Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 402 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 402 DIE NEUE WELT Seite 5 Das erst« und führende Rumänische Restaurant SPRITZER (früher: Hotel National) jetzt, II, HammeivPurgstallg. 7 (Nähe Dianabad) Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß allem aber, daß die von den Wiener allgemeinen Zionisten mit viel Geld und Mühe in Palästina gegründete Jugendsiedlung „Kwuzah Wien" sich von den Wiener allgemeinen Zionisten losgesagt hat und restlos zum Hechaluz und zur Histadruth steht. Dann wird das Zionistische Landeskomitee (Leitung der allgemeinen Zionisten) heftig angegriffen und ebenso das zionistische Präsidium der Kultusgemeinde, dem Bruch einer Zusage vorgeworfen wird. Mit einer Beschimpfung der Jugendorganisation Brith Trumpeldor schließt die heftige Polemik. * Vor einigen Wochen haben wir eine Erklärung der „Judenstaatspartei" gebracht, in welcher zu den Vorgängen im und um den „Hechaluz" Stellung genommen wurde. Ueberunseren Wunsch haben wir von der Leitung des ,.Hechaluz der Judenstaatsjugend" folgende Auskunft erhalten: Wir Judenstaatler haben immer gegen die Behauptung von der „Neutralität" des Hechaluz als Irreführung der Oeffentlichkeit Stellung genommen und ehrliche, reinliche Scheidung der jüdisch-national zu erziehenden Jugend von dieser Organisation, welche der „Hestadruth" in Palästina untersteht, gefordert. Immer aber haben sich die „allgemeinen" Zionisten auf die Seite der „neutralen" Histadruth und des „neutralen" Hechaluz gestellt, ob es sich nun um Zuweisungen von Subventionen aus zionistischen oder öffentlichen jüdischen Fonds, sonstige Hilfe und Zuweisung von Einwanderungszertifikaten handelte. Wir Judenstaatler sind vor Jahresfrist an die „Allgemeinen" mit dem Antrag auf Bildung einer gemeinsamen, national geführten Chaluz herangetreten. Sie haben unser ehrliches Anbot abgelehnt und ihre Jugend dem jetzt von ihnen selbst als „a n t inational" und „klassenkärapferisch" charakterisierten Hechaluz und damit der Histadruth in Palästina zugetrieben. Wir wollten ruhige, sachliche, von Ideen getragene Auseinandersetzung mit dem „Hechaluz". Aber die „Allgemeinen" haben uns nicht hören wollen und sie und der „Hechaluz" sind in skandalöse, das zionistische Ansehen schwer belastende Kämpfe geraten. Hoffentlich werden die „Allgemeinen" in Wien und in der ganzen Welt eine Lehre daraus ziehen. Oberrabluner Kook arbeitet für den juclssdien Frieden in Palästina Aus Jerusalem: Oberrabbiner Kook teilte der Jüdischen Telegraphen-Agentur mit, er habe eine Aktion eingeleitet, den Jischuw in Palästina in den Zustand inneren Friedens zu bringen und endlich die zwischen der Arbeiterpartei und den Revisionisten bestehenden politischen Konflikte beizulegen. Es fand bereits eine Sitzung im Hause Rabbi Kooks statt, der Berl Katzenelaon und David R e m e z, die Vertreter der Arbeiterpartei, sowie die Vertreter des Kolonistenverbandes, zwischen denen es in letzter Zeit zu starken Kontroversen gekommen war, beiwohnten. Während der Sitzung wurde die Frage der Arbeitsbedingungen in Palästina erörtert; die Vertreter des Kolonistenverbandes wurden ersucht, ihre Zusicherung zu geben, daß sie nur jüdische Arbeiter beschäftigen würden. Die Vertreter des Kolonistenverbandes ihrerseits warfen die Frage der Beschäftigung jüdischer Arbeiter im allgemeinen und nicht nur von Mitgliedern der sozialdemokratischen Histadruth (Jüdische