Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 402 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr^402 DIE NEUE WELT Seite 3 Amerika nimmt an der Olympiade in Berlin teil Gegen jüdische Proteste Au3 New York (J. T. A.): Auf Grund der Zusicherungen, die die deutsche Regierung dem American ÖJympic Committee, betreffend faire Behandlung jüdischer Sportler, gegeben hat, hat das American Olympic Committee auf seiner Sitzung am 26. September die Teilnahme der Vereinigten Staaten an den internationalen Olympischen Spielen 1936 in Berlin beschlossen. Nachdem die jüdischen Mitglieder des Komitees, Charles Ornstein und Fräulein Charlotte Epstein, sich gegen die Annahme dieses Beschlusses energisch ausgesprochen und vor der Abstimmung zum Protest entfernt hatten, wurde die Beschlußresolution einmütig angenommen. Zugleich mit der Annahme der Resolution hat das American Olympic Committee eine Warnung erlassen, daß, falls Deutschland seine Zusage, betreffend faire Behandlung der Juden im Sport, verletzt, die Resolution zurückgezogen werden wird. Die Resolution lautet: „Angesichts der von dem Deutschen Olympischen Komitee und den Vertretern der Deutschen Regierung gegebenen Zusicherungen, nehmen wir die Einladung des Deutschen Olympischen Komitees zur Teilnahme an der Weltolympiade in Berlin an." Der Beschluß des American Olympic Committee hat in weiten Kreisen der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit in Amerika starkes Befremden hervorgerufen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Resolution in Widerspruch steht zu der Haltung der Mehrzahl der Mitglieder der American Athletic Union und nur von einem Teil der Mitglieder des American Olympic Committee, welcher gerade der Sitzung beiwohnte, angenommen wurde. Die Präsidenten des American Jewish Congreß, Rabbiner Stephen W i s c und Bernard Deutsch, fordern den Direktor der American Athletic Union auf, die Lage in Deutschland nochmals zu prüfen, und behaupten, daß P a r 1 e y, der im Dezember 1933 zur Prüfung derselben nach Deutschland fuhr, ein falsches Bild gegeben habe. Sie erklären, daß die Zusicherungen Deutschlands gegenüber dem American Olympic Committee den Tatsachen nicht entsprechen und verlangen, daß ihnen die Möglichkeit gegeben werde, öffentlich an Hand zuverlässigen Beweismatcrials die unterschiedliche Behandlung der jüdischen Sportler in Deutschland nachzuweisen. Serbisch-Rumänisches Weinbaus III, Taborstraße 18, im Hofe! National Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß Mauschel hilft Hitler! In seinem unsterblichen „Mansche 1" schildert Theodor Herzl den Typus jenes Juden, der sich unter fremdnationaler Maske überall dort eindrängt wo er nicht hingehört, überall spricht, wo er schweigen sollte. Mauschel — eine infernalische Mischung von Feigheit und Vordringlichkeit; Mauschel — ein krankhaftes Mißgebilde am jüdischen .Volkskörper. * Die „Volksstimme", das Organ der sozialdemokratischen Partei des Saargebietes, bringt einen Aufruf zur Volksabstimmung, die entscheiden soll, ob das Saargebiet an Deutschland zurückfallen oder von ihm losgetrennt werden soll. Er trägt den Titel: „Deutsche sprechen zu Buch!" Dann heißt es: „Wollt Ihr ein Teil sein der faschistischen Barbarei? Wollt Ihr den Tod der Geistesfreiheit? Wollt Ihr einen neuen furchtbaren Krieg-, schlimmer noch als das letzte