Jüdinnen — zu elegant! Aus Berlin: Die „Deutsche Zeitung", das Organ des Führers der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, veröffentlicht eine Artikelreihe über das Leben in den jüdischen Wohnvierteln, behauptet, daß die jüdischen Frauen immer noch mit herausfordernder Eleganz gekleidet sind, und fordert zum Schluß .raus diesem Grunde eine Sonderbesteuerung der Juden 'in Deutschland. Erste jüdische Zeitung in tatischer Sprache Aus Moskau: Die etwa 2 2.0 00 Bergjuden die in Aserbeidschan und im Kaukasus leben iind die tatische Sprache, der iranischen Sprachgruppe angehörend, sprechen, haben sich nun ihr eigenes Organ, «ine Wochenschrift in tatische* Sprache,' geschaffen. Die Bergjuden, die sich früher mit Handwerk und Kleinhandel befaßten, sind jetzt zu einem sehr großen Teil zum Ackerbau übergegangen. Zu den ersten Zionistenkongressen unter Theodor Herzl sandten sie zwei Delegierte. Wie Juden in Deutschland gestraft werden Aus Berlin: Deutsche Zeitungen bringen in großer Aufmachung und mit entsprechenden judenhetzerischen Ueberschriften das Urteil gegen zwei Juden, den 24jährigen Marcus Perlberger und den 36jährigen Siegmund Szebrzynski, die angeklagt waren, Gelder jüdischer Flüchtlinge — es handelt sich übrigens keineswegs um höhere Summen — aus Deutschland nach dem Ausland gebracht zu haben. Perlberger und Szebrzynski wurden vom Berliner Schnellschöffengericht zu je sieben Jahren Zuchthaus und je 5 0.0 00 Mark Geldstrafe verurteilt. Die außerordentliche Härte des Urteils ist nur dadurch zu erklären, daß die Angeklagten Ostjuden waren. Das Palästina-Amt Wien teilt mit, daß die nächsten Gruppenabfahrten von Emigranten aus Oesterreich nach Erez Israel wie folgt stattfinden werden: a) ab Wien Donnerstag, den 11. Oktober 193 4, Einschiffung am 12. Oktober 1934 auf dem Dampfer „Ausonia" in Triest; (dieser Dampfer fährt über Alexandrien und von Alexandrien wird die Fahrt nach Erez Israel mit dem Dampfer „Vienna" fortgesetzt.) — b) ab Wien, Dienstag, den 16. Oktober 193 4, Einschiffung in Triest am 17. Oktober 1934 auf dem Dampfer „Gerusalemme"; — c) ab Wien Dienstag, den 3 0. Oktober 19 3 4, Einschiffung in Triest am 31. Oktober 1931 auf dem Dampfer „Gerusalemme". „Der Golem" auf der jüdischen Bühne Die von uns bereits angekündigte Aufführung des „Golem" fand Freitag, den 5. Oktober, in der Jüdischen Bühne, II., Praterstraße 60, mit allen Zeichen eines außerordentlichen Erfolges statt. Alex Stein als Regisseur und Darsteller des Hohen Rabbi Low, L. Jungwirth als Golem, M. Schnattmann als Tanchum wurden stürmisch bejubelt. In der Rolle des jungen Bettlers (Messias) fiel Cilli Bell auf. Durchachlagend erwies sich die Musik von Henoch Kon. — Nächstens mehr über Stil und Musik des Werkes. Die nächste Ausgabe unseres Blattes erscheint Freitag, den 12. Oktober planfe einen Juden§faa6 in Palästina Eine historische Deklaration während des Weltkrieges Im New-Yorker jiddischen „T o g" findet sich die Darstellung eines historischen Kuriosums, des Planes eines J u d e n s t;i i«. t s Palästina, den Deutschskmcl « Uhrend des Weltkrieges den Juden versprechen wollt«. Bisher war nur bekannt, «Inf* das kaiserliche Deutschland iibvr die Nachricht von der Ralfour-Deklaration höchst bestürzt war, du es von dieser Deklaration einen «eiteren Gewinn der Entente in bezug auf die Sympathien der Welt erwartete. Der „Tog" erzählt: Es war kurze Zeit nach der Balfour-Deklaration, im Winter 1917. Deutschland fühlte, daß die Begeisterung, mit der diese Deklaration seitens der Juden aufgenommen wurde, Einfluß auf das Resultat des Krieges haben könne. Doshalb kam man auf den Einfall, noch über die Balfour-Deklaration hinauszugehen und auf die Türkei dahinzuwirken, sie möge Palästina möglichst rasch den Juden übergeben. England würde sein Versprochen erst nach siegreichem Krieg einlösen, während Deutschland als Verbündeter das türkische Palästina sofort für einen Judenstaat bereithalten könne. Die deutschen Regierungskreise hielten diesbezügliche Beratungen mit den zionistischen Führern Deutschlands ab. Diesa waren einverstanden. Hierauf begann eine Fühlung mit den zionistischen Führern der von Deutschland besetzten Länder. Die Deutschen verlangten, daß die Juden als Preis für Palästina Deutschland in seinem Kampf gegen die eigenen Heimatländer unterstützen. Das konnte natürlich kein einziger Zionist zusagen. Nach langen Beratungen und Unterhandlungen war die deutsche Regierung bereit, ohne jüdische Revanchebindung eine Deklaration ah die Juden bezüglich Palästinas zu richten, in der