Arbclterföderation in Palästina) auf. Rabbi Kook ist vom Ergebnis der ersten Sitzung sehr befriedigt. Sobald es ihm gelingt, die Arbeiterk c n f 1 i k t e beizulegen, will er versuchen, eine Milderung der politischen Gegensätze im Jischuw herbeizuführen. Rabbi Kook erwartet, daß ihn Püichas Ruthenberg, der Leiter der Palestine Electric Corporation, in seinen Bemühungen, zwischen den verschiedenen jüdischen Parteien in Palästina zu vermitteln, unterstützen wird. 7200 Juden haben Bayern verlassen Aus Berlin (J. T. A.): Laut Statistiken, die das Bayrische statistische Amt soeben veröffentlichte, haben in den ersten drei Monaten des Hitler-Regime« über 7200 Juden Bayern verlassen. Während die Volkszählung von 1925 eine Zahl von 49.145 Juden in Bayern ergab, gab es laut der Volkszählung vom 16. Juni i 1933 nur noch 41.939 Juden in Bayern. Sie bilden jetzt weniger als 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung Bayerns. ' Schulbucher für alle Lehranstalten in den vorgeschriebenen Auflagen, auch antiquarisch, zu wirklich billigst «Ii t»r«ls«n liefert die indisch« Buchhandlung Hermann Tuchner Wim II., ick* Taborstraße Nr. 52 Verzeichnisse umsonst. Spesenfreie Zustellung überallhin FOr Auskünfte Telephon R 41*4*20 Die Stadfratfswahlen in Jerusalem Sturz des antizionistischen Bürgermeisters Am 26. September fanden nach einer achtjährigen Pause die Stadtratswahlen in Jerusalem statt. Al3 ihr Hauptergebnis ist die Niederlage des bisherigen Bürgermeisters Ragheb BeyNashashibi zu verzeichnen. Auf der gemeinsamen Jüdischen Liste wurden drei jüdische Stadträte, Samuel Ende, Hyam Solomon und Joseph Hachmashvili, gewählt. Drei jüdische Sonderlisten blieben ohne Mandat, unter ihnen die der Revisionisten. Außer den drei genannten Juden werden dem Jerusalemer Stadtrat noch Isaac Ben Zvi und Daniel Auster angehören, da beide Anfang September ohne Opposition zu Mitgliedern des Rates nominiert wurden. Somit werden die Juden im Stadrat fünf Vertreter haben. Der siegreiche Gegenkandidat Nashashibis ist Dr. Hussein Fakri e 1 K h a 1 d i, der nun zweifellos zum Bürgermeister von Jerusalem ernannt werden wird. Dr. Khaldi war vor seinem kürzlich erfolgten Austritt aus dem Gesundheitsdepartement der Palästina-Regierung 15 Jahre in dieser Stellung tätig. Er entstammt einer angesehenen palästinensisch-moslemitischen Familie. Zwei sejner Großonkel waren in dem ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts hintereinander Bürgermeister von Jerusalem. Gegen den geschlagenen Kandidaten Ragheb Bey Nashashibi hat sich im Laufe der Zeit in der jüdischen Bevölkerung eine starke Opposition herausgebildet. Die Juden verziehen ihm nicht seine Teilnahme an der arabischen politischen Delegation, die bald ■WEISSER EXPRESS SONDERFAHRTEN WiEN-PALKSTINA AUF DEM LAND WEG Abfahrt des ersten Sonderzuges am 17. November 1934 um 19Bu von Wien*Ostbahnhof. Die Reise führt über Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Türkei, Syrien nach Haifa. Speise- und Schlafwagen Rituelle Kost. Radioaende* u. Empfangsanlage. Schlafgelegenheit für Reisende III. Klasse geboten. FAHRPREIS INKL. DURCHREISEVISA AB WIEN: III. Klasse: für Chaluzim (Zertlflkatbesitzer): ohne Verpflegung.........S 195.— mit Verpflegung.........S 209.— III. Klasse: für Touristen, mit Verpflegung . , . S 390.— II. Klasse: für Tourigten, mit Verpflegung . . . S 490.