Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 402 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 402 nicht in höherem Maße zu beeinflussen wünschen, als es dieser zahlenmäßigen Stärke entspricht. Es wäre bedauerlich, wenn sie selbst jene wenig zahlreichen Leute ermutigen würden, die in Griechenland einen akuten Antisemitismus zu erzeugen sich bestreben. Damit würden sie sowohl dem Land, dessen Bürger sie sind, als auch sich selbst einen sehr schlechten Dienst erweisen; auch würden sie damit die sehr herzlichen Beziehungen der Juden in den übrigen Teilen Griechenlands zu den anderen Bevölkerungselementen in die Gefahr bringen, vergiftet zu werden." * Durch den Artikel Venizelos' ist die Diskussion über die besondere jüdische Wahlkurie in Saloniki von neuem eröffnet worden. Die jüdische Presse widmet der Erörterung dieser Frage einen breiten Raum. Man erinr-->rt daran, daß in dem zionistischen Organ ,.La Renassencia Djoudai" ähnliche Gedankengänge entwickelt wurden wie in dem Artikel des früheren Ministerpräsidenten. Allerdings wurde von national jüdischer Seite immer der Standpunkt vertreten, daß eine Wahlkurie alle sich zur jüdischen Nationalität bekennenden Juden umfassen müsse und nicht nur die jüdischen Einwohner einer einzelnen Stadt. » Aus Saloniki: Wie hier verlautet, wurde das neue Wahlgesetz, in dem die gesonderte jüdische Wahlkurie beseitigt werden sollte, von dem Präsidenten der Republik Zaimis nicht unterzeichnet. Dessen ungeachtet wurde dieses Gesetz, das auch der Senat zurückgewiesen hatte, von der Kammer bestätigt; das neue Wahlgesetz, das die jüdische Kurie unterdrückt, wird demnach in Kraft bleiben und die neuen Wahlen in Griechenland werden wahrscheinlich auf der Basis dieses Gesetzes stattfinden. (J. T. A.) Von der Juden§taaf §par£ &i Sitzung der Exekutive in Tel-Awlw — Politischer Bericht — Stellung zur Parlamentsfrage lieber den Verlauf der letzten in Tel-Awiw abgehaltenen Sitzung der Weltleitung der Judenstaatspartei erhielten wir von unserem palästinensischen Korrespondenten einen erschöpfenden Bericht. Wir veröffentlichen nachstehend jenen Teil, der sich auf die politische Lage de3 Zionismus und auf die' brennend gewordene Frag-e der Errichtung eines Parlaments mit arabischer Majorität in Palästina bezieht. * Aus den auf der Sitzung erstatteten Berichten geht hervor: Die politische Position des Zionismus in London ist in letzter Zeit eine sehr geschwächte. Nicht nur die letzten Debatten im britischen Parlament und die gehässigen Artikel der „Times" liefern einen Beweis dafür, sondern auch die Tatsache, daß in den Kreisen, die sich bisher viel und sympathisch mit Palästina-Fragen beschäftigen, eine Abkühlung hinsichtlich des füiönismus fühlbar ist. Schon die wiederholten Erklärungen der offiziellen zionistischen Kreist über die dringende Notwendigkeit einer Verstärkung unserer Aufklärungsarbeit in London, zeigen eine Verschlechterung unserer Lage. Sie beweisen gleichzeitig, daß auch diejenigen Kreise, die immer optimistisch eingestellt waren, sich nun der Schwäche unserer politischen Außenfront bewußt geworden sind. Aus den Berichten über die letzten Beratungen der von der Zionistischen Weltexekutive einberufenen politischen Kommission geht bedauerlicherweise hervor, daß bei der Leitung der Zionistischen Weltorganisation kein konkreter Plan bezüglich der durch die geschwächte Position in England notwendig