Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 401 (28.9.1934)
- Date
- 1934-09-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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,^Seita*t DIE NEUE WELT Nr. 4011 Die nächste Ausgabe unseres Blattes erscheint wegen des Sukkoth-Festes Freitag, den 5. Oktober Verteidigung der jüdischen Rechte — eine Art j ü d ischen Völkerbund... Jedenfalls bezeugen die Berichte der englisch-amerikanischen Presse die größte Sympathie für das jüdische Volk und für den mutigen Abwehrkampf gegen alle Feinde des Judentums. Der vornehmen amerikanischen Presse imponiert es, daß das kleine und zerstreute Volk ohne Armee, ohne Flotte, sozusagen mit leeren Händen, keine Angst vor den bewaffneten Feinden hat und im Vertrauen auf das eigene moralische Recht vor die Welt tritt. Die Amerikaner sehen darin einen ,,Sport" von grandlosem Ausmaß und klatschen Beifall. Aber unsere kleinen Kriecher-Juden können das nicht verstehen, sie haben Angst davor, man werde uns, gottbehüte, beschuldigen, daß wir irgend eine dunkle, internationale „Regierung" gründen werden, von der wir irgend welche „Ordres" empfangen ... Es heißt, daß diese Komitee-Juden, als die ersten Nachrichten aus Genf eintrafen, an Rabbi Stephen W i s e eine Depesche richteten, er möge um Gottes Himmels willen seine Stimme dämpfen. Aus Polen Anti'senritisdie^Terrorakfe in Lemberg Am Sonntag, den 23. September, Erew S u k k o t h, überfielen Huligantntpps die jüdischen Geschäfte in mehreren Straßen Lembergs und mißhandelten die jüdischen Geschäftsleute, darunter Frauen und Greise, in grausamster Weise. Sie verprügelten die jüdischen Besitzer, gössen brennende Säuren in mehrere jüdische Geschäfte in den Straßen Akademicka und Strzyska, wo die 65jährige Frau des jüdischen Kolonialwarenhändlers Daychfeld sowie der jüdische Kaufmann Friedmann und seine Frau schwer verletzt wurden. Eine schreckliche Panik entstand, als die Huligans, nachdem sie die Säuren in die Geschäfte gegossen, die Jalousien sowie die Ladentüren von außen schlössen und die in den Läden Eingechlossenen, deren Kleidung Feuer fing, schreiend und um Hilfe rufend ließen. Auf die Hilferufe eilte eine große Menschenmenge aus den benachbarten Straßen zum Schauplatz, die die Türen der Läden einbrach und das Feuer lokalisierte. Frau Daychfeld sowie der Kaufmann Friedmann und Frau wurden in bedenklichem Zustande ins Hospital eingeliefert. Zur gleichen Zeit wurde der jüdische Student Roth von drei antisemitischen Studenten in der Grodeckagasse blutig g; eschlagen und schwer verwundet. Es gelang ihm, in das polnische, Studentenheim zu entkommen. Wie angenommen wird, handelt es sich bei den Angreifern auf die jüdischen Geschäfte ebenfalls um antisemitische Studentenrowdies. Die Angreifer entkamen, ohne daß auch nur einer festgenommen worden wäre. (J. T. A.) Gegen die Bürgerrechte der Juden In Polen Aus Warschau: Der Schritt Polens in Gent gegen die bisherige Handhabung der Minderheitenschutzbestimmungen hat zum Resultat, daß die judenfeindlichen Kräfte in Polen sich nunmehr zum Generalangriff nicht allein gegen die jüdischen Minderheiten, sondern auch gegen die jüdischen Bürgerrechte überhaupt rüsten. Im Gefolge der Genfer Erklärung des Ministers Beck bahnt sich eine Annäherung zwischen den bis jetzt in scharfer zur Regierung verharrenden Nationai- und der Regierungsfront an; insbesondere Nationaldemokraten, die eifrig dabei sind, zwischen sich und dem Regierungslager zu schlagen. Während also die Nationaldemokraten gemeinsam mit der Regierungsfront Polens Rückzug vom Minderheitentraktat begrüßen, fordern sie eine Aenderung der Verfassung nach der Richtung, daß den Juden die bürgerliche Gleichberechtigung genommen wird. Hierzu schreibt das Organ der polnischen Sozialdemokratie, „Robotnik": Da sich jetzt eine Annäherung zwischen Nationaldemokratie und Regierungslager vollzieht, soll daran erinnert werden, daß das