— SCHLAFWAGENBENÜTZUNG für Reisende II. Klasse gegen normale Gebühr. Für leidende Personen, die sich nicht der Gefahr der Seekrankheit aussetzen dürfen, die einzige Möglichkeit, g e f a h r- I o s nach Palästina und dem vorderen Orient zu gelangen. ANMELDUNGEN UND AUSKÜNFTE: Oesterreichitiche» Verkehrshurcau, Wien. I., Friedrichstraße 7, Telephon B-27-500 Ocstorrcichisches Palästina-Amt, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Telephon R-27-4-86 nach den antijüdiachen blutigen Unruhen vom Jahr© 1929 nach London kam, um hier eine antizionis t i s c h e Stimmung hervorzurufen. Er trug auch die? Verantwortung für die Betrauung eines christlichen anstatt des ältesten jüdischen Vizebürgermeisters mit seiner Vertretung während seiner Abwesenheit. Auch hat er im November 1933 als Sprecher einer Delegation arabischer Bürgermeister beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope diesen ersucht, scharfe gesetzliche Maßnahmen gegen jüdische Einwanderung nach Palästina und gegen Bodenverkauf an Juden zu treffen. Die Wahlen verliefen ruhig. Schwer bewaffnete Polizeipatrouillen bewachten die Straßen der Stadt bisnach Bekanntgabe der Wahlresultate. * Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung wird, wie die J. T. A. erfährt, zum ersten Mal einen Engländer zum Town Clerk (Stadtsekretär) der Stadt Jerusalem ernennen, dem die städtische Kontrolle zufallen wird. Dieser Beamte wird auch mit der Ueberwachung aller anderen Gemeindeverwaltungen des Landes betraut werden. Sein Büro wird im Sekretariat der Palästina-Regierung untergebracht. Palästina -Wirfcdiaft Ein Zentralfinghafen für den Europa-Asien-Afrika- Verkehr in Palästina In den letzten Tagen besuchte ein Sonderbeauftragter der Imperial Airways Palästina, um sich mit dem Problem der Anlage eines großen Flughafens in Palästina zu befassen, der als zentraler Stützpunkt für den Luftverkehr London— Indien und London—Kapstadt dienen soll. Der Sonderbeauftragte, der sich einige Tage in Palästina aufhielt, ist inzwischen nach London zurückgereist und soll nach Studium der Angelegenheit an Ort und Stelle der Frage der Errichtung eines zentralen Flughafens in Palästina positiv gegenüberstehen, so daß das Projekt in absehbarer Zeit greifbare Formen annehmen dürfte. Fortschritt in der Stahlindustrie Die im Jahre 1931 in Tel-Awiw gegründete Karosseriefabrik „Har-Gaash", die die Chassis für Stadt- und Fernverkehrsautobusse karossiert, stellt jetzt. ausschließlich Ganzstahlkarosserien her, die sich durch ihre Stabilität in Palästina gut bewährt haben. Das Unternehmen ist bis an die Grenze seiner Kapazität vollbeschäftigt. Der Bedarf an Karosserien für Stadt- und Fernverkehrsautobusse ist zurzeit ein außerordentlich hoher und belauft sich monatlich auf etwa 40 Wagen. Nach der letzten Zählung im vergangenen Jahre verkehrten etwa 1000 Autobusse, zur Zeit dürften schätzungsweise annähernd 1500 im Verkehr sein. Infolge der hohen Frachtkosten werden nur die Chassis importiert und die Karosserien ausschließlich im Lande hergestellt. Die „Har-Gaash" hat die Karosserie für einen der beiden Fernverkehrswagen für die Autobuslinie Haifa — Bagdad hergestellt mit einer Dachtrag- Die arbeitende Juden- Ein Biid der Kolonie Kecholpth Von Jakob Josefsberg (Hadar-Hakarmel) Im September 1934. In der Herzl-Straße in Tel-Awiw besteigt man den Autobus der Gesellschaft „Darom Jehuda" (Südjudäa). Man fährt durch die Hauptstraßen des arabischen Jaffa, das im Vergleich zum mächtig aufstrebenden Tel-Awiw den Eindruck einer schlafenden