Weltgemetzel? Nein, deutsche Saarländer, das wollt Ihr nicht. Darum gegen die Auslieferung der Saar an Hitler-Deutschland! Stimmt für den Status quo!" Unterschrieben sind neben einigen nichtjüdischen Deutschland-Flüchtlingen folgende Juden: Lion Feuchtwang e r, Alfred K e r r, Professor Georg Bernhard, Ernst Toller, Erwin P i s c a t o r, Leopold Schwarzschild, Dr. Kurt Rosenfeld. ..... « Viele deutsche Katholiken, Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten im Saargebiet werden gegen die Wiedervereinigung ihres Landes mit dem deutschen Mutterlande stimmen, weil ihnen kein anderes Mittel bleibt, um sich vor grauenhafter Versklavung zu schützen. Aber sie werden es nur nach schmerzhaften, seelischen Kämpfen tun, denn sie sind ja Deutsche und das Saargebiet ist deutsches Land. Und in diesem seelischen Kampf, der im tiefsten Sinne innerste deutsche Angelegenheit ist, schrillen die Stimmen dieser Juden hinein. Machen sie es den Deutschen im Saargebiet leichter? Nein! Aber sie machen es Herrn Hitler leichter! Seine Zeitungen haben die Angelegenheit aufgegriffen und schreiben: „Seht, deutsche Brüder! Ihr steht, ob ihr wollt oder nicht, unter jüdischem Befehl! Juden fordern von Euch, gegen Deutschland zu stimmen!" Statt sich als Jude um Juden zu kümmern, geht Mauschel her und drängt sich Deutschen als „Führer" auf. Er macht es den Saardeutschen schwer, aber Hitler macht er es leicht... Wer wird den Schaden tragen? Die sechstausend Juden im Saargebiet und in weiterer Folge das Judentum in aller Welt, das wieder verantwortlich gemacht werden wird für Taten jener, die mit dem jüdischen Volke längst nichts mehr gemein haben. Reidisbisdiof Müller als Historiker Zu der vor kurzem von Reichsbischof Müller erfolgten Kampfansage an die Juden schreibt der „Neue Vorwärts", Karlsbad: „Zum ersten Male seit Christi Zeit hat nun ein Volk gewagt, den Juden den Kampf anzusagen." So hat unlängst der Reichsbischof Müller gesprochen. Zum ersten Male? — Vielleicht liegt es an der durschnittlichen Nazi-Unbildung, daß der geistliche Herr seine eigenen Vorgänger nicht kennt; vielleicht aber hat er sie aus berechnender Absicht verschwiegen. Denn jeder Geschichtskundige v/cii), daß es das Spanien Isabellas von Kastilien und Ferdinands von Aragoniea war. das vor rund vierhundertfünfzig Jahren die Vertreibung der Juden durchführte, die — unter den Mauren in SUdspanien zumal — eine kulturell führende Rolle gespielt hatten. Unter Karl V. und seinem Sohne, dem aus Schillers „Don Carlos" berühmten Philipp, setzte sich der Kampf gegen die Reste des Judentums fort, griff zugleich auch auf Portugal über, so daß von der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts an die gesamte Pyrenäenhalbinsel „judenrein" war und von da ab geblieben ist. Der Geschichtskundige weiß allerdings auch, daß von dem kolossalen Aufschwung, den nach der völkischen Theorie diese Maßnahme für die genannten Länder hätte zur Folge haben müssen, nichts, daß vielmehr das genaue Gegenteil eingetreten ist: noch gegen Ende des Jahrhunderts setzte der völlige Verfall der spanisch-portugiesischen Welt- und Seeherrschaft ein, und diese beiden damals reichsten Länder Europas sanken zu den ärrrtsten herab. Ihre Erbschaft aber treten zwei Länder der Toleranz an: England und Holland. Den Holländern insbesondere, die die vertriebenen portugiesischen Juden aufnahmen, bekam