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Die neue Welt · 1934-10-09 · Heft 403 (9.10.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 403 (9.10.1934)
Date
1934-10-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen lahrgang 8 Dienstag, den <>♦ Oktober 19*4 Nw. 403 V. b* b- Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par rfediteur" Univet^ REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER „„„TTna_„r.T-.PTmr,„N. «.,.„.«»«1. monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, BBZUGSBEDINGUNGEN. J^^^1^^^^^.1^.' 6 vierteljährig Ko 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel ÄVlÄ^ ™-~> Deutschland monatlich Mark 1.-. vierteljährig Ä^^fe^^ "™14^, Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50. vierteijanng acnweizer urancs 4.öu. Mit E bezeichneto Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX, Universitälsstr.8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Voranzeige Dienstag, am 16. Oktober im Hotel Continental, halb 9 Uhr iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiliiiiliiii (Jüdische Volkspartei) GROSSE VERSAMMLUNG üe jüdische Schulfrage in Oesterreich" JucBenffBataillone unterm Hakenkreuz Dae Mefidiswehr will — Hitler will nicht Die in Saarbrücken erscheinende, über die Strömungen in Deutschland sehr gut informierte Wochenschrift „W estland" führt unter der Ueberschrif t „M u ß d e r Jude ins Feld?" aus: „Ob in den Krieg, für den Europa rüstet, die deutschen Juden unterm Hakenkreuz marschieren werden, dürfen, sollen — darüber ist zwischen den verschiedenen Berliner Ministerien ein heftiger Notenwechsel entstanden. Der Leiter des Außenpolitischen Amtes, Alfred Rosonbe rg, vertritt die kompromißlose nationalsozialistische Lehre, nach der kein Jude würdig sei, Waffen zu tragen, zumal das deutsche'Volks-' heer nur aus Volksgenossen,- aus zuverlässigen, rcinblütigen Ariern, bestehen dürfe/ wenn es siegen wolle. Die Reichswehr, vertreten durch das Wehrmachtsamt, weist darauf hin, daß man 5 0.0 00 wehrfähige Männor in einem Krieg, der um die Existenz des Reiches gehe, nicht entbehren könne. Es ist interessant, daß von dieser Seite die 12.0 0 0 gefallenen Juden, die 1 5.0 0 0 Kriegsfreiwilligen und die 2000 jüdischen Offiziere zitiert werden. Und es wird betont, daß den deutschen Juden ja bisher formell, wenn auch nicht faktisch, die Staatsbürgerrechte mit Einschluß des Wahlrechts belussen seien, so daß keinerlei Bedenken einer Aushebung im gegebenen Falle entgegenstünden. Der Minister des Innern, F r i c Ii, ist der Initiator eines K o m p r o m i ß v o r s c h 1 a g s. Er will jene Juden, die kriegsdiensttauglich sind, in besonderen Jude nbataillonon zusammenfassen, die vor allen andern Gelegenheit erhalten sollen, „sich zu bewähren". Außerdem hält Frick es für selbstverständlich, daß die Juden, Aus den „Protokollen der Weisen von Brüssel" Die J. T: A. berichtet aus Brüssel: Im Verlauf des jetzt in Brüssel geheim tagenden Antisemitischen Weltkongresses kam es zu Differenzen zwischen den deutschen Nationalsozialisten und den Delegierten aus anderen Ländern, die damit endeten, daß die Nazi- Delegierten von der Kongreßleitung ersucht wurden, den Kongreß zu verlassen. Die Nazis verließen sofort den Saal und haben auch schon die Rückreise nach Deutschland angetreten. In einer der Presse übergebenen Erklärung teilt die Kongreßleitung mit, sie habe sich genötigt gesehen, die Nazi-Delegierten aus dem Kongreß auszuschließen, weil sie nicht wollte, daß der Kongreß als ein Unternehmen der deutschen Nazis und als eine prodeutsche Institution angesehen werde. 