gewordenen Aufklärungsarbeit besteht. Die polltischen Referenten begnügten sich bei dieser Gelegenheit mit der Feststellung der traurigen Lage, ohne Richtlinien für politische Arbeit bekanntzugeben. Zur Parlamcntsfrage. Aus allen eingelaufenen Nachrichten geht hervor, daß der High Commissioner fest entschlossen ist, ein Palästina- Parlament zu schaffen, auch wenn die Juden ihre Zustimmung nicht geben sollten. Die Reise, welche Herr Tschertok, der politische Referent der Zionistischen Exekutive, nach London unternahm, um gegen den Parlamentsplan anzukämpfen, ist ergebnislos geblieben. Im Kolonialministerium wurde ihm klipp und klar erklärt, daß die Erledigung der Frage ausschließlich Angelegenheit des High Commissior.er sei. Angesichts der drohenden Parlamentsgefahr ist das Exekutivkomitee der Judenstaatspartei zu folgenden Beschlüssen gekommen: a> Wir 3ind nach wie vor entschiedene Gegner jedweder konstitutioneller Aenderung in Palästina, besonders der Einrichtung eines Parlaments. b) Es muß mit allen Mitteln verhindert werden, daß Juden sich an den Wahlen zum Parlament beteiligen oder dieser Institution irgend welche Unterstützung anged^ihen lassen. Daraus resultiert unser Kampf gegen die Errichtung des Parlaments mit allen Mitteln, unter die auch das Mittel der Nichtkooperation mit der Regierung zu zählen ist. cj Entschiedener Boykott auf jedem Gebiete des Lobens gegenüber denjenigen Juden, die sich an den Wahlen zum Parlament beteiligen werden. Das heißt, diese Juden müssen i.i der ersten Reihe sämtliche n a t i o n a 1 e t id gesellschaftliche Institutionen verlassen. BOXC ALF - SCHWARZ h CROU PONSOH L E dl Die j'idisehen Mitglieder der Stadtverwaltungen müssen ihre Mandate niederlegen, falls die Regierung sie in das Parlament nominieren sollte. Wir glauben, daß das Parlament scheitern wird, wenn die Juden und ihre offiziellen Organe eine entschlossene und klare negative Stellung annehmen werden. Man befürchtet hier ernsthaft, daß der High Commissioner sich au einzelne Personen wenden und sie zu Mitgliedern des Parlaments ernennen wird. Die offizielle Erklärung über die Errichtung des Parlaments wird im Oktober erwartet. Die Judenstaatspartei hat die Aufgabe, eine planmäßige Aufklärungsarbeit in der Angelegenheit zu beginnen. Freudig ist die Initiative unserer Gesinnungsgenossen in Polen zu begrüßen, die sich on alle zionistischen Parteien mit dem Vorschlage gewandt haben, ein i n n e r p a r t e i i s c h e s Komitee zum Kampf und zwecks Organisierung dns Widerstandes gegen das „Legislative Council" inf^Leben zu rufen. Es wird allen Landeszentralcn der Judenstaatspartei nahegelegt, das Beispiel der Judenstaatspartei in Polen zu befolgen. boxcalf* SCHWAftZ M-EIDECHS- UIMIT- KOtf- —Bl INI ERX ROTEN TUftM I, Wollzeile 17 * Tel. R-21-2-16 ABENTEURER SN SHANGHAI mit Jack Holt. Lia Lee ti. Ralph Graves. Vorstellungen: U, %6, VaO, %10 I, Fleischmarkt 1, R-29-1G9, R-29-159 G. flrliss, L. Joung. B. Karloff Beginn: t*, %6, Va8, YMO Fuhr den Frieden im Z£om§mu§ Von der Zentralleitung der Judenstaatspartei erhalten wir folgende Meldung: T c 1 - A vv i w, 30. September. Seit Monaten fordert die Judenstaatspartei die. zionistische Exekutive und alle zionistischen Parteien zur Einberufung einer gemeinsamen Sitzung auf, welche dem innerzionistischen, den Bestand der Weltorganisation bedrohenden Kampf ein Ende bereiten und, augesichts der schlechten