Minderheitenproblem, und im eigentlichen die Beziehung des Staates zu den Juden in der letzten Zeit den einzigen prinzipiellen Unterschied' bildet, der noch das Regierungslager von der Nationaldemokratie trennt. Alle anderen Differenzen sind rein persönlicher Natur. Die Ideologien dieser beiden Fronten vermischen sich immer mehr, und wären nicht alte persönliche Rechnungen zu begleichen, die beiden Gegner würden sich sofort in die Arme fallen. Hat nicht das Regierungslager bereits etwas vollzogen, was man sogar der Nationaldemokratie nicht zugetraut hätte: Pakt mit Hitler? Opposition demokraten sind es die eine Brücke £ln fi>reicf&Ug)3$ $acLi*» Pelivcrbrämtc Ücb«rgangi-Mäntcl Englisch gemusterte oder Diagonalstoffe Utrr«n- Mod«. Ulsttr K.-Seide gef. Von der Judenstaatspartei Oesterreich Das Sekretariat teilt mit: Errichtung eines wirtschaftlichen Auskuuitsdienstes über Palästina. Im Sekretariat der Judenataatspartei wurde eine Wirtschaftsstelle errichtet, die Uber alle wirtschaftlichen Fragen Palästinas kostenlos Auskunft erteilt. Sprechstunden: jeden Montag und Mittwoch von 7 bis halb 9 Uhr abends und Sonntag von halb 11 bis halb 1 Uhr vormittags. Simchath-Thora-Feier der Judenst«atspart<>l. Dienstag den 2. Oktober, veranstaltet die Judenstaatspartei im Helm. I., Werdertorgasse 14. eine große Simchath- T h o r a-F e i e r, verbunden mit erstklassigen künstlerischem Programm. Anschließend Tanz. Kleiner Regiebeitrag. * Veranstaltungs- und Versammlungskalender Dienstag, 2. Oktober, halb 9 Uhr, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14. Große Simchath-Thora- Feier. Künstlerisch erstklassiges Programm. Anschließend Tanz. Mittwoch, 10. Oktober, halb 9 Uhr, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14. Versammlung: Palästina Hebräischkurse der Judenstaaftspartes Oesterreich! UNTERRICHTSBEGINN: 4. OKTOBER 1934 Kurse für Kinder (7 bis 14 Jahre-, Jugendliche (13 bis 17 Jahre) und Erwachsene (vom 18. Lebensjahr). Separate Kurse ftir Anfänger und Fortgeschrittene Kursleiter: Rctbb. Dr. Israel Zwi Kanner Auskünfte im Sekretariat der Judenslaatspartei, I, Werdertorg. 14 (Montag bis Donnerstag von 7 bis 9 Uhr, Sonntag von X/211 bis 12 Uhr) Allgemein zugänglich Niedriger Kursbeitrag (Kinderkurs gratis) und Judenstaatszioiilsmu s." Ein politischer Reisebericht, gehalten von Rabb. Dr. I. Z. Kanner. Donnerstag, ll. Oktober, halb 9 Uhr, Caf6 Neptun, XX., Gaußplatz 7. Versammlung: „J u d c n n o t undJudenstaa t." Redner: Frankel, Theodor Grubner. Mittwoch, 17. Oktober, halb 9 Uhr abends, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14. Versammlung. Redner: Oberbaurat Robert Stricker. Donnerstag, 18. Oktober, Gastwirtschaft Schuh, X., Pernerstorferstraße 23. Versammlung. Redner: Rabbiner Dr. I. Z. Kanner, Hans Kolb. KREUZ-KINO I. Wollzeile 17 - Tel. R-21-2-16 EIN STRÄFLING IST ENTSPRUNGEN m. Robert Montgomeiy u. Madge Evans. Vorstellungen: k, Va8, 1A10 Brsfh Hakanafan lieber Auftrag des Mefaked arzi Dr. I. Z. Kanner hat der organisatorische Leiter des Barak Viktor Rosenfeld neben seinen bisherigen Agenden das Sekretariöut und die Kassa sowie das Heimreferat und die Propaganda übernommen, so daß eine straffere und schnellere Leitung als bisher möglich sein wird. Die Einberufung der einzelnen Plugoth nach den ßommerferien hat bereits begonnen und es fanden auch schon die ersten Sichoth statt. — Alle Barkaim und Barkaoth werden auf die demnächst beginnenden Hebräisch-Kurse aufmerksam gemacht. Legitimistische jüdische Frontkämpfer im „Eisernen King" Die monatliche Hauptversammlung der Vereinigung findet am Mittwoch, den 3. Oktober 1934, präzise 8 Uhr abends, im Cafö Colonnaden, I., Rathausplatz 4, statt. Erscheinen sämtlicher Mitgliedor ist Pflicht! Palästina Reisende finden in Tel-Aviv, Adiadrllaant« Sir. 52/ im ITC Hotel ,TaIpioth das europäisch geführte Bequemlichkeiten Haus mit allen In ruhiger Lage in! 