Hoffnung, daß ein solcher Akt dem Deutschen Reich die Sympathien aller Juden zuführen werde. Diese Deklaration sollte in allen jüdischen Zeitungen erscheinen. Ihr Text lautete: „An die Juden der Welt! Wir, die verbündeten Mächte, haben beschlossen, das Recht der Juden auf ihre historische Heimat Palästina, das sich unter der Herrsehalt der Türkei befindet, wiederherzustellen. Die Juden dürfen dort nach Beendigung des Krieges einen Judenstaat errichten, der seinem Charakter nach monarchistisch zu sein hat. Die Juden dürfen sich dort mit Ackerbau, Industrie, Handel und Wissenschaft beschäftigen. Die Tore des Landes werden für so viele Juden offen sein, wie viele das Land absorbieren kann. Die Juden dürfen dort hebräisch sprechen und eine hebräische Kultur entwickeln. Sie dürfen aber die Araber nicht einengen und zu Gewalttaten reizen. Die Juden dürfen in Palästina einen König unter türkischem Regime haben, aber keinen Präsidenten einer Republik. Die heiligen Stätten der Christen dürfen nicht angetastet werden. Den Juden der ganzen Welt wird zum erstenmal seit der Zerstreuung Gelegenheit gegeben, in das Land ihrer Väter zurückzukehren und dort ein normales nationales Leben zu führen. An den Juden der ganzen Welt liegt es, den Augenblick zu nützen, indem sie begreifen, daß ihr Schicksal mit den Zentralmächten verbunden ist." Die jiddische Uebersetzung dieser Deklaration war schon vorbereitet und stand vor dem Abdruck in verschiedenen jiddischen Zeitungen. Aber im letzten Augenblick gab man zu verstehen, es sei zweckmäßiger, die Deklaration nicht zu veröffentlichen. Der Grund hiefür bestand darin, daß Deutschland mit der Türkei zu keinem Ergebnis gelangt war. Die arabischen Länder, welche der Türkei gehörten, waren nämlich damals zufolge der Tätigkeit des bekanntlichen englischen Obersten Lawrence, des Meisterspions im Vordem Orient, in Aufruhr geraten. Die Türkei hatte Angst, daß die Uebergabc Palästinas an die Juden die Araber noch mehr in Aufregung versetzen könnte, und ging auf den deutschen Vorschlag nicht ein. Damit fiel das ganze Projekt ms Wasser. * Anmerkung der Redaktion. Soweit der New-Yorker „Tog". Das Blatt gibt nicht an, woher es seine Informationen bezogen hat, so daß die Quelle dieser Darstellung im Dunkeln bleibt. Hingegen gibt das Sachliche daraus die Möglichkeit, verschiedene Irrtümer sicherzustellen. Es ist richtig, daß unter dem Eindruck der Balfour-Deklaration Deutschland und Oesterreich- Ungarn darangingen, der Wirkung dieser Deklaration ein Paroli zu bieten, und mit den Zionisten Deutschlands und Oesterreichs Besprechungen bezüglich einer ähnlichen Aktion abhielten. Aber es war zu spät. England und damit die Entente hatten bereits einen Vorsprung, der sich nicht mehr gut einholen ließ. Der zur Diskussion gestandene Text der Mittelmächte war weit davon entfernt, eine Deutung nach einem Judenstaat in Palästina auch nur irgendwie zuzulassen. „Oedipus" im Volkstheater Eine der bedeutendsten Tragödien der griechischen Antike, „Ocdipus" von Sophokles, hat nun im Wiener Deutschen Volkstheatcr ihre Auferstehung gefeiert — leider nur an einigen Abenden,« und wird jetzt in die Nachmittags-. (Schüler-) Vorstellungen versetzt. Schade. Denn wenn auch Margarete Melzer, zweifellos eine Darstellerin von Rang, als Mutter Jokastc sich im Ton vergriffen hat, den Rhythmus der Sophokleischen Verse zerbröckelnd, so konnte doch die Aufführung mit Moissi in der Titelrolle ein Ereignis im Sinne der Wiedererweckung der antiken Tragödie inmitten einer mehr oder weniger geglückten Theaterkonfektion bilden. Die Direktion des Volkstheaters' soll sich — ihr „Oedipus" zeigte zweifellos die Größe der antiken dichterischen Gestaltung — von der Tageskritik nicht einschüchtern lassen: ein Abend Sophokles ist mehr wert als der zwanzigfache „Fremdenverkehr" in der Bellaria. pej: s» s« * Wfe Gewebte t Mode-Schotten l mit Flanellrücken. oder Velours- Flanell Woiistoff-Oessins. für Blusen u Kleider Der rieter / 9 %n■fürhlA?« f #>X^ od* o>Z °o nA A ^0(, ^Ört ■O.X,'Vr>~A \^ «tf eV <^ V* 1 .70 w ^\ , &V$£* \> ^% * * - °rJ%& fQAf > $e;JQ/f W y% <hfr% \ *\?ndc/> %2 e ^Sfi/t V «''ew° ., 'na ,„ F'a, f'or. \ß er) Kinder- Sdaulsiiefei schwarz Gr. 31-33 S Ö75. Gr. 25- 30 S 775 Gl. 26- 27 maun S 1 - ™£L z*' 1.75 &r _C f*2&&*" ^>i>* 6\\c V '^>^■^^<e^• J^&&t** ^<^fo** i t<>'^ tlatfT Mädchen- Mantel reine Wolle. Gr 60. S 12.90, Hubertus- Kinder-Mantel Wamelhaarart. Loden Größe 60 % °'L> t/t ' *'e. .»\ W *v>. Pvör C -4 *4faK%.£* Av J4»//<?/,- v ,; 'tfo tSS? 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