politischen Lage, zur Bildung einer gemeinsamen äußeren Front führen soll. Nunmehr scheint diesem Antrag Rechnung getragen. Gestern erhielt die Judenstaatspartei von der zionistischen Exekutive in London die .Einladung zu einer am 29. Oktober in London stattfindenden Sitzung den- Vertreter aller zionistischen Parteien, welche der Erstellungeiner zionlstisclen Einheitsfront gegenüber der Außenwelt dienm soll. Seitens der Judenstaatspartei wurden die Mitglieder der Weltleitung der Judenstaatspartei Lichtheimer, Machowcr und Stricker delegiert. jJudenslaalspcarfea Oesterreichs Das Sekretariat teilt mit: Errichtung eines wirtschaftlichen Auskunftsdienstes für Palästina. Im Sekretariat (I., Werdertorgasse 14) werden über alle wirtschaftlichen Fragen Palästinas kostenlose Auskünfte erteilt. Sprechstunden: Montag und Mittwoch von 7 bis halb 9 TJhr abends, Sonntag von halb 11 bis halb 1 Uhr mittags. Sekretariatsstunden: Täglich (Freitag ausgenommen ) von 7 bis halb 9 Uhr abends und Sonntag von halb 11 bis halb 1 Uhr mittags im Heirn, I., Wedertorgas.se 1.4. Zionistische. Seminare. Im Laufe des Monats Oktober beginnen die von der Judcnstaatspartei im Verein mit den judenstaatlerischen H o c h s c h ü 1 e r n, der Judenstaatajugend und dem Brith Hakanaim veranstalteten Seminare. Diese Kurse werden alle ideologischen Probleme des Zionismus und des Judentums, praktische Fragen des Aufbaues Palästinas, Wirtschaftskunde, Wirtschaftsgeographie, Berufsprobleme, Ueberwanderungsvorbereitung usw. umfassen. Anmeldungen zu den Kursen, die unter der Leitung de« Herrn öberbaurates I n g. Robert Stricker .stehen und für jedermann kostenlos zugänglich sind, während der Sekretariatsstunden. Brith Hakanim. Uebor Auftrag des Mefaked arzi, Dr. T. Z. Kanner, hat der organisatorische Leiter des Brith Hakanaim, Herr Viktor Ro.senfeld, zu seinen bisherigen Agenden auch das Sekretariat und die Propaganda übernommen. Die Einberufung dyr einzelnen Plugoth nach den Sommerferien hat bereits begonnen und fanden auch schon einzelne Sichoth statt. Die Barkaim und Barkaoth werden auch auf diesem Wege auf die in den nächsten Tagen beginnenden Hebräischkurse aufmerksam gemacht. Anmeldungen zum Brith Hakanaim bei den jeden Samstag von 4 bi.s 6 Uhr /stattfindenden Sichoth, Wien, II., Untere Augarteristraßc 38. Veranntaltungs- und Versammlungskalender Mittwoch, 10. Oktober, halb 0 Uhr, JudenntaatNheim, I., VVerdertorgawse 14. Versammlung: ,,'P a 1 ä s t i n » u n d J u d e, n s t a a t s z i o n i s m u s." Ein politischer Reisebericht, gehalten von Rabb. Dr. I. Z. Kiintiur. Donnerstag? 11. Oktober, halb 9 Uhr, G n f 6 Neptun, XX., Guußplatz 7. Versammlung: „Juden not ii n (I J u d e n h t n n t." Redner: Fränkel, Theodor Grubner. Mittwoch, 17. Oktober, halb 9 Uhr abends, Judeu- Htaatsheim, I., Werde ctoi-gusne 14. VerHammlung. Redner: Ö b e r b a u r a t Robert S t r i c k « r. Donnerstag, 18. Oktober, Gastwirtschaft Schulv X* # »fr TOITi TABORSTRASSE 48 Pernerstorfergasse 23. Versammlung. Redner: Rabbiner Dr. I. Z. Kanner, Hau» Kolb. Hebräischkurse der Judenstaatspartei Oesterreichs. Kurse für Kinder (7 bis 14 Jahre), Jugendliche (13 bis 17 Jahre) und Erwachsene (vom 18. Lebensjahr). Separate Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Kursleiter: Rabb. Dr. Israel Zwi Kanner. Auskünfte im Sekretariat der Judenstaatspartei, I., Werderthorgasse 14 (Montag bis Donnerstag