'Zentrum der Stadt gelegen. Gut und modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser. Großer schattiger Garten mit Liegestühlen Wiener Küche Aufmerksame Bedienung Damen-Spangen* Schuhe m. engl. Abs. 7.90 schwarz oder braun . S ' Herren-Halbschuhe 80 Sis/s//^. s////r~^''l^ «. schwarz od. braun, mitfl.1 1 /fyw §} JnäX^ngeb. Gummiabs.. S*» cmhmojm <!• TA BORSTRASSE 48_ JudenboykoMalclion in der Tsdiedioslowakef Aus Prag (J. T. A.): Zu der bereits gemeldeten Verhaftung des Teplitzer Rechtsanwalts Pr. Fritz Chwatal und des Lehrers Heller, bei denen antisemitische Flugblätter mit Judenboykottproklamationen beschlagnahm wurden, berichtet die tschechische Tageszeitung ,,Lidov6 Noviny", daß in der Korrespondenz Dr. Chwatals ein Teil eines Briefes vom 29. August gefunden wurde, der an das Propagandaministerium in Berlin gerichtet war und in dem der Schreiber das Propagandaministerium ersuchte, zu veranlassen, daß der Deutsche Rundfunk am 15. September die Auslandsdeutschen zum Judenboykott auffordern solle. Dr. Chwatal habe beim Verhör gestanden, daß er der Initiator der antijüdischen Aktion sei, die am 15. September in der Tschechoslowakei eröffnet werden sollte. Er habe in einer Geheimdruckerei in Chlumetz 5000 Flugzettel drucken lassen, für die er 500 tsch. K bezahlte. Diese sollten von vertrauenswürdigen Personen zur Verteilung gebracht werden. Auch Schulkinder sollten an dieser Aktion teilnehmen. Ein Palästina-Auswanderungskomitee in der Türkei gegründet Aus Istanbul (Konstantinopel): (J. T. A.) In diesen Tagen wurde in Istanbul ein jüdisches Komitee gegründet mit dem Ziel, die Auswanderung türkischer Juden nach Palästina zu erleichtern. Es ist dies das erste jüdisch-palästinensische Komitee in der Türkei, wo bekanntlich sonst zionistische Betätigung verboten ist. Die neue Organisation wird sich im wesentlichen der Aufgabe widmen, Juden aus Türkisch- Thrazien und den Dardanellen zu helfen, nach Palästina auszuwandern. Angesichts der dort vor kurzem stattgefundenen antijüdischen Ereignisse befinden sich die Juden in diesen Distrikten immer noch in einer sehr schwierigen politischen Lage und größter Not. Polen für jüdische Einwanderung In Palästina Aus Genf wird unter dem 22. September gemeldet: Der polnische Delegierte K u 1 s k y hat während, der Diskussion auf der politischen Debatte des Völkerbundrates betont, daß Polen, das eine große Zahl Juden besitzt, an der Frage des jüdischen Nationalheims in Palästina besonders interessiert sei. Weiters wies der Delegierte darauf hin, daß die Notwendigkeit, für die Juden Einwanderungsländer zu schaffen, fortbestehe. Ueberhaupt sei es notwendig, ein Land zu finden, wohin die zahlreiche jüdische Bevölkerung in Mittel- und Westeuropa ihren Ueberschuß schicken könnte. Solch ein Land sei Palästina. Laut dem Bericht der Mandatarmacht, fuhr Kulsky fort, sind in Palästina dank der Entwicklung der jüdischen Kolonisation günstige wirtschaftliche Bedingungen vorhanden. In Palästina fehlen Infolge der ungenügenden Anzahl von Zertifikaten Arbeltshände. Es ist zu hoffen, daß England als Mandatarmacht die jüdische Kolonisation in Palästina erleichtern werde. Drei jüdische Steuerbeamte zum Tode verurteilt 1 Aus Moskau: (J. T. A.) Der Leiter des Steueramtes in der fast rclnjüdisehen Stadt Berditschew, M. Rabinowitsch, und seine beiden Assistenten Chatzkel Bandercnko und Nachum S k u 1 s k i wurden zum Tode verurteilt, weil sie ungesetzlich bei den jüdischen Einwohnern Geld und Schmuck konfiszierten und die beschlagnahmten Werte sich aneigneten. Mehrere Berditschewcr Juden, die ihr Einkommen angeblich zu niedrig ansetzten, um sich um die Steuern zu drücken, wurden in Konzentrationslager gebracht. GTTST ■rJnli IMM»»MM»MMMMtMMMOMMMMM»MMMtMMMM; 'SIEGM. KORNMEHL QROSSFLEISCHHAU1REI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Ü Lieferant für Heilanstalten ^^2£liS^£2Lll2LM2^£!£^c>l unter Aufsicht des Ehrwllrdigen Rabbinate der Isr. Kultusgemeinde Wien Aut«iii«t«lluitg kotUnloi Ix., Berggasse 15