305*000 Bisaleia in Palästina Aus Jerusalem: A. Dobian, einer der Führer des Arbeiter-Verbandes Palästinas, teilt der J. T. A. mit, daß die neuesten statistischen Feststellungen ergeben haben, daß Ende 1934 in Palästina rund 3 0 5.0 0 0 Juden leben und 25 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes ausmachen werden. . Im, vorangegangenen Jahre, 1933, wanderten 3 0.3 2 7 Juden legal ein, ferner 10.000 Touristen, die das Land , nicht mehr verließen. Im Jahre 1932 zählte man 9553 legale Einwanderer, zu welchen 9400 illegale hinzukamen. Ina Jahre 1933 vermehrte sich die jüdische Bedie ja den Schutz des Deutschen Reichs genössen, sich dafür im Kriegsfalle zur Verfügung zu halten hätten. Es verstehe sich ja von selbst, daß man sie unter scharfer Kontrolle halten werde. Charakteristisch ist der Hinweis des Ministers, daß ja auch im letzten Kriege von Landesverrat, Desertion oder Kriegsdienstverweigerung einzelner Juden nichts bekannt geworden wäre. Der Reichsführer Hitler soll nach unsern Informationen bis zur Stunde noch auf dem Standpunkt Rosenbergs stehen, während Göring zu gewissen Konzessionen in der Richtung Fricks bereit sei. Charakteristisch ist, daß nirgendwo im Text der Noten von einer Stellungnahme der Juden die Rede ist — sie selbst, die ja dieser Entscheid auch angeht, sind offenbar bis zur Stuncte weder befragt, noch von diesem Notenwechsel unterrichtet worden. Wir gehen jedeeh kaum fehl, wenn wir annehmen, daß sich im Kriegsfall ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Juden sofort freiwillig zu den Fahnen melden wird." Kauft Schulbücher für Eure Kinder in der Buchhandlung , Wien it, Taborstr« 20 A Telephon R-45-305 Lehrbücher für Volks», Haupt» und Mittelschulen in den vorgefchriebenen Auflagen auf Lager. Verzeichniffe koftenlos völkerung um 20 Prozent, 1934 werden es wohl 22 Prozent sein. Bei der Volkszählung im November 1931 zählte man 17 4.6 10 Juden und 861.2 00 Nichtjuden, so daß die Juden 17 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Am 1. September 1934 machten die Juden bereits 2 3,2 Prozent der Bevölkerung aus (283.000 Juden und 920,000 Nichtjuden). Ende 1934 werden sie wohl die Grenze von 300.000 überschritten haben. Aus anderen Kreisen, die sich mit Judenstatistik in Palästina befassen, wird der J. T. A. versichert, daß Dobkins Schätzungen hinter der Wirklichkeit zurückbleiben; es seien etwa 20.000 illegal eingewanderte Juden mehr im Lande, als Dobkin annimmt, so daß die jüdische Bevölkerung Ende 1934 wohl 32 5.0 00 Seelen ausmachen werde. Leider hat sich der Prozentsatz der ländlichen Siedlung gegenüber der städtischen beträchtlich vermindert. Bei der Volkszählung im Oktober 1922 gab es 68.800 städtische (82 Prozent) und 14.990 ländliche (18 Prozent) Juden; im November 1931 zählte man 129.000 (74 Prozent) städtische und 44.710 (26 Prozent) ländliche Juden. Am 1. September 1934 schätzte man eine jüdische Einwohnerschaft in den Städten von 222.000 (78,8 Prozent) und in den Dörfern eine solche von 61.000 (21,2 Prozent). Man glaubt, daß bei fortschreitender Einwanderung sich das Verhältnis noch mehr zugunsten der ländlichen Siedlung gestalten wird. 15.300 erwachsene deutsche Juden in Palästina Aus Tel-Awiw: Nach den neuesten Schätzungen leben zurzeit in Palästina rund 15.3 0 0 jüdische Erwachsene aus Deutschland, davon 2500 in den Kolonien. Eine Umfrage bei den aus Deutschland eingewanderten Aerzten und Intellektuellen hat ergeben, daß es den meisten von ihnen gelungen ist, ein bescheidenes Auskommen zu finden. WürdeIo§i'<;kei't und Unvernunft Zur Frage der Wiener „Judenklassen" Die zu Beginn des heurigen Schuljahres ge* troffene Verfügung der österreichischen Unterrichtsbehörde, die