von 7 bis 9 Uhr, Sonntag von >/>ll bis halb 1 Uhr). Allgemein zugänglich. Niedriger Kursbetrag. Kinderkurs gratis. Kämpfe und Spaltung im Wiener //Hedhaluz" Prügeleien und Austritt der „allgemeinen Zionisten". Im Heime des Wiener „Hechaluz" („Histadruth Hechaluz", Organisation für Heranbildung Jugendlicher für die Arbeit in Palästina) ist es zu unerquicklichen Szenen gekommen: Prügeleien, zerbrochene Fensterscheiben, Eingreifen der Polizei usw. In einer Zeit, da die Juden so schwer um Wahrung ihrer Würde und Sicherheit zu kämpfen haben, sind solche Vorfälle in einem zionistischen Lager doppelt beschämend. Ueber den Grund der Vorfälle gibt die vom G d u d Zirim, der Jugendorganisation der „A 11gemeinen Zioniste n", herausgegebene Zeitschrift unter dem Titel: „Was veranlaßte uns, aus dem Hechaluz auszutreten?" Aufschluß. Nach einer Schilderung der Gründung des Hechaluz durch den Nationalhelden Trumpeldor heißt es: „Der Chaluz konnte nur Diener a m ganzen Volke und nicht an einer Klasse sein, sollte die erhabene Idee der Erneuerung des Volkes durch die Verbindung mit der Erde Erez Jisraels gewahrt bleiben! .... In der Folgezeit wurde jedoch der nationale Gehalt der Histadruth Hechaluz immer mehr zugunsten einer anti nationalen, sozialistischen Klassenkampfideologie verringert. Da die Histadruth Hechaluz statt unmittelbar der zionistischen Weltorganisation, der Histadruth Haowdim (jüdische Arbeitergewerkschaft Palästinas) unterstellt wurde und da diese Histadruth ihrerseits praktisch identisch ist mit der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Poale Zion, so wurde die Erziehung im Hechaluz nicht mehr im nationalen Sinne, sondern für die Zwecke dieser Partei durchgeführt!" „Entsprechend dieser in der Histadruth Hechaluz Haolmith herrschenden parteimäßigen Tendenzen hat auch die Histadruth Hechaluz Oesterreichs versucht, die ihr angehörenden Organisationen in diesem Sinne zu beeinflussen. Solange unser Jugendbund klein war — wurde er quasi toleriert. Mit dem Größerwerden wurde jedoch unser Bund mit allen dem Hechaluz zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft und unterdrückt. Heute müssen die Massen der jüdischen Jugend zur Chaluziuth erzogen werden. Diese Notwendigkeit blieb der Histadruth als eine Institution, die alles nur vom beschränkten Parteistandpunkt aus sah, verschlossen. Sie hat nur Interesse an der Wohlfahrt einer Klasse, einer Partei. Ihre Internationale Einstellung verschloß ihr die Ohren für den Schrei des gemarterton jüdischen Volkes! Und deshalb versuchte die Histadruth Hechaluz unseren Bund mit allen Mitteln zu unterdrücken." Die Histadruth Hechaluz konnte uns nur dulden, solange wir ihr bloß als Aushängeschild für ihre „neutrale Stellung" dienten. Als wir aber durch die Stärke unseres Bundes imstande schienen, eine faktische Neutralität, eine Umstellung zur wahren Chaluzorganisation zu erzwingen, da wurden wir mit allen Mitteln bekämpft und schließlich zun Austritt gezwungen." Auf diese Ausführungen reagiert der „Hechaluz" in seiner Zeitung „Choser" in heftigster Weise. Er beschuldigt die allgemeinen Zionisten der Verleumdung und Denunziationen, egoistischer Treibereien, Lohndrückern usw. Er stellt mit, Genugtuung fest, daß sich ein großer Teil der allgemein-zionistischen Jugend abgespalten und zu ihm Ubergegangen sei (Mädchenverein Mirjam, Makhabi hazalr, ein großer Teil dgs Gdud Zeirim u. a.), vor