Kleinstadt macht, vorbei an der von Charles Netter, dem Präsidenten der Alliance laraelitö Universelle, im Jahre 1868 gegründeten Ackerbauschule „Mikweh Jisrael", den Kolonien Rischon-le-Zion und Ness-Ziona in einer halben Stunde auf einer gut asphaltierten Chaussee nach der Citrus-Metropole des Südens, nach Rechoboth. Rechts und links grüßen jüdische Orangenplantagen, die einen herzerfrischenden Eindruck machen, insbesondere wenn man sich an den Besuch im Jahre 1925 erinnert, wo dieser Boden teilweise eine Wüste war; unterwegs begegnen wir, wie überall in „Altneuland", dem Autobus, dem langsam und apathisch dahinschreitenden Kamel und dem Esel, über die Kröpfe hinweg in ein.&$n, hundert Meter Höhe schwebt ein „Aviron", ein Flugzeug, das aus dem nahen Luftschiffhafen kommt. In wenigen Minuten landet man in der größten jüdischen Kolonie Südjudäas: Rechoboth. Rechoboth wurde im Jahre 1890 durch die Gesellschaft „Menucha Wenachlah" (Warschau), an deren Spitze Lewin-Epstein, Gluskin und Braude standen, gegründet. Auf 11.000 Dunam erworbenen Bodens siedelten sich Juden aus Rußland, Wolhynien, Litauen und Warschau an. Der Boden war wüst, nur 30 Beduinenzelte befanden sich hier — es waren Beduinen, die, ausgehungert, vom Raub lebten. Zunächst ließen sich 25 Siedler aus den genannten Ländern auf dem historischen Boden Duran nieder, der im Talmud Jeruschalmi als Mittelpunkt zwischen der berühmten Talmudhochschule des Rabbi Jochanan ben Sakkai und Ludd erwähnt wird. Das Leben der jüdischen Pioniere war äußerst hart, da es damals außer Chedera, Rischon-le-Zion, Ness-Ziona und Mikweh-Jisrael in Südjudäa keine jüdischen Siedlungen gab. Den 25 Siedlern kamen 300 jüdische Arbeiter zu Hilfe, indem sie auf dem wüsten Boden Weinplantagen anlegten, später kamen einige arabische Arbeiter hinzu. Die Siedlung wurde oft von Arabern überfallen; es herrschten Krankheiten, besonders unter den Kindern: Trachom und Malaria. Der Weinbau war nicht rentabel. Die Bäume wurden gefällt, Mandelbäume an ihre Stelle gepflanzt, und so kämpften sich die tapferen Kolonisten, auf sich selbst angewiesen — im Gegensatz zu Rischonle-Zion und Sichron-Jacob erhielt Rechoboth von Baron Edmund Rothschild keine Unterstützung —, bis zum Weltkrieg 1914 mühsam durch. Die Kolonie zählte damals kaum 950 Bewohner. Im Krieg litt Rechoboth unter der Mißgunst der türkischen Besatzungsbehörden (die Grausamkeiten des berüchtigten Generals Djemal-Pascha sind dem Jischuw noch in Erinnerung) und entwickelte sich etappenweise bis zum Jahre 1926. In diesem Jahr begann ein stürmisches Aufblühen. Den Impuls gab der Uebergang vom Wein- und Mandelanbau zur Citrusf rucht, d. i. Orange und Grapefruit. Neue Siedler aus Polen kamen herein. 1926 hatte Rechoboth ungefähr 2000, 1931 fast 3400, 1934 bereits 7000 Einwohner, darunter 3000 Arbeiter. Heute ist Rechoboth eine Kolonie des Wohlstandes. Fast alle Einwohner sind wohlhabende Leute. Armut kennt diese Kolonie im Gegensatz zu Petach-Tikwah und Chedera nicht. Rechoboth beherbergt zwei für Erez-Israel sehr wichtige Institute, und zwar das chemische und das bakteriologische Laboratorium, an dessen Spitze Professor Chaim Weizmtmn steht, der auch die Versuchsstation des Agronomen Wilkansky leitet. Das chemischbakteriologische Laboratorium wurde aus der Stiftung des Herrn Sieff (London) in der Höhe von 25.000 Pf. St. errichtet und im April d. J. eröffnet. In diesem Institut, das in Vertretung de« Professora Weizmaan