nichtkatholischen Schüler von den katholischen zu trennen, welche in der Praxis zur Errichltung von „Judenklassen" führte, hat in jüdischen Kreisen Aufregung hervorgerufen. Es begann eine rege Diskussion und die Wiener jüdische Kultusgemeinde lehnte in einer öffentlichen Erklärung die Einrichtung von „Judenklassen" ab. Unter diesen Ums ständen muß es merkwürdig berühreü, daß das christlichsoziale Organ „R e i c h s p o s t" in großer Aufmachung einen Artikel unter der Ueberschrift „Wiener Judenschaft für die Parallelklassenverordnung" bringt. Wie kommt die „Reichspost" dazu? In Wien erscheint ein Blatt „Jüdische Presse" als Organ der trennungsorthodoxea „Agudah". Die Zeitung hat in ihrer letzten Ausgabe zu einem vehementen Angriff gegen alle jene Juden ausgeholt, welche mit dem Erlasse unzufrieden sind^ vor allem aber gegen die Kultusgemeinde. Das Blatt beschuldigt die Kultusgemeinde, daß sie in „maßloser", ganz „unbegreiflicher" Weise die Angelegenheit aufgebauscht und der schwer kämpfenden österreichischen Regierung hiedurch schwer geschadet habe. Trotz aller vorsichtigen Wendungen ist die Tendenz des Artikels unverkennbar dahin gerichtet, der Kultusgemeinde Mangel an patriotischem Empfinden anzulasten. Die mit dem Artikel verfolgte Absicht tritt am Schlüsse des Artikels klar zutage. Nach dem Hinweis darauf, daß , die Kultusgemeinde eine „politische Expositur" " der Jüdischnationalen ist und die nichtnationalen Mitglieder des Vorstandes (gemeint sind die liberalen Unionisten) einer „zum Tode durch Vergessenwerden verurteilten liberalistischen Ideologie" verfal* len sind, schließt der Artikel mit folgender Auf* forderung an die Regierung: „Die Regierung selbst aber hat es in der Hand* dem glaubensstarken Judentum die längst fällige Möglichkeit zu geben, sich freizumachen von der Bevormundung durch unreligiöse, jüdischnationalistische Elemente, gleichwie sie in Oesterreich überhaupt den Weg für den religiösständischen Aufbau freigemacht hat von nationalsozialistischen Hindernis s-e n. Die Regierung hat es in der Hand, daß in Fragen der jüdischen Konfession in erster Reihe glaubenstreue Menschen zur Beratung herangezogen werden," Die Perfidie, die Kultusgemeinde als religionsfeindlich hinzustellen und zum Vergleiche die Nationalsozialisten, die Hitler-Leute, heranzuziehen, verdient keine weitere Behandlung. Die Feststellung genügt. Aber es ist notwendig aufzuzeigen, wer denn eigentlich hinter der „Jüdischen Presse" steht. Eine kleine Gruppe von Menschen, die wiederholt versucht haben, in der Wiener Judenschaft zur Geltung zu kommen und in die Kultusgemeinde einzudringen. Am Mangel jedes größeren Anhanges sind die Versuche gescheitert. So ist es bei den letzten Kultuswahlen der „Agudah" nicht gelungen, von den 36 Mandaten auch nur ein einziges zu er* ringen. Dem Mangel an Anhang glaubt die „Agudah'* jetzt durch Verleumdung der gesamten österreichischen Judenschaft abhelfen zu können. Notwendig ist aber vor allem, der „Reichspost" zu erwidern, welche die Auslassungen der „Jüdischen Presse" ganz groß aufmacht und als den Willensausdruck der Wiener Judenschaft hinstellt. Ein Blatt dieses Ranges und dieser Bedeutung hat die Pflicht, sich über die tatsächlichen Verhältnisse in der Judenschaft zu orientieren, wenn es in iidenbes JUefo auä feinem ^.*<Seibeu*$ßabtiUa, in Sdjtoarsi, aparte ftaffon mit Söietattftanj'Sticferei, apart flepufet . . . foftet nur S 89.-, 1 ÄafaNJÖIufe aus 2)iattfefben*£aft* @d)otten nur S 3.90. — ßbenfo üerblftffenb billig fiub alle allu&tten #erbft* unb SBinteri»aren... bei Sdiiffmonn II, Sa&orfira&e 48

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