dieser „Rasseverrat" so schlecht, daß sie bald darauf den Portugiesen ihre wertvollsten Kolonien, die indochinesischen Inseln, entrissen. Wir begreifen, warum der Reichsbischof sich nicht gern seiner Vorgänger erinnert." Eon jüdi'§dier NazisAdvokat Ein Leser unseres Blattes schreibt uns aus New York: Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und wir. Juden sind das Volk der unbegrenzten Möglichkeiten. Sonst wäre es wohl nicht möglich, daß hier ein jüdischer Advokat als offizieller Verteidiger der hiesigen Hitler-Leute auftreten kann. Den deutschen Nationalsozialisten in New Jersey wurde seitens der Behörden die Abhaltung von Versammlungen verboten, weil sie von der Rednertribüne aus Pogromhetze betreiben. Die Nazis, als verfolgte Unschuldslämmer, wandten sich an den „Verband zum Schutze der bürgerlichen Freiheit in den Vereinigten Staaten" um Hilfe. Und dieser Verband betraute den bekannten jüdischen Advokaten Artur H e i s damit, die Beschwerde der Nazileute vor den Behörden in New Jersey zu vertreten, und Herr Heis hat diese „ehrenvolle" Aufgabe übernommen und kämpft wacker um Redefreiheit für die Hitler- Agenten. Die New Yorker jüdische Tageszeitung „Vorwärts" hat den Fall aufgegriffen und heftige Ausfälle gegen den „ehrvergessenen" Juden Heis gebracht. Einer ihrer Artikel schloß mit den Worten: „Redefreiheit tat eine ALLEN VORAN! REICH OFEN FÜR INLAND- UNO STEINKOHLE KOKS UND ANTHRAZIT BEI HOLZ - DAUERBRANDOFEN | PRIMAT | 30% BUMDESZUSCHUSS IV, PRESSGASSE 28 B-20-2-38 J, PARKRING 12 B-20-3-57 Sie Million Her ÄfaffenfoUerie lief Her „©(iitffieüe Stein" gewonnen! £>er neueincieführtc Mfillioitenhaunttrener ber ft(a||en(otterie mürbe am 2. b. auf I'oö 9Jr. H0.1 uott Äunben ber „©lücfftelle Stein", Wen, ]., SHipplinncr-- jtraftc 21, on ber „£>ohen SBrücfe" flerooniten. SBicbcr. Beroäljrt [tef) bas (Slücf ber „©lürfitelle Stein" an ber „£ol)en Sriitfe", wo auch bie fehle flroftc Prämie ber ftrafi'enlotterte, eine halfic 9Ki(üon ScfjiKinfl, im Wprit biefee Jahres von Kurtbett ber „OJIücCftcIIe" Stein" ßc* monnen würbe. Heber bie „^o&e Sßrürfc" fül?it ber üüea flum ©fürte! „©liicfftefle Stein", Wen, L, ilKippimgcrftrafee 21, an ber „£ol)eu IBrücfe"; ßfilialen: II., Xciuur* ffra&c 20, vr.t OTariaf)iIferftra&c 105, unb x., gouo-- litcnftrage 101. [•; heilige Sache und soll nicht angetastet werden. Aber wenn jemand Redefreiheit will, um die Redefreiheit der anderen und Uberhaupt jede Freiheit zu ertöten, wie das die Hitler-Leute tun? Wie soll man solche Menschen behandeln?" In einer Zuschrift an den „Vorwärts" sucht sich der Advokat Heis zu verteidigen und bringt das Zitat von Voltaire: „Ich verachte deine Anschauungen, aber ich würde mich opfern für dein Recht, diese Anschauungen auszudrücken!" Worauf ihm der „Vorwärts" prompt mit einem Zitat aus Shakespeare begegnet: „Wenn der Teufel es braucht, bringt er Zitate aus den Heiligen Schriften." Schließlich griff auch ein christlicher Anwalt in die Debatte ein und hielt dem Juden Heis noch ein Zitat vor, nämlich die Strophe aus dem Hitler-Lied: „Wenn Judenblut vom Messer spritzt, dann geht es doppelt gut!" und fragt: „Dafür wollen Sic Freiheit, Herr Heis?" Sie sind einander wert, der jüdische Advokat, der für die Nazis kämpft, und die Nazis, die sich von ihm verteidigen lassen. Venizelos zur Judenfrage Er will die Juden als Nation behandeln Der ehemalige Ministerpräsident und gegenwärtige Führer der vereinigten Opposition in Griechenland, Eleutheros Venizelos, dem in letzter Zeit wiederholt zum Vorwurf gemacht wurde, er habe sich den antisemitischen Gedankengängen mancher seiner Anhänger angeschlossen, und von dem in radikalen Kreisen erwartet wurde, er werde einem entschieden judenfeindlichen Kurs in Griechenland den Weg bereiten, hat in der Salonikier Tageszeitung „N 6 a A1 i t h i a" einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Forderung seiner Partei nach Wiederherstellung der besonderen jüdischen Wahlkurie in Saloniki begründet und anschließend daran allgemeine Gedanken über die Judenfrage äußert, wobei er erklärt, die Juden könnten mit Recht auf ihre Vergangenheit stolz sein. In dem Artikel heißt es u. a.: „Unser Kampf mit den Juden Salonikis in dieser Frage (8er Wiederherstellung der besonderen Wahlkurie, die von den Türken, welche — wie Venizelos einleitend bemerkt — sich als politisch reifer als die Juden erwiesen hätten, selbst vom Senat verlangt worden sei) kann nicht einem sogenannten antisemitischen Gefühl bei mir zugeschrieben werden. Die Juden Altgriechenlands wissen, wie freundschaftlich meine Gefühle ihnen gegenüber sind. Niemals habe ich aufgehört, die Tugenden Israels anzuerkennen und zu verkünden, und während der langen Jahre meiner Regierung habe ich alles Mögliche getan, um die gerechtfertigten Ansprüche der Juden Salonikis zu befriedigen, und habe ihnen beim Völkerbund meine uneingeschränkte Unterstützung gewährt... Als ich vor einigen Tagen eine jüdische Abordnung empfing, betonte ich ihr gegenüber, daß es unzulässig sei, die besondere Waftlkurie als politisches Ghetto zu bezeichnen, denn die Juden hätten besondere Privilegien, die ihnen durch den Minder heitenvertrag garantiert sind, und ich war erstaunt, daß Mitglieder dieser Abordnung in Unkenntnis dieser Privilegien waren. „Eine deutliche Aufklärung ist notwendig", schreibt Venizelos weiter, „das Judentum ist nicht nur eine Religion, sondern auch eine besondere Nationalität. Viele Juden in verschiedenen europäischen Ländern haben sich ethnisch an die Völker, unter denen sie leben, assimiliert und darin liegt der Grund, warum sie, als der Zionismus auf den Plan trat, diese Bewegung bekämpften. Die große Masse der Juden in der ganzen Welt aber hat sich dem Zionismus angeschlossen. Und die 16 Millionen der Welt sind stolz darauf, zu einer Nation zu gehören, deren Geschichte den Vergleich mit der Geschichte irgend eines anderen Volkes nicht zu scheuen braucht. Die jüdische Weltkonferenz, die vor einem Monat in der Schweiz zusammentrat, hat beschlossen, für das nächste Jahr einen Jüdischen Weltkongreß einzuberufen. Ich bin sicher, daß die Juden Salonikis die ersten sein werden, Delegierte zu diesem Kongreß zu entsenden, und ich verstehe das sehr gut. Niemand kann ihnen einen Vorwurf daraus machen, daß sie stolz sind auf ihre Vergangenheit, und jeder Grieche hat volles Verständnis für dieses Gefühl des Stolzes. Aber unsere jüdischen Mitbürger in Saloniki müssen mit größerer Folgerichtigkeit denken. Da sie eine Minderheit bilden, nicht nur in religiösem, sondern auch in nationalem Sinn, so müssen sie sich mit jener Vertretung in den Kammern begnügen, auf die sie ihrer zahlenmäßigen Stärke entsprechend Anspruch haben. Sie mögen das Schicksal des Landes